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fliuetgen nimmt entgegen: »<e Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in »offel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S* lein & Vogler in rta. M, Berlin, Leip- In re; Rudolf Moffe so Berlin, Frankfurt a. M. re.

JRorßucg, Freitag, 7. Juli 1876.

xi. Zahrgmg.

ObnhtUcht Jfitiiiut

Anzeigen nimmt entgegen: die E^redition d. Blattes sowie bte Annoneen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M. - ISger'sche Buchhandlung in Frankfutt a. M.; Jnvalideudank, A- Rete» meyer in Berlin; Carl Schlltz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „AklustrirteS SourrtaaSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (eil. Bestellgebühr). — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Tage-bericht

Der „ReichS-Anz." erklärt die auslänbifchen Blätter entstammende Nachricht: der beutfche General Consul Gras Bray in Belgrad sei bei dem Abschiede deS Fürsten Milan erschiene», um demselben eine siegreiche Rückkehr zu roün scheu, für unrichtig. Graf Bray habe sich in Mitte einer zahlreichen Zuschauermenge am Donau User befunden, um der Einschiffung deS Fürsten Milan zuzusehen, und bei dieser Gelegenheit kein Wort mit bem Fürsten Milan gewechselt.

Die heute vorliegenben neuesten Nachrichten vom Kriegs­schauplätze sind nur Ergänzungen ber gestrigen unb bringen im Ganzen nichts Neues. Die gestrige Meldung von türkischer Seite, daß die ottomanischen Truppen in Serbien eingerückt seien, wird heute von Belgrad aus mit dem Hinzufügen bestätigt, daß Saitschar (Zaicar) eingeschlossen sei unb die schwache Besatzung sich in der Defensive halte. Saitschar liegt etwa acht Meilen von Nisch in direkt nörd- licher Linie entfernt. Die serbischen Truppen unter Tscher- najeff sind nach Belgrader Depeschen im Gegentheil ost­wärts vorgerückt und haben südlich an der großen Straße nach Sofia in Bulgarien den kleinen Ort Akpalanka besetzt. Er scheint demnach, daß sich die beiden feindlichen Armeen an-gewichen sind oder umgangen haben, denn sonst wäre eS unmöglich, daß die beiderseitigen Streitkräfte in so kurzer Frist so tief (denn Akpalanka ist ebenfalls etwa 8 Meilen von Alekinatz dem Ausgangspunkte der Serben entfernt) in feindliches Gebiet eindringen konnten. Eine andere ser­bische Armeeabtheilung unter Ranko Alimpitsch hat die nordwestliche Grenze deS Fürstenthums überschritten, an» scheinlich um mit den Herzegowiner und BoSner Insur­genten gemeinschaftlich zu operiren und den in der Nord­ostecke Bosnien« zwischen Donau und Drina liegenden besesttgten Ort Belina angegriffen. Wie e« scheint, hat man sich mit einer Einschließung begnügen müffen. Die Bewegung der montenegrinischen Streitkräfte beschränkt sich auf einen Angriff gegen Podgoritza. Diese in den letzten Jahren vielgenannte Stadt liegt etwa 3</2 deutsche Meilen in grader Linie ostwärts von Cettinje unb bietet, da sie von zwei Seiten vom montenegrinischen Gebiete umschloffen wird, den nächsten Angriffspunkt. Eben deßhalb ist der Ort in den letzten Jahren von den Türken befestigt und mit Schanzen umgeben worden.

Die Unabhängigkeit Serbiens in ihrer heutigen Gestalt ist noch eine sehr junge und ihre Anfänge datiren aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Kara Georgewitsch er­zwang die theilweise Selbständigkeit des Landes, sie wurde tndeß von der Pforte erst unter der Herrschaft von Mtlosch

Eine Badereise.

Humoreske von A. Ä.

(Fortsetzung.)

