Marburg, Dienstag, 4. Juli 1876.
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stantinopeler Regierung befindet, und in Ermangelung! einer starken Hand, welche die entfcfielten Leidenschaften«
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erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jlluftrirtes Eonntaaüdlatt" durch die Expedition (Ko ch'sLe Buchdruckere,) bezogen % Mark, durch bte Postämter deS Deutschen R-ich-S 2 Mark 50 Pfg. l-xl. Bestellgebühr). - JnfertionSgLühr für die oS«t Me 10 «f*
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet. 8 *
Ragusa, 1. Juli. Die Insurgenten wollen in dem Hafen von Kiek Torpedos legen.
Petersburg, 30 Juni. Herr Zorab, dem Con- sulat in Titlis attachtrt, war zum Befuch seiner Tante, Frau Sandison, der Mutter des DragomanS der englischen Gesandtschaft nach Constantinvpel gekommen. Dieselbe besitzt große Güter am Hafen von Brusia nicht weit von Konstantinopel. Dort war Herr Zorab mit seinem Freunde Herrn Vital auf der Jagd als letzterer plötzlich durch 2 Kugeln getödtet wurde die ihm durch den Kopf gingen und die von 2 Muselmännern aus dem Hinterhalt abgefeuert waren. Herr Zorab stürzte fort um Hülfe zu holen, traf in Lrussa den französischen Consul und andere Personen und gemeinschaftlich riefen sie die Polizei zur Unterstützung herbei. Diese verhaftete und kerkerte Herrn Zorab trotz seiner Eigenschaft als Fremder und seines offiziellen Charakters ein. Der englische Consul von Brusia, von Frau Sandisson darum angegangen, verweigerte sich in diese Angelegenheit zu mischen und wendete sie sich an ihren Sohn, den Dragoman der englischen Gesandtschast in Konstantinopel und fragte dieser in allgemeiner Weise seine College» von den fremden Gesandtschaften, was die englische Gesandtschaft thun könne, um die in Rede stehende Verhaftung zu mildern. Daß Herr Zorab nur 24 Stunden verhaftet war, ist unrichtig, er blieb 8 Tage im Gefängniß und wäre noch darin, wenn nicht die Banditen durch Zufall und weil sie sich ihrer Schandtthat rühmten, verhaftet
der Grenze eintreffen, zu welchem Zweck ein mehrfacher Pferdewechsel vorbereitet ist. In Alexinatz, bei welchem Orte die serbische und die türkische Vorhut einander bereits in Gesichtsweite nahe gerückt sind, wird die Armee besichtigt und darauf das fürstliche Hauptquartier nach Tiuprija verlegt werden."
Nachstehend geben wir eine Zusammenstellug der neuesten serbisch.türkischen Nachrichten:
Pera, 30. Juni. Der serbische Vertreter bei der Pforte, Magazinovich, hat gestern (Donnerstag) das Ultimatum Serbiens in Form eines Briefes des Fürsten Milan überreicht. Es verlangt die Uebertragung der Verwaltung Bosniens und Altserbiens. Die Pforte wies das Ultimatum zurück.
Belgrad, 30. Juni. Heute ist die Kriegsproklama- Hott erschienen; in derselben erklärt der Fürst, daS frühere Großserbien wieder herstellen zu wollen.
Cettinje, 1. Juli. Die Telegramme über Truppen- Bewegungen sind verboten worden. Der russische General- Consul in Ragusa, Ionin, nimmt seinen Aufenthalt in Cettinje.
bändigen könnte, zu den schrecklichsten Katastcophen führen muß."
