$r. 182.
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AlarKurg, Freitag, 9. Juni 1876.
xi. Mgmg.
Oberhefsilthe Zcilung.
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Tage-bsricht.
Am Schlüsse einer übersichtlichen Darstellung des türkischen Thronwechsels äußert sich die „Prov. Corresp." in solgender Weise: Die Regierungen, welche sich in Folge der Berliner Konferenzen zu übereinstimmenden Vorschlägen an die Pforte entschlossen hätten, seien durch den Thronwechsel selbstverständlich veranlaßt worden, die Miltheilung ihrer Vorschläge an die Pforte zu vertagen. Die Zielpunkte, welche die Mächte bei ihren Berathungen im Auge hatten, mußten indeß auch unter den veränderten Verhältnissen dieselben bleiben; über die Wege zu deren Erreichung werde jedoch eine weitere Verständigung stattfinden. Die grundsätzliche Einigung, worauf die bisherigen Beschlüsse beruhten, und die Gesammtlaze Europa'S berechtigten unausgesetzt zu der Zuversicht, daß das gemeinsame Ziel unter voller Wahrung des europäischen Friedens erreicht werde. — Die „Prov.-Corresp." erwähnt auch den Ausschub, welchen die Reise deS Kaisers nach EmS erfahren hat, und fügt hinzu, auch der Aufenthalt des Kaisers von Rußland daselbst werde um etwa acht Tage verlängert; beide Kaiser würden jedenfalls in der nächsten Woche mehrere Tage gemeinsam in EmS verweilen.
Bei dem Fürsten Bismarck fand gestern zu Ehren Del- brück's ein AbschiedSdiner statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen sind. — Der „Nat.-Ztg." zufolge hat Fürst Bismarck seinen Urlaub auf Wunsch des Kaisers unterbrochen. — Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung deS Staatssekretärs deS Acußern, v. Bülow, und des Präsidenten deS RcichSkanzler-AmtS Hofmann zu Staatsministern und Mitgliedern des Staatsministeriums.
Die preußische Regierung ist, wie die „Post" aus angeblich zuverlässiger Quelle erfährt, mit der Verwaltung der thüringischen Eisenbahn in definitive Verhandlungen »egen deS Erwerbes dieser Bahn eingetreten.
DaS RothstandSgesetz hat nun die Genehmigung des König« erhalten. In demselben wird zur Beseitigung der durch Hochwasier im letzten Frühjahr herbeigcführten, sowie durch Abwendung eines weiteren Bergsturzes bet Caub am Rhein die Bewilligung einer Summe von 6 Millionen Mark bei der Landesvertretung beantragt. Dieser Betrag soll der Staatsregierung aus den der preußischen StaatS- kasie noch zufließenden Geldmitteln vou der französischen Kriegskostenentschädigung zur Verfügung gestellt werden.
Die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses wird am 16. d. Mtö. stattfinden, während die Släveordnungskom misston am 8. die Kompetenzgesetzkommisston am 12. mit
DaS Kreuz am Wege.
Novelle von Ernst v. Waldow.
(Fortsetzung.)
Wo war denn nun die Schuld — wenn sie nicht einmal dir Stimme des GewisienS als solche bezeichnete?
Wer — wer zeigte ihr einen Ausweg aus diesem Labyrinthe — wem sollte sie folgen? der Stimme ihres Herzens oder derjenigen der Menschen, zu denen sie auf- geblickt hatte so lange Jahre mit Liebe und Verehrung?
Trotz der Mahnung der Muhme weinte sich Margarethe doch in den Schlaf, der erst spät ihre müden Augen schloß. e ,
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Der Frühling kam mit Lcnzesluft und Lenzeslust; überall regte sich frisches Leben, und auch in die Menschenherzen drang sein belebender Hauch und erregte ein unbe-i stimmte« Verlangen nach Glück, nach Freiheit und Selbst- Bestimmung und die Wünsche wurden stürmischer und erstickten zuletzt alle anderen Gefühle und zaghaften Bedenken.
Margarethe war seit dem Ostersonnabend oft bei der Muhme gewesen und hatte mit dem Wtssensdurste der Jugend und in dem unklaren Begehren, das eigene Empfinden dadurch gerechtfertigt zu sehen, die Lehren der alten Frau eingesogen.
Eine Art wilden Trotzes hatte sich allmählich des sonst so sanften Geschöpfe« bemächtigt, und sie sagte sich jetzt immer selbstbewußter: „Auch ich will mein Theil von Glück haben, auch mich hat Golt zur Freude und nicht jum Opfer für andere erschaffen!"
Daß auch die Briefe Friedrichs, welche Margarethe feit dem Osterfeste wieder regelmäßig empfing und erwiverte, dazu beitrugen, diese Stimmung in ihr zu erhalten und zu befestigen, war klar.
