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Anzeigen nimmt entgegen: u( Expedition d. Blatte», f018ie die Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in faffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; fiaofenftein & Vogler in Ironlfurt a. M, Berlin, Leip- Sg, Cöln tc; Rudolf Messe

Berlin, Frankfurt a. M. rc.

JKarfiurg, Sonnabend, 3. Juni 1876.

XI. ZhrgMg.

OltrheMc Mutig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz, ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS SvnntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckeret) bezogen 2, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa

Iür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Lage-brrlcht

DerReichs-Anzeiger" publicirt die Ernennung des bisherigen hessischen Minister-Präsidenten zum Präsidenten beS Reichskanzler-Amtes und die Verleihung des Groß- steuzes des rothen Adlerordens mit Eichenlaub an Delbrück.

Der Präsident deS deutschen Reichstages, Herr v. Forcken- beck, erhielt folgendes Telegramm aus Mailand: Die Jia [jener, die heute am29. Mai die Säcularfeier der Schlacht von Legnago als Princip der Nationalität und als Basis der Völkerverbrüderung begehen, entbieten der deutschen Nation einen Gruß, welcher mit Erkenntlichkeit verbundene Liebe ausdrückt. Das Fest Comite.

Nach den neuesten bei der kaiserlichen Admiralität ein­gegangenen Meldungen ist die KorvetteMedusa" am 15. Mai er. in Salonichi cingetroffen, das KanonenbootNau- tiliuS" traf am 9. Mai er. in Malta ein, ging am 13. »ach Port Said in See, lief wegen Sturmes die Insel Rhodos an und traf am 26. in dem Hafen von Pera ein. Das KanonenbootKomet" ist am 18. Mai er. von Kiel »ach dem Mittelmeer in See gegangen. Die Korvette ,P!neta", welche am 14. März c. Abends die Rhede von Callas verkästen hatte, ist am 15. April c. Mittags im Honolulu eingelaufen und gedachte am 22. dest. Mts. die Reise nach Honkong fortzusetzen.

Der italienische Marine-Minister hat, wie uns auS Rom berichtet wird, am 29 Mai Befehl ertheilt, daß in Epezzia noch drei Fregatten ausgerüstet werden, um das Levantegefchwader zu verstärken. Die Stellung des italienischen KabinetS gilt übrigens in Rom für äußerst bedroht.

Abweichend von der durch Wiener Blätter übermittelten Schilderung der Vorgänge bei dem gewaltsamen Thron- »echsel in Konstantinopel, wonach die Umwälzung durch eine Art CabinetSrevolution hervorgerufen sein sollte, wird französischen Blättern berichtet, daß auch in diesem Falle die Softa's das bewegende Element gebildet haben. Da­nach haben sich am Abend des 29. Mai die Softa's und ihre Anhänger wiederum in großen Schaaren nach dem Palaste des Großherrn begeben und demselben ohne irgend ivelche weitere Kundgebung die direkte Erklärung abgegeben, daß er sich zurückziehen wüste. Der Sultan soll diese Erklärung ohne Widerspruch hingenommen und nur den Wunsch geäußert haben, daß sein Sohn Justus Jzzedin hin Nachfolger werde. Dieser Wunsch verhallte jedoch »«gehört und unmittelbar danach wurde Murad von der Menge zum Sultan auSgerusen. Die chiffrirte Depesche von der Absetzung deS Sultans ging Morgens 7 führ

DaS Kreuz am Wege.

Novelle von Ernst v. Waldow.

(Fortsetzung.)

