Marburg, Freitag, 23. Juni 1876.
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XI. Jahrgang
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zur Annahme der vom Herrenhause unter Zustimmung Regierung beschlossenen Abänderungen bestimmen lasse.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Eq»editton d. Blatter sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schütz-
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nann.
Diese Mahnung hätte gewiß ihre Berechtigung vom Standpunkte der liberalen Partei, wenn es sich bei den
„Eine Gefahr für die Gesetzgebung" —
toter dieser warnenden Aufschrift bespricht ein Organ der einflußreichsten Partei im Abgeordnetenhause die bevorste senden Schlußberathungen über die beiden wichtigen Re- ftrmgesetze; die drohende Gesahr erblickt dasselbe in der Möglichkeit, daß das Abgeordnetenhaus „im Drange des letzten Augenblickes, um die Resultate der langen, mühe- dollen Arbeiten, so gut wie es angeht, einzuheimsen", sich
War'S ein Traum?!
Novellete von E ....
(Fortsetzung.)
„Obgleich deS Mädchens Bildung sie zu einer, beritten mehr entsprechenden Thätigkeit berechtigt hätte, war le doch froh, ein Unterkommen gesunden zu haben, und sthnte sich allmählig mit ihrer untergeordneten Stellung to8, da Clemcnce, die eine ter jungen Gräfinnen, sie sehr beb gewann und ihr das Versprechen gab, sie mit sich zu uhmen, sobald ihre Hochzeit — sie war verlobt — statl- hejunten und sie einen eigenen Haushalt hätte. Egbert
„Schon als Knabe hatte er am liebsten auf des Vaterö item Wiener Flügel stundenlang gespielt und sich in Träumereien versenkt, denen er durch die Töne eine Sprache h>b, deren Laute meist eine trübe Klangfärbung hatten."
„Ein berühmter Tondichter, der nicht bloß, wie das Mannte Sprichwort sagt: ein guter Musikant — sondern vch ein wahrhaft edler Mensch ist, nahm sich des jungen Cannes an und eriheilte ihm selbst theoretischen Unterricht k der Harmpnie und Kompositionslehre."
„Und da gelben sich in der großen Stabt, in welcher 1 lebte, nach unb nach viele Freunbe und einflußreiche ginnet erworben hatte, die ihm durch ihre Empfehlungen rtunoen verschafften, so war seine Subsistenz nach Verruf mehrerer Zähre nicht bloß eine vollkommen gesicherte, intern er konnte auch ein angenehmes und durch Kunst- knüsse verschöntes Leben führen."
„Dazu kam noch, daß eine seiner Schülerinnen, die Schier eines Beamten, welche sich zur Lehrerin ausbilden Mtc, eine herzliche Zuneigung zu Egbert faßte, welche c ihm, wenn auch auf die zarteste Weise — denn sie war
in jeder Beziehung gutes und ebeldenkenbes Mädchen — tob thal.
Die „Kölnische Zeitung" sagte ihrerseits vor wenigen Tagen in einem Rückblick auf die bisherigen Arbeiten für die Organisation der Selbstverwaltung: „Die beiden Gesetze müssen eben noch in dieser Session zu Stande gebracht werden; sie gehören in das nothwendige, zugewogene Pensum, ohne dessen Erledigung noch durch die gegenwärtige Legislatur die nächste, ohne hin sehr schwer zu belastende, ihrerseits sofort zum Erliegen kommen müßte. Die „Organisation der Selbstverwaltung" ist seit 1872, wo in der neuen Kreisordnung der östlichen Provinzen für sie die maßgebende Grundlage geschaffen wurde, nicht von der Tagesordnung unserer preußischen Landesgesetzgebung gewichen. Die überwältigende Bedeutung des großen Werkes wird von Jahr zu Jahr mehr und in weiteren Kreisen anerkannt, und die Erwägung dessen ist wohl geeignet, die arbeitenden Kräfte bei der äußersten Anstrengung zu erfrischen unb in Spannung zu erhalten."
„Nach ben zu machenben Erfahrungen wirb bann in den kommenden Sessionen sowohl an dem weiteren Ausbau im Innern wie an der Ausdehnung über den ganzen Staat mit um so größerer Zuversicht fortgearbeitet werden können. Nach der Umgestaltung der Städteordnung zur Einfügung in den Gesammtplan der Selbstverwaltung bedarf cS ebenso sehr einer entsprechenden Umgestaltung der Landgemeinde-Ordnungen, ferner noch einer Umgestaltung des Behörden Organismus der gesammten Centralverwaltung, und außerdem auch in den meisten Zweigen des öffentlichen Dienstes einer Revision und Reform des materiellen Rechts. Jnsbesonde.e, um nur eins zu nennen, warten der Kultus-Minister unb seine vielgeforderte Reform der Schulgesetzgebung darauf, daß die Organisation der Selbstverwaltung so weit zum Abschluß geführt sei, daß die Schulgesetzgebung in mehreren wichtigen Beziehungen diese Organisation benutzen kann.
