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Sr. 120.

ZNarKurg, Mittwoch, 24. Mai 1876.

XL Zhtgaiz.

Änietgen nimmt entgegen: die «rpedition d. Blatte-, femie die Annoncen-Bureaux pon Th. Dietrich & Co. in «taffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S' stein & Vogler in irt a. 2JL, Berlin, Leip. In k ; Rudolf Moste ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

ObetheUchc Jriliitnj.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte» sowie die Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS EonntagSblatt" durch die Expedition (3toch'sche Buchdruckerei) bezogen 2fc Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). Jnserlionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

LageSbrricht

DerReichs - Anzeiger" schreibt: Tie von hiesigen Wärtern gebrachten Mittheilungen, wonach einer der preu­ßischen Staatsminister vor Kurzem sein Entlassungsgesuch kingereicht hätte, sind ebenso unrichtig wie alle weiteren Angaben und Combinationen, die an diese angebliche That- sache geknüpft werden.

DaS Kammergericht hat gestern daS Erkenntniß abge­geben, daß der ehemalige Fürstbischof von Breslau, Förster, welcher aus Anlaß der Excommunication des Propstes Kick in Kähme angeklagt war, freizusprecken sei. An daS Kam­mergericht war diese Sache vom Obertribunal verwiesen worden, welche» das auf 2000 Mark Geldbuße lautende bezügliche Erkenntniß des AppellationSgerichtS zu Pofen vernichtet hatte. DaS Kammergericht ging bei feinem frei- fprechenden Urtheil von der Ansicht des Obertribunals aus, daß die Excommunication dem rein kirchlichen Gebiete an- gehöre und ein an sich zulässiges Strafmittel sei, welches nur dann unzulässig werde, wenn daS Verbot jedweden Verkehrs mit dem Excommunicirten hinzutrete, oder die Excommunication unzulässiger Weise öffentlich verkündet wttde; Beides fei in diesem Falle nicht geschehen.

DaS JesuitenblattRome" berichtet: Die römischen Katholiken besaßen in Wiesbaden eine einzige Kirche, die ihnen die Altkatholiken mit Hülse der Regierung abge- nommen haben. Auf die Kunde davon hat ihnen der heilige Vater einen ganz speciellen Segen und durch den Pfarrer von Balduinstein, Hermann Honber, einen kost baren Kelch geschickt.

Aus Paris meldet der Telegraph: Die Nachwahlen zur Deputirtenkammer haben folgendes Ergebniß gehabt: 11 Wahlen sind endgültig entschieden, von den Gewählten werden 4 als Bonapartisten, 1 als Monarchist und 6 als Republikaner bezeichnet; in 2 Wahlbezirken müsien engere Wahlen stattfinden. Die 6 gewählten Republikaner treten an die Stelle von 6 Monarchisten, deren Wahlen für un­gültig erklärt wurden. Der Senat hat den Antrag auf allgemeine Amnestie nach der Rede Victor Hugo's, welchem Niemand antwortete, ohne eigentliche Abstimmung ver­worfen und sich sodann bis Mittwoch vertagt. In einer Zuschrift an seine Wähler auf Corsika erkennt Prinz Jerome Napoleon die Existenz der Republik an und er­klärt, der Patriotismus gebiete, sich oer selben zu unter­werfen, da sie die einzig mögliche Regierungsform sei; er acceptire die.Lage der Dinge loyal ohne Hintergedanken.

Wie wir aus Berlin vernehmen, ist die Berufung einer Konferenz der Pariser VerttagSmächte in Aussicht genommen

für den Fall, daß die vorläufig verabredeten Schritte nicht zurPaeification" Bosniens führen. Die Weigerung Englands, an dieser Action osficiell sich zu betheiligen, soll jene Eventualität beschleunigen. Ter LondonerSpec- tatet und die PariserFrance" behaupten jedoch, Eng land habe sich gegen jeden Congreß in der Orientfrage aus­gesprochen, und es werde mithin die Congreß-Idee wohl kaum zur Ausführung gelangen.

