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Marburg, Sonntag, 25. Juni 1876.

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Äuf das mit dem 1. Juli beginnende dritte rw Quartal der

Klierheffischen Zeitung

Raths zum Reichs-Kriegs-Minister ernannt. Die Reformen in der Armee sind auch ohne Koller rüstig vorangegangen, und man erwartet auf den Manövern in Mähren, die am 27. August beginnen und bis zum 7. September dauern, tüchtige Leistungen.

Die beiden Räthe der schweizerischen Bundesver­sammlung setzen ihre Berathungen fort. Der Nationalrath beschloß die Fortberathung des Fabrikgesetzes die Haftpflicht deS Fabrikbesitzers bei Verletzung oder Tödtung, jedoch ausgenommen den Fall höherer Gewalt oder Selbstschuld.

Der Minister-Präsident Depretis zog in der Sitzung der italienischen Kammer vom 17. d. M. die von dem früheren Cabinet eingebrachte Vorlage über den Rückkauf der oberitalienischen Eisenbahnen zurück und legte einen neuen Entwurf vor, der die Verträge von Basel und Wien mit den von Correnti jüngst in Paris mit dem Baron Rothschild als Vertreter der österreichischen Südbahn ge­troffenen Vereinbarungen zusammensaßt. Der 16. Juni als dreißigster Jahrestag der Pastweihe Pius' IX. wurde im Vatikan durch die üblichen Empfangsfestlichkeiten zahl reicher Deputationen gefeiert.

Der 16. Juni brachte wieder eine jener Ueberraschungen, mit denen der Kampf der Parteien in Frankreich so ge­segnet ist: Buffet, der bei den Wahlen der National-Ver- sammlung und des Landes für den Senat und bei den allgemeinen Wahlen für die Deputirtenkammer mit Glanz durchgefallene, vollständig abgenutzte Mann der moralischen Ordnung und des Kampfes gegen die Verfassung, fand eine Mehrheit im Senat, die ihm zu Ricard's Nachfolger als lebenslänglichen Senator erkor. Die Abstimmung sollte, so verkündigten die verschiedenen Organe der aus Orlea- nisten, Legitimisten und Bonapartisten zusammengesetzten Koalition, das Vorspiel zur Verwerfung des Waddington'- schen Gesetzes werden. Am 21. wählten die Bureaux des Senats den Ausschuß für diesen Gesetzentwurf, gegen den die Ultramontanen in der letzten Zeit fort und fort in Petitionen anstürmten. In sechs Bureaux von neun wurden Gegner des Wadvington'sch-n Gesetzes gewählt. Hiermit ist jedoch daS Schicksal deS Gesetzentwurfs noch keineswegs entschieden, im Gegentheil hoffen die Liberale« nach wie vor auf feine Annahme.

Der spanische Senat hat den Artikel 11 der Ver­fassung über die religiöse Duldung, trotz deS hartnäckigen Widerstandes von Seiten der höheren Geistlichkeit, mit 113 gegen 40 Stimmen, darauf die ganze Versaffung mit 127 gegen 11 und endlich den Entwurf zur Abschaffung der baskischen FueroS mit 94 gegen 9 Stimmen angenom-

in ausgiebigster Weife Gebrauch gemacht. Aus den mi­nisteriellen Antworten kann die spanische Regierung sich eine Mahnung entnehmen, der Verfassungsbestimmung be­treffend die religiöse Duldsamkeit die weiteste Auslegung zu gewähren, wenn sie sich nicht die britische Ungnade zu« ziehen will. Von inneren Angelegenheiten war eS das neue Unterrichtsgesetz, welches den wesentlichsten Gegenstand der parlamentarischen Arbeit ausmachte. Zum unbedingten Schulzwange haben Regierung und die Unterhausmehrheit sich noch nicht entschließen können; ein darauf zielender Antrag Mundella'S wurde mit 309 gegen 163 Stimmen verworfen.