Und zweifelst Du an dem, was ich, Dein Vater über diesen Friedrich Waltran gesagt habe, was Deine Ver­sandten in der Stadt gehört haben, was Sebastian gesehen «it eigenen Augen, da er den liederlichen Patron mit dem ehrvergessenen Weibe seines Meisters getroffen hat hinter dtt Wallsahrtskapellel Ja, der Hallunke", fuhr er in- rrimmig fort,es kostet mich nur ein Wort an den Herrn kianonikuS und er wäre fortgejagt mit Schimpf und Schande 6°m Kirchenbau; der hochwürdige Kardinal würde keinen 1 Schuft und Ehebrecher einen Stein zum Gottestempel legen lasten aber ich bin kein Angeber, auch geht mich das nichts an, Jeder hat vor seiner Thür zu kehren, und werde mir das Haus rein halten, darauf verlaß Dich." Margarethe stand auf.Glaubst Du mir?" fragte er »sch einmal dringender.

Sie zuckte die Achseln, ein bitteres Lächeln verzog ihren schmalen Mund und sie erschien plötzlich um Jahre alter, *8 sie ruhig erwiderte:Was wäre es denn sonst, was so elend machte, wenn nicht, daß ich es glaube, daß Är Alle die Wahrheit gesprochen habt?I"

Der Müller blickte sie schier betroffen an.Nun", sprach er dann den Kopf wiegend,es wäre auch, wenn bester stände um den Charakter und Ruf des Burschen, Nt eben nicht mein Fall gewesen, zum Schwiegersohn"

aber er verstummte vor dem Ausdruck in Margarethens ""llitz, eS war, als ginge ein Leuchten über dasselbe, ^HeS es verklärte, die Lippen lächelten, d e großen bunt- kB Augen strahlten und leise flüsterte sie:O dannl"

Doch der Schimmer der flüchtigen Seligkeit verschwand aus ihren Zügen und machte einer desto tieferen

von Konstantinopel ab; Sadyk Pascha theilte dieselbe sofort dem Herzog von Decazes mit; sie begann mit den Worten: Wir Abdul -Aziz danken in Folge des Wunsches der Mehrzahl unserer Untertanen zu Gunsten unseres Neffen, des Sultans Mehemed Murad Effendi ab". In dieser Depesche heißt es ferner, daß )>ie Softa's zuerst gefordert hätten, der Sultan solle den Titel dcS Khalifen ablegen, welcher ihn unverletzlich macht und den Scheich-ul-JSlam verpflichtet, sich vor ihm niederzuwerfen. Nach dem der Sultan auf den Titel des Khalifen verzichtet halte, habe er auch als Sultan abgedankt.

Ob der enthronte Sultan auch erdrostelt worden, ist immer noch nicht aufgeklärt; das gestrige Telegramm deö Tel. Corr. Bureau auS Pest wird von einigen Blättern so gedeutet, als ob damit nur hat gesagt werden sollen, daß dem Wiener auswärtigen Amte keine Meldung über den Mord zugegangen sei. Andere Telegramme bestätigen die Ermordung deS Sultans. Das Hirsch'sche Bureau hat aus Wien zwei Telegramme erhalten, nach dem einen ist der Sultan von den Sof as auf der Landungsbrücke erdrostelt worden; nach dem andern ist er nach einem Ueberfall durch die Softa's noch lebend nach dem alten Serail gebracht worden, dort dann aber später verschieden. Möglicherweise hat Abdul»Aziz mit seinen Schätzen entfliehen wollen. Immerhin ist die Erdrostelung des Sultans Abdul-Aziz für sehr wahrscheinlich zu halten; die Correetur schlechter despotischer Regierung ist ja traditionell der Mord.

In diplomatischen Kreisen bedauert man die Besei­tigung Abdul's nicht. Seine Unverläßlichkeit machte jede Berechnung unmöglich; seine Handlungen machten den Eindruck kompleter Unzurechnungsfähigkeit. So wie er täglich seine Günstlinge wechselte, änderte er auch seine Entschlüsse; daher war der diplomatische Verkehr mit ihm ein äußerßst schwieriger. Der Sultan Abdul ist Khalif und daher, so lange er lebt, die Gefahr eines Bürgerkrieges und die Losrerßung mehrerer Provinzen imminent. Midhat als Grobvezier gilt für wahrscheinlich, denn Midhat war der geistige Urheber der Softabewegung. Wird Midhat Greßvezier, so hofft man auf einen ruhigeren Verlauf der Bewegung und günstigeres Terrain der Action. Tritt jedoch Hussein Avni und Raschid Pascha in den Vorder­grund , so werden die Schwierigkeiten durch allzu starkes Hervorheben der osmanischen Herrschaft Über die Christen erhöht. Da indessen auch Hustein Avni auf dem Boden des konstitutionellen Fortschritts steht, so würde sich in den von den Rajahs bewohnten Provinzen das Prinzip der Majorität Bahn brechen.

