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Sr. MS.

Marburg, Mittwoch, 28. Juni 1876.

XL ZtthkMg.

Snjetgen nimmt entgegen: He Expedition d. Blattet, sowie die Annoncen-Bureaux wn Th. Dietrich L Co. in jtoffel und Hannover; Th. fietri* in Frankfurt a. M.;

«asenstein & Vogler in ranksurt a. M-, Berlin, Leip- g, Eöln re; Rudolf Moffe » Berlin, Frankfurt a. M. rc.

(L^bcrlirlTifdir Jcilunn.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blattes sowie bte Annoneen-Bureaux von L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete­metzer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker ei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reichet 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). Jnsertiontgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

- Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte

Quartal der

Dberhessischen Zeitung

sowie des

Zllustlirten Sonntagsblattes ersuchen wir die Bestellungen bei den Postanstalten baldigst machen zu wollen. Um nicht allein 10 Pfg. zu ersparen, sondern auch

vollstSudige Exemplare zu erhalten bitten wir vor dem 28. Juni zu be- tellen.

Neuzugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an. Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Lage-bertcht.

Der Schluß det Landtags wird vermuthlich am Don- znstag, spätestens am Freitag erfolgen. Dabei wird voraus- gesetzt, daß zwischen den verschiedenen Facloren noch eine Einigung bezüglich deS CompctenzgesetzeS erzielt werden »ird, während man die Städteordnung als aufgegeben be­stachtet. Das Gesetz über die Berlin-Dresdener Bahn wird gleichfalls in dieser Session nicht mehr erledigt werden, lluch scheint die Majorität des Abgeordnetenhauses nicht gewillt zu sein, dem Beschluß des Herrenhauses über das Gesetz betreffend die Befähigung zum höheren VerwaltungS dienst beizuireten, womit auch diestS Gesetz als gefallen gelten dürfte.

1 f Der Generalpostmeister hat im Interesse der Erleich- strung des Verkehrs angeordnxt, daß zu Zahlungen an die Post- und Telegraphenkassen von jetzt ab, unter Vorbehalt jwerzeitigea Widerrufs, auch die Noten folgender Privat­danken, jedoch nur in den Bezirken, in welchen diese sich befinden, zugelassen werden sollen: der Kölnischen Privat­bank (innerhalb der Rheinprovinz), der Danziger Privat- llktienbank (in Ost' und Westpreußen) und so ferner in den resp. Bezirken: der Provinzialaktienbank des Groß- herzogthums Posen, der Kommerzbank io Lübeck, der Bremer, frankfurter, Badischen Bank, der Darmstädter Bank für Eüddeutschland, der Breslauer städtischen Bank, der Magde- inrger Privatbank, der Hannoverschen Bank (in Hannover, vraunschweig und Oldenburg), der sächsischen Bank zu Dresden, des Leipziger KassenvereinS, der Chemnitzer Stadt­dank.

In der orientalischen Frage läßt sich heute die Situation dahin zusammen, daß laut übereinstimmenden Berichten von den verschiedensten Seiten der Krieg zwischen Ser­bien und der Türkei unmittelbar bevorsteht; nach einer bis jetzt aber noch nicht beglaubigten Depesche der Wiener deutschen Zeitung hat bereits am Freitag ein Zusammenstoß der serbischen und türkischen Truppen am Drinaflusse stattgefunden.

Am 27. dem 487. Jahrestage der berühmten Schlacht von Kossovopolje soll derPol. Corr." zufolge die Grenze seitens der serbischen Truppen überschritten werden. Zu gleicher Zeit wird Fürst Milan mit einer Proklamation, welche einem Kriegsmanifeste gleichkäme, von der Haupt­stadt Abschied nehmen und sich zur Armee nach Deligrad begeben. Wenn wir dem allerdings oft weit über das Ziel hinausschießendenN. W. T." glauben «ollen, so wäre daS Kriegsmanifest des Fürsten Milan bereits gedruckt und den fämmtlichen Commandanten der verschiedenen ser­bischen Corps versiegelt zugestellt worden.Die Comman­danten sind so heißt es weiter zu gleicher Zeit durch fürstlichen Befehl angewiesen worden, daS Siegel, sobald ihnen die Ordre hierzu durch den Telegraphen überbracht ist, zu erbrechen und das Manifest zu publiciren."

