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ZHarKurg, Donnerstag, 15. Juni 1876.

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klasstficirten Einkommensteuer oder zur Slassensteuer mit einem CensuS von 6 Mark abhängig zu machen, der durch Orissjaiut noch auf 12 Mark erhöht werden kann. Im 8 24 beschloß die Kommission, daß alle Lehrer, welche aus Gemeindemitteln Gehalt beziehen, nicht zu Stadtverordneten gewählt werden können. Der vom Abgeordnetenhause re- digirte 8 27 wird ganz umgcworfen werden; nach diesem erfolgt die Beschlußfassung über die Bildung der Wahl­bezirke und der Abstimmungsbezirke, ferner über die Fest­stellung der Zahl der von jedem Wahlbezirke zu Wählen­den durch gemeinsame Abstimmung in einer Sitzung beider städtischen Kollegien. Die Herrenhaus - Kommission sieht darin eine große Gefahr und will die Bildung der Wahl­bezirke in die Hände des Magistrats legen. Der 8 26 enthält die näheren Bestimmungen über das Dreiklaffcn- Wahlfystcm. Hierzu wurde vom Oberbürgermeister Gobbin aus Görlitz der Antrag gestellt, das gleiche Wahlrecht mit einem CensuS von 12 Mark einzuführen. Der Antrag wurde jedoch mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt, wird jedoch im Plenum wieder ausgenommen werden. Der Eisenbahn Rendant Piltz wurde heute vom Stadtge­richte wegen Unterschlagungen und Urkundenfälschung zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren und Verlust der bürgerUchen Ehrenrechte auf gleiche Dauer verurtheilt.

Köln, 9. Juni. Durch Urkunde vom 12. April dS. ZS. ist von der Regierungin Gemeinschaft mit dem Hrn. Erzbischof von Köln" die Fitialgemeinde Brück, KreiS Mühlheim, zu einer kirchlichen Kapellengemeinde im Sinne des 8 2 des Gesetzes vom 20. Juni 1875 über die Ver­mögens-Verwaltung in den katholischen Kirchen erhoben worden. Rach diesem amtlichen Wortlaut muß der Re- gierung der Aufenthalt des Erzbischofs bekannt fein, und eine Verbindung zwischen beiden Behörden bestehen. Die hiesigen Israeliten haben sich bei der jüngst erfolgten Besetzung der Rabbinerstelle entzweit und in eine orthodoxe und eine Resormgemeinde gctheilt. Gestern documeutirte sich dieser Bruch öffentlich. Als eine Leiche aus der ortho­doxen Gemeinde beerdigt weroen sollte, erschien Herr Dr. Frank, der Rabbiner der Rejvrmgemeinde, und erklärte, er sei Rabbiner und werde es sich nicht nehmen lassen, die Beerdigung vorzunchmen. Also geschah es, und beide Ge­meinden standen getrennt am Grabe.

Schwerin, 10. Juni. Ein Mitglied der Steuer- und Wirthjchastsreformcr aus Mecklenburg hatte aus po­litischen Gewissensbedenken bei seiner Regierung angefragt, ob dem Beitritt in diese Vereinigung nichts im Wege stände, da gewisse gesetzliche Bestimmungen existircn, die den Meck­lenburgern den Zutritt zu auswärtigen Vereinen verbieten

Anzeigen nimmt entgegen: die ®xpeMtion b. Blatte» sowie dre Annoneen-Bureaux von L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. ' M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz-

~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln re; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Die Thür ging auf, und Margarethe trat hastig ein doch ein Blick auf die Person, welche ihr geöffnet, ließ sie mit einem dumpfen Schrei zurückbeben war Waltran, der vor ihr stand und jetzt ihr Vorhaben, zu fliehen, schnell dadurch verhinderte, daß er die Thür schloß, den Riegel vorschob, und sich hart an den Pfosten lehnte, so daß es unmöglich war das Zimmer zu verlassen, welches keinen andern Ausgang hatte.

