Marburg, Dienstag, 23. Mai 1876.
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XL Jahrgang.
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MüurHen, 18. Mai. Heule Vormittag 8 Uhr be- Nanm in 56 Wahl-Lokalen die durch den Beschluß der Kammer der Abgevidncten vom 5. Mai d. I. veranlaßten Neuwahlen in München I. Bereits um 7 Uhr waren
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei, sowie die Annoncen-Bureaux „on Th. Dietrich & Co. in gefiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Kaasenstein L Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Köln rc; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
liebten Vereinigungspunkt bildete, bietet sie doch auch Gelegenheit, mit dem Abreiscnden ein letzte! GlaS zum Ab- schied zu leeren. Endlich wird eS als eine Belästigung empfunden, daß die ambulanten Brieskasten infolge der Pcrronsperre nicht mehr ohne Weiteres benutzt werden können. Hinsichtlich des letzten Punktes wag jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, daß nach einer allgemein gül. tigen Vorschrift Briefe, welche bis fünf Minuten vor Ab- gang eines ZugeS in den auf dem Bahnhose angebrachten Briefkasten gelegt werden, noch mit dem Zuge Beförderung rüden. Will aber Jemand einen Brief auch innerhalb der letzten fünf Minuten aufgeben, so wirb er ein besonderes Interesse an der beschleunigten Beförderung haben und mag sich deshalb ein Perronbillet kaufen. Was aber die übrigen erwähnten Haupieinwände des Publikums betrifft, jo muß hnen gegenüber darauf hingewiefen werden, daß die Warte- äle und Perrons doch in erster Linie für die Reifenden testimmt sind, und die Bahnverwallung die Verpflichtung hat, zunächst für ihre Bequemlichkeit zu sorgen. Wer nun früher den Marburger Bahnhof besuchte, wird die Erfahrung gemacht haben, daß daS Gedränge in den Wartefäleu und auf dem Perron ost ein sehr großes war. Die Reisenden mußten sich mit einer Ecke im Warlesaal begnügen, da die Tische mit Einheimischen besetzt waren, welche entweder nur Vergnügen« halber oder zur Begleitung von Abreisenden erschienen waren. Auf dem Perron wat
niß bringt. Zunächst nun erfuhr er, daß die Absperrung der Wartesäle und Perrons in der eingeführten Art und Weise nicht etwa eine zuerst auf der Main-Weser-Bahn beliebte Maßregel ist, vielmehr besteht dieselbe bereits auf den bedeutenden Stationen der Hannoverschen Staatsbahn, und in vielen außerdeutschen Ländern, wie z. B. in Frankreich, ist sie mit noch größerer Strenge durchgeführt, indem dort Nichtreifenden der Zugang zu den Wartesälen und Perron« überhaupt versagt, also auch nicht gegen Lösung eines Zu- trittbilletS gestattet wird. Allerdings standen bisher in Deutschland die Bahnhöfe Jedermann offen, eS ist jedoch bereits in dem Betrieböreglement und in dem Bahnpolizeireglement für die Eisenbahnen Deutschlands die Möglichkeit der Abschließung der Bahnhöfe vorgesehen, indem z. B. der § 14 al. 2 deS ersteren bestimmt, daß daS vom Reisenden gelöste Billet auf Verlangen bei dem Eintritt in den Wartesaal vorgezeigt werden muß, der Bahnverwaltung also die Berechtigung verleiht, die Legitimation der Einlaß in die Wartesäle Verlangenden zu prüfen. Auch besagt der allegirte Paragraph weiter, daß die Wartesäle fpStesten« eine Stunde vor Abgang eines jeden Zuges zu öffnen sind, gestattet also indireet der Eisenbahnbehörde, die Wattesäle im Uebrigen geschloffen zu halten. Nachdem nun durch daS Gesetz vom 7. Juni 1871 die Haftpflicht der Eisenbahnen wegen der beim Betriebe sich ereignenden Tövtungen und Verletzungen verschärft worden ist, sahen sich erstere genölhigt, Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit de« Betriebes zu treffen, und es wird nicht in Abrede gestellt werden können, daß diese Sicherheit in besonderem Grade dadurch erhöht wird, daß man die Zahl der Personen, welche zu den Bahnanlagen Zutritt erhalten, verringert. Dies wird sich am Leichtesten durch die Absperrung