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der Mäßigung Gehör geschenkt hat, die Bischöfe der Ver­fassung gegenüber das Gleiche thun sollen.

Der Brüsseler „Nord" giebt in einer Reihe von Artikeln dem Unwillen deS russischen KabinetS über die Haltung Englands in einer Weise Ausdruck, welche mit der im Allgemeinen jetzt herrschenden friedlichen Stimmung in schroffem Widerspruch steht. Zn seinem letzten Artikel sagt das inspirirte Blatt: „Die Erklärung Disraelis in der Sitzung deö Unterhauses vom 9. d. Mts. ist keineswegs geeignet, ein kleines Bild über die von England zu be­folgende Politik zu geben. ES dürfte schwierig sein, an der Wahrheit mit größerer Gewandtheit und weniger Frei- müthigkeit vorbeizugchen. Disraeli hat sich zu der Ver­sicherung berufen geglaubt, daß das Berliner Memorandum zurückgezogen sei, während eS nur auf unbestimmte Zeit vertagt ist. ... In der That, während DiSraeli 'sich darin gefällt, stch selbst zu loben, wird die Lage im Orient immer schlimmer. Man befindet stch gegenwärtig wieder vor demselben Dilemma, welches bisher die Pacifikation unmöglich gemacht hat, und dazu kommt noch die Ent- fesiellung der Leidenschaften, welche mit größter Mühe nur bisher niedergehalten wurden. Ohne die helfende Theil- nahme Europas giebt es keine Garantie für die Flüchtlinge und die Insurgenten Bosniens und der Herzegowina für die reelle Ausführung der Reformen, welche ihnen oktroyirt werden sollen. Ohne diese Garantie werden sie sich keinen- fallS unterwerfen. Ja Folge besten ist nur eine Ver­längerung des unerträglichen Zustandes in'S Unendliche zu erwarten, wie er schon seit acht Monaten andauert und dem die Vereinbarung der Mächte ein Ende machen sollte. Unter diesen Vcrhältnisten begreifen wir leicht, daß DiSraeli nicht den Muth hatte, die wahre Lage von der Landes. Vertretung einzugestehen 1

Deutsche» «eich.

•• Berlin, 14. Juni. Auf Grund der Einnahme- Ueberstchten der Directiv-Behörden ist von dem Kaiserlichen Zoll- und Steuer-Rechnungs-Büreau eine Einnahme-Zu­sammenstellung der Zölle und Verbrauchssteuern im ersten Quartal dieses Jahres bewirkt worden. Derselbe» ist eine Beilage mit detaillirten Angaben beigefügt. Nach dieser hat die Brutto-Einnahme der Zölle 27,597^79 Mark und nach Abzug der Zahlung von Ausfuhr - Bonificationen 27,590,823 Mark betragen. Hierzu treten die aus private Rechnung sreigeschriebenen Gefälle in Höhe von 1731 Mark. Der Gesammtbetrag der gemeinschaftlichen Soll Einnahme beläuft sich sonach auf 27,592,554 Mark. Von dieser Summe sind sofort oder noch im ersten Quartal eingezahlt 16,167,973 Mark, im ersten Quartal creditirt und bis zum Schluffe destelben nicht ringezahlt 11,422,850 Mark. Die sällig gewordenen Credite für daö 4. Quartal 1875

