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I HiMarburg, Sonnabend, 1. Juli 1876,

XL Jahrgang

1S1

ObcchcUchr Icilung

u erhalten.

Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Nach den neuesten Nachrichten aus dem Orient scheint hervorzugehen, daß allerdings in der Voraussicht dec Krieg« erklärung Serbiens an die Türkei Grenzüberschreitungen stattgesunden haben. Die Kriegserklärung selbst läßt aber noch aus sich warten.

Der gegenwärtige türkische Kriegsminister Abdul Kerim Pascha wird das Oberkommando über die Truppen gegen Serbien und Montenegro übernehmen.

Es stellt sich immer mehr heraus, daß die vor acht Tagen schon in einzelnen Privatdepeschen gemeldete, dann aber osficiüs theilweis wieder bestrittene Gährung und Auf regung tn Konstantinopel durchaus im Wachsen begriffen ist. ES herrschen namentlich unter den Christen der Stadt starke Besorgniffe wegen deS Fanatismus der durch die Sofias erregten türkischen Bevölkerung. Dieselben wollen von keinem Nationalrath und anderen Reformen Midhat'S etwas wissen, durch welche auch die christlichen Staatsan

gehörigen mit den Muselmännern zu gemeinsamer Arbeit am StaatSwescn herangezogen würden und mit den Musel­männern gleiche politische und sociale Stellung erhielten. Der Sultan Murad fürchtet ebenfalls den Terrorismus de» Volkes und läßt sich nicht sehen.

DerRat. »Ztg." werden au« Konstantinopel große Ministerveränderungen signalisirt; die Entlastung Midhat Paschas wird erwartet.

Die Rüstungen Serbiens üben ihren Rückschlag auch auf Bulgarien. Dort hat bereits im westlichen Theile de« Balkan, nächst der serbischen Grenze, nach einer Mitthei­lung der Preste, eine Erhebung statt gesunden. Zn der Nähe von Nisch und Widdin kam cs zu heftigen Kämpfen zwischen Bulgaren und Türken. Im östlichen Balkan herrscht gleichfalls große Gährung wegen der Schandthaten der Türken;das Land ist vollständig dort verwüstet, 150 Dörfer eingcäjchert, in tausenden von Familien die Frauen entehrt und zu Sklaven gemacht, und 200 Priester und Lehrer gefangen und nieder gemetzelt. Trostlosigkeit und Verzweiflung herrscht im ganzen Sandjack* so meldet dieAg. Rüste". Nach der Versicherung einer türkischen Autorität sind nur 18,000 Menschen, Männer, Weiber und Kinder, in Bulgarien umgebracht. Bulgaren taxiren die Zahl auf 30,000.

lieber eine Petition der Handelskammer zu Limburg: haS Abgeordnetenhaus wolle die Staatsregierung ersuchen, «ch in diesem Zahre einen Theil der Lahnkorrektion durch krhihung deS Wehre« bei Kirchhofen und Anlage dreier teuer Wehre bet Häujerhof unterhalb Nastau und bei Kühlen ausführen zu lasten", hat sich die Budgetkommijston W dem Beschlüsse geeinigt: da« Abgeordnetenhaus wolle «schließen: die Petition der Staatsregierung mit der Auf- chderung zu überwrisrn, auf die Ausführung der Lahn- rrektion baldmöglichst Bedacht zu nehmen.

es lieber gewesen, ich hätte diesen Schuften Einem nach dem Andern die Zungen aus dem nichtswürdigen Rachen reißen können. Wir hätten dadurch wenigstens unsere einzige Hoffnung, die Flinten gerettet."

Ach, eS wäre trotzdem mit un« zu Ende gewesen."

Mag sein, Red. Aber die Hoffnung am Leben suche ich bis zur letzten Faser festzuhalten, nicht nur für mich, nein, vorzüglich für Dich, lieber, lieber Junge." Dabei legte sich JameS der Länge nach neben seinen Bruder, welcher ohne Aushören still vor sich hin weinte, diesem einen Theil feiner eigenen Körperwärme mittheilend, da er sah, wie der schwächere Knabe, seiner Decke beraubt, vor Kälte zusammenschauerte. Behutsam zog er seine sehr defekte Matrosenjacke ab, und breitete sie leise über den augen­scheinlich Geistesabwesenden. Aber die Erschöpfung vor Aufregung, Hunger und Durst überkam endlich auch den stärkeren JameS. Ohne eS zu wollen, schlief er an der Seite des Bruder« ein.

Welche« mochten wohl die Traumbilder dieser Jüng­linge sein, welche hilflos, beraubt, schon halb dem Tode nahe, inmitten dieses ungeheuren Wiesengrabes dem Schlafe verfallen waren? Zeigte sich ihnen wohl das kleine Häus­chen am östlichen Ende Londons, tn dosten kleinem, weiß- getünchtem Oberstübchen eine zwar kräftige, aber blaffe Frau während dieser Nacht am Spinnrocken saß, von Zeit zu Zeit eine Thräne trocknend, und dabei seufzend:Red, James, wo seid Ihr? . Wohl möglich. Denn mitten durch den Gram welcher die jugendlich schönen Gesichter der Schläfer überlagerte, schien sich dennoch ein vereinzelter Zug des Lächelns zu erhalten.