Und endlich erfüllte sich auch Beider heißer Wunsch, unb sic sahen sich wieder, die so lange Getrennten.
ihren Arbeiten beginnen. Da von Setten deS Vorstandes der „neuen Fraktion des Herrenhauses die dringende Auf- sorderung an alle Gesinnungsgenossen ergangen ist, möglichst vollzählig beim Wiederbeginn der Sitzungen zu erscheinen und durch Ausharren und Unterstützung aus das Zustandekommen der beiden großen Verwaltungsgesetze mitzuwirken, so darf man die Hoffnung hegen, daß es doch noch gelingen wird, die großen Arbeiten dieser Session vor dem Schicksal zu bewahren, als schätzbares Materal bei Seite gelegt zu werden. — Das Abgeordnetenhaus wird seine Sitzung voraussichtlich erst am 20. d. wieder aufnehmen.
Nach einer Schätzung der vergleichsweisen Stärke der bedeutenderen Kriegsflotten stellt sich der Tonnengehalt für Großbritannien auf 113,000, Frankreich 84,000, Türkei 59,000, Deutschland 53,000, Italien 37,000, Oesterreich- Ungarn 35,000, Rußland 29,000 Registertons. Die Kriegs flotten der drei vereinigten Ostmächte repräsentiren zusam men 117,000 Tons und übertreffen hiernach die britische Flotte um 4000 Tons. Gegenwärtig kann Großbritannien mit 27 für hohe See geeigneten Panzerschiffen, unter welchen sich 20. Schiffe ersten Ranges befinden, auf dem Meere auftreten.
Die rufsische Regierung beabsi htigt, die gejammte Feldartillerie ffo rasch als möglich mit neuen Geschützen zu bewaffnen, da man die Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse bei dem jetzigen Modell nicht genügend zu steigern vermag. Man hat das neue deutsche Feldgeschütz angenommen und soll das Arsenal von St. Petersburg vorläufig 500 Rohre gießen.
Während die Nachricht von dem angeblichen Selbstmorde deS Sultans Abdul-Aziz in deutschen Blättern einem tiefen Mißtrauen begegnet, nehmen die österreichischen Jour nale die offizielle Meldung als eine unzweifelhafte hin und halten den Selbstmord für konstatirt, weil ihren Angaben nach auch die Aerzte der fremden Missionen Theil genommen haben. Auch melden Wiener Blätter im Gegensätze zu allen bisherigen Berichten, daß der österreichische Botschafter bei der Pforte, Graf Zichy, bereits angewiesen worden sei, die Anerkennung der neuen Regierung durch Oesterreich in der hergebrachten Form bekannt zu geben.
Der türkische Botschafter in Paris theilte im Auftrage des Großveziers der Regierung mit, daß die Pforte, abgesehen von einer Amnestie für die zur Unterwerfung bereiten Jnfurgenten, zu einem mehrwöchigen Waffensiill-
O, deS unsäglichen Glückes! Wo waren denn jene langen, bangen, thränenreichen Stunden, jene cntsagungS- reichen Entschtüffe, jene fromme Furcht, Golt zu beleidigen mit ihrer Liebe? — Fort! — verweht bis auf die Er innerung von dem warmen Hauche des geliebten Mundes, der, den ihrigen berührend, süße Liebesworte flüsterte.
Selbst die Reue, sie war auSgelöscht aus ihrer Brust, an der sie sein Herz so heftig klopfen fühlte.
Ja, .sie hatte Recht, die alte Muhme, wenn sie ihr gesagt, daß es nur eine Glückseligkeit gebe im Himmel und aus der Erde, und daS sei die: „geliebt zu werden und wieder zu lieben."
Die Sonne neigte sich, als die Beiden auS dem Wald traten, wo sie sich getroffen, und sich dem Städtchen näherten.
„Jetzt muffen wir uns trennen, der Vater könnte eher au« der Stadt zurückkommen und mich dann 6er* misten."
„Noch nicht, Margarethe!" bat er zärtlich. Sieblieb stehen und schmiegte sich an seine Brust. Der röthliche Strahl der untergehenden Sonne beleuchtete sein schönes Antlitz; sie blickte bewundernd zu ihm auf.
„Bleibe ganz ruhig stehen," bat sie, „daß ich Dich recht, recht genau ansehen kann. O, wie schön Du doch bist! So, ganz so soll Dein süßes Gesicht vor mir stehen, wenn ich an Dich denke, Tag und Nacht. Und nun leb' wohl, Du mein Einziger!"
Er preßte sie fest an feine starke Brust. „Und Deine Liebe wird nicht wanken — was auch die Anderen sagen und thun mögen?"
„Was sind mir noch die Anderen?" — sprach sie, seine Hand mit ihren heißen Lippen berührend; „Du bist mein Hort und meine Heimath, mein Himmel und meine Hölle! jetzt erst weiß und erkenne ich Gottes Gebot: er hat cS in unser Herz geschrieben!"
stände sich bereit erkläre für den Fall, daß es der Pforte inzwischen freistünde, die nöthige» Truppenbewegungen zur Concentrirung ihrer Streitkräfte und die Verproviautirung der Festung Niksic zu bewerkstelligen.
Deutsche» «eich.
