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Jliarßtirg, Donnerstag, 8. Jnni 1876.
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= Berlin, 6. Juni. Die auf den 7. d. MtS. fest- zesctzt gewesene Reise deS Kaiser« nach EmS ist gutem Ver
eines für Margarethe und Friedrich geschriebenen Briefe« den Liebeshandel der jungen Leute entdeckte, war er zu der Wittwe Waltran gegangen, welche am Ende der Hauptstraße deS Städtchens eine kleine Wohnung in einem der niedrigen Häuser miethweise inne hatte, und da, in Gegenwart deS gerade zum Besuche bei der Mutter anwesenden Sohnes, hatte er sich so hart und rücksichtslos über die Keckheit ausgesprochen, welche Friedrich die Augen zu seinem — deS reichen Mannes — Kinde erheben ließ, daß e« im Verlaufe des Gesprächs bei der gleichen Leidenschaftlichkeit des Beleidigten zu einer sehr unerquicklichen Scene kam, die schließlich noch die Nachbarsleute zu Zeugen hatte.
Was später den alten Mann noch mehr erbitterte, war die Kenntniß des Umganges, den Friedrich Waltran mit der Frau seines Meister« unterhielt, und von welchem ihn der wahrheitstreue Bericht Sebastians vollständig überzeugte. Dieser hatte nämlich das Paar allein Arm in Arm, in eifrigem Gespräche unfern der fast eine Meile von der Stadt gelegenen Wallfahrtskapelle getroffen, zu welcher er, ein Gelübde erfüllend, sich zu Fuße begeben hatte.
Das sichtbare Erschrecken Friedrichs damals, der Sebastian sehr wohl kannte, hatte dem jungen Manne nur zu deutlich gezeigt, daß seine Befürchtungen, betreffs de« Charakters und der Lebensweise Waltrans gerechtfertigt seien.
Das war im August gewesen, jetzt war man im Februar, und in den Verhältniffen hatte sich wenig geändert, wie der alte Werner sich erst heute zu überzeugen hinreichend Gelegenheit gehabt, als er eine der sicher häufigen heimlichen Zusammenkünfte der Liebenden in dem Lusthause de« kleinen, hinter dem Hause gelegenen Garten« entdeckt hatte.
E« kamen daraus für Margarethe trübe Tage mit
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die Absicht, in der zweiten Hälfte des Monats nach Petersburg zurückzukehren, um dort den angekündigten Besuch deS Kronprinzenpaares von Italien zu erwarten. Unter den gegenwärtigen kritischen Umständen wird der Czar indessen seine Rückkehr um etwa 8 bis 10 Tage früher als beabsichtigt, antreten. — Die „Notdd. Allg. Zeitung" schließt sich den Dementi« gegen den Rücktritt des Oberpräsidenten von Möller und besten angeblichen Zwiespalt mit dem Direktor Herzog an und erklärt den OrdanismuS der Regierung und der Verwaltung von Elsaß-Lothringen folgendermaßen: Erstere bildet einen Theil der Befugniste deS Reichskanzlers, kann nicht anders als im engsten Zu sammenhange mit verschiedenen Fragen der allgemeinen Politik geführt werden und muß und wird deshalb und mit Rücksicht auf die Mitwirkung des BundesratheS und Reichstages in Berlin bleiben. Zur Erledigung der dadurch erwachsenden Geschäfte dient die besondere Abtheilung für Elsaß-Lothringen deS Reichskanzleramts, deren Umwandlung in ein selbständiges Reichsamt in Aussicht genommen ist. Die Verwaltung von Elsaß Lothringen kann nur von Straßburg auS geführt werden und wird hat sächlich von dort aus geführt. Das dortige Oberprästdium ist nicht allein mit Befugnissen, welche denen der preußischen Obcrpräsidenten analog sind, auSgestattet; eS sind dem zeitigen Oberpräsidcnten auch die Befugniste übertrage», welche vordem fünf französische Ministerien inne« hatten. Wenn daher der Landesausschuß vor einigen Tagen den Wunsch ausgesprochen hat, daß die „Centralverwaltung" im Lande bleiben und daß eine Erweiterung ihrer Befugniste eintreten möge, so stehen diese beiden Verlangen in einem gewisten Gegensatz zu einander. Der erstere Wunsch ist vollkommen berechtigt, insofern unter der Centralverwaltung das Oberprästdium verstanden wird, welches selbstverständlich seinen Sitz nur in Straßburg haben kann. Eine Ausdehnung der Befugniste destelben ist aber kaum möglich, es fei denn, daß Regierung und Verwaltung vereinigt würden, wa« dann freilich nur in Berlin geschehen könnte. Damit aber wäre weder den Wünschen deS Lan« desausschustes noch den in Elsaß-Lothringen wahrzuneh- mcndcn Jnteresten entsprochen.