DieFrance" veröffentlicht unter allem Vorbehalt fol­gendes Privattelegramm: Konstantinopel, 10. Juni Abends. Obgleich man es geheim hält, ist es doch vollkommen wahr, daß der Prinz Juffuf Jzzediu, der Sohn des Abdul Aziz, gestorben ist. Er wurde zuerst getöbtet. Die Sultanin Valide, die Mutter des Abdul Aziz, starb als Zweite und erst bann kam der Sohn Mahomed's an die Reihe.

Der Brief, welchen Abdul Aziz an feinen Neffen Murad, nach deffen Thronbesteigung geschrieben hat, soll lauten nach

Das Zimmer durcheilend, wollte Margarethe die Thüre der daranstoßenden kleinen Stube der Blinden hastig öffnen, als zu ihrer Verwunderung das Schloß ihrem Drucke widerstand; sie klinkte noch einmal; dann aber, im Glauben, Rosa sei, des Wachen» müde, sammt der alten Frau ein- geschlasen, rief sie:

So mache doch auf, ich bin'S, die Margarethe!*

Ein Schritt näherte sich der Thür, das mußte die Rosa sein, unb auch die Blinde wachte, denn Margarethe hörte ihre Stimme; dieselbe war zwar verschieden von dem ge­wöhnlichen Ausdruck und sprach weiche und klagende Worte, welche sie aber nicht zu verstehen vermochte.

Das Kreuz am Wege.

Novelle von Ernst v. Waldow.

(Fottsetzung.)

Die Frauen wollten das nun durchaus nicht zugeben, und man disputirte lachend hinüber und herüber.

Nur eine würde dem widersprochen haben und das war Margarethe selbst.

Bebend stand sie jetzt aus dem matt erleuchteten Haus- stur (beim der Schnecsturm, welcher baß Haus umbrauste, halte beim Oeffnen der Hinterthür eine der Lampen verlöscht) und zögerte, in plötzlich erwachter Furcht, allein hinauf zu gehen in ihre Mädchenstube, um das Kleid zu reinigen oder rin anderes anzulegen, wie sie eS gewollt, denn sie sah Plötzlich wieder vor sich: das bleiche Gesicht, die dunkeln ach so geliebten Augen wie sie das Alles vorhin ge­lten, alS sie das GlaS hatte an ihre Lippen führen wollen, und sie Hörle feine Stimme, wie sie dieselbe vorhin gehört,' und diese Stimme halte leise, aber mit furchtbarer Deut­lichkeit ganz dicht an ihrem Ohre die Worte gesprochen, > bie sie einst selbst in überströmender Liebesfülle hinaus gerufen hatte in die Marienpracht:Unß kann nichts Kennen als der Tod!*

Der Tod! Margarethe schauderte fröstelnd zusammen, ste hing an dem Leben, sie hatte es wieder lieb gewonnen' seit die dunklen Fittige des Todes gerauscht hatten ob ihrem Haupte, ste wollte leben unb das Rechte lhun nach Gottes Und deS Vaters Gebot, dafür mußte ihr denn auch lürder gut gehen und der Friede ihres Herzens ein dauernder werden sie war des Kämpfens unb Ringens so müde.

Mit einem schnellen Entschlüsse kehrte ste um, nein sie sollte nicht allein hinaufgehen, sie fürchtete ihre eigene,' seit »er Krankheit doppelt reizbare Einbilbungskraft, unb dann, tr konnte behaupten, daß c» keine Geistererscheinungm

Lage-brrlcht.

Wie man derNat.-Ztg." mittheilt, schweben über die am Sonnabend auö London gerüchtweise gemeldete Abtretung der Insel Helgoland Seitens Englands an Deutschland in der That Verhandlungen schon seit zwei Monaten und wären dieselben ihrem Abschluß nahe. Die Anregung wäre von den Helgoländern ausgegangen, welche von England den Schutz ihrer Privilegien, die ihnen im Jahre 1807 zugesichert worden, verlangten, während England das Vor­handensein solcher Privilegien in Abrede stellte. Für Deutschland bemerkt das genannte Blatt möchte sich ein peeuniärer Nutzen kaum auö dem Anschlüsse Helgolands ergeben. Nicht unwichtig dagegen würde derselbe in stra­tegischer Beziehung und für die deutsche Handelsmarine wegen der nahen Mündungen der Elbe, der Eider, der Weser und der Jade sein. Man erblickt allseitig in der Abtretung der Insel ein neues Pfand freundschaftlicher Beziehungen zwischen England und Deutschland.

