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Marburg, Dienstag, 27. Juni 1876.
XL Jahrgang
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daselbst, den RegierungS- und OberprSsidialrath Rosie daselbst. |
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Ihnen ja persönlich Adieu sichtlich lange nicht sehen, bi ein Bad."
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Intervention selbst in dem Falle, daß eS zwischen Serbien, Montenegro und der Türkei zum Kriege komme. Die beiden Mächte wollen nur an die streitenden Parteien das Verlangen stellen, die bisher auf beiden Seiten verübten Grausamkeiten hinfort einzustellen.
Der offiziöse römische „Bersagliere" meldet, daß die Vereinigung Rußland« und Englands in Betreff der orten;
Ei das ist hübsch, daß Sie noch kommen, da kann ich Adieu sagen. Wir werden uns voraus-
kämpfen, das ist einer von den schweren Augenblicken, wo das gilt, was unser großer Philosoph so richtig sagt: „WaS Einer dem Andern fein kann, hat feine sehr engen Grenzen; am Ende bleibt doch Zeder allein."
Am andern Morgen, nachdem Egbert einige Stunden gefchlafen, schien er äußerlich gefaßter, und Helene sah e« nicht ungern, daß er sich in den Mustksaal begab. Sie hoffte, er würde wie sonst seinen Schmerz in den Tönen aussprechen, und so fein schweres Herz erleichtern.
Als sie aber nichts hörte, trat sie nach einer Weile leise ein, da saß er vor dem geöffneten Instrumente und starrte vor sich hin.
Sanft berührte sie feine Schulter. .Elemente I" tief er seufzend und blickte auf, bann fügte er schmerzlich hinzu: .Ach ja, sie ist ja fort und ich wache — mein Glück war ein Traum — Alles ein Traum !"
Hele hat sich da weinend an feine Brust geworfen; doch er hatte keine erleichternden Thränen mehr, die er mit den ihrigen vermischen konnte. Langsam hat er ihr und sorglich, wie man einem Kinde thut, die feuchten Augen getrocknet und bann wieber ben Blick, in bem ein eigenthümlicheS, starres Brüten gewesen ist, vor sich hin gerichtet, unb vor sich hin gesprochen abgebrochene Worte, als sei Helene gar nicht bo, wozu er von Zeit zu Zeit ben Kopf geschüttelt hat, wie Zemaub, bem es unmöglich ist, Etwas zu glauben, besten Witklichkeit sein Verstand doch nicht zu leugnen vermag.
.Vergiß fiel* hat Helene endlich gebeten. Da ist er aufgestanden und hat mit großer Bitterkeit gesagt:
.Man vergißt die nicht, die unsere Seele an sich reißen, weil sie selbst keine Seele haben. Vergestcn überhaupt gibt nur der Tod oder — das Irrenhaus. So weit ist's noch nicht mit mir."
Leider ist es aber bald genug so weit gekommen. Um kurz zu enden: in der Nacht hat flch Feldcn zu Fuße nach
In Konstantinopel liegen die Dinge ernst genug. Man wird sich erinnern, daß Justus Jzzedin, der Sohn des früheren Sultans Abbul Aziz, ben bet Vater mit Um üchung der muhamedanischen Thronsolgcorbnung zu seinem Nachfolger machen wollte, jetzt als Rächer seines Vaters bargestellt wirb unb daß Sultan Murab die jenem ergebenen Gardetruppen aus Furcht vor einer gegen ihn ge- richteten Revolution aus Konstantinopel zu entfernen sich bemüht. Nach einem Telegramm der Kreuzzeitung an» Paris ist man bereits in Konstantinopel einet Verschwörung der Offiziere auf die Spur gekommen; „zahlreiche Oifiziere wurden gestern verhaftet und in die Gefängnisse von Skutari abgeführt. Die Garnison von Konstantinopel soll gewechselt werden; bie zur Ablösung betreiben be- stmmmten Truppen sind bereits telegraphisch berufen. Die Minist-r lasten sich bewachen. Große Erregung." Eine Bestätigung biefet Nachricht ist freilich bi« jetzt noch nicht eingetroffen; aber man barf sie wohl für wahrscheinlich halten, zumal ba bie Regierung schon seit mehreren Tagen sich bet gegenwärtigen Garnison zu entlebigen trachtet.
