Marburg, Freitag, 2. Juni 1876.
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Grenze von Montenegro) zwischen Türken und Montenegrinern ein Zusammenstoß stattgefunden habe. Von Montenegro auS wird überdies eine Znsurgirung der Miriditen in Albanien versucht, und haben Letztere, wie der Pol. Corr. auS Scuttari gemeldet wird, aus Cettinie heimlich Waffen erhalten.
lieber die Rückwirkung, welche die Nachricht von dem Thronwechsel in Konstantinopel auf die aufständischen Provinzen, sowie auf Serbien und Montenegro, vielleicht auch auf Rumänien und Griechenland haben werden, läßt sich bis jetzt noch kein sicheres Urtheil fällen. Auch ohne jenes Ereignife war die Stimmung in den genannten Ländern schon vorher eine sehr aufgeregte und kriegerische. Die Presie meldet sogar auS Zara, daß nach Aeufeerungen des montenegrinischen Kriegsministers Plamenac, der nach zwanzigjährigem Aufenthalt in Wien wieder nach Cettinje gereist ist, das Kriegsbündniß zwischen Montenegro, Serbien, Rumänien und Griechenland perfect geworden sei; der Beginn der vereinbarten Kriegsaetion sei für Montenegro und Serbien nächstens unvermeidlich; gleichzeitig werde ein Aufstand in Thessalien, und auf Candia ausbrechen. Dem Wiener Tageblatt wird aus Belgrad gemeldet, dafe der Alliance'Vertrag zwischen Serbien und Montenegro
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß- ~ ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Der Thronwechsel in Konstantinopel ist, wie verlautet, bereits sofort den diplomatischen Vertretern der Türkei an den europäischen Höfen offiziell mitgetheilt worden. — Die nach Mittheilungen Wiener Bläller gemeldete Nachricht, dafe Sultan Abdul Aziz erdrosfelt worden sei, wurde alsbald von allen Seiten widerrufen.
Die gemeinsame und übereinstimmende Mittheilung, welche die Vertreter von Rußland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Italien und Deutschland, aus Grund der Berliner Abmachungen am 30. v. MtS. an die Pforte zu berichten beauftragt waren, hat, wie der „Reichs-Anzeiger,, meldet, durch den inzwischen eingetretenen Thronwechsel einen Aufschub erfahren.
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MellliiigkN ^7»» fern Sonntagsvtatt für den Monat Juni werden in Marburg von der Expedition sowie auswärts von allen Postanstalten angenommen.
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DaS Kreuz am Wege.
Novelle von Ernst v. Waldow.')
„Und wenn ich ihn noch einmal hier sehe, so brauche ich mein Hausrecht, und frage den Teufel darnach, was 2 für ein Ende nimmt I"
Der Müller Werner sprach es drohend, obwohl der junge Mann, dem der zornige AuSruf galt, den Hof durch tie grünangestrichene Gillerthür, welche denselben von der Strafen trennte, bereits verlassen Halle; dann steckte er die Hände in die Taschen seines braunen Düffelrockes und schritt, unwillig vor sich hinbrummend, dem Hause zu.
Auf der Schwelle der Thür wandte er sich um, und
loren, dafe Du nicht mehr gerettet werden kannst?"
Sie richtete sich langsam aus, ein fragender Blick ihren großen, unschuldigen Kinderaugen traf ihn und ihn erleichtert Äthern holen."
Er wandte sich ab, der Schimmer einer Thräne umflorte sein sonst so klares, graues Auge; dann sprach er leise: „Und kannst Du Deinem alten Vater nicht mehr frei in's Gesicht sehen — bist Du wirklich schon so
Hand auf einen der beiden eichenen Stühle, welche rechts und links von dem Tische standen.
„Setze Dich."
Margarethe gehorchte.
»Hattest Du mir nicht erst am Sonntage auf Deine Seligkeit geschworen, den Friedrich nicht wieder heimlich zu sehen; wie ist's nur möglich, dafe Du mir so ungehorsam sein konntest?!"