der Perron» gegen Nichtpaffagiere erreichen lassen und gleichzeitig wird dadurch dem Schaffnerpersonal die Möglichkeit geboten, die Revision der BilletS vorzunehmen, so lange der Zug am Perron hält, während eS früher oft geuöthigt war, daS Coupiren der BillctS während der Fahrt vom Trittbrette aus zu bewirken. So viel man uns mittheilte, ist gerade der dem Wagenpersonal in dieser Beziehung zu gewährende Schutz, die nächste Veranlassung zur Einführung der Bahnhofsiperre gewesen. Daß durch dieselbe gleich, zeitig die Bahnbeamten eine größere Uedeisicht über den zu cxpedirenden Zug erhalten, daß die Präeiston vermehrt und die Controle über den Dienst erleichtert wird, sind Vortheile, welche der Verwaltung nur erwünscht und dem Eisenbahnbetriebe nur förderlich sein können. Nach der an maßgebender Stelle herrschenden Ansicht liegt aber die neue Einrichtung auch im Jntercffe des Publikums selbst. Es war allerdings vorauSzusehen, daß die dem Publikum durch dieselbe auserlegte Beschränkung zunächst Widerspruch Hervorrufen würde. Wir Deutschen haben uns nun einmal gewöhnt, den Bahnhof als einen dem allgemeinen Besuche freistehenden Ort anzusehen, zumal an kleineren Orten der Aufenthalt aus demselben eine besondere Unterhaltung bietet. Auch erscheint eS lästig, daß die ungehinderte Begleitung abreisender Personen an den Zug aufgehört hat, und diejenigen, welche die mit der Lösung eines PerronbillelS verbundene Ausgabe scheuen, da« Abschiednehmen nicht mehr bis zum letzten Augenblick verschieben dürfen. Hierzu kommt, daß an vielen Orten die Bahnhossrestauration einen be-
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Pest, 20. Mai. Im Budgetausschuß der ReichSraihS- Delegation beantwortet Graf Andraffy bei Gelegenheit der Lerathung des Budgets deS Aeußern Anfragen bezüglich der orientalischen Angelegenheiten. Unter Bezugnahme auf die im vorigen Jahre gegebene Darlegung der politische» Ziele der Regierung erklärt Gras Andraffy, et könne heute eonstatiren, daß der europäische Friede ungestört, die Hintanhaltung weiterer Complikationen durch Verhinderung der Theilnahme anderer Elemente erreicht sei, daß die corge» schlagenen Reformen von Europa und der Türkei angenommen und von den Insurgenten freudig begrüßt worden seien, welche letztere nur Garantieen für deren Durch führung wünschen. Die gegenwärtige Aktion der Mächte strebe die Durchführung der Reformen und die friedliche Hinwegräumung der Hindernisse an. Der Minister warnt vor dem im Lande herrschenden PeffimiSmus, der durch die Erfolge der Regierung widerlegt werde. Daß England dem allgemeinen Einverständniffe der europäischen Mächte noch nicht beigetreten sei, liege vielleicht in der durch die Verhältniffe geänderten Form deS diplomatischen Verkehrs. Der Redner hegt die private Ueberzeugung, daß wenn die brittische Regierung die rein pacifikatorischen Instruktionen der Mächte klar vor sich sehe, sie sich dem Einverständniffe ausschließen würde. Die Mittheilung deS Inhaltes der getroffenen Vereinbarungen sei unmöglich, da deren Mit- thetlung zunächst an die Pforte gehen müsse. Besonderen moralischen Werth legt der Minister auf die e neuert befestigte Einigkeit der Mächte, darin, ihre Bemühungen für Aufrechterhaltung des europäischen Friedens mit aller Energie
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Berlin, 20. Mai. Der „Reichsanzeiger" enthält folgende Notiz: In verschiedene Blätter ist die Notiz übergegangen, daß der hiesige türkische Botschafter während der hiesigen Minister-Besprechungen am 13. d. M. bei dem Reichskanzler und dem Staatssekretär deS auswärtigen Amte« sich habe anmelden lasten, jedoch von demselben nicht habe empfangen werden können. Wir sind in der Lage, diese Nachricht als vollkommen unwahr zu bezeichnen. — Nach einer vom statistischen Amte deS Reiches veröffentlichten Ueberstcht stellt sich die gesamnte Bevölkerung deS Reich« durch die Zählung am 1. December 1875 