WaS war das?! JameS sprang, durch ein ganz unge­wöhnliches Geräusch erweckt, empor, wäre vor Schreck beinahe wieder umgesunken, denn statt dcS lautlosen Steppen grase« waren die Brüder von einer eben so stummen Schaar

Ueber Athen wird unter dem 27. d. Mt«. berichtet: Das türkische Ministerium, welches als großer KriegSrath eingesetzt worden ist, hat den Beschluß gefaßt, daß die Note Serbien's an die Mächte als ein an die Türkei ge­richtetes Ultimatum angefehen werden soll. Die Haltung des Fürsten Milan stände im Widersoruch mit der Würde der Psorte, denn die Türkei könnte und dürfte sich von keinem Vasallen irgend eine Bedingung auflegen lasten. In Folge davon soll den Befehlshabern der Truppen bei Nisch, Zarcos und in der Suttorina der Befehl ertheilt worden sein, alle nothwendigen Maßregeln zu ergreifen, um Serbien zur Ordnung zurückzurusen. Die ferbische Note, welche der Ministerpräsident sämmtlichen Vertretern der Mächte zu Belgrad hat zugehen lasten, enthält nach­stehende Ausführungen:Damit die Mächte, welche es für nothwendig gehalten haben, Serbien zur Mäßigung zu ermahnen, die zwingenden Gründe kennen lernen, welche den Fürsten Milan in die Nothwendigkeil versetzen, seine Freiheit und seine Rechte mit den Waffen zu erstreiten, gibt der Ministerpräsident hiermit eine Darlegung des Verfahrens der Türkei. Dieselbe weigert sich nicht allein, die Drinainseln, deren sie sich mit offener Gewalt bemäch­tigt hat, sowie die Befestigungen auf denselben, obgleich diese Serbien seit langer Zeit angehören, zurückzugeben. Ferner hat die Türkei zuerst und ohne jeden Beweggrund angefangen, an der serbischen und montenegrinischen Grenze drei Lager zu bilden und in denselben Truppen anzuhäufen, anstatt dieselben zur Beruhigung der insurglrten Provinzen zu verwenden. Wenn die Diplomatie gewister Mächte den­selben Druck, den sie auf Serbien ausübte, nur aus die Türkei angewendet hätte, so würde sie der Rüstung gegen die beiden Fürstenthümer und allen anteren türkischen Ma­növer» schon längst ein Ende gemacht haben.

hochaufgeschossener, kräftiger, brauner Gestalten umgeben, die geisterartig vom Himmel gekommen schienen. Beide Theile musterten sich erstaunt, während den atmen Red ein tiefer Schlaf dieser beängstigenden Scene entzog.

Nach einigen Sekunden redete Einer der Braunen, der Häuptling dieser über hundert Köpfe zählenden Apachen­schaar, James in den gewöhnlichen tiefen Kehllauten dieser Stämme an. Da ihn dieser natürlich nicht verstand, so antwortete er in seiner Muttersprache:

Wir sind verirrte englische Matrosen, die darum bitten, sie nach dem nächsten bewohnten Ort zu bringen."

Also ShakanahS (Engländer) seid Ihr jungen Bleich­gesichter", erwiderte der Apache in ziemlich gutem Englisch. Aber wie konntet Ihr ohne Waffen soweit In die Jagd­gründe der braunen Männer vordringen?"

Man hat uns unsere Gewehre vor einigen Stunden gestohlen."

Sahen die Räuber so aus wie meine Brüder, oder waren es Bleichgistchter?"

Es waren Weiße, obwohl bedeutend gelber als wir."

Hugh! So hätten wir diese unxikanischen Schufte also, deren Fährte jwir schon seit vier Sonnenaufgängen folgen und deren Nichtswürdigkeiten stets unseren «Stämmen zur Last gelegt werden."

Der Häuptling wendete sich nun zu {einen Begleitern und sprach mit einem derselben etwas in seiner Mutter­sprache. Daraus verließen, diesen an der Spitze, etwa dreißig Mann die Truppe und folgten den Spuren, welche die Mexikaner vorhin zurückgelaffen. Die Uebrtgen lager­ten sich nun um die beiden Matrosen.

Setze Dich zu mir, jnngeS Bleichgesicht," sagte nach einer Weile der Häuptling,Du und Dein schlafender Kamerad, Ihr habt von unS Nichts zu fürchten, denn mein Volk lebt mit den Bleichgesichtern in Frieden. Laß

Deutsches Reich.

