Alarkurg, Donnerstag, 6. Juli 1876.
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würde der Vatikan gern alle Christen der Balkanhalbinsel I„Turquie' dem OSmanenthum opfern. »türkischen
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Eine Badereise.
Humoreske von A. R.
ein neues Vierzig-Thaler-Loos demnächst wieder er- ?ktben zu mufft«, fortwährend vor Augen stand; hatte er 5 doch nun einmal in Kopf gesetzt, Besitzer eines Vierzig - Haler-Looses zu sein.
.Eine ganz kurze Spanne Zeit war wiederum verwichen, als eines schönen Morgens sich Freund M. auf
die Flucht gejagt. Sie verloren 2000 Mann. Der Verlust der Türken ist verhältnißmäßig gering. — Der diplomatische Agent Serbiens wird am 6. Juli Konstantinopel verlassen. Auch die Montenegriner verlassen Konstantinopel.
Ferner wird noch telegraphisch gemeldet:
Breslau, 4. Juli Der „Schief. Ztg." wird tele- graphirt, daß bei Supowatz seit gestern früh 4 Uhr gekämpft wird. Die Truppen Tscharnajeffs nahmen drei türkische Werke. Bon 2 Uhr Nachmittag« an wurde Nisch beschossen. Die türkischen Ponton» über die Nischawa wurden genommen.
R agusa, 4. Juli. Die Montenegrinische Hauptkolonne ergriff von dem Morjenicer (?) Gebiet aus die Offensive.
Metkowich, 3. Juli. Sämmtliche Muselmanen ergreifen die Waffen. Der Gouverneur der Herzegowina Mukhtar Pascha ist nach Bosnien abgereist, um dort den Serben entgegenzutreten; elf Bataillone sind an die serbische Grenze (die Wcstgreilze an der Drina) abgegangen. Im Hafen von Klek sind neue türkische Truppen angelangt.
Odessa, 3. Juli. In den russischen Häfen herrscht eine außerordentliche Thäligkeit. In Nikolajeff werden Monitors und Panzerkorvetten vollständig ausgerüstet.
Konstantinopel, 3. Juli. Der Sultan hat ein Kriegsmanisest an seine Völker erlaffen.
Konstantinopel, 3. Juli. Große Aufregung herrscht hier, da neuerdings 250 Sofia« gewaltsam sortge- schoffl worden sind. Man erwartet eine neue Bewegung.
In Folge der Vorstellungen und Beschwerden, welche der Papst wegen angeblicher Ermordung von Katholiken in Podlachien in St. Petersburg erhoben hat, sind die Verhandlungen über die Lage der katholischen Kirche in Polen, die schon so lange Zeit zwischen dem päpstlichen Stuhle und der russischen Regierung schweben, wiederum auj'S Unbestimmte hinaus verschoben worden.
Auf der ganzen Linie der serbisch-türkischen und Monte negrinisch-türkischen Grenze ist der Krieg thatsächlich entbrannt. Die Serben sowohl als die Montenegriner haben zu gleicher Zeit die Offensive ergriffen. Wie immer lauten die Nachrichten über die ersten Treffen je nach der Quelle, aus welcher sie stammen, sehr verschieden. Wiener Blättern zufolge haben türkische Truppen einige serbische Schanzen gegenüber Widdin eingenommen und die Serben geschlagen. Diese Nachricht erscheint aber dadurch schon verdächtig, daß der Verlust der Serben auf 2000 Mann angegeben wird. Von serbischer Seite wird dagegen berichtet, daß General Tscheruajeff das türkische Lager bei Babina Glaca besetzt habe und die Festung Nisch beschieße. (S. die beiden nachstehenden Telegramme au« Belgrad und Konstantinopel.) Da der General vorher die in dem Lager von Nisch befindlichen türkischen Streitkräfte in der Zahl von 30 bis 40,000 geschlagen haben müßte, so kann auch diese Mit- theilung nur mit Mißtrauen ausgenommen werden. Allen glaubwürdigen Nachrichten zufolge, hat bisher noch kein Zusammenstoß größerer Truppenmaffen stattgefunden. Thatsache ist nur daS Eine, daß die Pforte ihre Donauflotte unter ihrem tüchtigsten Admiral Hobart Pascha gegen vaS serbische Gebiet in Bewegung gesetzt hat. Entweder ist also die Nachricht von einem Einsprüche mehrerer Mächte nicht wahr oder die Tüket hat sich daran nicht gekehrt. Jedenfalls ist damit gegen Serbien^ ein Streich geführt, welcher einer Niederlage gleichkömmt.