Erfurt, 5. Juni. Die allgemeine deutsche Lehrer- Versammlung oder, wie es in dem diesmaligen Programm heißt, der Erste allgemeine deutsche Lehrertag, ist heute hier bei einer Theilnahme von ca. 450 Schulmännern aus allen deutschen Gauen zusammengetreten; die höheren Schulbehörden, die sonst auf jedem Lehrertage durch Delegirte
eignisten und Umwälzungen auf geistlichem Gebiete in engste Beziehung trat, auch diesmal fruchtbringende Anregung geben werde zu dem geplanten Werke, die bisherigen freien deutschen Lehrerversammlungen zu einem die gcsammten deutschen Lchrervereine umschließenden Lehrertage zu reor- ganisiren, und daß trotz aller Schärfe die entgegenstehenden Ansichten, die sich auch auf sozialem und religiösem Gebiete messen werden, die Würde der Versammlung keinen Abbruch erleiden möge. In gleichem Sinne begrüßte der Sekretär des AusschustcS des Allgemeinen deutschen Lehrer-Verein«, Hr. Schmitt auS Darmstadt, die Versammlung; aber schon bei der ersten geschäftlichen Frage trat deutlich die Erscheinung zu Tage, daß gerade in der geplanten Reorganisation die Meinungen weit auseinander gehen. Schumann- DrcSden beantragte nach dem Beschluste einer im Oktober v. I. in Gotha abgehaltenen Delegieren Versammlung, nur den Delegirten der einzelnen Lehrervereine und Verbände da« Stimmrecht beizulegen, was energischen Widerspruch hervorrief. Man bezeichnete die Gothaer Beschlüsse als in keiner Weise bindend, und nach langer, lebhafter Diskussion entschied sich die Versammlung mit großer Majorität für das Stimmrecht aller Anwesenden. Als sodann Schulrath Hoffmann-Hamburg, der oft bewährte Leiter der früheren freien Lehrerversammlungen, zum ersten Vorsitzenden vorgeschlagen wurde, erklärte dieser mit Bestimmtheit, die Wahl nicht annehmen zu wollen, da er weder der Gothaer Delegirtenversammlung, noch der heutigen Versammlung das Recht zugestehe, definitiv über die Reorganisationsfrage zu beschließen; höchstens könnten dahingehende Beschlüsse sich in der Form von Vorschlägen bewegen. Hätte die Versammlung beispielsweise bezüglich deS Stimmrechts einen anderen Beschluß gefaßt, so wäre ihm und seinen Gesinnungs- Genosten nichts weiter übrig geblieben, als sofort den Saal zu verlasten. Trotzdem wurde Herr Schulrath Hoffmann in erster Reihe als erster Vorsitzender in Vorschlag gebracht, neben ihm als zweiter Vorsitzender Bauer-Erfurt, als dritter Beeger-Leipzig. — Auf der Tagesordnung der morgigen ersten Hauptversammlung wurde als erster Gegenstand die Reorganisationsfrage gesetzt, als zweiter die Schuldisziplinargewalt.