Rach der Köln. Ztg. verfasten die Mächte eine neue Note an die Pforte, worin die Erwartung ausgedrückt wird, daß Sultan Murad die Reformen durchführen werde.

Niedergeschlagenheit Platz, und die Augen halb schließend, schauerte sie fröstelnd zusammen. DaS erregte deS Alten Besorgniß.Bist Du krank?« fragte er fast ängstlich.

Sie blickte ihn traurig an.Ich we ß eS nicht, lieber Vater, ich glaube ja."

So geh' hinauf in Dein Zimmer, geh, mein Kind, und wein' Dich aus und bete zu Deinem Heiland, daß er Dir hilft den Kummer überstehen, den der schlechte Mensch über uns gebracht hat."

Sie schüttelte leicht mit dem Kopfe.Mir kann Nie­mand helfen I"

Die Worte klangen so tief schmerzlich und gebrochen, daß der starke Mann davon erschüttert ward.

Versündige Dich nicht an GolteS Barmherzigkeit", sprach er mahnend, und bann, in ein erzwungenes kurzes Lachen auöbrechenb, fügte er leicht hinzu:Der Liebes­kummer eines achtzehnjährigen Mädchens dauert nicht ewig, daran stirbt Keine."

Sie erhob das g.senkte Haupt, und cS war wieder der sonderbare Ausdruck in ihren dunklen Augen, als sie er­widerte:Um was sonst hat die Schäfer Anna den Kopf auf die Schienen legen lasten, daß der Schnellzug ihn hat mitten durchgeschnitten?"

Der Müller schlug unmuthig mit der Hand auf den Tisch.Dafür hat sie dort die ewige Verdammniß und hier die Ecke an der Kirchhofsmauer!" sprach er rauh.

Aber auch die Ruhe und das Vergessen!«

Margarethe hatte es leise, wie zu sich selbst gesagt und darauf geräuschlos daS Zimmer verlassen.

Der Later blickte ihr sorgenvoll nach, während er vor sich hin murmelte:Wenn ich daS Ding nur richtig an­zufasten wüßte mit dem Mädel, cS müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn ich ihr den schlechten Kerl nicht aus dem Kopfe herauSbringen könnte.