Wie e« am frühen Morgen in den meisten Wohnungen zu gehen pflegt, so ging es auch in der M.'schen. Frau M. und ihr Dienstmäbchen waren beschäftigt, Staub und Schmutz aus den Stuben zu entfernen, alle Fenster waren geöffnet, eine Tischdecke stäubt« Frau M. zum Fenster hinaus und warf mehr zufällig als absichtlich einen Blick in bte Querstraße, die zur Hauptstraße des Städtchens führte, sie traute ihren Augen nicht, denn auf der letzteren schien eS ihr, als sei ihr Mann vorübergehuscht, ein Er- eigniß, daS seit Jahren zu dieser Tageszeit nicht Borgt* kommen war. Sie eilte deshalb in das vordere Zimmer, wo nach einer kleinen Schwenkung ihr Gatte um die Ecke vorbei kommen mußte, vorausgesetzt, daß er eS wirklich gewesen fei.

Frau M. hatte sich nicht geirrt, mit wahrem Dupllr- schritt nahte sich ihr Mann der Wohnung. Die Gattin Ä e ihm auf der Treppe entgegen, denn, wie gesagt, das war eigentlich noch gar nicht vorgekommen, um 8 Uhr von zu HauS wegzugehen und um halb 9 Uhr schon wieder »ach HauS zu kommen, daS geschah sonst präciS 12 Uhr. Es mußte also etwa« ganz besonderes vorgekommen sein, dar eine solch' bedeutende Veränderung in die tagtägliche Regelmäßigkeit brachte.

Herr M. nahte der Gattin und sprach kein Wort, euch st« verschluckte den bereits angefangenen Satz: „Was soll daS —", da ihr derselbe sofort den uns wohlbekannten Brief mit Couvert Überreichte.

ES lag ja nichts näher, als daß Frau M. eine plötz­liche Versetzung, Gott weiß, an welch' entlegenen Ort ver- vuthete — doch nahmen vor einer Viertelstunde die Ge- stchtszüge de« Mannes eine bedeutende Verlängerung vor,

Obrenowitsch anerkannt. Rach diesem haben zwei Söhne beffelbcn Milan und Michel hintereinander regiert. Im Jahre 1868 wurde ber letztere zu Belgrab ermorbet und sein Neffe der jetzt regierende Fürst Milan bestieg den Thron. Die Zeit feiner Regierung verlief jedoch nicht ohne mancherlei Zusammenstöße mit der Türkei; den be­stehenden Verträgen gemäß hielt die Türkei verschiedene serbische Plätze besetzt und die hoch über das Land ragenden türkischen Fahnen regten daS serbische Blut auf und riefen mancherlei Konflikte hervor. Im Jahre 1862 z. B. ließ die Pforte von der Citadelle aus die Stadt Belgrad bom- bardiren. Eine im nächsten Jahre zu Konstantinopel ab- gehallene Konferenz der Mächte entschied indeß, daß die türkischen Truppen sämmtliche serbischen Plätze mit Aus­nahme von Belgrad und Semendria verlassen sollten. In Folge eines neuen Konflikts mußte sich die hohe Pforte indeß bequemen, 1867 auch diese beiden letzten Punkte aufzugeben. Seitdem war Serbien nur noch durch Zahlung eines geringen jährlichen Tributs mit dem ottomanischen Reiche verbunden und demselben durch den leeren Suzeräni» tätstitel unterworfen.

Die von rumänischen unb französischen Blättern ge­brachte Nachricht, baß die rumänische Armee mobil gemacht und ein Observationskorps von 50,000 Mann an der Donau ausgestellt werden solle, wird jetzt von der rumä­nischen Regierung auf das Entschiedenste dementirt und versichert, daß sie nach wie vor die Neutralität auf das Strengste aufrecht erhalten werde. DaS ganze von dem Bukarester Kabinet mobil gemachte Observationskorps be­steht auö 2000 Mann und ist nicht an der türkischen Grenze, sondern gegenüber dem serbischen Ufer bei dem Städtchen Gruja ausgestellt.