München, 3. Juni. Zu dem außerordentlichen Militär-Credit schreibt der klerikale „Bayerische Kurier": „Richt weniger als 16 Millionen Mark außerordentlichen Kredit neben einem ordentlichen Heeres-Bubget von mehr als 40 Millionen braucht unser Herr Kriegsminister „zur Erhaltung und Erhöhung der Schlagfertigkeit der Armee." Daö drei Kaiser Bündniß ist zwar nach der Versicherung der Osficiösen aller Orten die sichere Bürgschaft dauernden Friedens, aber die Rüstungen für den Kriegsfall, — denn etwa« andere« bedeutet ja die Erhöhung der Schlagfertigkeit doch nicht — werden trotzdem mit einem Eifer fortgesetzt, als ob die Friedens - Bürgschaft nicht vorhanden, dagegen viel überflüssiges Geld in den Staatskasten und
Waltran gehörte in Roda — die Frauen ausgenommen (und eben diese vergaben ihm doch seine Liebschaft mit Margarethe am wenigsten) — durchaus nicht zu den beliebten Persönlichkeiten; denn erstens waren be- sonders die älteren Leute mit der engherzigen Beschränktheit echter Kleinstädter nur zu geneigt, den Sohn für die Vergehungen seines Vaters büßen zu lassen, zweiten- fühlte man sich beleidigt durch das herausfordende Wesen deS jungen Mannes, der sich feiner persönlichen Vorzüge viel zu sehr bewußt war, um nicht Andere durch Selbstüberhebung und Stolz zu verletzen.
Der reiche Müller Werner gehörte nun vornehmlich zu denen, welche den Friederich seinen Bettelstolz, — wie man es nannte — auf oft recht unzarte Weise hatte fühlen lasten. Ist doch zumeist daö Verhältniß der älteren Leute zu dem aufwachsenden Geschlechte in dem beschränkten Kreise eines Dorfes ober einer kleinen Stadt ein ganz verschiedenes von dem in einer großen, wo j,eder selbstbewußt und fremd dem Andern gegenübersteht, während hier die Alten nicht vergesten können, wie viel Vermahnungen oder Schläge sie dem oder jenem der Nachbarskinder einst selbst ertheilt, wobei sie ihnen im Aergcr über irgend welchen verübten Streich das Prognostikum stellten, daß dereinst nur Taugenichtse aus ihnen werden würden.
Und diese Prophezeiung hatte den Friedrich am häufigsten getroffen, da sein unruhiger Geist sid durch jede Schranke, welche s inen Willen hemmte, zugleich gepeinigt und sich gereizt fühlte, dieselbe kühn zu Überspringen; steigerte sich doch in ihm selbst ein unbedeutender Wunsch durch die anscheinende Unmöglichkeit der Erfüllung zu einem leidenschaftlichen Verlangen.
Als Werner im Sommer durch da« zufällige Auf finden
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Sazaine, der sich bekanntlich gegenwärtig in Spanien auf* i* tzilt, in diesen Tagen ein Buch veröffentlicht, welches die «erkwürdigsten Enthüllungen über den Krieg von 1870
grschcint täglich außer den Werktagen nach Sonn> und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen % Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Lage-bericht.
Das KriegSministerinm bringt eine Allerhöchste Ordre zur Kenntniß der Armee, daß den zur Leibgendarmerie fommanbirten Unteroffizieren diejenigen Vergünstigungen zu Lheil werden, welche nach § 5 der Bestimmungen über Beförderung der Unteroffiziere vom 22. Juni 1875 den Msmäßigen Schreibern gewährt sind.
Das Kriegsministerium hat unterm 23. Mai eine Verordnung erlassen, durch welche genehmigt wird, daß auf Märschen, sobald bei großer Hitze nach dem pflichtmäßigen ßnnessen de« Befehlshabers einer marschirenden Truppe Maussichtlich Menschenleben auf dem Spiele stehen, die Zetnifler der Mannschaften gefahren werden dürfen. Ist eine derartige Anordnung getroffen worden, so hat der betreffende Befehlshaber der vorgesetzten Kommandobehörde «ussührlichen schriftlichen Bericht unter näherer Angabe der Gründe, welche daö Fahren der Tornister nothwendig gemacht haben, zu erstatten.