betragen 13,829,596 Mark. Die Verwaltungskosten be­laufen stch auf 2,757,932 Mark. ES waren mithin, nach Weglastung von Luxemburg, an die Reichskaste 26,724,263 Mark abzuführen. — Für die Salzsteuer wird eine Soll- Einnahme nach den Hebercgistern, einschließlich der Register- Defecte, jedoch abzüglich der Restitutionen und Register- Vergütungen von 7,446,520 Mark angegeben. Hierzu treten die auf private Rechnung sreigeschriebenen Gefälle mit 1597 Mark. Der Gesammtbetrag der gemeinschaft­lichen Soll-Einnahme beziffert sich mithin aus 7,448,117 Mark. Von dem Soll sind sofort oder im ersten Quartal eingezahlt 1,497,542 Mark, im ersten Quartal creditirt und bis zum Schluffe destelben nicht eingezahlt 5,948,978 Mark. Die sällig gewordenen Credite für das 4. Quartal vorigen Jahres betrugen 8,424,041 Mark. An Verwal­tungskosten kommen in Anrechnung 65,436 Mark. ES waren mithin, mit Fortlastung von Luxemburg, an der Reichskaste 9,856,544 Mark abzusühren. — Fürst Bis­marck wird sich zunächst nicht, wie hiesige Blätter noch gestern meldeten, wieder nach seinen Besitzungen begeben, vielmehr sind schon seit einiger Zeit Vorbereitungen zu einer Badereise nach Kissingen getroffen, wohin Graf Her­bert bereits vorausgegangen ist. Die Abreise deS Fürsten erfolgte heute Morgen. Man wird darin eine neue Bestä­tigung der friedlichen Lage finden dürfen. — Auch der Kriegsminister wird sich in Kurzem auf feine Güter nach Pommern begeben. — Der Kultusminister wird am Schluste der Landtags Session einen sechswöchentlichen Urlaub an­treten. — Dem Ausflug deö österreichischen Botschafters Graf Karolyi von Ems nach Paris wird in einer Corre- fpondenz der „Kreuzzeitung" eine hochpolitische Bedeutung beigelegt. In hiesigen unterrichteten Kreisen hält man diese Austastung nicht für zutreffend, glaubt vielmehr, daß der Besuch mehr dem Rennplätze als politischen Ausgaben gilt.

Cannstatt, 14. Juni. Im ganzen Neckarthal ent­luden sich heute schwere Gewitter mit gewaltigem Platz­regen. DaS Master deS Neckars ist in bedenklichem Steigen begriffen und die Fluth-Höhe von 1872 bereits erreicht. An vielen Stellen ist das Neckar-Thal in ganzer Breite überfluthet. Der Schaden ist groß. Unglücksfälle find bisher nicht gemeldet.

Friedrichshafen, 14. Juni. Das Master des Bodcusee's ist noch immer im Steigen begriffen und steht drei Meter über dem Nullpunkt des Pegels. Der Schloß- damm ist überfluthet; in den Kellern steht das Wasser theilweiße acht Fuß hoch. Die Zoll Halle in Langenargen ist vom Wasser umspühlt, die Dampfschifffahrt unterbrochen der Bahnverkehr zwischen Ravensburg und Friedrichshafen noch gestört.

München, 13. Juni. In welch' bedauernSwerther Weife daö Landvolk in Altbayern noch dem blödesten Aber­glauben huldigt, beweist ein Artikel der „AugSb. Neuesten Nachrichten", in welchem u. A. erzählt wird: „In der

Grabe der Erinnerung entstiegen, war nichts als eine jener quälenden Einbildungen, deren sie so viele gehabt in ihrer schweren Krankheit, oder war eS umgekehrt? Unwillkürlich fühlte sie an ihre Stirn, und dabei berührte sie den Braut­kranz in dem lockigen Haar; sie faßte sich und sprach voll Milde:

„Ich will Dir vergeben, Friedrich, und sogar ver­suchen, Alles zu vergesten; aber sprich nicht so mehr zu mir und geh'. Halte wenigstens Jener, — um derentwillen Du sie mir gebrochen — die Treue."

Er hatte gespannt zugehört; jetzt warf er sich in schneller Aufwallung ihr zu Füßen und umschlang ihren Leib mit seinen Armen. „Höre mich anl" flehte er, „Du darfst mich wenigstens nicht ungehört verdammen, das thut der Gerechte ,ja selbst bei einem Verbrecher nicht. Wohl, ich verrieth Dich — wie die Leute e» nennen, die den Stab gebrochen haben über mich; ober ob ich auch in einer schwachen Stunde, die ich verflucht habe jeden Augenblick seitdem, Dich vergaß in dem Sinnenrausche, der mir das unselige Weib, das ich jetzig Haffe — wie sonst nichts auf der Welt, in die Arme geführt — Dich nur hab' ich ge­liebt, Dich allein, Margarethe, das schwöre ich Dir beim Heile meiner Seele, die bald vor ihrem Richter stehen wird. Und daß ich Dich noch l ebe, Du magst es daraus er­kennen, daß ich eher sterben will, als Dich eines Anderen wissen, und daß Juliens Siebe und das Kind mir nichts sind, denn sie können mich nicht bei stch zurückhalten. Roch ehe Du in die Brautkammer gehst, hab ich mein kühles Bette auch gefunden l"

