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Anzeigen nimmt entgegen: Ht Expedition d. Blatte-, lowie die Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in gaffcl und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Aaafenftein & Vogler in itantfurt a. M-, Berlin, Leip­zig, Cöln rc; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfurt a. Ri. rc.

.Mrvurg, Mittwoch, 31. Mai 1876.

xi. MmMg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. • M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint tLglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntaaSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerer) bezogen 2l> Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. sexl. Bestellgebühr). — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu crtheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

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uf die Oberhessische Zeitung mit Ittustrir- tem Sonntagsötatt für den Monat Juni wer- dm in Marburg von der Expedition sowie aus- «ärts von allen Postanstalten angenommen.

DaS Mrntkurr der Rcujahrsnacht.

Humoreske von Heinrich Zschocke.

(Fortsetzung.)

„Wir thun unsere Schuldigkeit!" entgegnete ein Poli- ieidirner, „und dafür setzt uns Keiner in den Thurm Das könnte aber am Ende wohl dem Herrn in der Maske selbst widerfahren. Wir kennen dergleichen Sprachen schon und fürchten solche Drohungen nicht. Vorwärts, marsch!" f „Leute, nehmt Vernunft an I" rief Philipp: „Es ist nn sehr angesehener Herr am Hofe."

i „Und wenn's der König selber wäre, müßte er mit v>S; das ist unsere Pflicht; er ist verdächtig!" gab Einer jur Antwort.

„Ei ja", rief ein Anderer, „große Herren am Hofe haben wohl mit Nachtwächtern und Euresgleichen heimliche Dinge abzuthun und, wie vorhin, einander in die Ohren ft zischeln."

Während man noch des Prinzen wegen hin und her -ritt, kam ein Wagen, achtspännig, mit brennenden Fackeln ‘ttan, daher gefahren, an der Kirche vorbei. „Halt!"

eine Stimme im Wagen, als dieser eben an dem Haufen der Polizeidiener war, welche den Prinzen umringt hielten.

Der Wagen stand. Der Kutschenschlag öffnete sich win Herr sprang heraus im Ueberrock, mit einem glän- Men Stern darauf, und ging zu der Menschengruppe. Er stieß die Polizeibeamten zurück, betrachtete den Prinzen ^nZoben bis unten und sagte: „Richtig! erkannte ich, gleich den Vogel an seinen Federn von weitem. Maske 6(r sind Sie?"

Julian wußte nicht, wohin sich in seiner Verlegen- FWt drehen und wenden, denn er erkannte den Herzog »Herrmann.

„Antworten Sie mir!" rief der Herzog mit donnernder r^iimmr. Julian schüttelte den Kops und winkte dem Her­

rage-dertcht.

Die maßgebenden Fraktionen des Abgeordnetenhauses haben sich heute vorläufig darüber geeinigt, daß das Haus nach Pfingsten etwa acht Tage nach dem Herrenhause, das »äre etwa am 19. Juni, zusammentreten soll. Indessen j hat man in Abgeordnetenkreisen aller Paiteischattirungen nut wenig Hoffnung auf eine gedeihliche Wirksamkeit, da man allgemein ter Ueberzeugung ist, daß die Sitzungen des Herrenhauses nach dem Feste eben so wenig beschlußfähig sein aird, wie in der gestrigen Montagssitzung.

Der Gesetzentwurf betreffend den durch die diesjährige Hochflnth hervorgerufenen Nothstand ist nunmehr, wie wir erfahren, an Allerhöchster Stelle bestätigt worden und wird dem Abgeordnetenhause noch vor Pfingsten zugehen.