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Wortlaut der serbischen Kriegs-Preelamatia».
„An mein theuereS VolkI
Ein Jahr ist es bereits, seit unsere Brüder in Bosnien und der Herzegowina zu den Waffen gegriffen haben, um sich gegen zügellose Willkür und Gewaltthaten zu verlhei- digen.
_ Ihre Leiden fanden stets einen Widerhall in unseren brüderlichen Herzen und als im Vorjahre ihre Klage auf» Neue sich erhob, erklärte ich unserer Volks - Skuplschina, daß ich selbst in den Grenzen unserer schwachen Kräfte dahin wirken werde, einen erfolgreichen Modus ausfindig zu machen, welcher die endliche Beruhigung der insurgirteu Gegenden, deren Schicksal uns nicht gleichgiltig sein kann, bewirken könnte. Ich sagte damals, daß Serbien als unmittelbarer Nachbar jener Provinzen mehr al« irgend Jemand durch die periodisch wiederkehrenden Aufstände in moralischer und ökonomischer Beziehung in Mitleidenschaft gezogen werden muffe, weswegen es in unserem Jnterrffe liegt, daß einem solchen Zustande der Dinge ein für olle Mat ein Gi.be gemacht werden solle.
Da aber zu gleicher Zeit die hohe Pforte im Ein-
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS LonntaaSblatt" durch die Srvedition (Ro<b’f Buchdrucker«» bezogen 2>, Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr) - AlsertionSgebühr str di- gespalten- ffl10 Bf«* * . Iur in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. -
Tagesbericht
Gegenüber der in der „Post" aufgestellten Behauptung, Prvscffor CurtiuS habe ohne Vorwiffen des General Di- rectorS der Museen eine Sammlung von Alterthümern in Italien angekauft, erklärt die General-Verwaltung der königlichen Museen im amtlichen Theile des „Reichs-An zeigerS", daß diese gegen Professor Curtius erhobene Anschuldigung eigenmächtigen Ankaufs unbegründet sei; vielmehr habe derjenige Ankauf, um den eS sich anscheinend handele, unter Mitwirkung aller statutenmäßigen Instanzen, namentlich der als Beirath der General-Verwaltung fungi renden technischen Commission, stattgefunden. — Der „Staatsanz." publicirt daS Gesitz betr. die Verlegung des Etatsjahres und die Feststellung des Staatshaushalts Etats für da» Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 1877.
Der Kultusminister Dr. Falk hat verfügt, daß der Unterricht in den weiblichen Handarbeiten unter allen Umständen obligatorisch sein soll und eine Außerkraftsetzung dieser Bestimmung, wo die Verhältniffe eS irgend gestatten, grundsätzlich nicht stattfinden darf. Die BezirkSregierungen bringen den ministeriellen Bescheid mit dem Hinzufügen zur Kenntniß, daß die AmtSvorsteher und Ortöschulzen mit allem Nachdruck auf die Verständigung der Gemeinden Über die Nolhwendigkeit und Zweckmäßigkeit des bezüglich Unterrichtszweiges hinzuwirken, sowie daß die Regie- tung im Falle des fortgesetzten Widerstandes gegen denselben die Lokal Schulinjpcrtoren beauftragt hat, geeignete Persönlichkeiten und deren Remuneration den KreiSschul- üspektoren vorzuschlagen, damit nöthigenfallS im Wege der Exkution der allgemeinen Anordnung Geltung verschafft wird.
