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Juarßufg, Sonnabend, 18. Juni 1876.

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XI. Jahrgang

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Der italienische Minister deSIeußern, Melegari, wird, Bk uns von Rom berichtet wird, demnächst sein Porte- seuille niederlegen und den Posten eines italienischen SB ob schasterS in Konstantinopel einnehmen. DaS Portefeuille liU Rasponi, einem Mitglied« der äußersten Linken und Lerwandten deS Kardinals Bonaparte angeboten worden sein.

sehmlich folgende Funktionen zuweisen: Handhabung der Disziplinargewalt über die Advokaten, Zuweisung der ilrmen-Vertreter, Erstattung von Anträgen auf Erlassung »euer oder Abänderung bestehender Gesetze, Mittheilung »ahrgenommener Mängel in der Rechtspflege an die Re- zicmng, Begutachtung vorgelegter Gesetzentwürfe u. s. w.

Die Gerüchte von Verhandlungen, welche in letzter Zeit

da die Frau fest geschlafen habe. AIS sie nach nicht gar zu langer Zeit wiedergekommen sei, habe die Blinde zwar im Bette aufgesefsen und wirreS Zeug geredet; von dem Fräulein habe sie (die Rose) indessen nichts gesehen.

Die Angelegenheit deS deutschen SchiffesAnna* wird, Bit unter dem 3. Mai aus China gemeldet wird, wahr scheinlich auf friedlichem Wege geschlichtet werden. Die chinesische Regierung hat zwei der drei Forderungen des deutschen Gesandten zugestanden. Die Seeräuber wurden hiugerichtet, die Mandarinen in der Nachbarschaft des OrteS, wo die Wegnahme des Schiffes und die Ermordung

muffen," versicherten die alten Leute, welche den ersten Stock bewohnten.

Alle Dienstleute wurden befragt Niemand hatte sie gesehen ha, endlich doch eine Spur! Auf der Schwelle der Thür, welche zu dem Gemache der Muhme führte, lag ein welke« Myrthensträußchen, das den Besatz des Braut­kleides geziert hatte. Hier also mußte sie gewesen sein. Das Mädchen der Muhme, die Rosa, wurde befragt; sie antwortete anfangs ausweichend, um schließlich zu gestehen, daß sie trotz deS Gebotes, die Blödsinnige nicht zu ver­lassen, der Versuchung nicht habe widerstehen können, auch einmal zu den Anderen in die Küche zu gehen, besonders

der Müller mit der alten Kraft und Entschlossenheit. Hier gibt's ein Unglück, schnell um GvtteS Willen I*

ES bedurfte der Mahnung nicht, alle anwesenden Männer legten Hand an, und die Frauen und Mädchen standen klagend und erschrocken dabei denn so etwas war noch nicht vorgekommen in Roda, seit Menschengedenken nicht, ja, so lange die Welt stand.

Nach kaum einer Viertelstunde standen drei Schlitten angeschtrrt, umgeben von in der Eile herbeigehvlten Män­nern, welchen man Laternen und Stäbe gereicht hatte. Die Suchenden theillen sich in drei Abtheilungen und fuhren nach verschiedenen Richtungen dahin in dem Schnee- sturm, so schnell die Pferde laufen konnten.

Doch Mitternacht war schon vorüber und der Schnee fiel noch immer in dichten Flocken, obwohl sich der Wind gelegt hatte und die Luft milder geworden war, als fie heimkehrten, ohne daß ihre Nachforschungen von dem ge­ringsten Ersolge gekrönt worden waren.

Die Braut war wie vom Sturme verweht, denn selbst im Hofe und auf der Straße hatte man keine Spur von Tritten entdecken können, da der ununterbrochen gefallene Schnee alle« bedeckt hatte, gleich einem weiten Leintuche.

Die Kerzen waren gelöscht, der Schwarm der Gäste zerstoben, nur eine einzige Lampe erhellte den weiten Raum; es war schon gegen Morgen, als auch Werner und Se­bastian zurückkehrtm dir Letzten. Sie waren jetzt Beide allein.