Aus Ragusa erhält dasselbe Blatt Mittheilungen über die bevorstehende gemeinschaftliche Aktion der herzegowinischen Insurgenten-Schaaren und Montenegro'-. Der russische StaatSrath und Generalconsul Ionin habe dem Fürsten NicolauS zu wissen gethan, es seien etwa alle noch zwischen seiner Regierung und Ali Pascha in Mostar schwebenden Unterhandlungen unverzüglich abzubrechen. Fürst NicolauS möge alle seine Anordnungen derart treffen, daß Monte­negro, entsprechend dem Sinne schon früher getroffener Vereinbarungen in dem Augenblicke losschlagen könne, in welchem eS die Nachricht erhalte, daß Serbien die Feind­seligkeiten eröffnet habe. Während man auf die Weisung Fürst Nicolaus die zwischen Banjani, Nevestnje und Tre- btnje concentrirten Jnjurgentenschaaren beorderte, hart an die montenegrinische Grenze nach Ostrog in Dugapaß zu rücken, gab er in Cettinje selbst die Ordre, eS sollen die beiden ArmeccorpS des FürstenthumS sich ebenfalls dort, bei Ostrog, und gegenüber Podgorizza ausstellen. Diesen Weisungen ist, wie dasN. W. T." aufaußerordentlichem Wege" erfährt, bereits in allen Theilen Folge geleistet. Fürst Nicolaus' Ordre ist an die fämmtlichen SerdarS und Kapitäne ergangen, ohne Verzug mit ihren Abtheilungen nach den ihnen angewiesenen Plätzen abzumarschiren.

ließet daS Stärkeverhältniß der serbischen und türkischen Armeen lauten die Angaben sehr verschieden. Für die ge- sammte Militärmacht Serbiens, die drei Aufgebote inbe­griffen, werden Ziffern zwischen 100,000 bis 125,000 Mann

öttl ei« $rt«w?!

Rovellete von E . . ..

(Schluß.)

Hier mußte ein Geräusch der Dame meine Anwesenheit dnrathen haben, denn fie brach ab, und brach bald darauf Äer die Schwelle der Thür, in deren Rahmen ich einen Augenblick die schlanke Gestalt, das bleiche feingeschnittene Gesicht und die großen, dunklen Augen deS Grafen Leo »vn 3E. erblickte.

Sie kam mir mit gewinnender Freundlichkeit entgegen. Ich habe viele schöne Mädchen und Frauen gesehen nie aber ein so bezauberndes Weib al» Ciemence.

Beschreiben läßt sich das nicht, das hieße doch nur vdte Farben zu einem Bilde mischen, und die Seele »och was spreche ich? sie hat ja keine Seele so wenigstens hatte der arme Junge gesagt, dem sie den hüb­schen phantastischen Kopf verwirrt und auch ich erkannte lut zu bald im Lause unseres Gespräches an Allem, daß k Recht gehabt mit der Behauptung.

Auf meine nach SchloßPhantasie" erlassene Depesche hm Helene schon am Abend des andern Tages an, wo e mir alles Das erzählte, was ich Ihnen mit derselben Genauigkeit, da mich der Fall in doppelter Beziehung in- irresstrte, wieder zu geben versucht habe.

Egbert erkannte damals die Schwester nicht sogleich, »och geschah die» bei späteren Besuchen, Helene hat den Dienst der Fürstin fofort verlassen und lebt hier in der Stabt.

Ich muß diese Zusammenkünfte der Geschwister aller­dings beschränken, da sie den Kranken sehr auszuregen Wegen.

Er v rsinkt sofort in ein lief.6, schmerzliches Grübeln *nd fragt Helenen, wie heute auch Sie, nachdem ihn die

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Erscheinung der rothblonden Gräfin erregt hatte ob sein Glück ein Traum gewesen nur ein Traum!

Und Elemente?" fragte ich den Freund, nachdem ich ihm für seine Erzählung gedankt hatte.

Die schöne Fürstin lebt augenblicklich in Mehadia, dem romantisch gelegenen ungarischen Bade. Wer weiß, welcher stolze Magnat sie dort fessellt, eS ist doch einmal etwas Anderes. Die Deutschen sind zu sentimental und haben zu schwache Nerven, welche sie schließlich in die Zelle eines Klosters oder Irrenhauses bringen.

Wie bemitleidenSwerth, wenn nicht gar verächtlich, muß das einem so starken Geiste wie dem ClemencenS erscheinen. Die Wittwentracht muß ihr übrigens reizend stehen.

So, ist sie Wittwe?"

Ja". Und der Tod des Gatten, welcher auf der Jagd und durch die Kugel eines der Schützen erfolgte der natürlich nicht ermittelt worden ist raubte der Aermsten die beiden männlichen Stützen ihres Hauses. Denn bald darauf fühlte Graf Leo eine durch nichts zu überwindende Sehnsucht, in das Kloster der barmherzigen Brüder in B., dessen Prior dem sterbenden Vater die letzten Tröstungen der Religion gewährt hatte, einzutreten. Jetzt wird er sein Noviziat, das man im Hinblick auf seine weltliche Stellung und die Vortheile, welche sein Eintritt in dvS Kloster diesem gewährt, abkürzen dürste, wohl bald über­standen haben.

Der Fall hat damals viel von sich reden gemacht. Sie wissen, wenn dergleichen Geschichten auch selten vor daS Forum eines Gerichtshofes zu kommen pflegen, so doch stets vor Dasjenige der öffentlichen Meinung.