Eine tiefe Traurigkeit lag auf dem bleichen Gesichte Margarethens, als sie leise erwiderte: „Ich konn e nicht anders!"
„Unsinn!" sprach er streng, „sind daS die Lehren, welche Du von Deinen Eltern, von Lehrer und Pfarrer erhalten hast? — „Ich konnte nicht anders!" so sagt jeder Spitzbube und Raubmörder, eine schöne Entschuldigung das! mit der kann man in's Zuchthaus kommen und auf den lichten Galgen oder — doch genug, damit komme mir nicht!"
Margarethe wischte mit der Hund die Thränen von den blaffen Wangen; der Alte bliche ihr ernst in's Auge, daS sie schüchtern zu ihm erhob, bann fragte er:
(Fortsetzung folgt)
Lage-brricht.
Die Minister für Finanzen und Kultus haben beschlosien, die Abgangszeugnisie der Studirenden von der Universität, gleichviel ob dieselben zum Zwecke der Immatrikulation auf einer anderen Hochschule oder Behufs Zulasiung zu einer Prüfung ertheilt werden, von der Stempelabgabe zu befreien.
Die ultramontane Partei hat folgenden Antrag einge- iracht: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: : Die königliche Staatsregierung aufzufordern, die durch den Oberprästdenten der Provinz Hessen Nassau vom 30. SDecember v. I. verfügte und vom Min ster für die geistlichen u. s. w. Angelegenheiten unterm 23. März lausenden Jahres bestätigte Einräumung des Mitgebrauchs der ka- 1 iholischen Kirche zu Wiesbaden an die Altkatholiken daselbst il8 unvereinbar mit den Bestimmungen des Gesetzes betr. die Rechte der altkatholischen Kirchengemeinschaften an dem Ikirchlichen Vermögen vom 4. Juli 1875 aufzuheben. In Iben beigegebenen Gründen heißt es u. A.: In Wiesbaden ncht die Sache zur Zeit thatsächlich so, daß die zahlreichen kröaiisch katholischen Pfarrgenossen — 1864 „Mitglieder", 12,500 Seelen — ihres Gotteshauses verlustig geworden find und entbehren muffen zu Gunsten einer geringen Anzahl von Personen — 267 „Mitglieder", nicht über 450 Seelen — welche theils nie zur Pfarrgemeinde gehört theilS einer Reihe von Jahren sich jeglicher Verpflichtung gegen dieselbe enlzogen haben. Dabei ist die Abnahme im Besuch deS „altkatholischen" Gottesdienstes schon jetzt offen- kundig. Ist daS Bedürsniß — und darauf kommt es roch am letzten Ende allen Bestimmungen und Begründungen des Gesetzes an, — wirklich „erheblich", wenn Sonntags 58, Werktags 18 Personen, Pfarrer, Küster, Organist und Chorknaben eingerechnet, die Kirche benutzen. Wenn, wie
selbstvergesien in die Glut, deren röthlicher Schein ihr bleiches, schmales Gesicht, die großen, dunklen Augen und das lichte Haar, welches in welligen Scheiteln das zarte Oval umschloß, grell beleuchtete.
Eine lange Pause entstand; endlich drehte sich der Müller langsam um, und mit der Hand auf das Portrait einer Frau zeigend, das, in Wafferfarben gemalt, in schwerem Goldrahmen die Wand über dem Sopha zierte, sprach er schmerzlich : „Gottlob, daß sie das nicht erlebt hat!" —
Das junge Mädchen zuckte zusammen, doch erwiderte es nichts, aber dies Schweigen mußte den Zorn deS Mannes reizen, denn heftig auftretend, fuhr er erregt fort:
„Schande erleben zu müssen an dem eigenen Kinde — ich trügs nicht! Nun, noch hab'ich ja meine guten Augen, u d sie sollen Dich hüten, bester wie seither. Darum, Margarethe, warne ich Dich — m-ch' mich nicht wild, ich kenne mich bann nicht mehr und thue, was mich reut!"