Der Kultusminister hat eine allgemeine Verfügung in Betreff der Schullesebücher erlaffeu. Was die Auswahl der Bücher anlangt, welche an Stelle der beseitigten treten fallen, so sind hierfür die Bestimmungen der Verfügung vom 15. October 1872 maßgebend. Demgemäß sind solche Bücher zu wählen, welche in ihrer Form korrekt und in geschichtlichen und realistischen Theilen nicht eigene Ausar­beitungen deS Herausgebers, sondern Proben aus den besten populären Darstellungen der Meister auf diesem Gebiete geben, und welche sich von kirchlichen und poli- tischen Parteitendenzen freihalten. Bei der Prüfung soll, »ie überhaupt bei allen Lesebüchern, nicht nur auf die Beseitigung der sonst etwa hervorgetretenen Mängel, son­dern auch darauf geachtet werden, daß Alles fern bleibe, kaas etwa die Angehörigen anderer Konfessionen verletzen finnte. Was endlich die Herstellung eines guten Lesebuchs für katholische Schulen betrifft, so macht der Minister darauf aufmerksam, daß dieselbe In der Provinz Westfalen gelungen ist. DaS von dem dortigen Schul- kollcgium herausgegebeae Lesebuch für Oberklassen katho­lischer Schulen wird durch Beifügung provinzieller Anhänge leicht für den Unterrichtsgebrauch der Volksschulen in dm «übern Provinzen verwendbar gemacht werden können.

Wir aus Kreisen, welche dem Reichskanzleramte nahe Sehen, verlautet, wäre die Stellung des Oberpräsidenten bon Elsaß-Lothringen, Hrn. v. Möller, nunmehr so sehr

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erschüttert, daß seine Demission nur noch als eine Frage der Zeit zu betrachten sei. In Anbetracht der großen Verdienste, die Hr. v. Möller In seinem gegenwärtigen Amte sowohl, wie in dem früheren als Obeiprästdent von Hessen-Nassau sich erworben, sowie der verhältnißmäßigen Beliebtheit, deren er sich in den Reichslanden erfreut, bleibt e« immerhin bedauerlich, daß der Antagonismus, in welchem er sich bekanntermaßen zu Herrn Herzog, dem Direktor der Abtheilung des Reichskanzleramts für Elsaß- Lothringen feit Jahren befand, nicht anders gelöst werden konnte, als durch seinen Austritt aus dem Reichsdienste. (Siehe jedoch den Schluß unserer heutigen Berliner *• Correspondenz).

Der „Agence Havas" zufolge hat bisher eine officielle Mittheilung der Berliner Confercnz - Vorschläge an die Pforte nicht stattgefunden, weil noch die endgültige Ent­schließung Englands abgewartet werde. Wie die „Agence HavaS" dieser Meldung hinzufügt, hält man in den hiesigen politischen Kreisen an der Hoffnung fest, daß England die­jenigen Punkte des Memorandums der Ostmächte, welche es abgeändert zu sehen wünsche, bezeichne, und daß sich hiernach eine Uebereinstimmung aller Pariser Vertrags­mächte über ein gemeinsames Vorgehen im Orient erzielen lasten werde.

Die Frage ist jetzt die, in welcher Weise England seiner „NichtinterventionS Politik" im Orient Ausdruck verschaffen wird. Eine Pariser Depesche der „N Fr. Pr." meldet: Lord Lyons wurde von dem Londoner Cabinet ermächtigt, dem Duc Dccazes zu erklären, daß Rußland einen lieber« fall und eine Besetzung Konstantinopels durch russische Truppen beabsichügt hatte, daß jedoch E ngland entschlossen sei, durch Entsendung einer Flotte die Dardanellen zu schützen. Von einer solchen, wie hier in Rede stehenden Absicht Rußlands hat bisher nichts verlautet, dieselbe scheint vielmehr nur der türkenfreundlichen „N. Fe. Pr." bekannt geworden zu fein. DaS englische Panzerschiff „Sultan", dessen Kapitän der Herzog von Edinburg, ist am Sonn­abend nach dem Mittelmeer abgefegelt. Es ist nicht un­möglich, daß das englische Mittelmeer Geschwader noch weitere Verstärkungen erhält. Die Morning Post erwähnt auch, jedoch nur als Gerücht, eine Absicht der Admiralität, ein Nordsee-Geschwader zu bilden. In England scheint man als Gegenvorschlag des Memorandums die Constituirung von Bosnien und der Herzegowina nach dem Muster Ru mäniens befürworten zu wollen. England steht darin selt­samerweise das einzige Mittel zur Herstellung deS Friedens und gegen die gewaltsame Vernichtung deS türkischen Reiches.