Anzeigen nimmt entgegen: ttr Expedition b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Eo. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Eöln rc; Rudolf Mossr m Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Zwischen Serbien und Montenegro ist, wie französischen Blättern auf telegraphischem Wege mitgetheilt wird, ein Schutz- und Trutzbündniß abgcschlosien worden, welches nachstehende Hauptsätze enihalten soll: Die beiden Fürsten- thümer verpflichten sich nicht getrennt zu handeln, die Aufgabe die sie sich stellen ist die Lostrennung der angrenzen- den Provinzen des türkischen Reiches. Mit der Pforte darf nicht eher Frieden geschloffen werden, als bis dieser Zweck vollständig erreicht ist. Der Anfang der Feindseligkeiten von beiden Seiten gegen die Pforte ist fpätcstenS auf das Ende der ersten Juliwoche festgesetzt. Sollten FtiedenSvorschläge gemacht werden, so darf keiner der beiden Staaten darauf eingehcn, wenn nicht der andere Staat miteingeschloffen ist. Außerdem wird der Krieg bis aufs Aeußerste fortgeführt.
Am 28. Juni ist, wie uns mitgetheilt wird, das Ultimatum Serbiens an die Pforte nach Konstantinopel abgegangen. In demselben verlangt Fürst Milan die Entfernung der türkischen Truppen bei Risch von der serbischen Grenze, die Rückgabe der Drina-Jnseln und die definitive Aufhebung deö bisher an die Pforte gezahlten jährlichen Tributs. Das Ultimatum gewährt der Pforte eine Frist von 10 Tagen zur Antwort.
Ueber die Abreise des Fürsten Milan geht den „H. N." folgendes Telegramm aus Belgrad, 29. Juni zu: „Der Fürst verließ heute Morgen 5 Uhr Belgrad. Vorher cclebrirte der Metropolit die Mesie, welcher der Fürst, die Fürstin und fämmtliche Minister beiwohnten. Große Menschenmasien begrüßten den Fürsten sympathisch. Nach Beendigung der M.sse bestiegen der Fürst und die Fürstin ihre Wagen, um zum Hafen zu fahren. Auf dem Wege dahin scheuten plötzlich die Pferde, gingen durch und konnten nur mit Mühe gebändigt werden. Vorher war der Fürst abgesprungen und seinen Bemühungen gelang eS, die Fürstin, die hoch schwanger ist, in Sicherheit zu bringen. Dieser Vorfall wird im Volke übel gedeutet. Im Hafen hielt der Fürst vor den aufgestellten Truppen, er berührte die Fahne und küßte fit und sprach die Soldaten als Brüder an, in deren Obhut er seine Hauptstadt lasie, da er selbst vor den Feind gehe, der die Landesgrenzen bedrohe. Dann schiffte er sich, von Glockenläuten, Kanonendonner und Ab schiedSrufen begleitet, ei». Heute noch soll der Fürst an
Eine Schandthat der Türke«.
Der „Deutsch. Zeitung" wird unterm 18. Juni auS Konstantinopel geschrieben : „Aus den aufständischen Distrikten kommen fortwährend wahrhaft haarsträubende Nach, richten über die Schandthaten, welche namentlich in Bul-
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Auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte
Quartal der
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Zllustrirten Sonniagsblatles ersuchen wir die Bestellungen bei dm Postanstaltm baldigst machen zu wollen, um noch
Dreeinigkcit" installirt und die Bewohner von Kalofer mußten ihren Unterhalt bestreiten. Aber eine häßliche That war in den Prairien schon vor Ankunft der vierzig Muselmanen verübt worden. Zweihundert Individuen von denselben türkischen Ortschaften waren, während die Dele flirten noch ihre Vorbereitungen zur Abreise trafen, auf einem anderen Wege dahin geeilt, wo die Flüchtlinge lagerten, um fämmtliche Habe, welche die Unglücklichen vor der Wuth der Tjcherkesien bewahrt hatten, zu rauben. Sie nahmen außerdem die vierzig hübschesten jungen Mädchen mit sich in ihre Dörfer, aber als die türkischen Frauen die unglücklichen Opfer sahen, schrien sie, wahrscheinlich aus Eifersucht: „Wir wollen keine ghiavours carilar 1" (christliche Frauen) und veranlaßten ihre Männer, dieselben wieder fortzuschicken. Die jungen Mävchcn wurden sodann um halb 2 Uhr fort- gesührt, nahe bei dem „ayasma" von St. Cyrill in die Meierei deS Theodor Mitkoff, wo ihre Rauher an Ihnen ihre brutalen Leidenschaften sättigten. Nach diesem Verbrechen begingen sie noch ein anderes, schrecklicheres: Sie sperrten fämmtliche vierzig junge Mädchen ein und legten Feuer an den Meierhof, in welchem sich viel Stroh befand,
Mo daß alle die armen Kinder in den Flammen umkamen.
