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Sr. M9

Marburg, Donnerstag, 29. Juni 1876.

XL Iahrgaig

Anzeigen nimmt entgegen: Me e^ebtHon b. Blatte» sowie bu Annoncen-Bureaur von ®. L Daube & Co. in

hatte, jetzt auSgeführt. Zunächst werden die Gehälter aller Beamten reducirt und der größte Theil der Civil« beamten in das Heer eingereiht. Die zweite Milizklafse hat bereits den Fahneneid geleistet. General Zach com- mandirt die West-Morawa-Armee und Ranko die stärkere Drina-Armee, welche den Uebergang über die Drina vor­bereitet Ebenda haben auch die Türken eine zahlreiche Truppenmacht aufgestellt. General Tschrrnajeff kommandirt die Südarmee, welche dem türkischen verschanzten Lager bei Nisch gegenübersteht.

Aus Konstantinopel meldet man über die Truppenauf­stellungen: Den aus Bosnien vorliegenden Nachrichten zufolge, sind jetzt an der serbischen Grenze beträchtliche türkische Streitkriste concentrirt. Die Haltung der Regie» rung von Montenegro der Pforte gegenüber hat flch dem Anschein nach friedlicher gestaltet.

Auf die letzte Bemerkung wird nicht viel zu geben sein, da es sehr wahrscheinlich ist, daß die gegenwärtigen Macht­haber in Konstantinopel nicht recht über die Abstchteu Montenegro'S orientirt stad.

UebrigenS melden andere Depeschen aus Konstantinopel, daß die dortige Situation selbst keineswegs ohne Gefahr ist. Die „Ag. Russe" erfährt: „Correspondenzen aus Kon­stantinopel melden eine dort ausgebrochene Panik; die Häuser der am Ruder befindlichen Minister find seit dem Ministermord beständig von Truppen umgeben, die Auto-- rität hat seit dem Tode Avni Pascha'- sehr nachgelassen. Die Frauen der Europäer verlaßen Konstantinopel."

Lage-bericht.

In der BorauSficht, daß da» Kompetenzgesetz noch zu Stande kommt und in der Absicht, die neuerdings noch an das HauS gelangten Gesetze zu erledigen, haben sich die maßgebenden Fakioren de« Abgeordnetenhauses vorläufig dahin geeinigt, die Session nächsten Sonnabend zu schließen. Es hängt jetzt ganz allein von dem Herrenhause ab, ob da» wichtige Gesetz zu Fall kommt oder nicht. Nach der heute verbreiteten Nachricht, daß flch in der letzten Sitzung des Herrenhauses nur 34 Mitglieder eingesundcn, wurde die Hoffnung einigermaßen herabgestimmt.

Der Handelsminister hat dem Abgeordnetenhause eine Denkschrift mit folgendem Schreiben zugehen lassen: „lieber die für die Wohlfahrt der gewerblichen Arbeiter in Preußen bestehenden Einrichtungen habe ich im Laufe drS verflossenen WinterS detaillirte Untersuchungen anstellcn lasten. Das Werk bringt diejenigen Einrichtungen zur Kenntntß, welche in Preußen Seiten« der Besitzer der größeren gewerblichen EtablistementS aus freier Initiative für ihre Arbeiter ins Leben gerufen worden sind und läßt zugleich durch Wieder­gabe der auf die Regelung der Fabrikarbeit bezüglichen Gesetze, Instruktionen und Verordnungen den Standpunkt erkennen, von welchem aus die staatlichen Organe, die ihnen auf diesem Gebiete entgegentretenden Ausgaben aufgefaßt haben. Die Arbeit giebt ein Bild der betreffenden that- sächlichen und rechtlichen Zustände innerhalb des preußischen Staate-, wie es in dieser Vollständigkeit und Authentizität bisher noch nicht geboten worden ist. Mil Befriedigung kann konstatirt werden, daß die Bestrebungen zur Ver befferung der Lag« der arbeitenden Klaffen Seitens der

Äuf das mit dem 1. Juli beginnende dritte

Quartal der

Bberhessischen Zeitung sowie des

Mustrirten Sonntagsblattes ersuchen wir die Bestellungen bei den Postanstalten baldigst machen zu wollen. Um nicht allein 10 Pfg. zu ersparen, sondern auch

vovstürr-ige Exemplare

zu erhalten bitten wir vor dem 28. Juni zu be­stellen.

Neuzugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an.

Arbeitgeber je länger je mehr einen thatkräftigen Ausdruck finden, insbesondere hat sich aus den angestellten Ermitte- lungm ergeben, daß an den Fortschritten auf diesem Ge­biete des sozialen Lebens die industriellen Gesellschaften einen nicht geringen Antheil gehabt haben."

Die Verhandlungen wegen des mit Italien neu zu schließenden Handelsvertrages werden in Rom zunächst noch durch den dortigen deutschen Botschaster geführt, doch wird, wie eS heißt, später noch der Unterstaatssekretär Eck, welcher schon früher unter Delbiück sehr thätigen Antheil an dem Abschluffe vieler Handelsverträge genommen, mit noch einem Rathe deS Reichskanzleramts an den Berathungen bethei- ligt werden.