auf 42,757,812 Köpfe. Am 1. December 1871 wurden mit Einschluß der Truppen in Frankreich 41,058,792 orlsan- «esende Einwohner gezählt. Die Zunahme beträgt also 1,699,020 Personen, oder durchschnittlich jährlich l.oi Pro- zent der mittleren Bevölkerung. Diese Vermehrung ist eine sehr bedeutende. In den vier Jahren von 1867 bis 1871 hatte nur 951,617 Köpfe oder durchschnittlich jähr- lich 0,58 Prozent betragen. Fast alle einzelnen Staaten weisen eine Zunahme auf. In Preußen ist die Volközahl von 24 641,539 auf 25,723,754, in Bayern von 4,863,450 auf 5,024,832, in Sachsen von 2,556,244 aus 2,760,416, in Württemberg 1,818,539 auf 1,881,505, in Baden von 1,461,562 auf 1,506,531, in Hessen von 852,894 auf 882,349 U. s. w. gestiegen. Bor allen zeichnete sich wie gewöhnlich das Königreich Sachsen durch Den starken Zuwachs seiner Bevölkerung aus. Eine Abnahme haben dagegen erfahren: Lauenburg von 49,546 aus 48,808, Mecklenburg-Schwerin von 557,707 auf 753,734, Mecklenburg- Slrelitz von 95,982 auf 95,648, Waldeck von 56,224 auf 54,673, endlich E.saß Lothringen von 1,549,738 auf 1,529,408. — In der Woche vom 7. bis 13. Mai 1876 sdrd in den deutschen Münzen geprägt worden: Gold- münzen: Doppelkronen 1,936,120, Kronen 1,668,070 Mk. Hiervon aus Privatrechnung geprägt: 1,936,120 Mk.; Silbermünzen: 5-Markstücken 1,562,385 Mk, 1-Mark stücke 1,227,592 Mk., 50-Pfenntgstücke 510,838 Mk. 20 Pfennigstücke 492,108 Mk. 60 Pfg.; Nickelmünzen: 10- Psennigslücke 210,881 Mk. 40 Pfg., 5« Pfennigstücke 99,136 Mk. 15 Pfg; Kupfermünzen: 2-Pfennigstücke 11,549 Mk. 26 Pfg., 1 Pfennigstücke 13,593 Mk. 70 P,g. Die Gesammtausprägung beträgt demnach: Goldmünzen: 1,401,454,650 Ml., Silbermünzen: 223,843,617 Mk. 30 Pf., Ntckelmünzen: 25,407,645 Mk. 20 Pfg., Kupfer münzen: 8,450,884 Mk. 55 Pfg. — Die Nach Weisung der Einnahmen an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchs- steuern im denlschen Reich für die Zeit vom 1. Januar bis zum Schluffe des Monats April 1876 ergiebt im Vergleich, mit dem Vorjahre an Zöllen, 37,664,400 Mk. (— 556.455 Mk.), Rübenzucker steuer 25,716,241 Mk. H- 10662,174 Mk), Salzsteuer 9,750,261 Mk. (— 187,266 Mk), Tabakssteuer 416,367 Mk. (+ 93,095 «k), Branntweinsteuer 20,658,099 Mk. (—326,788 Mk ), UtbcrgangSabgaben von Branntwein 41,764 Mk. (-f- 4,132 Alk.), Brausteuer 7,209,574 Mk. (+ 188,453 Mk), BebergangSabgaben von Lier 306,402 Mk. (-j- 8,138 Sik.) Summa 101,863,108 Mk. (+ 9,845,483 Mk.) — lieber DaS Leichenbegänguiß der ermordeten Konsuln in Salonichi meldet der „Reichs - Anzeiger", das hierbei bc- »bachtetc Ccrcmoniell sei von Den Dcltginen Deutschlands
inhlreiche Schaaren von Wählern vor ihren Wahl-Lokalen Rammelt, um, der Aufforderung der Partei-Führer ent» sprechend, an der Bildung des Wahl-Ausschuffeö thäiigen ^»thetl zu nehmen. Die Wahl selbst ging im Vergleich W der vorjährigen trotz des von allen Seiten prophezeiten ftbhietkn Wahlkampfes ziemlich ruhig vor sich. Beim Schluffe unserer Correspondenz war das Resultat von 54 ^»hl Bezirken bekannt, von denen 49 liberal und 5 "Kherisch patriotisch gewählt haben. Die Wahl in den zwei M ausständigen Bezirken wird wahrscheinlich zu Gunsten Pa! lotischen Partei anSfallen. Von den Liberalen " Ntben über 10,000 Stimmen abgegeben. Das Resultat ^ird d.uinach für die liberale Partei sich noch viel günstiger Malten, als bei der Wahl im vorigen Sommer. —
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte« sowie Die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Juvalidendank, A- Rete- ▲. meyer in Berlin; Carl Schüß- ” ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
•Wb Frankreichs mit der türkischen Behörde und den Kommandanten der fremden Kriegsschiffe vorher festgcstellt 1 Morden; dem militärischen Ehrengeleit der deutschen und französischen Marinetruppen schlossen sich die türkischen 21. Militär- und Civilbehörden, sowie Die ©'freiere und Mann- fchasten sämmtlicher Kriegsschiffe an.