Der alte Mann saß an der Tafel, auf welcher noch die vollen und halbgeleerten Flaschen und Gläser, die bunt- gemalten Teller, belegt mit Kuchenresten und Confitüren, standen in der ganzen, noch unveränderten fröhlichen Un­ordnung eines heiteren Mahles; er hatte das graue Haupt mit den Händen gestützt und starrte vor sich hin in wort- losem Jammer.

Endlich sprach er in leise«, seltsam gebrochenem Toner

Nach der neuen Provinzial-Ordnung sollen bekanntlich die ProvinzialrSthe bestehen aus den Oberpräsidenten als Vor­sitzenden und au» einem vom Minister deS Innern zu er­nennenden höheren Verwaltungsbeamten und fünf vom Provinzial-Ausfchuß zu wählenden Mitgliedern. Der Mi­nister hat nun feine Wahlen getroffen und es sind ernannt für Preußen der Regierungsrath Halbti in Königsberg als Mitglied und der RegierungS Assessor Schulze als Stell­vertreter, in der gleichen jedesmaligen Eigenschaft für Bran­denburg RegierungSrath Schulze und RegierungSrath Neu­haus in Potsdam; für Pommern RegierungSrath Friedrichs und Regierungs-Assessor v. Podewill; für Schlesien Regie­rungsrath v. Wilmowsky und RegierungSrath v. Zastrow in BreSlau; für Sachsen RegierungS - Assessor v. Senft- Pilsach und RegierungS - Assessor Perstuö in Magdeburg.

Posen, 15. Juni. Das hiesige Kreisgericht hat den Grafen Stanislaus $ lotet wegen Unterschlagung und Un­treue zu zwei Jahren Gesängniß und 3000 Mark Geld­buße verurtheilt.

Dresden, 15. Juni. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer gab der Minister de» Innern, v. Nostitz- Wallwitz, in Beantwortung einer an ihn gerichteten bezüg­lichen Interpellation, die Erklärung ab, daß die Einführung der Leichenverbrennung, auch der fahiltatfoen, ohne eine vorherige Revision und Ergänzung der bestehenden Gesetz­gebung unthunlich sei, die Regierung aber nicht beabsichtige, dem Landtage noch weitere legislatorische Vorlagen zu machen.

Weimar, 14. Juni. Ein provisorisches mit Zu­stimmung des ständigen Synodal «Ausschusses erlassenes Kirchengesetz spricht die Aushebung der kirchlichen Gebühren bei kirchlichen Aufgeboten, Trauungen und Taufen auS, doch ist den Kirchengcrneinde Vorständen gestattet, bei HauS- Trauungen und Taufen, wenn sie nicht in dringlichen Nothsällen stattfinden und wenn bei Trauungen und Taufen besondere kirchliche Feierlichkeiten gewünscht werden, be- besondere kirchliche Abgaben an die Kirchenkasse durch Ortsstatut festzustellen. Den Geistlichen und übrigen Kirchendienern ist die Annahme von Geldgeschenken unter­sagt. Die bezugsberechtigten Stellen sind für den Ausfall mit den Jahresbeträgen zu entschädigen, mit welchen die Erträge der ausgehobenen Gebühren in den neuesten Be- soldungStabellen veranschlagt sind; entschädigungspflichtig ist die einzelne Kirchengemeinde, doch kann bei besonders gut dolirten Stellen ausnahmsweise wegen sonstiger Belastung der Gemeinde mit Parochialabgaben im Fall der Neube­setzung von der Entschädigung abgesehen werden; armen Gemeinden, welche zur Aufbringung kirchliche Umlagen er­heben müssen, wird eine Unterstützung ans Staatsmitteln gewährt.

dem in des Sebastian! ArmJesus erbarm Dich! Diedrich, thue das nicht Alles, nut das nicht I* A Und die Sekunden wurden zu Minuten, und die Wirk-

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Äoch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

Tagesbericht.