Unter den Vertretern der Großmächte in Konstantinopel befinden sich zwei solche, deren Anwesenheit stets mit den größten Kalamitäten für die betreffenden Staaten oder Dynastien zusammenficl. Lord Elliot, der englische Ver­treter, war in Neapel als das Königreich zusammenstürzte; in Madrid als die Königin Isabella vertrieben wurde und in Athen als König Otto nach feiner alten Heimalh zu- rückzugehen gezwungen wurde. Der deutsche Botschaster Baron v. Weither befand sich als preußischer Gesandter am dänischen Hofe als der dänische Krieg ausbrach, 1866 zur Zeit der Kriegserklärung vertrat er sein Land am Wiener Hose und 1871 wurde er abermals durch eine Kriegs- Erklärung von seinem Posten auS Paris vertrieben.

Die diplomatischen Dämpfer, welche nach den neuesten Depeschen aus Wien und Paris die Großmächte den kriege­rischen Bestrebungen entgegenzusetzen versucht haben, scheinen diesmal keine Wirkung zur Lösung der orientalischen Frage haben zu sollen; die Bemühungen der Großmächte, den serbisch-türkischen Conflict zu verhindern, sind — so scheint es, gescheitert. Fürst Milan ist, wie wir hier kurz zur Charakteristrung der Situation zusammenfaffen wollen, zur Armee abgereist; die Kriegserklärung ist auf heute, den Jahrestag der Schiacht bei Amsel,eld, festgesetzt. Zu gleicher Zeit haben die Bosniaken in einer Proklamation den Fürsten Milan zum Fürsten von Bosnien ausgerufen, während ein Manifest der Herzegowinen dem Fürsten von Montenegro die Führung des Aufstandes zur Abschüttelung des fünfhundertjährigen Türkenjochs übergiebt. Serbien und Montenegro machen gemeinsame Sache. Der „Augsb. Allg. Ztg." zufolge, ist zwischen beiden Staaten ein Alli- ancevrrtrag zu Stande gekommen, der bereit- ratificirt worden ist.

Wie der Politischen Corrrspondenz au« Belgrad ge­meldet wird, werden alle Beschlüffe, welche die Scuptschtina im vergangenen Winter für den Fall eines Krieges gefaßt Mutter hätte dadurch wenigstens Dich, ihren Liebling, wieder erhalten."

„Wenn Du sterben mußt, guter James, sterbe ich gerne mit; aber auf solch elende Weise zu enden ... horch!... «S bewegt sich etwas in unserer Nähe."

„Red, lang auSgestreckt auf dem Räckm liegend, zog langsam seine Linke auS der rechten Hand feines neben ihm sitzenden Bruders. Beide griffen geräuschlos nach den ge- lavenen Flinten. Aber sie mußten sich getäuscht haben, denn nicht der leiseste Ton wurde ferner in dem Ungeheuern, endlosen Graö-Ocean, deffen Mitte sie so ziemlich einnahmen, hörbar.

Wodurch diese beiden Jünglinge in diese, für den Euro­päer so entsetzliche Steppe getrieben wurden, in welcher daS Verlöschen eines Menschenlebens ebenso unbemerkt und ungefühlt vor flch geht, wie etwa im Laubwalde das Ab­fallen des einzelnen Blattes, ist eine einfache Geschichte. Der Vater derselben war Seefahrer, und zwar so lange, bis er in seinem fiebenundvterzigsten Jahre in den Wellen sein Grab fand. Von den zwei Söhne», die er seiner Wittwe hinterließ, hatte eS James bereit« bis zum Ma- trosen gebracht, während Red auf der „Victoria" seine letzte JungenSfahrt ablegen wollte. Der Capitain dieser Brigg, ein gewiffer Stradford, ein am Delirium tremens leidender unverbefferlicher Säufer, hatte gegen die beiden Brüder, eben weil sie von der Besatzung die nüchtersten Menschen warm, einen besonderen Widerwillen gefaßt, und deßhalb bei jeder Gelegenheit Fußtritte und Tauende für sie in Bereitschaft. Sein Lieutenant, der Steward folgten hierin in ihrer angebornen Rohheit sehr gern dem Beispiel ihres Vorgesetzten, und daher kam eö, daß während der ganze» Fahrt von London bis Brownhall, wohin man Kurzwaaren besördette, hingrgm Pelze und Leder als Rück­stacht einnahm, kein Tag verging, an welchem der Schiff«-

Deutsches Reich.