Es leuchtet ein, baß bei solcher Lag« ber Dinge Graf Eulenburg und alle Freunde des großen Werkes der Verwaltungsreform in der That alle Kräfte einsetzen müffen für das Zustandekommen deS ZuständigkeitSgesctzeS und ber Städteordnung noch in dieser Session. Die folgenden Sessionen, die ganze nächste Legislaturperiode werden ohnehin noch ein Uebermaß von gesetzgeberischen Arbeiten vor- finden."
In diesen Aeußerungen ist unzweifelhaft ein richtigere» Verständniß ber parlamentarischen Lage und des JntereffeS ber liberalen Partei selber zu finden, als in dem oben erwähnten WarnungSruf.
Eine wirkliche „Gefahr für die Gesetzgebung" würde entstehen, wenn die Bemühungen für das Zustandekommen in entzückten Worten aus, daß ihm zu Muthe fei, als habe eine gütige Fee ihn in ihr Reich versetzt.
„Später redete er denn auch auf Helenens neckende Frage von seinem Verhältnisse zu Melanie, und baß er bei dem Abschiede von dem lieben Mädchen, als er ihre sanfte Trauer gesehen, fast seine Selbstbeherrschung verloren und ihr von .der Zuneigung gesprochen habe, welche sie ihm einflöße.
ES ist das erste und einzige Mal gewesen, daß Egbert über seine Beziehungen zu Melanie gesprochen hat.
Am anderen Morgen streifte er durch Garten und Park unb beschaute die Gemächer des SchloffeS, denn die Fürstin war auf einige Tage nach der Provinzialrestdenz gefahren, und da sich auch zur Zeit gerade kein Besuch in „Phantasie" — so hatte Glemence das Schloß getauft, als der Gemahl eS ihr geschenkt — aufhielt, war ber junge Mann ganz ungestört.
Wer stets zwischen ben Häusermafsen einer großen Stadt eingeengt gelebt, und noch dazu, wie Egbert, in einer kalten, finsteren Straße mit hohen Giebelhäusern, gewohnt hat, ber allein begreift bas Gefühl beS Glückes, welches ber Genuß einer schönen Natur bietet, besonders wenn die Kunst ihre Reize erhöht und gewissermaßen in daS rechte Licht setzt.
Wie ein Träumender ging denn auch Egbert durch den Garten, der in altfranzöstschem Geschmack angelegt war; und wenn er in der prächtigen Mujchelgrotte saß und den Blick über den klaren Spiegel deS SceS und die hohen Rosenhecken schweifen ließ, war eS ihm, als müsse sich nun auch plötzlich diese Scenerie mit den Gestalten, welche zu derselben paßten, beleben, unb er würbe sich nicht gewundert haben, wenn schöne Frauen und Männer in Watteau'schem Kostüm zu einer fete champetre sich hier zusammengefunden hätten.
Die verständige Helene belächelte deS Bruders Träume' reien und suchte seine Begriffe von dieser ,Welt deö Glanze»
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schließlich auszugleichenden Meinungsverschiedenheiten wirklich um grundsätzlich tiefer gehende Fragen handelte, — Kenn ber liberalen Partei in irgend einer Beziehung ein kPser einer gemeinsamen Ueberzeugung zugemuihet würde, — wenn die Gesetzentwürfe, wie sie voraussichtlich aus lern Herrenhaufe an daS Abgeordnetenhaus zurückgelangen, «u{ wesentlich anderen, als auf den im Großen und Ganzen Kreits zwischen ber Regierung und dem Abgeordnetenhause kteinbarten Grundlagen berubeten.
Aber — Hand aus'S Herz! — darum handelt eS sich licht, — auch wenn die von ben Kommissionen bes Herren- «useS vorgeschlagenen Abänderungen größeren TheilS zur innahme gelangen sollten. Dieselben sind theilweise aller
en Musiker und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen Brief. Rt seine Zukunft."
Srschemt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2$ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zette 10 Pfg.
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dings von erheblicher Bedeutung in praktischer Beziehung, und ber Streit darüber mag vom Standpunkt ber kommunalen Zweckmäßigkeit und Erfahrung vollauf berechtigt fein, — aber eine grundsätzliche Wichtigkeit vom Standpunkte ber Parteipolitik ist denselben weit weniger beizumessen, als den meisten ber Fragen, welche im Abgeord- netenhause nach lebhaften Kämpfen von ber Mehrheit im Einverständnisse mit ber Regierung gelöst worben sinb, und welche von ben Beschlüssen bes Herrenhauses fast durchweg nicht berührt werden.