Im Reichskanzleramte sind gutem Vernehmen nach in Ergänzung der drei großen Justizgefetze in Vorbereitung: Ein Gesetzentwurf betr. die Formen der öffentlichen Beur­kundung, in Sachen der freiwilligen Gerichtsbarkeit und ein Aefetzentwurf betr. die AmtSstcllung der Notare. Außerdem P ein Anwaltskammer-Gesetz in Aussicht genommen wor­den, welches dem Reichstage so zeitig zugehen wird, daß iS gleichzeitig mit den übrigen Justizgesetzen ins Leben treten fonn. Dieses Gesetz roiib den Anwaltskammern cor»

Nichte, twilli

DaS Kreuz a« Wege.

Novelle von Ernst v. Waldow.

(Fortsetzung.)

Bekanntlich hatte dieFrance* die Nachricht gebracht, daß die Sultanin Valide und der Prinz Jussuff Jzzeddin vor dem Sultan Abdul Aziz ermordet worden seien. Diese Mittheilung wird von dem jungtürkischen BlatteTablettes d'un speetateur" bementirt. Prinz Jzzebbin, sagt baö Blatt, baS nichtssagendste und trägste Wesen der Welt lebt ver­gessen von Allen. (Leider ist nicht gesagt wo?) Die Sul­tanin Mutter machte, als sie den Tod ihres Sohnes er­fuhr, den Versuch, sich auS dem Fenster deS Palastes von Tscherogan zu stützen, man konnte sie aber noch zurück­halten, und seitdem bewacht man sie ununterbrochen, um weitere Versuche zu verhindern.

Der Vorsitzende der provisorischen Regierung in der Herzegowina, Pawlowitsch, hat, wie französische Blätter berichten, an alle Kabinette der Großmächte eine Note ab­gehen lassen, in welcher er die Anerkennung der Insurgenten alS kriegführende Macht verlangt. Wie hinzugefügt wird, würden >ur die Vereinigten Staaten diesem Verlangen entsprechen.

Deulsches «eich.

* Berlin, 15. Juni. In der heutigen Sitzung des Staatsministeriums führte den Vorsitz von Camphausen. Es wurden die neuen Staatsminister v. Bülow und Hof­mann eingeführt und vereidigt. DieNational - Ztg." vermißt im gestrigen Artikel derProv -Correfp." über die Reife des Kaisers nach EmS nähere Aufschlüsse über allerlei politische Fragen und Räthsel der jüngsten politischen Ent­wickelung. ES liegt jedoch auf der Hand, daß dies die Ausgabe deS Artikels nicht sein konnte, da er nur im All­gemeinen die friedliche Situation anzudeuten hatte, unter welcher die Reise deS Kaisers erfolgt und die ihm in EmS Ruhe und Erholung verheißt. Den Grund, weshalb fpecielle Aufklärung über die benannten Punkte nicht gerade in Organen deutscher Regierungen zu suchen ist, bezeichnet dieRationai-Zlg." selber, wenn sie sagt, daß Deutschland in der orientalischen Frage vor Allem der Freund seiner Freunde sei. Uebrigens hat sich doch auch in jüngster Zeit die Situation vielfach geklärt, und wenn dieNational- Ztg." das Wort Andrassy'S, die Speculation auf die Differenz der leitenden Mächte sei vereitelt, so räthselhaft findet, so darf sie zur Lösung desselben auf manche ihrer eigenen Besprechungen verwiesen werden. Der CultuS- minister hat bei Gelegenheit der Erwägungen über die Realschulsrage Ermittelungen veranlaßt, wie viele von einer Realschule erster Ordnung abgegangene Candidaten deS höheren Schulamts sich bisher der Prüfung pro fec. doc. unterzogen, für welche Ficher und mit welchem Erfolg.

und meinte: man hätte sie ja früher nicht um Rath ge­fragt, nun möge man auSeffen, was man sich eingebrockt damit drehte sie sich ruhig nach der Wand.

Sebastian bog sich angstvoll über sie:Mutter Mutier, sprich!" flehte er,wo ist Margarethe?" und stockud setzte er hinzu:War Jemand hier?"