zog, sich fortzubegeben. Dieser aber ward noch erpichter,' zu wissen, mit wem er eS auf dem Balle zu thun gehabt habe. Er fragte die Polizeibeamten. Diese standen mit entblößten Häuptern um den Herzog und sagten: sie hätten Befehl, den Nachtwächter unmittelbar zum Polizeiminister zu führen; der Wächter habe gottlose Verse gesungen, wie sie mit ihren eigenen Ohren gehört; fei ihnen aber durch Kreuz- und Quergassen entsprungen; hier nun, bei der Kirche, hätten sie ihn in vertraulichem Gespräche mit der Maske ertappt, die ihnen beinahe verdächtiger schiene, als der Nachtwächter. Die Maske habe sich für einen Herren vom Hofe ausgeben wollen, allein das fei offenbar Wind­beutelei. Sie hätten daher für Schuldigkeit gehalten, die Maske zu anetiren.

„Der Mensch ist nicht vom Hose!" erwiederle der Herzog: „darauf könnet ihr sicher gehen; ich gebe euch mein Wort. Er hat sich unerlaubter Weise auf dem Balle eingeschlichen und Jeden glauben gemacht, er sei Prinz Julian. Er hat sich mir endlich entlarven muffen, da er auch mich betrogen, und mir entwischte. Es ist ein unbe­kannter Mensch, ein Abenteurer. Ich habe eS dem Ober- Hofmeister gemeldet. Ihr Leute, führet ihn fort zum könig­lichen Palast, ihr habt einen guten Fang gethan."

Mit diesen Worten drehte sich der Herzog um, stieg in den Wagen, rief noch einmal zurück: „Laßt ihn nicht entkommen!" und fuhr davon.

Der Prinz sah sich verloren. Den Polizeidienern sein Gesicht zu zeigen, hielt er für unschicklich; durch diese wären seine Geniestreiche allzustadtkundig geworden. Mickder Ge fahr lief er, wenn er vor dem Oberhofmeister oder dem Polizeiminister die Larve abzog. Also rief er entschlossen: „Meinethalben! Kommt!"

Er und Philipp gingen. Röschen sah ihnen weinend nach.

14.

Philipp hätte beinahe an Hexerei glauben mögen, oder

Die Türkei glaubt die orientalische Frage durch Be­schwichtigungsversuche und schöngefärbte Telegramme lösen zu können; jetzt verbreitet sie: „In Bulgarien giebt eS keinen Ausstand mehr!" (S. das Telegramm aus Kon­stantinopel in gestr. Nr.) —

In Albanien soll Mahmud Pascha, bisher in Syrien, den Befehl über das Observations Corps übernehmen, daS auf 35,000 Mann gebracht werden soll. Die Rcdifs zweiter Klasse der albanischen VilcjetS sind einberufen. Die Gäh- rung hat sich inzwischen auch nach Türkisch Serbien ver­breitet. —

Nach Nachrichten aus Bosnien vom 24. d. M. haben die Insurgenten unter Golub einen Angriff auf Bilaj ge­macht und diesen Ort, nachdem sie ca. 350 Türken getödlet und gegen 1000 Schafe, 400 Ochsen und 60 Pferde davon getrieben, in Asche gelegt. An dem nämlichen Tage wurden die Ortschaften Klisa und Zelinowatz von den Insurgenten unter Marinovich in Biand gesteckt. Der Verlust der Türken wird auf 150 Mann angegeben. —

In der Herzegowina hat am 26. Mai ein Kampf bei Bilkia stattgesunden, in welchem — flavlscher Meldung zu­folge — die Türken mit großem Verlust zurückgeschlagen sein sollen.