Eine Vergleichung des Regierungsentwurfs mit ber zu nächst im Abgeordnetenhause vereinbarten Fassung unb mit dem jetzt vorliegenden Entwurf des Herrenhauses würde den bedeutenden Antheil deS Abgeordnetenhauses an bet gemeinsamen Arbeit nicht bloö in Bezug auf das Kompetenz gesetz, sondern auch in Betreff der Städteordnung außer Zweifel stellen.
Manche ber Abänberungen, welche bas Herrenhaus in Uebereinftimmung mit ber Regierung vorschlägt, waren überdies im Abgeordnetenhause nur durch schwache unb „schwankende Mehrheiten" abgelehnt worden, — und es wird gewiß daS Ansehen des Abgeordnetenhauses nicht schädigen, wen« in jenen wesentlich praktischen Punkten nachträglich auch die im Herrenhause so vielfach vertretene kommunale Einsicht unb Erfahrung noch einige Berücksichtigung ft n bet.
Eines bet angesehensten liberalen Organe, bie „Schlesische Zeitung", schrieb jüngst: „Hoffen wir, daß die auf innerem politischem Gebiet noch schwebenden Angelegenheiten einen Abschluß finden, der die öffentliche Meinung befriedigt, und daß namentlich für die Verwaltungsreform in unserem engeren Vaterlande daS sich über Gebühr verlängernde Parlamentsjahr kein verlorenes sei. Diesmal würde uns eine gewisse Connivenz des Abgeordnetenhauses, gegen die wir bei anderen Anlässen oft genug anzukärnpfen Grund hatten, durchaus am Orte erscheinen. Wit denken namentlich an die Städteordnung. Selbst auf der linken Seite der Nationalliberalen wird anerkannt, „daß die großen Grundsätze dieses wichtigen Gesetzes von der Kommission deö Herrenhauses angenommen worden sind, und daß es bei dem Ausgleich zwischen beiden Häusern sich nut um Differenzen bei einzelnen Punkten handeln kann." In gewissen Punkten hat die Kommission des Herrenhauses sogar Verbesserungen im liberalen Sinne in Antrag ge bracht. Wit glauben also, da baS zweite ber bieSmal vorliegenden organischen Gesetze, das Kompetenzgesetz, tiefgehende Divergenzen nicht erwarten läßt, einem befriedigenden Abschlüsse bet Session vertrauensvoll entgegen* sehen zu bürsen."
„Das innige Freunbschastsbünbniß, welches die beiden jungen Leute indessen geschlossen hatten, muß auch Felben beglückt unb befriebigt haben, das geht aus den Briefen hervor, bie er bamals an feine Schwester gerichtet, und in welchen an vetschiedmen Stellen die Absicht durchleuchtete, Melanie — so hieß das Mädchen — zu heirathen, sobald seine äußere Lage eine vollkommen gesicherte sein würde."
So waren sechs Jahre verflossen, feit sich die Geschwister bas letzte Mal gesehen hatten, als Egbert die Nachricht erhielt, daß Helene an einer Lungenentzündung erkrankt sei und es sie sehr glücklich machen würde, den Bruder zu fchen, ein Wunfch, welcher um so leichter zu erfüllen war, als man sich zur Zeit im Juni befand, wo bie meisten von Felbens Schülern in Bädern ober auf Erholungsreisen begriffen waren unb er somit keinen bebeutenben pekuniären Verlust burch die Reise erlitt.
Zudem hielt sich gerade bamals Helene mit ber Fürstin X. in Egben's Nähe, in ber Provinz, in einem Lustschlosse auf, bas ihrem Gemahl erst kürzlich durch Erbschaft zu- gefallen war. Die Gräfin Clemente hatte nämlich schon vor mehreren Iahten den Fürsten X. seines Standes und Vermögens wegen, unb et das junge, reizende Mädchen ihrer Schönheit unb Liebenswürdigkeit wegen geheirathet.
Es war an einem schwülen Abend zu Ende Juni, als Egbert nach einer köstlichen Fahrt im offenen Wagen, der ihn von der letzten Bahnstation abgeholt hatte, das „Zauberschloß", wie er es hernach gar oft genannt, betrat.
„Helene befand sich schon in der Besserung, und so war daS Wiedersehen ber Geschwister ein eben so frohes als herzliches.
Abends haben bann Beide in dem traulichen, dämmerigen Stübchen der Schwester gesessen, und wie Egbert durch die hohen Spiegelscheiben in den prächtigen Garten geschaut hat, zwischen dessen grünen Hecken unb Büschen weiße Statuen in holder Schönheit fchimmertcn, sprach er
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"^7" fn dringlichste und höchste Pflicht, daß dieses Mal die liberale Partei feste Position fasse unb nicht einen aus s bloßem Geschäftsdrang und Eifer bictiiien Rückzug von tull lvohl erwogenen und principiell wichtigen Beschlüssen antrete.