* Berlin, 29. Juni. In Bezug auf die orientalische Frage haben die letzten Depeschen allerdings Nachrichten gebracht, die nicht sehr friedlich lauten. Wenn diese De­peschen im Großen und Ganzen die Wahrheit sagen, so stehen ernstliche Verwickelungen der Türkei mit Serbien u. s. w. in Aussicht. Auch diese, so glaubt man, werden keinenfallS die Ruhe In Europa, d. h. den europäischen Frie­den stören. Wenn übrigens in letzter Zeit von verschiedenen Zeitungen Mittheilungen aus der Straßburger Zeitung über orientalische Angelegenheiten als osficiös bezeichnet haben, so wird daran zu erinnern sein, daß die Straßburger Zeitung von Berlin aus keinen Bericht über auswärtige Politik erhielt, wie dieses Blatt überhaupt ohne allen Ein­fluß von hieraus redigirt wird. Im Allgemeinen kann gesagt werden, daß in letzter Zeit überhaupt osficiöse Mit- theilungen über auswärtige Verhältniffe durchaus nicht in die Oeffentlichkeit gekommen sind. Die Post enthält in ihrer gestrigen Nummer einen beachtenöwerthen Artikel über Parteiwesen, der daran erinnert, daß die Conservativen in schwerer Zeit der Regierung treue Dienste geleistet haben, welche Thatsache gegenüber den fortwährenden Ergüffen der Organe der national-liberalen Partei, welche große Dienste sie der Regierung geleistet, wohl bemerkt zu werden ver­dient. Die letzte Nummer derProvinzial-Corresp."

'uf das mit dem 1. Juli beginnende dritte

* {Quartal der

lberhtssischen Zeitung

t des

y Illußrirten Sonntagsölattes

/suchen wir die Bestellungen bei den Postanstaltm mldigst machen zu wollen, um noch

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Anzeigen nimmt entgegen: die (Rxpebitton d. «Matte« sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sch« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Sete- meyer in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

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Ei» Steppe»,»il».

A Bon C. Dümmet.

| (Fortsetzung.)

(D, meine Herren, wir sind verirrte Wanderer, die An nach dem ersten besten bewohnten Orte möchten, doch chwerlich vor Hunger und Durst dahin gelangen werden, renn Sie nicht vielleicht so gütig wären ..." erwicerte lerne«, einen schmerzlichen Blick auf seinen Bruder wer» md, der abgestumpft, resignirt, das Gesicht in dem nieder gedrückten Grase des Bodens barg.

Wenn Ihr Lasten solche Sehnsucht nach bewohnten Orten habt, warum, zum Schinder, verlaßt Ihr sie?"

Wir wollen sie gleich mit den Kolben spediren", meinte «in Anderer.

Das wäre sür diese Lümmels zu gut. Laßt sie die duppe, welche sie sich eingebrockt, vollends freffen. Kommt, ^sch halt! Wie ich sehe habt Ihr da noch ein Paar Ute Mester am Gurt. Her damit. So . . . Seht vch, ob die Gelbschnäbel noch etwas UebrigeS haben, bann KrwSrtSl"

Im Moment waren die Taschen der atmen Teufel Ichsucht, der kleine Pulvervorrath, einige fechSzig bis 4tjig Posten, ein Taschenmesser, Stahl und Schwamm, Wie« verschwand mit diesen Strolchen, die wenige Minuten Wler die Erde verschlungen zu haben schienen.

I »O, o, v!" knirschte JameS mit den Zähnen,wäre Ach nicht so matt und kraftlos, dal"

1Laß gut sein, lieber JameS. Deine Prophezeiung hat Wer eine entgegengesetzte Bestätigung gefunden", sagte Red, Wll vor sich hinweinend,und dennoch hat eS mich so Msam bewegt, vor meinem Ende noch einmal fremde Mensch- Fv Stimmen zu vernehmen."

\ «Ich gönne Dir da«, Bruder. Mir meineStheil« wäre

»scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit bet wöchentlichen BeilageJlluftrirteS EountagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche l Buchdruckerei> bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zecke 10 Pf».

V Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Lagcsdertcht

Im Justizministerium wird beabsichtigt, nach und nach » allen Gesangenenanstalten mit gemeinsamer Haft, Ein- Hchtungen zur Trennung der Gesangenen während der »acht, zu treffen. Zu diesem Behufe ist kürzlich eine in Belgien eingesührte und erprobte Konstruktion einer gründ ßchen Prüfung unterzogen worden. ES ist wahrscheinlich, die Einrichtung der Schlafstellen nach dieser Konstruk- (n erfolgen werde. Dadurch ist einer der wichtigsten und ige erstrebten Reformen auf dem Gebiete des Gefängniß senS näher getreten.

Den Polizeibehörden ist auf Anweisung des Ministeriums i ObertribunalSerkenntniß in Betreff der Kuipsuscherei Pr genauesten Beachtung mitgetheilt worden. In demselben Pellt der höchste GerichlShoj den Grundsatz aus, daß alS Arznei" deren Zubereitung, Verkauf u. s. w. nur auf - kund einer besonderen Erlaubmß stattfinden dars, jede Zubereitung anzusehen ist, welche in einer der, dem Ber- kichniffe A der kaiserlichen Verordnung vom 4. Januar 875 entsprechenden Arzneisorm als Heilmittel gegen Krank eilen feilgeboten werden, sollte auch nicht nachgewiesen ita, daß sie wirklich solche Stoffe enthalten, welche von er medizinischen Wissenschaft al« zu Heilzwecken dienend, »erkannt stnd.