Die österreichische Regierung läßt noch drei weitere Kriegsschiffe (eine Panzersregatte und zwe Corvetten) aus­rüsten , die nach den türkischen Gewäffern beordert sind. In Wien ist der montenegrinische Senatspräsident Petrovich eingetroffcn, um bei dem Grafen Andrassy eine Unterredung nachzusuchen. Von Wien wird Herr Pctrovich zunächst wieder nach Berlin zurückkommen.

DerN. Fr. Pr." wird von einem Amerikaner mit- getheilt, daß Herr P. H. Lazzaro, der Vor sicher der christ­lichen Gemeinde in Salonichi, kein amerikanischer Consul, sondern nur Consulat - Agent des früheren amerikanischen General - ConsulS in Konstantinopel, Goodenough, sei. Allerdings ist Herr Lazzaro der in der Affaire von Salonichi eine unselige Rolle spielt in den osficiellen Verzeichniffen nicht aufgesührt, und steht er alsConsular agent" mit dem Staatsdepartement in keinerlei Verbindung.

In Griechenland hat die Affaire von Salonichi große Ausregung hervorgerufen; wie man derP. C." aus Athen vom 14. d. M. schreibt, sind alle theffalischen Bandenführer, Kretenser und Abenteurer auf den Beinen, doch hat die Regierung bisher ihnen den Uebertritt über die Grenze verwehrt.

Nach Meldungen aus Wien ist dort vor zwei Tagen aus Konstanti! opel ein diplomatischer Bericht eingclangt, der in den hohen Kreisen der politischen Welt den Gegen­stand eineS lebhaften Ideenaustausches bildet und vielleicht schon zur Stunde unter den drei Staatsmännern besprochen wird, welche erst vor wenigen Tagen In der Deutschen Reichshauptstadt gemeinsame Berathungen gepflogen haben. Nach jenem Berichte stände ein Thronwechsel in der Türkei in nicht sehr weiter Ferne. Der Sultan Abdul AziS, heißt eS, hege die Furcht, daß man ihm die Zügel aus den Händen nehmen wolle, und diese Furcht sei keineswegs ganz und gar unbegründet. Es könne dahin kommen, daß der Beherrscher der Gläubigenfreiwillig" feinen Groß­vezier gewechselt, und in diesem Falle liefe Alles friedlich ab; eS sei aber auch eine gewaltsame Entfernung des Sultans von dem Throne nicht außer dem Bereich aller Möglichkeit, und für eine derartige Eventual tät sei eS rath- sam, umsaffende Vorsichtsmaßregeln zu treffen.

DrS Abenteuer der NeujahrSnacht.

Humoreske von Heinrich Zschocke.

(Fortsetzung)

Der Prinz, welcher durch seinen Muthwillen alle« Nachtwächtern der Residenz so schlimme» Spiel machte, entschlüpfte überall glücklich, und ward eben darum von Gaffe zu Gaffe kecker. Die Sache machte Geräusch. Man hatte sogar dem Pvlizeiminister, der beim König am Spiel­tische saß, von der poetischen Insurrektion der ehemals so siirdlichen Nachtwächter rapportirt, und zum Beweis einen der Spottverse schriftlich überbracht. Der König hörte den VerS an, der gegen die schlechte Polizei selbst gerichtet war, die ihre Spürnase in alle Familiengeheimniffe der Stadt stecke, und koch im eigenen Hause nichts rieche, daher ihr wohl eine Prise zu gönnen sei. Der König lachte laut auf, und befahl, ihm einen der nachiwächlerlichen Poeten einzufangen und herzubringen. Er stand vom Spieltische aus, denn er sah, der Polizeiminister hatte die gute Laune verloren.

10.