Dies ist nicht alles. Diejenigen, mit welchen die Bul- garen in guter Harmonie gelebt hatten zur gemeinsamen Vertheidigung, bemächtigten sich ihres VixheS und zwei Tage, nachdem sie nach Hause zurückgckehrt, schickten sie nach Kalofer, um ein weiteres Dutzend junger Mädchen von Novo-Selo zu verlangen. Man denke sich nun die Situation in Kalofer: Die Einwohner haben eine Masse von Frauen und Kinder zu beköstigen und zu pflegen; ihre Loutiken sind geschloffen, mehrere Familien in jede« Haus eingepfercht; sie leben in Schrecken; wenn die Nacht kommt, befehlen sie ihre Seele Gott. Sie empfehlen sich auch dem Erbarmen der Regierung und sie hoffen, daß unter der Regierung des Sultans Murad's V. die Obrig leit fit beschützen wird." So zu lesen in dem türkischen
Tagesbericht.
Der „Nord" fährt fort, die orientalischen Angelegenheiten tn Betracht zu ziehen und namentlich die Stellung Englands zu der Pforte zu beleuchten. In seinem neuesten Attikel heißt es: Eine fast vollständige Anarchie herrscht in den gouvernementalen Regionen Konstantinopels, mehrere Parte en sind in dem Rathe deS Sultans vertreten, sie streiten um die Uebermacht und von den so pompös angekündigten Reformen kann keine Rede fein. Wir wissen nicht, so fährt der Artikel wörtlich fort, ob Midhat Pascha ernstlich an die Ausführung seines Projektes einer National Versammlung gedacht hat, aber so viel ist sicher, daß man (eit einem Monate ohne Ruhe und Rast daran arbeitet, Patronen zu machen und aller Arten Truppen zu konzen- triren. Die Anhäufung derselben an der Grenze deS FürstrnthumS hat die serbische Regierung allein dahin gebracht, Christitsch nicht nach Konstantinopel abreisen zu lassen.' Einige Blätter behaupten, Christitsch habe von der Pforte eine Gebietövergrüßerung für Serbien verlangen sollen und man habe seine Mission aufgegeben, weil eine Versagung dieser Forderung zu erwarten war. Diese Angabe ist aber unrichtig. — Die „Correspondance orientale" versichert, eS wären schon Kontrakte zu Fleischlieferungen für die englischen Truppen abgeschlossen worden, welche demnächst in Konstantinopel auSgeschifft werden sollten. Diese Nachricht ist entschieden falsch, aber die Thatsache allein, daß sie in einem ernsten Blatte Aufnahme gefunden, beweist, welche Ansichten in Betreff der Haltung Englands in Konstantinopel herrschen. Daraus ersieht man, wie in bet Türkei die Erklärungen der englischen Regierung betreffs dn Nichtintervention auSgelegt werden. Mag das britische Kabinet wollen oder nicht wollen, es treibt die Muselmänner «f einen traurigen Weg, welcher bei dem Zustande der! Desorganisation und Anarchie, in welchem sich die Kon |
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Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition b. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frantfurt a. M.-Jüger'sche Buchhandlung in Frantfurt a. M.;Jnvalibendank,A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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„Courier d'Oriettt" von Konstantinopel in der Nummer vom Sonnabend, den 17. Juni."