Er war ihr näher gekommen, und stand jetzt dicht vor ihr; sie hatte die weiße, spitzenbesetzte Schürze vor daö Gesicht gedrückt und weinte still; er faßte nach ihrer Hand und ihr dieselbe unsanft vom Gesteht ziehend, sprach er finster:
„Ich werde wohl noch die Kraft finden, trotz der thörichten Liebe, die Dich verwöhnt hat, eine leichtstnnige Dirne auf den rechten Weg zurückzuführen, und wär's mit Gewalt!"
Sie schrie laut auf, als empfände sie einen heftigen körperlichen Schmerz; bann warf sie sich, deS Alten Hand festhaltend, auf die Knie vor ihm und rief schluchzend! „Vater, Vater, sag' daS nicht, erbarm’ Dich über mich!*
Ein Zucken ging über die festen, ehernen Züge des Mannes und er antwortete fast tonlos: „Steht’s etwa so mit Dir — nun, da wollt' ich — Gott straf' mich, lieber, der Sebastian hätt' Dich damals nicht aus dem Mühlteiche gezogen nnd" — Margaretha liefe feine Hand los, und beide Arme empor streckend, rief sie in einem
„Komm zu mir", sprach er ruhiger und schritt ..... Sopha zu, auf das er sich nieberliefe; bann schob er bie Lampe fammt ber Zeitung bei Seile und wies mit ber
«nietgen nimmt entgegen: ut Expedition b. Blattes, [.gie die Annoncen-Bureaux Am Th. Dietrich & Co. in -.fiel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a- M.; »aafenftein & Vogler in Itantfurt a. M-, Berlin, Leip-
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Fenster und blickte hinaus aus die dämmernde Strafee, Ehrend er mit den Fingern der starken Hände auf den ’fyiben trommelte.
L Die Tochter gehorchte schweigend und nur ein tiefet Seufzer entrang sich ihrer gepreßten Brust, als jetzt die Hwete eichene Thür knarrend hinter ihr sich schloß und M Vaters Hand den Riegel vorschob.
Der Alte trat zuerst in die große, zu ebener Erde , gelegene Wohnstube, doch setzte er sich nicht wie sonst so- . k«ch aus das hangepolsterte Sopha mit schwarzem Roß- 'Hfd’aft » Bezüge, vor welchem auf dem runden eichenen Tische Der 6lt örünbeschirmte Lampe und die Zeitung seiner schon •arteten, sondern er ging mit gleichen festen Schritten ^-reremal im Zimmer auf und nieder, dann trat er an
in [een Verhandlungen über daö Gesetz widerhallt, anzu nehmen ist, dafe dasselbe den römisch katholisch verbleibenden 6emcinbegl(ebern ben Gebrauch bet Kirche nicht verlegen »olle, so mufe bieS auch im Vollzug zur Erscheinung kommen. Die römisch katholisch Verbliebenen können mit v , ________ ..........
ben „Altkatholischen" die Benutzung deS Gotteshauses! am 24. Mai unterzeichnet'worden sei; in dernstlben werde «icht theilen, weil sie sich als das, waS sie sind und zu [eine gemeinsame HerreSleitung festgestellt. Die Politische
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. Margarethe hatte inbeffen das Feuer in bem großen . 12’,,. «chelofen durch daS Auflegen frischet Holzscheite neu ent 1 79,,h enbet, jetzt kauerte sie mit auf die Knie gestützten Ellbogen immer aus derselben Stelle und starrte träumend uno
--- ') Nachdruck nicht gestattet.