DextschrS Strich.

■ *» Berlin, 29 Mai. Die letzten Tage haben in Börsen-Kreisen eine besorgliche Auffassung der orientalischen Frage hervortrcten lassen, hcrvvrgcrufen durch die Haltung England'- und der Polemik einiger russischer Journale. Eine allzugroße Bedeutung dürfte dieser publicistische Kampf nicht haben, denn die berufenen Organe haben biö heute noch nicht die Auffassung verleugnet, daß die Krisis in der Türkei keine ernsten Differenzen herbeijühren werde. Es ist im Ganzen keine so trübe Auffassung zur Zeit denk» bar. — Die heutigen Ergebnisse im Herrenhause (nicht beschlußsähig und soll keine Sitzung vor Pfingsten statt- finden) haben die Hoffnung auf ein Resultat für die Ver- waltungs-Rcformgesctze bedeutend herabgesetzt. ES scheint in der That die Andeutung des Grasen Lippe in Bezug auf die Indifferenz gegenüber den Verwaltungögesetzen als ein Vorzeichen der Antipathie gegen die Erledigung dieser Gesetze gewesen zu fein. — DaS Schicksal der Synodal- Ordnung scheint ebenfalls auf Schwierigkeiten zu stoßen. Im Abgeordnetenhause wird gegen den Beschluß des Herren­hauses, den Steuerprocentsatz für Berlin, Protest erhoben werden. DaS Abgeordne enhaus wird aber hoffentlich diesen, da es sich um unerhebliche Differenz handelt, fallen lassen. — Die Ruhmeshallen-Angclegenheit hat eine scharfe Pole-

' daß er träume. Denn so verworren und bunt eS in dieser Nacht zuging, war's ihm in seinem Leben noch nicht er­gangen. Er hatte sich eigentlich keine Vorwürfe zu machen, als daß er mit dem Prinzen die Kleider getauscht, und bann, wider seinen Willen, dessen Rolle auf dem Ball gespielt hatte. Da aber der Prinz vermuthlich die Nachtwächter- Rolle ebenfalls nicht in der Regel gespielt haben mochte — denn warum mußte er sich als Nachtwächter verhaften laffen? — hoffte er bei diesem Gnade zu finden

Beim Paläste schlug dem armen Philipp daS Herz stärker. Man nahm ihm Mantel, Horn und Stange ab. Der Prinz sprach mit einem vornehmen Herrn einige Worte. Sogleich wurden die Polizeidiener wezgefchickt; der Prinz ging die Stiege hinauf, und der Philipp mußte folgen. „Fürchte dich nicht!" sagte Julian und verließ ihn. Philipp wurde in ein kleines Vorzimmer geführt, wo er lange allein blieb.

Endlich kam ein königlicher Kammerdiener und sagte: „Kommt mit mir, der König will Euch sehen."

(Schluß felgt.)

Der Czar in Berlin.

Kaiser Alexander II. ist bekanntlich Berliner Hausbe­sitzer, wenn auch nicht wohlbestallter Berliner Bürger, wie sein verstorbener Vater, der Kaiser Nicolai I, der sein Bürgerrecht erwerben mußte, um Hausbesitzer werden zu können und sich für Ertheilung desselben bei seinen neuen Mitbürgern mit dem Geschenk des bedeutenden CapitalS zur Gründung des „Nicolai-Hospitals" kaiserlich bedankte. Das Immobil des russischen Czaren, das j dem Berliner wohlbekannte russische Botschafter-Palais unter den Linden, hat nicht allein eine der schönsten Lagen, sondern ist zu­gleich auch so bequem und geeäumig angelegt, daß in dem­selben die Wohnungen deS russischen Botschafters und vieler M tglieber der russischen Gesandtschaft, die griechisch rus­sische Kirche, zahlreiche Canzlei- und Archiv LocalitSten Platz