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durchzuführen und in dem festen Entschlüsse, sich von Fall zu Fall zu verständigen. Dies sei das Resultat der Zu sammenkunst in Berlin. Der Minister lehnt den Vorwnr der Connivenz gegenüber dem Ausstande bei bissen Beginne ab und übernimmt die volle Verantwortlichkeit für den von ihm allein vertretenen Staatswillen nach Außen. Weiterhin spricht sich der Minister entschieden gegen jeden Gedanken einer Occupation der insurgirten Provinzen aus; Nolh thue eine Regeneration durch ihren Verhältniffen an- gemessene Verbesserungen. In der Berliner Verständigung sieht der Minister Den maßgebenden Faktor für den europäischen FrieDen. Er übernimmt die volle Verantwortung dafür, daß aus Der Situation keine Schädigung der In. tereffen der Monarchie hervorgehe. Die Mächte seien gesonnen, alle Sonderintereffen bei Seile setzend, die Erhaltung des europäischen Friedens als leitendes Princip in den Vordergrund zu stellen. Ein verbesserter Status quo im tm Orient sei die Grundlage der Bemühung der Mächte. Der Minister fonftatirt, daß Oesterreich Ungarn keine Feinde >abe, mit allen Mächten in den besten Beziehungen stehe, eine brave Armee besitze und al« Staat mit 36 Millionen Seelen für den europäischen Frieden eintretend, zuversichtlich dem Erfolge entgegensehen könne. — Der „Pester Correspl* zufolge beginnen am 7. Juni iu Wien die Con- erenzen von Fachmännern der beiderseitigen Finanz- und Handelsministerien, Behufs endgültiger Feststellung der Zollsätze. Gleichzeitig werden die Lerathungen über die endgiltige Lösung der Bankirage sorigese^t.
Versailles, 20. Mai. In der Sitzung der Deputir- tenkammer machte der Abg. Castellane dem Minister des Innern anläßlich der Ernennung der MaireS den Vor wurf, daß er die Radikalen begünstige. Der Minister Maicvre irklärte, daß er die gemäßigte Republik wolle. Der Dep. Bordoux schlug eine Tagesordnung vor, in der gesagt ist, daß die Kammer in der Erklärung des Ministers mit Befriedigung den Ausdruck ihrer eigenen liberalen Politik finde. Diese Tagesordnung wurde mit Einstimmigkeit von 343 votirenden Abgeordneten angenommen. Die Kammer vertagte sich bis Donnerstag.
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V Marburg, 20. Mai. Die seit Anfang vorigen Monats auf dem hiesigen Bahnhofe in'S Leben getretene Einrichtung, nach welcher das Betreten der Wartesäle und Perrons nur noch den im Besitze eines FahrbillelS oder eines PerronbilletS befindlichen Personen gestattet ist, hat bei einem großen Theile deS hiesigen Publikums Widerspruch erregt, und wie man uns aus Kassel schreibt, ist auch dort die Opposition gegen die ebenwohl eitigeführte Maßregel eine nicht unbedeutende. Hebet die Gründe, roelaje die Lahnverwaltung zu ihrem Vorgehen veranlaßt 1 h den, ist bis jetzt nur wenig in die O-ffentlichkeit gelangt. ! Einsender dieses hat sich bemüht, über dieselben Ausschluß zu erhalten u id glaubt im Interesse Aller zu handeln, wenn er dasjenige, was man ihm an gewöhnlich gut unterrichteter Stelle mittheilte, hiermit zur allgemeinen Kennt- 1