Die ftanzössischen Blätter bringen seht beunruhigende Nach richten aus Konstantinopel. Der .Figaro" z. B. enthält folgendes Privat Telegramm: .Konstantinopel, 22. Juni, 2 Uhr 30 M. Nachmittags. Viele Officiere sind verhaftet und nach Scuiarie abgeführt worden. Die ganze Garnison von Konstantinopel wird gewechselt werden. Die Truppen, welche sie ablösen sollen, sind telegraphisch herbeigerufen worden. Unter den Sofias und in ganz Stambul herrscht große Aufregung. Die Minister lasten sich von zuverlästgen Männern bewachen unb Jeder, der bei ihnen vorspricht, wirb sorgfältig durchsucht. Die Eit- kassier des Palastes sind in die Verbannung geschickt. Die Kinder des Generals Jgnatieff sind nach Rußland heim- geführt worden. Man ist hier sehr beunruhigt." Die „Franre", seht russisch unb sehr alarmistisch, kann mit noch viel schlimmeren Nachrichten aus Konstantinopel aufwarten. „Der Tob Hüsteln Avni Paschas" schreibt sie, „soll in ber Garnison der türkischen Hauptstadt eine Er- Hebung gegen Midhat-Pascha herbeigeführt haben. Die gegen eine derartige Kundgebung getroffenen Maßregeln hätten nicht genügt, um die entfeffdten Leidenschaften der alttürkischen Partei zu zähmen. Midhat soll in diesem
Wur'S ei« Tran«?!
Novellete von E ....
(Fortsetzung.)
Helene erschrack heftig, nicht so Clemence, wenigstens «kte keine Miene ihres blaffen Gesichtes, als sie dem «gen Manne freundlich wie immer, die Hand reichend,
Laut Bekanntmachung des Reichskanzleramts hat die italienische Regierung den Handelsvertrag zwischen dem Zollverein und Italien vom 31. Dezember 1865 und den Schiffahrtsvertrag zwischen dem Norddeutschen Bunde und Italien vom 14. Oktober 1867 gekündigt. Die Wirksamkeit dieser Kündigung tritt mit dem 1. Mai 1877 ein.
Der Papst empfing am 21. b. ben Bürgermeister von Münster unb behielt ihn währenb deS üblichen Spazierganges an feiner Seite. Den deutschen Damen, welche bie Pilgerfahrt nach Rom mitgemacht haben, schickre der Papst an demselben Tage Körbe mit Obst und Blumen aus den vatikanischen Gärten. Der eigentliche große Empfang der deutschen Pilgerkaravane hat zwar erst am 22. stattgesunden, bie beutschen Katholiken sind aber schon seit 8 Tagen im Vatikan wie zu House unb bürfen zu jeder Stunde deS Tageö frei ein- und ausgehen.
Bekanntlich wird am 26. d. M. in Brüste! durch Se. Majestät ben König ber Belgier die unter dem Ehren- Prästdium Sr. Königlichen Hoheit des Grafen von Flandern st'hende Internationale Ausstellung für Gesundheitspflege unb RcttungSwesen eröffnet werben. Von Seiten des unter dem Protektorat Sr. Kaiserlichen unb Königlichen Hoheit beS Kronprinzen beS Deutschen Reiches unb von Preußen gebilbeten deutschen RomiteS, werden sich, ba ber Vorsitzende beS KomitsS, Wirklicher Geheime Rath von PhilipSborn, durch seine amtliche Stellung augenblicklich verhindert ist, Berlin zu verlasten, nunmehr, nach Wahl des Ausschusses, der erste stellvertretende Vorsitzende, Hanseatische Minister-Resident, Dr. Krüger, ferner der General der Jnsanterie z. D. von Etzel, der Königlich württem- bergische Präsident Dr. Steinbeis unb ber Wirkliche Sega« tionS Rath Reicharbt nach Brüstel begeben, um in Gemeinschaft mit ben bereits dort anwesenden Geheimen Re- gierungSrath Stöckhardt unb Geheimen Kommerzien-Rath Günther baS deutsche Comits bei dem Eröffnungsakte und den sich daran schließenden Feierlichkeiten zu vertreten. — Ter mit der Ausstellung verbundene Kongreß wird am 27. September d. I. eröffnet werden unb bis zum 4. Oktober d. I. dauern.
nuf das mit dem 1. Juli beginnende dritte y* Quartal der
Bberhessischen Zeitung
sowie des
Illustrirten Sonntagsblattes ^suchen wir die Bestellungen bei den Postanstalten baldigst machen zu wollen. Um nicht allein 10 Pg. zu ersparen, sondern auch
vBllft-ndige Exemplare
ti erhalten bitten wir vor dem 28. Juni zu be- iellen.
Neuzugehende Abonnenten in hiesiger Stadt schalten das Blatt vom Tage der Bestellung an.
Die Exp. d. Oberh. Ztg.
Fürstin zu Egbert gesprochen, deffen Arm sie gefaßt hatte, um ihn näher zu sich heranzuziehen.
Desto vernehmlicher war seine Stimme, als er gleich darauf ausbrechend gerufen:
„Ein Traum — nur ein Traum? — mach' mich nicht wahnsinnig, Weib."
Wieder war die Entgegnung ClemencenS kurz unb leise, doch übten die wenigen Worte eine erschreckende Wirkung auf den jungen Mann, denn er brach, die Augen mit den Händen bedeckend, wie vernichtend in bem Fauteuil, an welchem er lehnte, zusammen, unb daS wilde Lachen, wel ches et zuerst ausstieß, verwandelte sich bald in ein krampfhaftes Schluchzen.