Im Tanzsaale neben dem Speisezimmer hatte Philipp, der gefürstete Nachtwächter, soeben von seiner Sackuhr ver nommen, daß e« Zeit sei, sich zum Finde-mich bei der Tregoricnkirche einzustellen. Er selbst war froh, seinen Purpurtalar und Federhut an den Substituten zurückzu­geben, denn ihm ward unter der vornehmen Maske nicht gar wohl zu Muthe.

Wie er eben die Thür suchte, um sich davon zu schleichen, (am ihm ein Neger nachgetreten und zischelte ihm zu: »Königliche Hoheit, Herzog Hermann sucht Sie allent­halben!' Philipp schüttelte ärgerlich den Kops und Hing hinaus; ihm nach der Neger. Wie sie beide in d»s

Vorzimmer traten, flüsterte der Neger:B i Gott, da kommt der Herzog!' und mit den Worten machte sich der Schwarze wieder eilfertig in den Saal zurück.

Eine hohe lange Maske trat mit schnellen Schritten gegen den Philipp auf und rief:Halten Sie einen Augenblick, ich habe mit Ihnen ein Wörtchen abzuthun. Ich suche Sie schon lange."

Nur geschwind, entgegnete Philipp, denn ich habe keine Zeit zu verlieren.

Ich wollte, ich müßte keine mit Ihnen verlieren. Ich habe Sie lang genug gesucht. Sie sind mir Genugthuung schuldig. Sie haben mir blutige Beleidigung zugesügt."

Daß ich nicht wüßte.

Sie kennen mich nicht?" rief der Herzog, und zog die Larve ab:Nun wiffen Sie, wer ich bin, und Ihr böseö Gewissen muß Ihnen das Uebrige sagen. Ich for­dere Genugthuung. Sie und der verfluchte Salmoni haben mich betrogen."

Davon weiß ich nichts! antwortete Philipp.

Sie haben die schändliche Geschichte im Keller des BäckermädchenS angefieüt. Auf Ihr Anstiften hat sich der Oberst Kalt an meiner Person vergriffen."

Kein wahres Wort.

Wie, kein wahres Wort? Sie läugnen? Die Marschallin Blankenschwerd hat mir erst vor wenigen Mi­nuten Alles entdeckt. Sie war Augenzeugin bei der Geister komödie, die Sie mit mir spielten."

Sie hat Jh er Durchlaucht ein Märchen aufge­bunden. Ich habe an Ihren Händeln keinen Theil gehabt. Wenn Sie Geisterkomödie mit sich spielen ließen, war es Ihre Schuld.

«34 frage Sie, ob Sie mir Genugthuung geben wollen? Wo nicht, so mache ich Lärm. Folgen Eie mir aus der

Die Auswanderung aus Konstantinopel scheint bereits begonnen zu haben. Am 13. trafen von dort in Athen 810 Personen ein, die der Gährung ans dem Wege gingen. Weitere Flüchtlinge waren angekündigt. Der griechische Gesandte in Konstantinopel hat außer derSa- limania" noch ein Kriegsfahrzeug verlangt, da sämmtliche Gesandschafien in Konstantinopel von den Matrosen ihrer Stationsschiffe bewacht werden.

Deutsches Strich.