Nun, mit dem Fürstentitel, einer Million und dieser diabolischen Schönheit läßt sich das VerdammungSurthci' einer halben Welt ertragen weiß Ciemence doch, daß

angegeben. Serbien zählt eine Bevölkerung von etwas über 1,300,000 Seelen, es käme also jene Militärmacht etwa 10% der gesammten Bevölkerung gleich. Ueber die Stärke der türkischen Armee bei Nisch wird derPol. Corresp." von dort geschrieben:Die bei Nisch ausgestellte türkische Armee hat in der letzten Zeit manche Wandlung durch­machen müssen. Vor ungefähr 6 Wochen mag der Stand der hier concentrirten Armee wohl bei 40,000 Mann be­tragen haben. Sowie der Aufstand in Bulgarien, also im Rücken dieser Armee, ausbrach, ließ der SeraSkier 15,000 Mann von hier nach dem bulgarischen Insurrektions-Schau« platze abrücken. Einige Tage später wurden weitere 6000 nach Bosnien und der Herzegowina detachirt. Die hier zurückgebliebenen Truppen belaufen sich auf 20,000 Mann. Seit einigen Tagen kommen aber neue, meist asiatische Regimenter hier an und dürfte in Kurzem wieder der Stand von 35,000 bis 36,000 Mann erreicht, diese also der serbischen Armee bei Deligrad der Zahl nach ebenbürtig sein."

Seit einigen Tagen ist, wie dieCorrespondance orien­tale" vom 20. d. Mts. meldet, Sultan Murad leidend. Die tragischen Ereignisse der letzten Tage sollen ihn in einen Zustand versetzt haben, daß die Ceremonie der In­vestitur und der Umgürtung mit dem Schwnte der Prophe­ten in der Moschee Eynb nochmals auf unbestimmte Zeit verschoben werden mußten.

Die im Nachlasse des Sultans Abdul Aziz vorgefun­denen Kleinodien haben einer uns zugehenden authentischen Mittheilung nach einen Werth von zwei Millionen Pfund türkisch (35 Millionen Mark). Sämmtliche Gegenstände sind sofort dem Finanzministerium übergeben worden.

Dnttsche» Reich.

Berlin, 26. Juni. Ueber die Wirkungen de» neuen TelegraphentarisS ergießt sich aus den statistischen Ausstel­lungen für den abgelaufenen Monat (Mai) Folgende-: Die Einnahme an Gebühren betrug 1,004,507 M. gegen 873,931 M. im Mai 1875, mithin mehr 130,576 M. Hiernach wird für das Jahr ans eine Mehreinnahme von etwa 1 Million Mark zu rechnen sein. Dies Ergebniß ist um so höher anzuschlagen, als in der letzten Zeit ein beständiger Rückgang in den Einnahmen der Telegraphen­verwaltung stattfand; so betrug die Einnahme, welche stch für 1874 auf 10,681,535 M. belaufen hatte, im Jahre 1875 nur 10,594,538 SD?., anstatt daß bei normaler Ent­wickelung sich eine Steigerung hätte ergeben müssen. Die Ursache davon liegt in der Abnahme deS kommerziellen telegraphischenZVerkehrS, die namentlich in Folge der Börsen­verhältnisse seit längerer Zeit stch bemerklich macht. Für

sie dafür die andere Hälfte desto sicherer zu ihren Füßen hat."

Ich erhob mich fröstelnd. Bor meinem geistigen Auge stand ClemencenS verlockende Gestalt und die deS blassen jungen Ordensbruder-, der in der einsamen Zelle unter strengen Bußübungen neben dem Antlitz des schönen Weibe- das blutige Haupt des gemordeten Vater- sieht. . .

Bewegt reichte ich dem Freunde die Hand zum Ab­schiede, während ich leise fragte:

Und Egbert Felben wird er genesen?"

Der Arzt lächelte trübe, indem et achselzuckend erwiderte:

Sie werden alle gesund hier, nur erleben es Viele nicht."

Und gehört der junge Mann zu diesen?"

Leider 1"

Das Gefühl einer unendlichen Bitterkeit überkam mich und ich tief:

Und da sprechen und dichten die Menschen von einer ewigen Gerechtigkeit möchte man nicht an derselben ver­zweifeln ?"

Der Freund ergriff mit einem an ihm ungewohnten Ernste meine Hand und erwiderte, während sein klare- Ange sinnend auf mir ruhte:

Von einem beschränkten Standpunkte aus allerdings, doch nicht von demjenigen, auf welchem wir stehen."

ES gleicht sich Alles aus im Leben und wenn der Schleier gefallen ist, welcher da- irdische Auge trübt, dann wird da- Gleiche von dem Gleichen erkannt werden, und daß sie eine Einheit ist: die geknechtete und die triumphi- rcnbe, die leidende und die beglückte Hälfte der Menschheit, weil eine große, allmächtige Weltseele in Allen lebt und Alle» bewegt und durchdringt.

Und dann noch ein-: geschieht wohl etwa- auf dieser Welt, und sei e- da- Kleinste und Unbedeutendste, wa-