Vom serbisch-türkischen Kriegsschauplatz find fol­gende telegraphiphischen Nachrichten eingegangen:

Cettinje, 5. Juli. Der Fürst von Montenegro hat den Befehl gegeben, Medun zu beschießen und zu stürmen; Medun ist ein bedeutender befestigter Punkt auf einem Hügel unweit Podgoritza.

Belgrad, 5. Juli. (Amtliche Meldung.) General Tschernajeff hat, gegen Pirot vorrückend, Ak-Palanka eingenommen. Bei dem Angriff aus Zajcar sind die Türken zurückzeschagen worden; die serbischen Truppen verhalten sich hier defensiv. Ranko Alimpics hat die äußeren Schanzen von Beljina erobert. Allenthalben ist bis jetzt der Vortheil auf Seite der Serben.

Belgrad, 5. Juli. Amtlich wird gemeldet: Von einem Angriffe der Serben auf Risch, wovon türkische Bulletins melden, ist hier absolut Nicht« bekannt. Der einzige Angriff der Serben in dieser Richtung war auf

so waren es jetzt die der Frau, die mehr als doppelt lang wurden.

„Aber Mann!" rief sie endlich, „kann denn das wahr sein?"

„Siehe deshalb geschwind nach Nummer und Serie unseres Looses, daß wir aus dem Traum kommen, und schicke geschwind aus die Post und lasse die Kaffeler Zeitung holen, da muß eS ja heute Morgen drin stehen, vorher sage aber Niemanden etwas, denn es könnte am Ende doch ein Jrrthum sein, auch der Kathrine sage nicht«. Und nun eile, eile und sehe nach."

Wie es nun in solchen aufgeregten Augenblicken her­geht, hat man allezeit das im Griff, wa« man nicht will, aber das was man will, gerade nicht. So zog nun Fra» M. die oberste Kommodenschublade auf, während ihr Mann sich mit einem Gesichte als schwebe deS bekannten Damokles Schwert Über ihm auf dem gegenüberstehenden Sopha Platz genommen hatte, einige Griffe rechts in di« Schublade und wieder einige links, bann mit der Hand über die Stirn fahrend, meinte Fran M. „eS muß doch hier liegen!" Der Gatte, ebenwohl jetzt unruhig werdend, behauptete aber, „es liegt ja in der unteren!" im Nu war auch die aufgezogen, und zwar gleich die unterste. „Aber Frau," sagte M. bittend, „die meine ich ja nicht, in der mittleren liegt eS, ich habe es ja vorgestern erst hinein gelegt." Auch diese ward jetzt aufgezogen, und da nun alle drei Schub­laden der Kommode aufgezogen waren, sprang M. persön- lich noch hinzu, um die obere erst wieder einzuschieben, um dann daS Loos mit einem kühnen Griff zu erfassen.

„Hätte Dich doch für besonnener gehalten, liebe Fran," bemerkte M., „Du scheinst mir noch viel mehr den Kopf verloren zu haben, wie ich, nun setze Dich erst, nimm das LooS und gib mir den Brief, ich werde lesen, und Du liest nach ob'« stimmt."

Babina Glawa gerichtet und ist vollständig gelungen, indem das verschanzte türkische Lager mit seinem ganzen Inhalte in die Hände der Serben fiel. Als eine weitere Folge dieses Sieges ist die Wegnahme von Ak Palanka anzusehen. Bei Zaikar griffen die Türken am Montag den Obersten Leschjanin an, überschritten den Timok bei Veliki - Jzwor, um Zaikar anzugreifen, wurden aber vollständig zurückge- worsen. Gestern erneuerten die Kurten den Angriff bei Veliki-Jzwor, das sie mit Projektilen auzündeten, und bei dem Dorfe Vrazogruci. Der heutige Kampf dauerte den ganzen Tag. Diesmal scheiterten alle Anstrengungen der Türken, über den Timok zu gelangen, während im Laufe des Gefechtes die Serben bei BaciSnik auf türkisches Gebiet eindrangen. Die serbische Artillerie zeigte flch der türkischen überlegen und brachte dem Feinde schwere Verluste bei. In Bosnien bemächtigte sich der General Alimpics der befestigten Stellungen deS Feindes vor Beljina und nahm den Türken Gefangene, Fahnen, Gewehre, Pferde unb viel Schlachtvieh ab. Die Türken zogen sich nach Beljina zurück, welches in Brand gerieth und von den Serben cernirt wird.