Bon unterrichteter Seite wird die Versetzung de» türkischen Botschafter» Edhem Pascha» in Berlin nach Petersburg und die Rückberufung Aristarchi'S aus den berliner türkischen Botschasterposten gemeldet.
Au» dem Vatikan sind, wie wir erfahren, Weisungen nach den Donaufürstenthümern abgegangen, wonach die römisch-katholischen Christen die slavtsche Bewegung gegen die Muharnedaner nicht unterstützen sollen, weil sie nur zu dunsten de» schiSrnatischen Rußland ausfallen würde. Die Lurie gibt sich nämlich der Hoffnung hin, mit der neuen türkischen Regierung eine Vereinbarung dahin zu erzielen, daß der vom Sulan Abdul Aziz vertriebene insallibilistische
Ja so stand e« auf dem Papier und war auch gar nicht« anderes daraus zu lesen, es mochte so viel gelesen werden, wie eS wollte, es stand ebenso dal
Endlich öffneten sich M.'S Lippen und zu seinem Collegen gewandt, sagte er: „Arbeiten kann ich heute nicht, ich muß schleunig nach Hause."
Schon das Wort schleunig kam dem Collegen befremdend vor und er konnte die Frage nicht unterdrücken: „Ist Ihnen etwas paffirt?" „freilich, freilich I" war die kurze Antwort und rasch war er zur Thürr draußen, ehe eigentlich der College auch nur annähernd ein Verständniß von dem hatte, was vorgefallen sein konnte.
lFortsrhung folgt.)
Deutsches Rei#.
•• Berlin, 4. Juli. Die Zeitungen haben bat Jahrestag der gestern dahinter liegenden Schlacht von Königgrätz nicht unbeachtet gelaffen. Es scheint dieses aber trotz der gewiß guten Absicht der Blätter als ein durchaus unzeitgemäßes Aufrühren alter Dinge, die zumal durch die Jahre 1870 und 1871 in den Hintergrund getreten sind, zumal die Verhältniffe in der großen Politik jede Reflexion Über da« siegende Deutschland verbieten. Der Hauptgrund aber, weßhalb der Tag von Königgrätz nicht im öffentlichen Leben hervorgehvben werden sollte, ist der, daß Preußen'» König als Kaiser der Deutschen im Dreikaiserbündniß zu Oesterreich lebhafte Freundes- und Friedens-Sympathien hatte. Wenn nicht die serbisch-türkischen Verwickelungen
DaS vor Kurzem von mir gekaufte 40 Thaler LooS, Serie... Nr. ... ist bei der gestrigen Prämien- Ziehung mit dem Gewinne von Thlr. 40,000 heraus- gekommen. Sie können mit einem kleinen Zinscnverluft alsbald den Betrag vom Hause Rothschild in Frankfurt erheben. Ich gratulire herzlich und bleibe ihr ganz ergebener F, B.