Die Insel Helgoland, deren Abtretung an Deutschland erörtert wird, wurde den Dänen 1807 von den Engländern entrissen. Die Zahl der Einwohner beläuft sich nach dem Census von 1871 aus 1913. Der Werth der Einfuhr- Artikel aus England betrug 1873 55 Pfv. «Steel. Aus­fuhr von Helgoland nach England findet gar nicht statt. In dem englischen Budget von 1873 werden die Einnahmen auf 7363 Pfd. Sterl. und die Ausgaben auf 8530 Pfd. Sterl. angegeben, so daß ein Zuschuß von 1167 Pfd. Sterl. von der britischen Regierung zum Unterhalt der Veiwaltungskosten Helgolands erforderlich ist. Der Gou­verneur Mr. Fitz B. Machst hat ein Gehalt von 500 Pfd. Sterl. und der Regierungssekretär ein solches von 120 Pfd. Sterl.

Der Madrider Nuntius hat dem heiligen Stuhle ein Memorandum der spanischen Bischöfe zugesandt, worin diese anfragen, wie sie sich der neuen Konstitution gegenüber zu verhallen haben. Der Papst hat dieses Memorandum einer

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Die offiziöse türkischeCorrespondance Orientale* ent Ijält folgende Notiz: Der englische Botschafter Sir Henry Elliot und der Admiral Drummond haben eine Unterhaltung mit dem Großvezier gehabt, welchem sie die formelle Ver­sicherung gegeben haben, daß England niemals den Vertrag von 1856 antasten kaffen werde, wenn nicht die ottomanische Regierung selbst ein Reformprogramm aufstellen würde, welches ganz neue Grundlagen aufstelle. Der Chef der Civilliste Nuri Pascha hat dem Finanzminister die im Be­sitze des beseitigten Sultans gefundenen Staatspapiere über­sandt, deren Werth sich auf 7V2 Millionen Pfd. türkisch beläuft.

Der Schah von Persien hat dem Sultan Murad V. folgendes Telegramm übersandt:Voller Freude über ihre Thronbesteigung auf den Thron Ihrer Väter und unsere Beziehungen, welche auf Brüderlichkeit und Glaubens- Genossenschaft beruhen, beeile ich mich, Ihnen direkt meine Glückwünsche darzubringen. Ich bitte Gott, daß er der islamitischen Nation, die uns vom Höchsten anvertraut ist, Ruhm und Ehre gewähre. Nffr Eddin."

Da fiel ihr ein, daß die Muhme, die schon seit einigen Monaten völlig kindisch war, wie der Müller ärgerlich be­hauptete, während die anderen Leute die Alte nur ein wenig verrückter nannten, als sie von je gewesen, zur Wartung und Pfl:ge ein junges Mädchen, die Weise eines früheren Mühlknappen, bei sich habe, diese, Rosa genannt, ein ge­wandtes, flinkes Ding, konnte ihr beim Ankleiden helfen.

Schnell trat * sie durch eine nur angelehnte, auf ben Hausflur münbenbe Thür der großen Arbeitsstube, welche heute zum Aufbewahrungsorte für die Winterum- hüllungen der, meist über Land gekommenen Hochzeitsgäste diente, und gleichzeitig als Vorrathökammer benutzt wurde,- wie der auf dem langen Tisch stehendt Wein und das Backwerk zeigten.

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Sie stand von ihm abgewandt und stützte sich mit der bebenden Hand auf die alte geschweifte Commode.

Beide schwiegen; endlich sprach er leise:

»Ich wollte von Dir-Abschied nehmen, Margarethe!*

Sie holte tief Alhem; dann stieß sie fast hart hervor in abgebrochenen Worten:Zu was das wir waren ja langst getrennt; hab' ich noch nicht genug Gram unb Leid ausgestanden und Schmach von den Leuten?"