*• Berlin, 27. Juni. Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß am Freitag den 30. spätestens der Schluß der Landtag«-Session erfolgt. Es können die Heu- tigen Berathungen den Schluß bereit« für den 29. ergeben. S« muß nun wohl zugestanden werden, daß di« Städte» ordnung für diese Session als verloren zu betrachten ist. Man kann dies gewiß bedauern, jedoch aus anderen Grün­den, als es in den liberalen Blättern geschieht, da mau hier nur dem Herrenhaus das negative Resultat aller Arbeit zuschreibt. — Nach Schluß der Session wird der Finanz­minister Camphausen einen längeren Urlaub antreten und sich zunächst nach England begeben. — Die agrarische Agitation wird mit einem Lärm betrieben, als ob sie ihres Erfolges durchaus sicher wäre. Hierfür liegt aber kein Anhalt vor; es zeigt dies schon die Unsicherheit der Leiter der ganzen Bewegung, die Widersprüche, in denen die „Deutsche LandeSzeitung" über die WahlauSstchteo der Partei hin und her orakelt. Wir haben die Volksstimmung und bereits auch die Stimmung in den Regionen der Regie rung für uns, so heißt es in einem Artikel. Was di"

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junge Red straffrei war. Beim Einstauen des frischm Kargo begegnete demselben nun gar da« Unglück, de» Capitain, welcher unbemerkt von ihm hinter ihn gettete» war, den Knoten seines Windeseils io da« Auge zu schleu­dern, indem er schnell hinzusprang, einen Ballen roher Felle vor dem Ueberbordfallen zu schützen.

„Hund eines Hundes I" brüllte Stradford, da« aller­dings etwas anschwellende brauntweingeröthete Gesicht mit den Händen bedeckend, „zur Vesper sünfundzwanztg mit dem besten Ende, welche- zu finden ist!"

Red, sowie James, welcher am Bugspriet beschäftigt war, und alles sah und hörte, was vorging, erbleichten, und daher kam es, daß, als die ExekutionSzeit da war, der zu Strafende nebst dessen Bruder, Brownhall schon zwei Meilen, freilich zu Lande, im Rücken hatten.

Am ersten Tage gestaltete sich die Flucht der jungen Leute, welche vorsichtig ihre Mrffer, etwas Munbvorrath, zwei Flinten nebst Munition, sowie eine wollene Decke, allcS in allem kaum den Werth ihres rückständigen Solde- repiäsentirend, mitgegenommen hatten, leidlich gut. Sie trafen hie und da aus stundenlange öde Sanbstrecken, aber auch auf erquickende Gewässer und schattige Magnolia- Waldungen, wo sie vom angestrengten Marsche Erholung fanden. Freilich wurden die Wege, je weiter sie sich voa der Stadt entfernten, immer öder und unpaffirbarer, aber sie mußten doch irgendwo hinführen, von wo au« mau einen andern Hafen erreichen und in die Heimath zurück­gelangen konnte. In unserem Erdcheil wäre diese Rech­nung richtig gewesen, aber dort im westlichen Tcxa-, mün­den fast alle Straßen in die unermeßliche, einförmig töd- tende Prairie.

(Fottsetzimg folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die GichedMon b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux ocn Th. Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Sein- zig, Cöln k; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „JkluftrirteS SonntagSblatt" durch die Srvedition lKoch'fche Buchdruckerei) bezogen 21, Warf, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr) -^nfertionSgebühr für die gespaltene Me 10 «fg

___________________________________________Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Ei« Stetzheu-Vild.

Von E. Dümmet.

„Schläfst Du, guter Red?"

„Nein, mich hungert.*'

„Oh . . . ja . . . w«tn wir morgen nicht glücklicher mit unseren Gewehren sind, so . . .*

„So müffen wir verhungern, lieber James."

„Ach, wenn wir statt der Flinten nur eine Kugelbüchse mitgenommen Härten, so wäre eS möglich, einen Büffel oder Mustang zu erlegen, während wir jetzt . . ."

I „Leider sterben müffen, mein Bruder."

„Nein, Red! Eine innere Stimme prophezeit mir Hülfe au« dieser schrecklichen Lage. ES ist unmöglich, daß Du mit Deinen fünfzehn, und ich kaum achtzehn Jahren einer einfachen Nothhülfe wegen hier umkommen sollten. Der allmächtige Gott, welcher die Myriaden Welten über unS schuf und lenkt, kann nicht wollen, daß wir unser« liebe, gute alte Mutter nie> nie mehr Wiedersehen sollen." f „Wir hätten daheim bleiben können."

„Um der Spott aller Freunde und Bekannten zu wer den, Red?"

„Nein, nein, nein! Aber mich hungert, James."

„Es ist wahr, wären wir nicht von der Brigg desertitt, !v hätten wir zu offen, aber der Kapitän, dieser Schuft, hätte uns, bevor die gute „Victoria" Alt-England wieder sah, zu Tode tauten lasten."

„Heute befeetirte ich nicht mehr."

„Du würdest wie ein alte« Weib über Bord segeln?"

„Nein! Ich würde diesen betrunkenen Schurken von Eapiiän niederstechen."

In der Thal, Red, tausendmal habe ich mir schon «gen dieser UnterlastungSsünde Vorwürfe gemacht. Was Wte es geschadet, wäre ich dafür gehend worden, die

OberWjche Jeitung. igt