Er blickte zu ihr auf, voll und klar, und aus seinen bleichen, festen Zügen sprach ein todeSmuthigec Entschluß.

(Fortsetzung folgt)

Der Harem IcS SullauS.

Die Verhältnisse der Türkei beschäftigten in den letzten Wochen in so hohem Grade daö lesende Publikum, daß man mit besonderem Jntereffe allen Ausführungen folgt, welche neue Ausschlüffe über daö sociale und politische Leben im osmanischen Reiche bieten. Wir haben zu Wie­derholtenmalen der Artikel Erwähnung gethan, welche Herr Eschbach im „Economiste Francis" über den Haushalt des Sultans erscheinen läßt. In bet letzten Nummer dieses Blattes versucht der genannte Verfaffer, ein Bild der Zu­stände in den türkischen Harem« zu entwerfen und manche unrichtige Anschauung, die hierüber im europäischen Publikum kursirt, zu berichtigen. Vor Allem kennzeichnet er die Harems als Institutionen, die auf dem Begriffe der Sklaverei basirt find. Trotzdem man in Europa die Sklaverei längst für abgeschafft erklärt hat, läßt man fie hier ganz ruhig fortbestehen und die fremden Botschafter, unter deren Augen dieser Sclavenmarkt etablirt ist, taffen ihn ruhig gewähren. Jede größere türkische Familie besitzt eine Anzahl Sklaven, zumeist Kinder eireasstscher Familien, die von ihren eigenen Eltern verkauft »erben. Freilich findet kein öffentlicher Sclavenmarkt statt, aber mau kennt jene Häuser in Tope- Han« und Stambul genau, wo dieser Menschenhandel durch Weiber, die als Unterhändler dienen, betrieben wird. Die Bestimmung dieser armen, verkauften Geschöpfe ist verschie­den : die häßlichen werden aU Dienerinnen in den Harem- verwendet; die schönen erh'iten einigen Unterricht im Singen und Tanzen, selbst einige Unterweisungen im Lesen und Schreiben. Die Schönsten werden dem Sultan zum Geschenke angeboten, die Anderen au reiche Türken verkauft und der Kaufpreis beläuft sich manchmal bis auf 20,000 FrcS. ES wäre Täuschung, an eine Poesie des Harems

Sir. 188.

Marburg, Freitag. 16. Juni 1876.

XI. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«,

WcrheUlhe Ieilung.

sowie die Annoncen-Bureaux

ber 9i,„ *” Tb- Dietrich & Co- in 9 ' Aus, zsaffel und Hannover; Th

Dietrich in Frankfurt a- M

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♦ meyer in Berlin; Carl Schüß- let in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Eichedition d. Blattes sowie bie Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Mete­

rn Tagesbericht.

In einem Artikel über die Reise deS Kaisers nach EmS und die voranSgegangenen Phasen der orientalischen Frage äußert stch die „Prov.-Cor." folgendermaßen: Dem Ernste und der Macht deS Friedens-Gedankens in dem Bunde der drei Kaiser ist eS vor Allem zuzuschreiben, daß auch bei der unerwartet veränderten Lage in kurzer Zeit eine Ver­ständigung über die weitere Haltung der Mächte und da­mit eine neue Stärkung der Friedens-Hoffnungen erreicht werden konnte, sonach auch in diesem Falle die Spekulation auf Differenzen den leitenden Mächten vereilelt wurde. Zwischen den Berliner Beratungen und der Emser Kaiser- Begegnung liegt ein bedeutsamer Moment der Zeitgeschichte, aber wiederum hat sich in entscheidender Stunde die hoch­herzige Gesinnung bewährt, in welcher Kaiser Alexander mit Kaiser Wilhelm so vollkommen ein« ist.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Franksntt a. M. rc.