•* Berlin, 7. Juni. Die Nachricht, daß die Reise des Kaisers nach EmS aufgeschoben ist, hat der Staatsanzeiger bestätigt. Im Publikum war diese Nachricht bereits bekannt und fand allarmistische Aufnahme. Man wollte die neuesten orientalischen Verhältniste damit in Verbindung bringen. Die heutige Provinz.-Corresp. meldet aber ganz bestimmt, daß die Abreise nur um einige Tage hinaus geschoben ist, daß aber Kaiser Alexander und Kaiser Wilhelm in Ems zusammen sein werden. — Den orientalischen Angelegenheiten widmet das halbamtliche Blatt einen längeren Artikel, indem es die Entwickelung der dortigen Verhältniste objectiv vorsührt. Zur Situation bemerkt das Blatt, daß die Mittheilung an die Pforte in Bezug auf die Vereinbarung der drei Kaisermächte vertagt ist, datz nun eine weitere Verständigung dieser Mächte zu erwarten ist. DaS gemeinsame Ziel, die volle Wahrung des Friedens soll demnach erreicht werden. — Was die Landtags-Session betrifft, so hofft auch das halbamtliche Blatt, daß eine Einigung über die wichtige Vorlage in der Verwaltung erlangt werden würde. Innerhalb der politischen Kreise, welche sich mit der Städteordnung beschäftigen, wird der Zwischenfall in der Berliner Stadtverord» neten-Versammlung lebhaft besprochen. Selbst die fortschrittlichen Blätter illustriren den Beschluß in humoristischer Weife, sie nennen es Kotzebue'sche Verzw.iflung, ES ist ein solcher Beschluß schon an und für sich naiv, so ist eS um fo komischer, daS Herrenhaus in die Schranken gegen das liberale Abgeordnetenhaus zu rufen. Herr v. Juncker, Ober-RegierungSrath in Düsseldorf soll Vice-Präsident in Kastel werden, so meldet daS Frankfurter Journal. Diese Nachricht wird von unterrichteter Seite widerlegt. —
Erfurt, 6. Juni Die erste Hauptversammlung deS ersten deutschen allgemeinen Lehrertages, die heute Morgen 81/2 Uhr im Hellig'schen Theatersaale eröffnet wurde, war ebenso wie die gestrige Vorversammlung außerordentlich zahlreich besucht. Auch die königliche Regierung Hierselbst und die hiesigen städtischen Behörden hatten Vertreter zu derselben entsendet, Erstere in dem Herrn Geh. RegierungS- ttnb Provinzial-Schulrath Bieck, Letztere in ihrem Oberbürgermeister Breslauer. Nach dem Gesänge des Chorals: „Komm, 0 komm, Du Geist des Lebens" brachten diese Herren ihre Begrüßungen dar. Geh. RegierungS- und
Friedrich erhob ihr gesenktes Haupt. „Und kann nichts uns trennen?"
„Nichts — nur der Tod 1" sprach sie fest. „Gedenke diese« Deines Wortes, wenn Du mit Deinem Vater sprichst," fügte er mahnend hinzu.
Die Sonne war hinabgesunken in ein Meer von Gluth, der Abendwind rauschte in den Kronen der Bäume, die Schatten wurden dunkler. Noch ein Kuß, eine kurze Umarmung, und sie eilte wie ein flüchtiges Reh von bannen, während er, an den Stamm einer schlanken Birke gelehnt, ihr nachsah und zerstreut die Blumen zerpflückte, welche sie für ihn gesucht und die jetzt welk die kleinen Köpfchen hängen ließen, die der erste Strahl des jetzt geschiedenen TageSgestirnes anfgeküßt zu einem kurzen Blumenleben.
Der Vater war noch nicht zurück, Margarethe sah es an dem verschlossenen Schuppen, als sie den Hof betrat, so hoffte sie unbemerkt ihr Slübchew zu erreichen; aber als sie leisen Schrittes Über den dunklen*Hausflur ging, öffnete sich plötzlich die Thür der Schreiöjtztbe, und Sebastian stand vor der Erglühenden.
Eine Pause entstand. Keines wollte sprechen, sie blickten stumm einander an; sie waren fo gute Freunde gewesen von Jugend auf — und sich plötzlich so fremd geworden, so fremd, als läge eine trennende Welt zwischen ihnen Beiden.
Da erhob Sebastian daS gesenkte Haupt, und mit einem Ausdruck von Vorwurf und sanfter Trauer, der seinem sonst so frischen, fröhlichen Gesichte etwas Vergeistigtes gab, sagte er: „Margarethe!"
Sie schlug vie Augen nieder, und seine Hand, welche die ihre ergreifen wollte, leicht bei Seite schiebend, eilte sie an ihm vorbei die Treppe hinaus.
Das trotzige Wort, welches sie schon auf den Lippen gehabt, wenn er den Vorwurf ausgesprochen hätte, den sie in seinen Augen glesen, war nicht über dieselben gekommen; was, keine Abmahnung vermocht, das halle der lief traut ige