Das dänische Folkething sollte am Donnerstag mit der Berathung der Wehrvorlage beginnen, wobei die Linke dem Ministerium ein Mißtrauensvotum zu geben beab­sichtigte.

Nachdem der schwedische Reichstag am 17. Mai geschloffen worden war, ist ihm das norwegische Storthing am 15. Juni gefolgt. Seine letzte Arbeit vor der Aus­lösung war eine Adresse an den König aus Anlaß des Ablebens der Königin-Witwe Josephine.

Die russische Preffe sucht aus dem Ministermorde in Konstantinopel möglichst viel politisches Kapital zu schlagen, doch läßt sich in ihrer Sprache trotz aller Hef­tigkeit eine gewisse Einschüchterung durch das energische und geschickte Auftreten Englands nicht verkennen.

Ueber den zukünftigen türkischen Nationalrath und den Midhat'schen Versassungsentwurf schwirren allerlei Ge­rüchte in der Luft, deren Glaubwürdigkeit mindestens sehr zweifelhaft sein dürfte, da die Bildung eines Nationalraths überhaupt von der alttürkischen Partei noch heftig bekämpft wird. Aus Bulgarien melden amtliche Depeschen zum zweiten Mal die völlige Dämpfung des Aufruhrs. Auch in der Herzegowina scheint die Verkündigung der Amnestie und der schon früher beschloffenen Reformen durch beson­dere Pacifications - Commissare der Pforte schon Früchte getragen zu haben. Dazu kommt, daß die Ausständischea sich wegen der Ausrufung einer provisorischen Regierung der Herzegowina mit dem Fürsten von Montenegro ver­feindet haben, der einige ihrer hervorragendsten Führer verhaften ließ. Die Aufständischen sollen sich daraufhin zerstreut haben; Thatsache ist es wenigstens, daß Mukhlar Pascha mit der Garnison von Trebinje ohne Kampf nach der stets verproviantirungSbedürstigen Grenzfestung Nikstc vorzudringen vermochte. Nach dem höchst freundschaftlichen Notenwechsel zwischen Serbien und der Pforte hat es in ersterem Lande doch noch einmal etwas mit dem bekannten Säbelgeraffel abgesetzt, ja es wurde sogar die Nachricht von einer Mobilmachung der zweiten Miliz in dir Welt, geschleudert.

Anzeigen nimmt entgegen: die Eichedition d. Blatte» sowie bte Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in

gesteckt, wer eigentlich bei ihr die Rolle desjungen Pagen" spielt.

Nun, daS mag der Alte mit seinem Kronprinzen auS« machen für unsere Anna ist aber der Leo nichL

Freilich passtrt so etwas alle Tage, man muß aber doch so viel Takt haben, solche Familienhistorien nicht vermittelst alter Balladen gewiffermaßen mit der Drehorgel in'S Publikum zu bringen.

Helene wartete die Antwort der Generalin nicht ab, sie schlich sich leise auS dem Kabinet. Ein neuer Verdacht begann in ihrer Seele Wurzel zu saffen, und zugleich mit der tiefsten Verachtung gegen Elemente regte sich eine leise Hoffnung, den Bruder doch vielleicht noch auS den gefähr­lichen Schlingen dieser Sirene zu befreien.

Am andern Morgen reiste wirklich die alte Excelleuz von Werding mit Familie ab. Der Abschied war ein ziemlich kühler, und Fräulein Anna hatte bleiche Wangen und rothe Augen."