DaS neue türkische Kabinet hat auf innerem Gebiete flon einige Lebenszeichen von sich gegeben, welche den Willen zeigen, gegen die Insurgenten in energischerer Weise als bisher vorzugehen. Zunächst ist Chesket Pascha der Kommandant des an der Grenze von Montenegro aufge­stellten ObservationSkorpS, welcher vom Militärwesen und Kriege nicht die mindeste Kenntniß hatte, abberufen worden, ein tüchtiger General, welcher schon in fernen als Divi- sions Commandeur des 5. Koips hervorragende Dienste leiftetete. Derselbe war erst vor wenigen Wochen beim Sultan in Ungnade gefallen und nach Syrien verbannt worden. Ferner ist von Konstantinopel nach Albanien die Ordre ergangen, daselbst die zweite Klaste der RedifS auszuheben, wodurch das BeobachtungSkorps auf 35,000 Mann gebracht werden soll. Jndeß sollen die Albanier den diesbezüglichen Anordnungen des Generalgouverneurs Widerstand entgegen setzen und sich direkt weigern weitere Mannschaften zu stellen.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juni. Zwischen dem deutschen Reiche - und der schweizerischen Eidgenossenschaft ist bekanntlich am 27. April ein neuer Niederlassungsvertrag abgeschlossen, tre cher in mehreren Punkten Abweichungen von der früher durch den BundeSrath gebilligten Fassung enthält. Der Artikel 4 deS Entwurfs enthielt u. A. die Bestimmung, daß die Angehörigen des einen der beiden Länder, welche in dem andern wohnhaft sind, nicht unter den Militär- Gesetzen des letzteren stehen, sonder» denjenigen ihres Vaterlandes unterworfen bleiben, sowie daß sie von jedem Dienste in der Nationalgarde und ben Ortsbürgerwachen frei fein sollten. Der neue Vertrag befreit bie Angehörigen beS einen Landes in dem andern nicht nur von der Militär- Pflicht, sondern außerdem auch von der an die Stelle der letzteren tretenden Ersatzleistung. Die Bestimmung Hinsicht« lieh der Befreiung vom Dienste in der Nationalgarde und in den Ortsbürgerwachen ist fortgelaffen, weil eS derartige Einrichtungen weder in Deutschland noch in der Schweiz giebt. Art. 7 des Entwurfs behält jedem der beiden Theile das Recht vor, Angehörige des anderen TheilS, welche vor Erfüllung ihrer Militärpflicht die Staatsangehörigkeit ge­wechselt haben, auS seinem Gebiet auszuweisen. Der neue Vertrag hat diese Bestimmung aus dem sonstigen Inhalt deS Art. 7 ausgeschieden und sie in präziserer Fassung als Art. 8 ausgenommen. Der Art. 10 des Entwurfs hatte als Endpunkt der Dauer deS Vertrages den 31. Dccember 1883 in Aussicht genommen. Mit Rücksicht auf die Länge bet seitdem verflossenen Zeit hat der Art. 11 beS Vertrages diesen Termin auf ben 31. Dccember 1886 festgesetzt. Zur Erläuterung beS Art. 8 des Vertrages ist ein Zusatzpro-

Dcr Müller Werner war ein reicher Mann, er hatte vor nun vier Jahren die Mühle vor dem Thore des kleinen Städtchens, in welchem die Werner seit Menschengedenken unter dem Bürgerstande eine hervorragende Stelle einge­nommen, verkauft, weil er sich nicht entschließen konnte, der Eva, seiner verstorbenen Frau, eine Nachfolgerin und der Heranwachsenden Tochter eine Stiefmutter zu geben, andererseits Margarethe aber nicht im Stande war, der großen Haushaltung vorzustehen, obgleich sie bei ihrem häuslichen Sinne Alles that, um den Vater, dessen ver­zogener Liebling sie von je gewesen, die sorgende Liebe der Mutter so wenig als möglich vermiffen zu lassen.

So hatte er denn die Mühle verkauft, d. h. eigentlich vertauscht gegen ein schönes geräumiges Haus in der Stadt, dessen Oberstock er vermiethct-, während er die Wohnung zu ebener Erde selbst bewohnte, und zwar die Zimmer, welche nach der Straße gingen: eine der Hinterstuben war zum Comptoir eingerichtet, denn Werner betrieb, nachdem er bie Müllerei aufgegeben, einen einträglichen Getreide- Handel.

i. Als eine Art von Buchhalter bei diesem Geschäft fun- girte der Sebastian Werner, ein entfernter Anverwandter, der Sohn deö verstorbenen Schullehrers. Seit dem Ok­tober hatte der Sebastian noch seine blinde Mutter zu sich genommen, da ihm der Müller, welcher seine guten Eigen­schaften zu würdigen wußte und seine Leistungen nicht entbehren konnte, einen Antheil an dem Geschäfte zugesagt, und dieser Gewinn, die geringen Ansprüche, welche der junge Mann an daS Leben und dcffen Genüsse machte, nicht nur reichlich befriedigte, sondern ihm, wenn auch 1» fernerer Zeit, eine gewisse Selbstständigkeit und einen mäßige» Wohlstand sicherte.

Die alte, blinde Frau war dem Müller (wie man Werner noch jetzt allgemein in Roda zu neunen pflegte)