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Marburg, Donnerstag, 22. Juni 1876.
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: De» liberalen Elementen von Antwerpen scheint es
nicht recht geheuer bei den Umtrieben und Unruhen zu sein, zu denen die Ultramontanen jener Stadt neuestens Veranlassung gegeben. Die Führer der Antwerpener liberalen Partei haben deßhalb eine öffentliche Erklärung er- laffen, worin sie, unter ausdrücklicher Mißbilligung alles gewaltsamen Vorgehens, an der Aenderung des bestehenden fehlerhaften und gefahrvollen Wahlsystems auf daö Entschiedenste sesthalten und namentlich verlangen, daß die Unterdrückung der Städte durch die Landbevölkerung, durch welche die intelligenten Klaffen auf daS Empfindlichste berührt würden, aufhören müsse. Ueber der Legalität stehe die öffentliche Meinung, und der konstitutionellen Wahrheit entspreche es nicht, daß sich die Regierungsgewalt in den Händen eines klerikalen KabinetS befinde. Nur durch den Rücktritt des letzteren könnten die vorhandenen Beunruhigungen beseitigt werden. Diese Herren sprechen allerdings nur über ihre eigenen Beschwerden und finden kein Wort für die bedrohten Deutschen. Ihre Art konstitutioneller Logik schmeckt dabei stark nach Staatsstreich-Gelüsten. Das „Musterland" der Verfaffungsstaaten scheint uns stark im Rückgang. Es könnte für beide Parteien, die es durchwühlen, mit gutem Fug einigen Import an freiheitlicher Gesinnung brauchen. —
Anders dagegen geht man in Brüffel selbst vor. Dort hat, wie telegraphisch gemeldet wird, eine von den angesehensten Mitgliedern der liberalen Partei aus den bedeutenderen Städten des ganzen Landes besuchte Versammlung einen Antrag angenommen, wonach in allen LandeS- tljeilen eine an den König gerichtete Petition zur Unterzeichnung aufgelegt werden soll, worin um Einberufung der Kammern zu einer außerordentlichen Session behufs Vornahme der Wahlprüfung der am 13. d. Mts. gewählten Deputirten und behufs einer Revision des Wahlgesetzes gebeten wird. Damit kann man sich schon eher einverstanden erklären. Hier muthet man wenigstens dem Monarchen keinen „Staatsstreich" zu. Denn Staatsstreiche, ob im Jntereffe der Freiheit oder der Reaktion ins Werk gesetzt, bleiben immer verhängnißvolle Verbrechen gegen Recht uud Gesetz. ö ö
53on südslavischen Organen wird behauptet, die gerüchtweise bekannten englischen Gelbunierstützungen und Waffen- Zufuhren für die türkischen Truppen auf dem JnsurrectionS- schauplatze seien durchaus begründet. So läßt sich die „Zaftawa", das Organ des Agitators Miletics, unterm 16. d. MtS. aus Ragusa von angeblich sehr guter Seite । Folgendes telegraphiren: „Die Engländer meinen eS wirk« i uch ernst mit ihren Unternehmungen im Orient. Vor i einigen Tagen weilte in Ragusa der englische Ingenieur- : Major Gon mit einem größeren Gefolge. Er hatte eine i
Lage-bertcht
Wie der Deutschen Reichs-Korrespondenz von angeblich unterrichteter Seite versichert wird, leidet der Reichskanzler Fürst Bismarck an Verhärtung einer Fußader, welche der Ärzt für so bedenklich erachtet hat, daß er ein Unterlassen der Kissinger Kur als geradezu lebensgefährlich erklärte. Erst in Folge dieses sehr bestimmt gehaltenen ärztlichen Ausspruchs entschloß sich der Reichskanzler zur Reise nach ikisstngen.
Wir erwähnten gestern einer Notiz, wonach die Landtags- Wahlen noch vor der Herbstsesston des Reichstages statifinden würden. Wie wir jetzt hören, liegt bis jetzt noch keine definitive Beschließung über diese Angelegenheit vor. (S. auch unsere heutige Berliner ## - Corresp.)
Die Ertheilung des Berechtigungsscheines zum ein- ßhrigen freiwilligen Dienst hat seitens der betreffenden Prüfungskommissionen bei einer Reihe junger Leute bean- ßandet werden müssen, weil sie von den Schulanstalten zum Oster-AbgangStermin nicht mit dem durch die neue Militär- Gesetzgebung vorgeschriebenen Zeugniß über die wissen Haftliche Besähigung für den einjährigen freiwilligen Dienst «ersehen waren. ES dürfte angezeigt erscheinen, alle Schul Direktoren darauf hinzuweisen, daß die Vorschriften für die betreffende Prüfung in einer amtlichen Zusammenstellung iei E. S. Mittler & Sohn in Berlin erschienen sind, labere von Privatleuten veranstaltete Sammlungen dieser Porschriftcn entbehren der Vollständigkeit und Zuver- Wgkeik.