Helene eilte nun schnell auf den Bruder zu und beugte sich über ihn, währenddem muß Clemence den günstigen Augenblick benützend, das Gemach verlaffen haben, denn erst das Rollen des davonfahrenden Wagens weckte Egbert aus feiner Betäubung.
Verstört fuhr er auf, und als er nur Helene gewahrte, di- ihm tröstend zusptach, blickte er sich fast ängstlich in dem leeren Zimmer um, dann ergriff er deS Mädchens Hand und fragte leise: „Nur ein Traum — wirklich nur ein Traum? '
Die Schwester hoffte nun ben Unglücklichen am schnellsten von feiner Liebe zu heilen, wenn sie ihm ihren Verbacht, betreffend daS Berhältniß zwischen ber Fürstin unb beten Stiefsohne, mittheilte.
Doch schon nach den ersten dahinzielenden Worten brach Egbert in ein spöttisches Lachen aus unb rief:
„Spare Dir bie Mühe — ich weiß alles Das bester und von ihr selbst. O, sie ist aufrichtig — unb spricht selbst ba, wo Schweigen nur Barmherzigkeit gewesen wäre."
Wieber verhüllte er das Gesicht unb brach in schmerz liches Weinen aus. Helene verließ still das Gemach, sie fühlte, daß jetzt ihr Zuspruch nichts fruchten werbe. Solch' einen Kampf muß ein armes Menschenherz allein aus»
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux gen Th. Dietrich & Co in geffel und Hannsver; Th. Dietrich in Frantfurt a. M.; haafenftein & Bögler in frantfurt a. M, Berlin, Seite« lig, Cöln k; Rudolf Moffe » Berlin, Frantfurt a. M. rc.
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Tagesbericht.
Die „Nordd. Allg. Zig." bezeichnet es als irrthümUch, laß bie Regierung den Schluß ber Landtags-Session aus ko 28. Juni definitiv in Aussicht genommen habe, und bemerkt, es werde darüber nicht eher Beschluß gefaßt, als H» das weitere Schicksal der haupsächlichen Vorlagen sich ibersehen laste. Vorläufige Berechnungen in parlamentarischen Kreisen dürften ben 28. Juni als Schlußtermin lur unter ber Voraussetzung in Aussicht nehmen, daß jede Vereinbarung mißlinge, welche pessimistische Voraussetzung He Regierung auch jetzt noch nicht theile.
Der preußische Beamtenverein hat seine Thätigkeit eröffnet. DaS Äomite zur Gründung des preußischen Beamtenvereins macht den Mitgliedern und Freunden des BeteinS bie Mittheilung, baß die im §. 38 der Statuten fir bie Eröffnung ber GeschäftSthStigkett des Vereins vor- ffehenen Bedingungen, nämlich die Beschaffung des Ga «ntiefondS, sowie ber Nachweis von Versicherungsanträgen ei ber Lebensversicherung in Höhe von 1,200,000 Mk. tsüllt worden sind. Am 2. d. Mts. sind nach Maßgabe er Statuten die Mitglieder deS ersten VerwaliungSraths «vählt worden. Die Wahl ist gefallen auf den Ober- tästdenten der Provinz Hannover Graf zu Eulenburg, len Geh. Oberregierungsrath Dr. Forch in Berlin, ben
egierungsprästdenten v. Bötticher in Schleswig, ben Äon* jiorialrath Grisebach in Hannover, ben Senator O .......______ ....
Bftlbetn daselbst, ben ObecgerichtSrath Hoppenstebt daselbst, taiischen Frage ein fall accompli sei. Die Grundlage de« kn Schatzrevisor Rode daselbst, ben Kanzleirath Riechers s UebereinkommenS bilde ber Gcunbsatz ber absolutesten Nicht-
Egbert ist eben so bleich geworden, als vorher seine Sangen geröthet waren, dann hat er hörbar alhmend unb «it fast heiserer Stimme, boch ohne bie ihm gebotene Hanb • ergreifen gefragt:
„In ein Bad — in welches Bad?"
Der herrische Ton muß ihr nicht gefallen haben, denn t hat bie Brauen leicht zusammengezogen, gleich darauf ter immer noch freundlich erwidert:
„Mein Gott, nach Baben Baden, Ostende ober in irgend te anderes langweiliges Nest!"
„Unb ich, Clemence?!" hat ba Egbert mit bebender Mmme gerufen, unb fein ganzes Herz mitfammt all' der Wichten Liebe hat in bem Tone gelegen.
Doch sie ist ungerührt davon geblieben. Ein Lächeln, mitleidig, halb geringschätzend, hat sich um die pursten Sippen gezogen, dann hat sie Helene mit einem ge krischen Winke der Hand aufgeforbert, baS Zimmer zu ^lasten, unb als biefe gezögert, kurz und hart gesagt:
„ES muß doch zu Ende kommen, ich habe keine Ht zu verlieren unb will den Zug deßhalb nicht ber* baten!"
.Helene hatte sich trotzdem nur bis an das Fenster zu- ügezogen, wo sie freilich nicht hören konnte, was die