— Die beiden neuesten Nummern der Jllustrirten Frauen-Zeitung (vierteljährl. AbonnementSpreiS M. 2. 50) enthalten: I. Die Moden-Nummcr (25): Promenaden- und Strand Toiletten mit Jacken und Ucberkleidern; ärmellose Jacke, Umschlagtuch und Umhang. Reisehut, Halbhandschuh, Morgenhauben, Cravatenschleife, Äragen mit Manschetten , Kleidertaschen, Taschentücher, Nachthemden für Damen und Herren. Anzüge für Mädchen, Westenfichü, Turnanzug, Gradehalter und Corsel. Anzug mit Falten- hemd für Knaben. Trage-Mantel und Piqus-Hütchen. Touristentasche, Hut- oder Haubenschachtel, Plaidhülle als Handtasche, Bücher- oder Arbeitstisch, Fensterbehang mit Gardinen und Rouleau, Toilettenkissen, Lampen- oder Flaconteller, Uhrhalter, Bordüren- und Streifenmuster in russischem Geschmack, Spitzen (Strick- und Häkelarbeit), Tüllourchzug, Frivolitäten, Bunt und Weißstickereien rc. mit 71 Abbildungen, einet Schnittmuster Beilage, Mustervorlagen für Bunt- und Wkißstickereien rc. II. Die Unter« haltungS Nummer (26): Harzreise. Humoteke von Otto Girndt L — Marianne Brandt. Von Rud. Fiege. — SztrccSno von Arva. Von Wolf Dux. — Skizzen und Seinen. Von Alexander von Roberts. 4. Nur ein klein wenig. — Die VersotgungSanstatt für verwaiste Beamtentöchter zu Neuberghausen. Von Emma Laddey. — Verschiedenes : Literarisches, Tiroler Sommerfrischen rc. __
Briefmappe. — Frauen - Gedenktage. — Ferner folgende Illustrationen: Marianne Brandt, Königlich preußische Hofopernsängerin al« AmneriS in Verdt's A!va. Von A. Holländer. — Gräfin Almaviva uns Susanne. Von Carl Becker. — Ruine SzitecSno im Waagthale. Von G. Theuerkauf. — Burg Arva an der Arva in Ober-Ungarm Bon G. Theuerkauf. — Dte Versorgungsanstalt für verwaiste Beamtentochter zu Neuberghausen.
zarien von Baschi Bozuks und Tschetkeffen gegen ganz in offensive Einwohner verübt werden. Man hat Grund, zu dermuthen, daß einige Paschas die Hände tm Spiel haben, labern sie das fernere Fortglimmen der Jnsurreetion zu begünstigen suchen, weil sie dabei ihr Interesse finden. Der »Sourrier b'Orient", ein unter der Censur deS hiesigen PreßbureauS erscheinendes Blatt, bringt z. B. folgenden Vertcht auS dem Sandschak von Philippopel: „Recht schmerzliche Dinge ereigneten sich in Novo-Selo (Zagora) Baschi- VozukS und Tscherkcssen haben nach Plünderung und Verwüstung der Umgebung dieser Ortschaft sich auf den Ort selbst geworfen und dort die Metzelei und Plünderung be Ittel! Bennen. Mehr als 400 Frauen und Kinder ergriffen die
Nacht und kamen, von Müdigkeit entkräftet, auf den Wiesen b«n Kalofer an. Dort schickten sie in letzteren Ort Schäfer' siinein, um Asyl und Hilfe zu erflehen. Die Notabeln deS ytte« tarnen durch diese Bitte in eine delikate Lage, da ft mit dm muselmännischen Orten der Umgegend ein Schutz- und Trutzbündniß geschlossen hatten für den Fall, tofj irgend eine Bande von Insurgenten oder Tscherkcssen 01 ihrem Gebiete erscheinen sollte. Sie ersuchten daher ^ch Berathung mit dem Mudir an jeden Alliirtenort zwei Delegirte zu schicken, welche die Gastsreundschaft heischenden ^hundert Bulgaren in Augenschein nehmen sollten. So «gaben sich denn in der That 40 bewaffnete Muselmanen, «Bleitet von einigen Einwohnern von Kalofer, nach den 87’,!* «lesen und erlaubten, nachdem sie die Wahrheit conftatirt .wttn, die Gewährung der verlangt n Gastfreundschaft. ;<00 Personen, darunter eine große Zahl Verwundeter, - ^ttden in da« Kloster der SpitalSschwestero „zur heiligen
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