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längere Unterredung mit de» hiesigen auswärtigen Consuln und nachdem er den Hafen von Klek besichtigt hatte, begab er sich von dort birect nach Mostar und beabstchtigte unterwegs alle wichtigen strategischen Punkte. Von Mostar begab sich Gon zu dem nämlichen Zwecke nach Serbien. Gleich nach ihm ist das große englische Schiff „Calipso" in den Hafen von Klek eingelaufen und brachte eine nicht unbedeutende Summe Geldes, ferner 150,000 Kilogramm Zwieback für die türkische Armee. Als Beweis hierfür kann der Umstand gelten, daß gleich darauf die in der Herzegowina operireuden türkischen Truppen verproviantirt waren, desgleichen wurde ihnen der rückständige Sold von acht Monaten baar ausbezahlt. Ein anderes Schiff brachte wieder zwei schwimmende Batterien für die Türken, weiter acht Millionen Patronen nach dem Schneider'schen System und 70,000 fl. in englischem und türkischem Gold, die Moukthar Pascha eingehändigt wurden."
1 die Arme mit einem Ausrufe des Entzückens gegen die Gestalt der Gräfin aus.
Mit einigen schnellen Schritten war Fräulein N. an seiner Seite und wollte ihn, seine Hand ergreifend, fort« ziehen.
Doch er sah sie flammenden Auges an und rief heftig:
„So laffen Sie mich doch, was wollen Sie denn, — fie ist es ja — es ist ihr weißes Kleid, die blauen Schleifen, das goldene Haar — o, man vergißt das nicht I"
Er bedeckte die Augen mit den Händen und stieß einen tiefen Seufzer aus. In demselben Augenblicke führte die Wärterin der Gräfin diese auf einen Wink der Oberin fort, und schnell entschwand sie in der Biegung des Weges.
Mit steigendem Jntereffe betrachtete ich den jungen Mann, der jetzt die Hände langsam von d.m bleichen Gesicht sinken lief}.
Ein leichter Schauer machte seine Glieder erbeben, dann zuckte er zusammen und blickte sich spähend um. Doch da er, so wenig als wir, eine Spur von der Erscheinung bemerkte, die ihn in so große Aufregung versetzt hatte, bedeckte sich sein ohnedem bleiches Gesicht mit einer noch tieferen Bläffe, die Augen irrten fragend von Einern zum Andern, und mit leiser, bebender Stimme flüsterte er, den Arm der Oberin erfaffend: „War'S ein Traum?"
Ich fühlte mich vom tiefen Mitleid ergriffen, und da ich stets gehört, daß man solchen Kranken nicht widersprechen dürfe, weil man fie sonst reize, erwiderte ich so ruhig wie möglich:
„Gewiß, eS war ein Traum."
Doch ich bereute sogleich meine Worte, als ich die Wirkung sah, welche dieselben, hervorbrachten.
Die schönen Züge des edlen Antlitzes verzogen sich in den Zuckungen eines unsäglichen Schmerzes, die großen,
Deutsche- «eich.
•* Berit», 20. Juni. In liberalen Zeitungen wird bereits der Termin für die Neuwahlen angegeben. In den maßgebenden Kreisen hat darüber eine Verständigung noch gar nicht stattgefunden und wird daher auch jede Nennung eines TermineS keinen Anhalt bieten. — Die Ernennung Eck'S im Reichskanzleramt zum Unter - Staatssekretär gibt Veranlassung, ergänzend zuzufügen, daß derselbe für die Stelle des Vorstandes eines Reichsfinanzamteö destgnirt sei. Dieses entbehrt jedoch jeder Grundlage, da an die Creirung eines solchen Amtes zur Zeit gar nicht gedacht wird. — In der nächsten Zeit erfolgt die Ernennung einer Anzahl Regierungs-Assessoren zu Regierungsräthen. — Die Commission zur Förderung der Pserdezucht, welche seit dem 14. d. M. tagt, theilt sich zunächst in drei besondere Commissionen, welche über die vorliegenden Gegenstände in eine Vorberathung traten, zu welcher zwei Tage verwendet wurden. Hiernach begannen die Plenarderathungen, welchen die bei Berufung der Commission ausgestellte Tagesordnung zu Grunde lag. Eine Erweiterung derselben ist im Laufe der Discufsion durch gestellte Anträge geschehen. Die Erörterung der Frage, Einrichtung von Hengstmärkten behufs Rcmontirung der Landgestüte, die Frage, ob die Concurrenz um die StaatSprämien für die im Bezirke befindlichen Hengste, welche zu öffentlichem Gebrauch aufgestellt sind, beziehentlich für alle Stuten mit deren Nachzucht offen teht, — diese beiden Fragen geben Veranlassung zu eingehenden Debatten. Unter Nr. 8 der Tagesordnung steht der Antrag bezüglich einiger Abänderungen der Bestimmungen des Pferde-AuShebungS-ReglementS vom 12. Juni 875. — Aus Kisstngen find bereits mehrfach Nachrichten eingegangen über das glückliche Eintreffen veö Fürsten
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ift. Zwangsmittel werden nämlich selbst in den äußersten Fällen principiell nicht angewandt.