Wien, 5. Juli. Nachrichten aus Mitrovitz (Militär­grenze) zufolge helfen die katholischen Einwohner Bosniens den Türken die Drina Armee des Ranko Alimpicz bekämpfen. DaS Gefecht bet Podgorikza, in welchem die Türken gesiegt haben wollen, war laut Consularbericht unbedeutend. In Bukarest ist eine türkische offizielle Erklärung auzelangt, wonach die Donauflottille nicht zur Verwendung kommen werde. Fürst Korsakow, der Gouverneur von Kiew, und Szebeka, der Gouverneur von Beffarabien find in Wien eingetroffen. — In der Militärgrenze find königliche Commisfare, denen Militärkommandanten beigegeben sind, an die Spitze der Civilverwaltung getreten. — Aus Alexinatz wird gemeldet: Generel Tschernajeff hat einen zweiten glücklichen Angriff gegen die türkischen Verschanzungen bei Risch zur Ausführung gebracht. Saitschar (wo die Türken die Serben in die Flucht geschlagen haben sollen) erhält Unterstützung.

r. Petersburg, 4. Juli. Telegramme der russischen Zeitungen melden, daß der Aufmarsch der Montenegriner vollendet ist. Risch wird von dem Corps des General Tschernajew bombarbirt; bie E, Hebung ber Bulgaren schließt Wibdln vollkommen ein. Vorläufig haben nur türkische Telegramme bie Nachricht vom Zusammenstoß türkischer Truppen mit ben Serben bei Wibbin unb großem Verlust bet letzteren gebracht. Wir erhalten soeben au« ganz zu­verlässiger Quelle bie Nachricht, baß bie Türken in Philip- popoliS 2 Priester in ihrem AmtSornat aufgehängt haben.

Als nun geschehen sollte, wie angeordnet war, da, da fehlte wieder der Brief, —- doch er war nicht mehr nöthig, denn herein stürzte bie Kathrine unb schrie: „Ein schön Compllment von bem Herrn Posthalter unb et käme selber mit ber Kaffeler Zeitung unb den vierzigtausend Thalet, eS hätte Alles feine Richtigkeit und eS stände drin." Hastig die Treppe hetaufstolpernd hörte man auch schon den Post- Halter mit lautem Huttah sich der Stube nahen und ein« treten, bem Fteunbe unb ber Frennbln um ben Hals fallenb unb einmal über das anberemal auSrufenb: „Aber dieses Glück, dieses ungewaschene Glück!" Endlich wurde nun doch M. wieder ruhig und gefaßt sagte er: „Post­halter, hast Du die Zeitung?" „Ja!" „Dann heraus mit ihr! lies Nummer und die Serie!" und nun hatte auch Frau Ti. ben Brief in der Hand, den sie vorhin nicht finden konnte und in dreistimmigem Chore erschallte es: „ES stimmt! es stimmt!"

Da griff denn allgemein eine ruhigere Freude wieder Platz, vergnügt saßen alle Drei bei einer Flasche Rothen vereint, doch kaum war das erste Glas geleert, als bie Stube sich mehr und mehr mit Glückwünschenden füllte, denn die Nachricht hatte nunmehr das Städtchen wie ein Lauffeuer durchflogen.

Von den verschiedenen Plänen über die nächste Zukunft, die bald von diesem, bald von jenem Freunde laut wurden, fand heute noch keiner die Zustimmung der Glücklichen.

«Fortsetzung folgt.)

Wortlaut der serbische« KriegS-Prselamatis«.

(Schluß.)

Aber wa» glaubt Ihr, welche Aufnahme fand dieser neue Beweis meiner Versöhnlichkeit bei der hohen Pforte? Während bie Pforte mein persönliches Anerbieten mit