— S?-n finstern Blick auf die schlanke Gestalt des jungen [1313 Mädchens werfend, das ihm gesenkten Hauptes gefolgt war, ter. «brach et rauh: „Vorwärts, Margareth, geh' in's Haus, e jeder- »ir sprechen uns drinnen I"
bleiben das Recht haben, der das Interdikt darüber ver-lCorrespondenz meldet, daß bei Podgotizza (an der südlichen hängenden kirchlichen Anordnung und deren Wirkungen'"' ' ™ ' -----
nicht entziehen können, unter allen Umständen aber einen römisch katholischen Geistlichen nicht finden, welcher in der von den Altkatholiken benutzten Kirche einen Gottesdienst abhielte. Die Entscheidung deS Kultusministeriums nimmt den Standpunkt ein, daß da, wo nur eine Kirche besteht, die römisch-katholisch Verbleibenden die Wahl haben, entweder sich ein anderes Unterkommen für ihre gottesdienstlichen Verrichtungen zu suchen, oder dem Gottesdienste der „Altkatholiken" beizuwohnen, was einem Aufgeben ihres Glaubens und davon untrennbaren kirchlichen Gehorsams gleichsteht. Diese Nothlage ist ohne allen Vergleich viel härter und trifft verhältnißmäßig viel weitere Kreise, als diejenige, der daS Gesetz vom 4. Juli 1875 Abhülfe hat bringen sollen.
Wie uns von Paris mitgetheilt wird, ist daselbst die Nachricht angelangt, daß in China wiederum mehrere europäische Missionäre ermordet werten sind.
Deutsches Strich.
»* Berlin, 31. Mai. Der durch das gestrige Telegramm berichtete Thronwechsel in Konstantinopel ist von sämmtlichen Börsen günstig ausgenommen. ES soll die Meinung ausgedrückt werden, daß die Hoffnung besteht, daß eine neue Regierung sich willfähriger zeigen werde, dem Verlangen Europa'ö nachzukommen und sich nicht herbeilassen werde, das Oitomanifche Reich zerfallen zu lasten. Die Regierungen können heute noch nicht ihre Auffassungen kundgeben. Die neue Regierung muß erst zeigen, daß sie der Revolution in ihrem Lande Halt gebieten kann. Die Genehmigung zur Vorlage deS Nothstandsgesetzes steht noch aus. Diese Vorlage ist auf Grund eines Minister- rathS am Sonntag gestern in das Allerhöchste Cabinet gelangt und es ist fraglich, ob der Landtag noch vor Eintritt der Pfingstserien die Vorlage erhalten wirb. — Die letzte Sitzung des Bundesraths vor Schluß der diesjährigen Session hat heute stattgefunden. Die preußischen Vertreter wohnten dieser Sitzung in großer Zahl bei; offenbar lag cS in der Absicht derselben, Delbrück die AbschiedShonneurS zu machen. Herr Hofmann übernimmt die Geschäfte des Reichskanzleramts mit morgen. Derselbe ist nun offieiell zu diesem Posten ernannt und die Ernennung Hofmanns und von Bülow zum Preußischen Staatsminister steht demnächst bevor. — Die Darlegung der Provinzial-Cor- respondenz über die Zottwitzer Angelegenheit läßt deutlich erkennen, daß die Regierung großen Werth darauf legt, den Entstellungen der ultramontanen Presse nach Möglichkeit entgegenzutreten. —- Die W-gevrdnung ist für die laufende Session als beseitigt zu betrachten, auch die Regierung hat verzichtet, die Sache weiter zu verfolgen: Der Gesetz-Entwurf „Provinz Berlin" erhält nur einen Abschluß in der Commission.
Pofen, 31. Mai. Die Sprit-Fabrik von Polworowski und Comp. steht seit heute Nacht 2 Uhr in vollen Flammen; trotz angestrengter Thätigkeit der Feuerwehr und deö Militärs ist man bisher deS Feuers noch nicht Herr geworden. Tone tiefer Verzweiflung: „O, läg’ ich doch braufeen im Mühlteich, bann wüßt' ich doch wenigstens nichts mehr von mir und meinem Elend!"