Nachdem ich einige mit von früher bekannte Kranke begrüßt und die Versicherung empfangen hatte, daß sie sich äußerst wohl befänden und nun bald nach Hause zu-
•l*Ären ®^tben/ fraflte ich die Oberin nach der öfter- reichische» Gräfin, welche an der fixen Idee laboriite, daß
Gewahliu des P*schen Kronprinzen, und durch eng- lifdje Jntriguen um die Liebe deS Gatten und die Aussicht auf den Thron gekommen fei.
„Der geht es momentan sehr gut," erwiderte Fräulein n , "ben" f" lebt der festen Hoffnung, daß ihr Gemahl sie noch im Laufe Dieser Woche besuchen wird, und beschäftig sich den ganzen Tag über mit der Musterung ihrer Garderobe.
„Doch da kommt sie ja selbst, sehen Sie, hat sie sich nicht, was ,hr Aeußeres betrifft, sehr zu ihrem Vortheile verändert r
-Ich mußte dies um so mehr zugeben, als ich die Dame das letzte Mal in tiefer Trauer mit zurückgestrichenem unb von einer schwarzen Krepphaube bedecktem Haar gesehen hatte. ^etzt fiel dieses in reichem Gelock bis über bie Schultern unb biente so dem seinen, bleichen und sehr edel geschnittenen Gesichte durch seine Fülle und den eigen« ^mlich röthlich-goldenen Farbenschimmer zu einer hohen
Wir gingen der jungen Frau entgegen und hatten sie fast erreicht, als ein unerwarteter Zwischenfall unsere Schritte hemmte. 1
Von einer Bank dicht vor uns erhob sich nämlich Plötzlich ein junger Mann, der bie ganze Zeit über dort uH'g gesoffen, und mit nachdenklicher Miene mit seinem Stocke Figuren in den Sand gezeichnet hatte, unb breitete 1
Ein parkähnlicher Garten nahm und auf. Frischgrüne ^»Plätze, breite Alleen, aus prächtigen, uralten Linden ■wlbet, spendeten hier Schatten unb Kühle den armen, • geistigen Lichtes Beraubten. Und doch befanden sich 1 er «och nicht die Schmerkranken, bei denen eine «ngere Ueberwachung und größere Isolirung von Nöthen
War'S ein Tran«?!
Novellete von E ....
Es war auf meiner Reife von Wien nach dem See- tab Doberan, woselbst ich mit den Meinen zufammentreffen gellte, als ein leichtes Unwohlsein mich nötigte, einige Nttage in der Metropole des deutschen Kaiserreiches zu leiten.
Wie alle großen Städte ist auch Berlin im Sommer « 27 Grad Reaumur im Schatten kein beneidenswerther lusenthalt, und die breiten Straßen mit den heißen Asphalt fetten, auf denen im Herbst und Winter die seidene dchleppe rauscht und die silbernen Sporen des petit creve litten, sind öde, auSgestorbcn und langweilig.
Zu meinem Tröste fiel mir ein, daß in Berlin ein feer Freund von mit wohne.
Äuf das mit dem 1. Juli beginnende dritte
Quartal der
Merhessischen Zeitung
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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte», sowie die Anr.oncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in -affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in zrankfu^ e. M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Eine Stunde daraus hielt mein Fiaker vor dem Por- fee der bekannten Irren - Heilanstalt, welcher Doetor Le- festein vorsteht — unb bald saß ich mit der ganzen Fa- felie gemächlich in einer Laube bes Gartens beim Kaffee. ,Ta, . Voll Jntereffe erkundigte ich mich nach den armen 1 fenten der Anstalt und äußerte den Wunsch, einen Blick 1 bie psychische Abtheilung zu thun.
Plaudernd wanderten wir durch die schönen Anlagen Gartens, da wurde der Doctor eines schweren Falles *8tn abberufen, und ich begab mich mit der inzwischen kachtichligten „Oberin" allein in den für bie Geistes Bitten reservirten Raum.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.