Ob nun ein Gerücht von der wirklichen Ursache der schnellen Abreise auch zu den Ohren der Uebrigen gedrungen war und ob das dem muntern Treiben plötzlich ein Ziel setzte ist nicht bekannt geworden. Thatsache aber ist: daß am dritten Tage darauf die ganze Gesellschaft mit sammt dem alten Fürsten und seinem Sohne LeoPhan­tasie" verlaffen hatte, nachdem am Morgen dieses dritten Tages eine heftige Scene zwischen den Ehegatten stattge­funden." v

Dir lauschenden Domestiken hatten freilich nicht den Anfang der sehr laut geführten Unterhaltung gehört, denn als sie sich eilig der Thür des großen Saales näherten, woher die Stimmen zu kommen schienen, vernahmen sie blos noch das silberhelle, ihnen wohlbekannte Lachen der Fürstin, gleich darauf aber einen unterdrückten Schrei und das polternde Geräusch eines umgeworjenen Stuhles."

Wort.

Dem Vortrage des Liedes folgt ein stürmischer Applaus, und während Egbert sich dankend verneigt und seinen Platz am Instrument verläßt, erhebt sich Elemente von dem Sammetdivan und ruft triumphirend:

Nun, hatte ich nicht Recht ist diese Komposition nicht bei weitem schöner? So dichtet man aber auch nur auf.Phantasie'!"

Und wie sie so dagestanden im Glanze ihrer wahrhaft dämonischen Schönheit, die prächtige Gestalt schier stolz umwogt von der weißen Seidenrobe, und Aller Augen an ihr gehangen haben da hat der Anblick der armen Helene einen Stich inS Herz gegeben, und sie hat unwill­kürlich halblaut vor sich hin gesprochen:Er ist verloren!"

Darauf ist sie still in's Haus zurückgekehrt. Als sie aber spät Abends noch oben in den Gastzimmern zum Rechten gesehen, hat sie gehört, wie der General von Wer­ding, der viel früher als sonst die Gesellschaft verlaffen, zu seiner Frau gesagt hat:Nun ist's, denke ich an der Zeit, abzureisen. Frau Clemence macht eS doch ein wenig zu bunt, und der heutige Abend hat mir ein Licht aus-

toetgen nimmt entgegen: le Expedition d. Blatte», pie die Annoncen-Bureaux

Th. Dietrich & Co. in Ml und Hannover; Th. strich in Frankfurt a. M-; eajenftein & Vogler in yntfurt a. M-, Berlin, Leiv- ^Cöln rc; Rudolf Moffe , Berlin, Frankfurt a. M. rc.

jroie des

Austritten Sonntagsblattes ffuchen wir die Bestellungen bei den Postanstalten »ldigst machen zu wollen. Um nicht allein 10 |g. zu ersparen, sondern auch

vollständige Exemplare i erhalten bitten wir vor dem 28. Juni zu be-

Neuzugehende Abonnenten in hiesiger Stadt chatten das Blatt vom Tage der Bestellung an. Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Helene erbebt, eine unendliche Traurigkeit befällt sie, die Thränen steigen ihr in die Augen. Sie lehnt sich an GlaSthür, welche Egbert vorhin nicht fest geschloffen hat, dort vernimmt sie ganz deutlich jeden Ton, jedes

Diese verweilt noch einen Moment, getheilt zwischen Schmerz und Entrüstung da werden drinnen die Tasten angeschlagen, sogleich erkennt sie deS Bruders Spiel und jetzt auch feine Stimme. Er singt >ie schöne, traurige Weise, welche er hier komponirt:

Es klingt so süß, es klingt so trüb

(Sie mußten Beide sterben, Sie hatten sich viel zu lieb-"

War'S ein TrnnrnN

Novellete von E . . ....

(Fortsetzung.)

gelben saß bei seiner Schwester, was jetzt selten geschah, war ober in so düsteres Sinnen versunken, daß Helene ihn nicht unterbrechen mochte, und erst eine günstige Gelegenheit abwarten wollte, sich zwangslos auszusprechen «ls ein Diener eintrat und den jungen Mann im Auftrage der Fürllin ersuchte sich sogleich zu der Gesellschaft zu be- geben. Egbert schwankte einen Augenblick, bann entschul­digte er sich ober mit Unwohlsein. Der Diener hatte sich jedoch noch nicht entfernt, als er hastig aussprang und der Schwester einen Spaziergang i« den Garten vorschlug.

s i Sie waren schweigend eine Strecke nebeneinander ge- i gangen, als Egbert Helenens Arm ergriff und sie nach der Seite hinzog, wo der Coucettsaal lag.