Sultan Abdul Aziz ist lobt, er hat sich am 4. Juni selbst baS Leben genommen. ’ Die türkische Botschaft in Paris hat den dortigen Blättern folgende Nachricht mit« getheilt: „Ein trauriges Ereigniß hat unseren erhabenen Herrscher und seine Regierung in tiefe Trauer versetzt. Abdul Aziz Khan, welcher schon seit einiger Zeit Zeichen «on Geistesstörungen gab, hat sich diesen Morgen in seine Gemächer im Palaste von Tscherogan eingeschloffen und sich den Tod gegeben, indem er sich mit einer von ihm verborgenen Scheere die Pulsader am Arm öffnete. Die kaiserliche Regierung hat sich beeilt, den traurigen Fall Ws's Genaueste untersuchen zu taffen und wird demnächst den Bericht veröffentlichen. Alle Minister und alle hohen Würdenträger werden dem Begräbnisse Sr. Majestät beiwohnen, welche« mit allen dem Verstorbenen zukommenden Ehren vollzogen werden wird. Er wird im Mausoleum de« Sultan« Mahmir beerdigt werden."
Wie französische Blätter melden, hat der Marschall
Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blatte« sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meyer in Berlin; Carl Schütz» (er in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
»erden auch die für Em« in Aussicht genommenen Konfe- .... _
lenzen hier stattfinden. Bekanntlich hatte Kaiser Alexander daß Erfurt, das schon so oft zu den weltbewegenden Er-
DaS Kreuz am Wege.
Novelle von Ernst v. Waldow.
(Fortsetzung.)
Martha hatte nach Jahr und Tag die Hand eines Jugendfreunde«, des Lehrers Werner, ergriffen, als Hülfe | «nb Stütze in der Noch de« Lebens, welche die arme Verwaiste und überall Gemiedene hart genug bedrängte.
Magdalene Waltran hatte die volle Liebe ihres reinen Frauenherzens dem Sohne geweiht, und nur ihm lebend, kin stilles, gänzlich zurückgezogenes Leben geführt, das sic lutt seiner Sorge für die Nothdurft desselben und dem t origen Wechsel von Freud und Leiv bewahrte vor trost- irser Verzweiflung.
Die bescheidenen Geldmittel der Wittwe, welche fie aus dm Trümmern ihres einstigen Wohlstandes gerettet, hatte» *icht hingereicht, de« Heranwachsenden Sohnes Wunsch lach einer künstlerischen Ausbildung, welche seinen streben- ^n, ehrgeizigen Sinn reizte, ohne daß er für eine der Sänfte besonderen Beruf oder Talent gezeigt hätte, zu beliebigen, unb so war er beim burch bie Vermittelung seines Dheims in der Residenz für das Baufach gebildet worden, und die erste praktische Ausübung seiner bei einem tüchtigen Stifter erworbenen Kenntnisse ward ihm seit Iaht und *ag durch eine bei dem Kirchenbau zugetheilte nicht unbe- deutende Arbeit geboten.
1 Friedrich« Verhältniß zu Margarethe Werner daS sich I öei einer der geselligen Vereinigungen der Bürgerreffoutce | d Roda leicht und schnell geknüpft, währte nun fast schon 1 zwei Jahre und erregte bei Allen mehr oder weniger (und N sogar bei den gar nicht Betheiligten) den lebhaftesten I Widerspruch und da« größte Mißfallen.
,.rv. VW|V V1V 0_._______ vertreten waren, haben sich jedoch ferngehalten. Die heutige
oehmen nach verschoben worden, lieber den späteren Ter-1 Versammlung, welche der Vorsitzende des hiesigen OrtS- »in derselben ist bi« jetzt noch keine Bestimmung getroffen. Ausschuffe«, Lehrer Bauer, um 6V2 Uhr im Saale de« Voraussichtlich wird der Kaiser die Rückkehr des Kaisers Rheinischen HofeS eröffnete, trug nur den Charakter einer Alexander hier abwarten. Im Zusammenhänge damit Vorbesprechung. Herr Bauer begrüßte die Anwesenden mit warmen Worten, dabei der Hoffnung Ausdruck gebend,
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i Expedition d. Blatte«, ieBie die Annoncen-Bureaux 8 Th. Dietrich & Co. in ', btt * Mel unb Hannover; Th. untern Dietrich in Frankfurt a. M.;
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