** Berlin, 22. Mai. Die Meldung derNeuen preußischen Zeitung", daß Fürst Bismarck am Sonntag nach Lauenburg gehen wird, war voreilig, da Fürst BiS- macck zur Zeit noch in Berlin weilt. Der Ausflug wird überhaupt nur von kurzer Dauer sein, da der Reichskanzler die Uebeinahme des Reichskanzleramtes durch Hm. Hof­mann selbst vollziehen will. Die weiteren Aenderungen im Reichskanzleramle werden wohl erst im Herbste d. Js. zur Erledigung gelangen, bisher umfaßte der GeschästskreiS des Reichskanzleramtes die Verwaltung und Beaufstchtigung aller durch die ReichSvcrfaffung unter den Kaiser gestellten Angelegenheiten, sowie die Bearbeitung der übrigen Reichs- Angelegenheiten. DaS Reichskanzleramt zerfällt in Central- Abtheilung, Abtheilung für Justizwesen und für Elsaß- Lothringen. Zum Ressort der Ersteren, dem der Wirkliche Geh. Ober-Regierung«-Rath Eck vorsteht, gehören die ReichShauptkasse, die Verwaltung des ReichSkriegSschatzcS, die Reichsschulden.Verwaltung, Controlle der Zölle, das Zoll- und Sleuer-Rechnungs-Bnreau, das AuswanderungS- Wesen, daS Bundesamt für das HeimaihSweseii, die ReichS- diSciplinar-Behörden, das Gesundheitsamt, das Rayon- Wesen, daS statistische Amt. Die zweite Abtheilung Eisaß- Lothringen leitet Geh.-Rath Hertzog, das Justizwesen leitet Herr von Arnsberg. Das Reichs-Eisenbahnantt, die Ver­waltung deS Reichsinvalidenfonds, Poft und Telegraphen- Wesen, der Reichsrechnungshof, daS Reichsoberhandelsgericht und die ReichSbank sind dem Reichskanzleramte zugesellt. Englands Bedenken, dem Vorgehen der Mächte in der orientalischen Politik sich anzuschließen, haben einzelne Stim­men dahin gedeutet, daß auch die Zustimmung Frankreichs nnd Italiens nicht erfolgt fei. Diese Behauptung kann nur auf Formelles Richtigkeit haben, ändert aber nichts von dem Zusammengehen der beiden Mächte mit den drei Kaisermächten. Die beiden Regierungen muffen erst formell im Besitze der Vorschläge sein. Die hiesigen Botschafter haben bereits den Beschluß an die drei Kaiserpolitik in Aussicht gestellt.

Glogau, 21. Mai. Dem Cultus-Minister Dr. Falk, der am Freitag Nachmittag zur 200 jährigen Jubelfeier deS königlichen katholischen Gymnasiums hier eingetroffen Stelle zum König. Entweder Sie schlagen sich mit mir, ober zum König."

Ihre Durchlaucht .... stotterte Philipp verlegen: Ich habe weder Lust, mich mit Ihnen zu schlagen, noch zum König zu gehen.

Das war Philipps voller Ernst; denn er befürchtete, die Larve abziehen zu muffen und in empfindliche Strafe wegen der Rolle zu fallen, die er wider feine Absicht hatte spielen muffen. Er machte daher gegen den Herzog allerlei Ausflüchte, und fah nur immer nach der Thür, um irgend einmal den Augenblick erwischen und davon springen zu können. Der Herzog hingegen merkte die Aengstlichkeit des vermeinten Prinzen, und ward dadurch muthiger. Er nahm zuletzt den armen Philipp beim Arm, und wollte ihn zum Saale führen.

Was wollen Sie von mir? rief Philipp in Ver­zweiflung, und schleuderte den Herzog zurück.

Zum König!' antwortete ter Herzog wüthend:Er soll hören, wie schändlich man an seinem Hofe einem fürst­lichen Gast begegnet"

Gut! sagte Philipp, der sich nicht mehr zu helfen wußte, als wenn er den Charakter des Prinzen wieder annähme: So kommen Sie, ich bin bereit. Zum Glück habe ich de» Zettel bei mir, auf welchem Sie dem Bäcker­mädchen eigenhändig die Versicherung ausstellten ....

Posten! Larifari!' erwiederte der Herzog:DaS war einer von den Spässen, die man wohl mit einem dummen Bürgermädchen treibt. Zeigen Sie ihn nur dem König. Ich werde mich darüber auSweisen."

Jndesten schien eS dem Herzog doch mit dem Aus­weisen nicht gar Ernst zu fein. Er drang gar nicht weiter darauf, Philipp zum König zu führen, und das war demselben schon recht; desto ungestümer bestand der Herzog darauf, daß sie beide In einen Wagen sitzen und, der