aus Widdin meldet: Die Serben griffen die türkischen Truppen an. Nach lebhaftem Kampfe wurden die Serben zurückgeworfen. Die Türken drangen am 2. Juli Abends in Serbien ein und rückten siegreich bis Zajecar (Zaicar, Saitschar) vor, indem sie alle umliegenden Positionen der Serben besetzten. Die Serben wurden in
seinem Bureau befand, die lange Pfeife zurecht gemacht und auch einen langen Fidibus schon angezündet hatte, um demnächst die blauen Wolken seines „Leichten Portoriko Nr. II von Stephan Niederehe u. Sohn in Marburg", den er aus alter Gewohnheit in größeren Quantitäten zu beziehen pfl'gte, in die Luft zu blasen; gerade nun in diesem Augenblicke trat der Briefträger bei ihm ein, um ihm einen „per express zu bestellenden Brief" zu überreichen; der Mann der Post hatte eS sehr eilig und Freund M. konnte seinen brennenden Fidibus nicht einmal zum Anzünden der Pfeife benutzen, sondern mußte ihn bei Seite legen und dem Drängen des Briefträger- nachgeben, und erst den Schein unterschreiben. Der Brief kam ihm äußerlich wohl bekannt vor, denn er hatte von dem Absender dann und wann einige Kisten Cigarren bezogen, daß ihm derselbe aber jetzt mit einem recommandirlen und per express zu bestellenden Blies auf den Hals rückte, das war ihm doch mehr als auffallend — schuldig war er dem Manne nichts, das wußte er genau, und was sollte überhaupt daS Eilige zu bedeuten haben? Es wurde deßhalb erst die Pfeife der alten Gewohnheit gemäß in Brand gebracht, dann der Brief noch einmal von Außen betrachtet und endlich geöffnet. Wer aber malt jetzt die verlängerten Gestchtszüge, die immer und immer von Neuem den Inhalt deS Brieses in sich aufzunehmen schienen. War eS Wahrheit oder Täuschung? Doch es stand im Briefe ttwa folgende« zu lesen:
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Wer meinen Freund M. kennt, weiß, daß er ein ruhiger «b behäbiger Mann ist, den so leicht nichts in Aufregung bringt, e« fei denn das Wort „Reifen". Wer nun Frau M. kennt, weiß wiederum, daß ste zwar Alles thut, was sie, wie man zu sagen pflegt, ihrem Manne an den Augen Ziehen kann, aber sonst da« schnurstracke Gegentheil ihrer stärkeren Ehehälfte ist, trotzdem ist e« ein ganz glückliches Paar. Da nun in der Welt einmal nichts vollkommen
O, ist auch da« eheliche Glück meine« Freunde« M. ein «cht vollkommene«, es fehlt demselben sowohl ein männ- Up iich-r als ein weiblicher Sprößling; dafür hat denn aber kßerti. 8* Fortuna ihr Füllhorn mit irdischen Glücksgütern um so --reichlicher ihm zugewandt. Freund M. war früher Beamter in nthosa tietr hessischen Kreisstadt und als die karhesstschen Vierzig- I“ ver- Haler Loose im Anfang der fünfziger Jahre einen recht [1679 Ntbrigen CvurS hatten, konnte er dem Gefühle ein solches ebt eint iu besitzen nicht wieder flehen, er hatte auch gerade 3 Ra* "^tige Serie und die richtige Nummer gekauft, ein
»en pec da« man bei dergleichen Ankäufe immer im Auge T156Ö ’1S,n "uß, denn schon bei der nächsten S-rienzi-hung stand 1__eater den gezogenen Serien auch das kaum erworbene LooS
einen Nne« Freundes M. Es war ihm eigentlich nicht recht, 11 meinte nämlich, der Besitz seines LooseS sei doch ein . Br zu kurzer gewesen, aber die Gattin war hier wieder [1680 Oberer Meinung, sie träumte bereit« von dem sicheren 7—* Üwßen Gewinn und beruhigte damit den Galten einiger- * *6|en, wenn auch nicht vollständig, da ihm tie Mühe,
Anzeigen nixtmt entgegen: bie Expedition d. Blatte«, sowie di- Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in «affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Saasenst-in & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip- ,ia Cöln rc; Rudolf Moffe w Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die «ichedttion d. Blatte« sowie dl- Annoncen-Bur-aux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. Ri.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- ▲ menet in Berlin; Earl Echüß- ▼ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Die neuesten Nachrichten vom frr bisch -türkisch en Kriegsschauplätze bringen folgende Telegramme:
Belgrad, 3. Juli. (Ayttlich.) An der Südost- Grenze haben mehrere ernste Gefechte stattgefunden; nach dreistündigem Kampfe erstürmte General Tsch-rnajeff da« von mehreren türkischen Bataillonen vertheidigte befestigte Lager bei Babina. Glawa; die Türken wurden in die Flucht ... geschlagen und Valoren Pferde und Gepäck. Ranko Alirn- armenische Metropolit Haffun wieder in seine alten Rechte Ipics kämpft hestte vor Beilina.
nnges.tzt wird. Um diese« heißersehnte Ziel zu erreichens Konstantinopel, 4. Juli. Eine Depesche der