Vergieb mir," bat er in demselben weichen Tone. Das kann ich nicht!* sprach sie bitter.

Er wandte sich lebhaft zu ihr; sie empfand die Macht seines Blickes, obwohl sie die Augen gesenkt hatte, da sie ihn nicht ansehen, nicht auf ihn hören wollte. Und end­lich mußte sie dennoch; wie von einer magnetischen Gewalt bezwungen, hob ste den Blick, flüchtig über seine Gestalt hinstreisend; das gab ihr die Fassung zurück, sie fühlte sich abgestoßcn durch sein vernachlässigtes Aeußere, das nach ihren guten bürgerlichen Begriffen von Anstand ein Zeichen des Verkommenseins war. Margarethe empfand, wenn auch nur unklar, den Vorzug, welchen der Reichthum ihres Vaters, die gesicherte Stellung als Frau, als Herrin des Hauses ihr jetzt verlieh, unb mit einer ihr selbst unbe­greiflichen Kälte sprach sie:Laß die Kommödie," und plötz­lich erschreckend, fügte sie hinzu:Um GotteS Willen, wenn Dich mein Vater ober Sebastian sähen!*

Deutsches «eich.

SJttHu, 13. Juni. Die Kommission deS Herren­hauses zur Vorberathung der Stäbteordnung hat folgende wichtige Abänderungen der Beschlüsse des Abgeordneten Hauses gemacht: Im 8 1 wurde nach Befürwortung durch den Minister dcö Innern beschlossen, die Städteordnung auf Frankfurt a. M. nicht auSzudehnen, in Konsequenz davon wurde der 8 44 gestrichen, welcher denjenigen Stadt gemeinden, die das gleiche Wahlrecht besitzen, daffelbe be-- läßt- Eine längere und bewegte DiScujston rief der 8 15 gäbe? Im Gegentheil, sagt nicht der Volksglaube, daß man so deutlich oft die Gestalten geliebter Menschen in dem Augenblicke schaue, wo diese, noch so fern, scheiden müßten vom Leben, und die Macht ihrer Sehnsucht sie unserem geistigen Auge vorzuzaubern im Stande fei? Daß war doch gar zu grausig nein, nicht um die Welt wäre ste jetzt allein hinaufgegangen.

Kardinalskonferenz überwiesen, welche am 9. Vormittags -in inl Bur Berathung zusammengetreten ist.

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Erscheint tägtich außer den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae ^lluktrirteS ßntttttaaßlifatt hiirZ m. .

Buchdrucker-.) bezogen 21 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 W (e?l.BestellL »ÄL Ätt «£ ***

gflt m der Expedition zu ertheüende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Angabe türkischer Blätter:Nachdem ich mich Gott an hervor, der die nothwendigen Bestimmungen zur Erlangung vertraut habe, vertraue ich mich Eurer Majestät an. Ich des Bürgerrechtes enthält. Die Kommission beschloß, die beglückwünsche «Sie zu ^hrer Thronbesteigung und drücke Erlangung dcö Bürgerrechtes von der Veranlagung zur mein Bedauern darüber aus, daß es mir nicht gelungen 1 " ~ ---- a 0

'st, die Wünsche der Nation zu erfüllen. Ich wünsche daß Ihnen dies gelingen möge. Ich hoffe, daß Ew. Maje­stät nicht vergeffen wird, daß ich die kräftigen Mittel zur Erhaltung des Reiches verbreitet habe; ich bitte Sie, sich daran zu erinnern, daß dies die Soldaten sind, die ich mit eigener Hand bewaffnet hatte, die mich ober in diese Lage versetzt haben. Da ich immer eine Eigenschaft gezeigt habe, nämlich die, den Unterdrückten beizustehen, so bitte ich Sie, mich aus dem engen unb langweiligen Orte an dem ich mich befinde, zu befreien und mir einen geeigneteren Aufent­haltsort anzuweisen. Ich beglückwünsche Sie darum, daß die Krone wieder auf die Familie deö Abdul Medschid Khan übergegangen ist."