H Die Vorhänge waren zwar Herabgelaffen, aber daS Kerzenlicht drang dtzch gemildert hindurch und erhellte mit lmbestimmtem Scheine die grünen Rasenplätze.

Man schien drinnen eben mustcirt zu haben, denn die Teschwister unterschieden noch einzelne Beifallsrufe in dem j bunten Stimmengewirr, als sie lauschend stille standen.

In dem Augenblicke öffnete sich die Glasthür, welche »ach dem Garten führte, und ClemencenS hohe, schlanke destalt erscheint auf der Schwelle.

Wie von magischen Banden gezogen, läßt da Felben den Arm der Schwester los und eilt Clemence entgegen.

1011 Helene sieht, wie diese seine Hand ergreift und ihn mit " ßch sortziehen will. Egbert sträubt sich und schüttelt ver- Beinenb das Haupt da schlingt sie lachend ihren Arm «m seinen Hals und flüstert ihm etwas in'S Ohr und 58, ft folgt ihr augenblicklich, ohne auch nur mit einem Ge­danken sich zu erinnern, baß die Schwester Zeugin dieses ___ Austrittes gewesen.

scheint täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllUftrirteS EonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

WerheWe Jalung. WW

DaS Drei - Kaiser - Bündniß, daS die Erhaltung deS mropäischen Friedens zu seinem Zwecke hat, aber nach der jüngsten Drei-Kanzler-Vereinbarung auf einen Augenblick l ein bedenkliches Fahrwasser zu geraden schien, scheint sich gegenwärtig wieder auf mehr gesicherter Bahn zu be- mb en, unb zwar, wie man glaubt, hauptsächlich Dank bet simbestreuen Friedensgestunung beS Kaisers Alexanber, der gegen den Plan Gortschakow's in Belgrad Ruhe geboten utte. Das deutsche Pauzergeschwader ist am Sonntag 6or Malia eingetroffen und hat am Mittwoch seine Fahrt Mch Osten fortgesetzt. Nachdem am Freitag das Herren­haus feine Plenarsitzungen wieder ausgenommen, tst am Montag ein Gleiches von Seiten des Abgeordnetenhauses geschehen. Durch inzwischen erfolgte Abstimmungen des Herrenhauses sind die Aufnahme LauenburgS in die preu- tzjsche Monarchie und Verlegung des Etatsjahres, so wie desgleichen noch einige andere Vorlagen von verhältnißmäßig geringerer Wichtigkeit durch die endgültigen Zustimmungen j leibet Häuser erledigt, über daS schließliche Schicksal der beiden dringendsten Organisationsgesetze der Session, die Städteordnung und das Competenzgesetz, ist ein Urtheil »och nicht möglich.Wolkenbrüche und lang anhaltende Äegengüffe haben vor acht Tagen in mehreren Gegenden der Schweiz, Württembergs, Badens und des ElsaffeS Überschwemmungen und Erdrutsche veranlaßt.

Der Kaiser von Oesterreich hat daS EntlassungS- Tesuch des Reichs KriegS-Ministerö Koller, der bereits vor men. Die Versaffung soll am 24. veröffentlicht werden, den Delegationen in Folge seines offiziösen Unwohlseins Die englischen Volksvertreter haben von ihrem ttf Urlaub ging, schließlich angenommen und den Grafen Rechte, die Regierung um Auskunft über schwebende Fragen tzhlandt Rheidt unter Verleihung der Würde eines Geh.- auswärtiger Politik anzugehen, während der letzten Woche