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Die Verwendung westfälischer Kohlen für die deutsche Marine kommt zur Ausführung. Die Verhandlungen der kaiserlichen Admiralität mit den KohlenauSsuhikomitvö deS Dortmunder Bergbauvereins find bereits soweit gediehen, daß voraussichtlich gegen Ende der nächsten Woche das erste mit westfälischen Kohlen beladene Schiff von Ant­werpen aus nach dem ägäischen Meere in See sticht. Die erste Sendung wird 3200 Tons betragen und die Ablie­ferung derselben soll schon zu Anfang des nächsten Monats erfolgen.

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Nach dem gestern publicirten Erkenntniß in dem Prozeß gegen die Gründer der Bank für Sprit- und Produkten- Handel (vorm Wrede) in Berlin, wird jeder der Ange­schuldigten zu 6 Monat Gefängniß und 3000 Mark Geldbuße, eventuell entsprechender Gefängnißstrafe ver- urtheilt.

Nach dem klerikalen „Rome" werden die deutschen Pilger, welche am 10. d. Mts. Abends unter der Führung des bayerischen Fürsten Löwenstein und deS westfälischen Barons r.Don 8oe in Rom eingctrcffen sind, am 21. Juni, dem Jahrestage der Thronbesteigung PiuS IX. in feierlicher ; Audienz im Vatikan.empfangen werden, nachdem sie am Morgen dieses Tages die Sanct Petermeffe gehört und aus den Händen des Kardinals LedochowSki daö heilige Abend- Igen, . mahl empfangen haben. Der bekannte Dr. Joseph Blum es zu ist ihnen vorausgereist und hat dem Papst sein Werk „Leben PiuS DL* überreicht.

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Wie unS aus Rom berichtet wird, hat die zur Beant­wortung deS Memorandums der spanischen Bischöfe am 9. d. MtS. zufammengetretene Kardinalskongregation ihr Gutachten dahin abgegeben, daß, nachdem der heilige Stuhl selber der spanischen Negierung gegenüber den Rathschlägen

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DaS Kreuz am Wege.

Novelle von Ernst v. Waldow.

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(Fortsetzung.)

Waltran lachte bitter auf und strich sich mit der Hand über die brennende Stirn. „Ja, ja," entgegnete er dann gleichmüthig, „ich werde die Komödie sogar gleich beenden, und hält' ich gedacht, daß Du eine so frohe und getröstete Braut bist, hätte ich Dich nicht erst eingeladen, zuzuschauen. Run, laß gut sein, Grethel, ich will ja auch gut machen Alle« — Alle». Du^mvst Ruhe haben, ich gehe ja schon, Ruhe vor mir in EuDreitl"

Er schauerte zusammen; sie sah eS und sprach, von einer finsteren Ahnung ergriffen: „Friedrich, was willst Du thun?"

„Was so Viele vor mir gethan haben und nach mir thun werden — wenn die Last zu schwer ist — sie ab werfen! Und dann muß ich ja auch Dein Wort wahr machen, damit Du nicht meineidig wirst an Deinem Ehren tage; — erinnerst Du Dich nicht mehr Deines Gelöb­nisses? „„Uns trennt Nichts — als der Tod!""

Eine Eiseskälte trieb die Röthe von Margarethens Wangen und das Blut nach ihrem Herzen; wie von einem verwirrenden Traum befangen, blickte sie sich um in dem Unheimlichen Gemache; da saß die Blinde in ihrem Bette aufrecht und nickte und kicherte und hielt die lichtlosen Augen starr auf fie geheftet und sprach sie leise nach, die Worte, welche eben von den Lippen de« bleichen Mannes dort geflohen waren wie Geisterhauch.

Wo waren sie denn, die geschmückte Hochzeitstafel und die lustigen Gäste und der kerzenerleuch,ete Saal — war düS die Wirklichkeit — und die Vergangenheit, aus dem