Die Alte lachte.Geh, mein Sohn, und beruhige Dich, gcwiß war Jemand hier aber nur der Erich Waltran, er kam aus dem Fluß, wo die Eisdecke geborsten ist, um mich abzuholen in's Hochzeitsbett geh', geh'!"

Sebastian stützte sich auf die Pfosten des BetteS, fein Ange richtete sich auf Werner, welcher die Worte der Frau gleichfalls vernommen hatte ein schrecklicher Verdacht wurde in diesem Augenblick Beiden zur Gewißheit, doch blieben die Lippen stumm, sie hatten sich verstanden ohne Worte.

Zündet Laternen an und laßt anspannen l" rief jetzt

[5048 "glich e kanz e Mit- 'W ! aas Sue. Leih,

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidcudank, A. Stete- rneyer in Berlin; Carl SchÜß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: Ne Expedition d. Blatte», jgeie die Annoncen-Bureaux wll Th. Dietrich & Co. in gafel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; naasenstein & Vogler in Eantfurt a. M, Berlin, Leip. g«. Köln K; Rudolf Moffe tz Berlin, Frankfurt a. M. rr.

lichkeit versank immer tiefer und ward zum Schatten eines Traumes und die tovte Liebe entstieg dem Grabe, mit »elchem menschliche Vorsicht eS bedeckt und umschlang sie eit glühenden Armen und trug sie davon auf den Schwingen allmächtiger Leidenschaft.

TM »Wo ist die Brant?" da« war eine Frage, welche zu- J22 an der frohen Hochzeitstafel von den lächelnden Lippen bet Gäste fiel.Wo ist die Braut?"

Doch die Lippen erblaßten, und die Frage ward end 13rfi iich von dem Vater und Sebastian wiederholt in Angst und Verzweiflung.

Man durchsuchte daS HauS nirgends eine Spur dvn der Vermißten! Oben in ihrem Zimmer war Mar- Sarethe nicht gewesen, denn sonst hätten wir sie ja über " dvseren Köpfen gehen und auch auf der Treppe hören

zwischen England und Deutschland bezüglich der Abtretung Helgolands stattgefunden haben sollen, werden von London und von Berlin aus aus das Bestimmteste de uentlrt.

Sie fühlte da«, und eine ungeheure Angst preßte Ihre Lrust zusammen; die Augen, die eben noch so wunderbar aufgeleuchtet, als er von feiner Liebe zu ihr gesprochen, die sollten sich in wenig Stunden schon schließen für immer; dies bleiche, schöne Antlitz sollte im Todeskampfe sich ver ziehen; über die weichen, seidenen Locken, den vollen rochen sMund, den sie einst so heiß geküßt, sollten die Fluchen zehen; ha, man hatte erst gestern einen Menschen auS 108 dem Flusse gezogen, der auf der dünnen Eisdecke einge- - brochen wat er sollte so grausig auSgesehcn haben, hatte $ die eine Brautjungfer erzählt, und sei vordem ein so auS- ^aehmend hübscher Mensch gewesen; ja, der Tod macht , ,, ,

alle gleich. Und da unten zu liegen im Schlamm bei ben| So sollte man durch das Zusammentreffen an sich un- Vschen und alledem ekelhaftenGethirr^ und sie während-»bedeutender Zufälligkeiten keine Aufklärung erhalten.

Die Blinde wurde allerdings befragt, doch sie lachte

seiner Bemannung stattfand, begrabirt, unb zwei Dörfer, in denen die geplünderte Ladung versteckt worden, 'nieder- gebrannt. Die dritte Forderung des deutschen Gesandten bezieht sich auf die Schadloshaltung und wird wahrschein­lich ohne Schwierigkeit geregelt werden.

0U81 DerLibertö" wird berichtet, daß der deutsche Bot- iy<Hi schaster von Keudell, welcher im Begriff gestanden, zur Megiatur nach Rocca di Papa zu ziehen, in Folge von Depeschen, die er auS Berlin erhalten, die Abreise von Rom