Sfr. 118.
Marburg, Sonntag, 21. Mai 1876.
XL Jahrgang.
r,
lot m
InjKtgen nimmt entgegen: Mt Erpeditivn b. Blatte#, fotnie die Am-.oncen-Bureaux U Th. Dietrich & Co. in oaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. 3)1.; Laasenstein & Vogler in Sranlfutt a. M^Berlin, Leiv- 2g, Cöln k; Rudolf Masse ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.
ObtrhtMc Jalung.
Anzeigen nimmt entgegen: dir E^iedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jöger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Stete» rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSuftrtrteS SountaaSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckeret) bezogen 2fc Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Süt in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.
P,Mische Wachru-Ukbrrficht.
NUM-
t,»
r,
stall
ins
auch l fit die
1280
rbtn. selb« t bis
tu. ! 8t, »Inn; n am ding
Brief. 1021
'3
94i 10Ä
591
97!
102!
13 64 984
>56 83$ 113 146
DaS Adrnteuer der' Neujahrsnacht.
Humoreske eon Heinrich Zschocke.
..;' (Fottsetzung.)
Sind denn-dir Nachtwächter alle toll geworden?"
tief der wachthabende Hauptmann ganz erstaunt auS.
„Ich will dem Böjewicht morgen seine infamen Berse bezahlen!" schrie der Feldmarschall.
„Ihre Exzellenz", versetzte der neugefangene Wächter Mernd und bebend, „ich habe, weiß der Himmel, keine Verse gemacht, in meinem ganzen Leben keinen Vers!"
„Schweig, Schurke"! brüllte mit entsetzlicher Stimme der Feldmarschall: „Du sollst mir auf die Festung oder « oen Galgen. Und widersprichst du mit einem Muck »och, so haue ich dich auf der Stelle in Krautstücke!"
Der wachthabend« Hauptmann bemerkte dem Marschall it aller Ehrerbietung: es müsse eine poetische Epidemie later den Nachtwächtern in der Stadt ausgebrochen sein; baut er habe nun schon drei dieser Patrone in einer Viertelstunde zu hüten bekommen.
„Meine Herren", sagte der Feldmarschall zu den ihn deglntenden Offizieren, „da der Kerl schlechterdings nicht fiagestehen will, daß er den BcrS gesungen habe, so be- •tonen Sie sich aus das Pasquill, ehe Sie es vergefien. schreiben Sie es auf. Morgen wollen wir ihn schon M Geständniß bringen. Jetzt will ich keine Zeit ver- litttn und auf den Ball. Wer weiß c» noch?"
Die Offiziere besannen sich. Einer half dem andern dich. Der Wachthabende schrieb, und da kam Folgendes hrrauS:
Die Blicke der Well waren während der letzten acht Tage auf Berlin und feine Kanzler Conferenzen gerichtet. Nachdem auch Fürst Gortschakow mit seinem kaiserlichen Herrn vorigen Donnerstag zur vorbestimmien Zeit in der brutschen Kaiserstadt eingetroffen war, hatte noch am Abende beS selbigen TageS die erste Conferenz der drei Kanzler bei dem Fürsten Bismarck Statt und führte in ihrer zweistündigen Dauer sofort zu dem erwünschten Emverständ- nifle für die nächsten Schritte, das — nach zwei weiteren Konferenzen an den beiden folgenden Tagen — am Sonn gbend den in Berlin beglaubigten Vertretern der drei anderen Garantiemächte mitgetheilt und auch durch Memorandum den Höfen vorgelegt ist. Aus die von Oesterreich nicht gewünschte Friedensstiftung durch bewaffnetes Einschreiten war alöbalv einmülhig verzichtet, dagegen beschlossen «erden, gemeinsam hinzuwirken auf eine Waffenruhe von acht Wochen, Ausführung der von der Türkei angenommenen Sudraffy'schen Reformen und die Vermittlung derselben mit den Forderungen der Aufständischen, und ferner in Folge der Vorgänge von Salouichi eine Inanspruchnahme der maritimen Mittel aller Garantiemächte zum Schutze der verschiedenen Staatsangehörige» in Saloirichi und überhaupt an de» Küsten der Türkei. Kaiser Alexander verließ em Sonnabend Abend Berlin und setzte seine Reise nach tzms fort, nachdem das Drei - Kaiser - Lündniß durch den raschen Abschluß der neuen Verständigung von Neuem sich bewährt hatte. Die innere Politik trat die Woche hindurch gegen die auswärtige gänzlich in den Hintergrund. Das Gesetz Über die amtliche Geschäftssprache wurde in zweiter Lesung von den Polen, unterstützt durch das Centrum, vergeblich bekämpft, und eben so vergeblich vom Centrum mit den Pole» daS sogenannte Diöcejangefetz, das in dritter Seimig mit 211 Stimmen gegen 92 angenommen wurde. Die am Mittwoch mit 197 Stimmen gegen 157 erfolgte Annahme der Regierungsvorlage in Betreff der Halle Sorau-Gubener Eisenbahn soll zugleich die Bedeutung ge habt haben, bei Herrn Camphaujen für sein Verbleibe» im Amt zu entscheiden.
Dir Delegationen der beide» Reichshälften der habsburgischen Monarchie wurden am 15. Mai in Pest eröffnet; der ojficielle Empfang beim Kaiser und König s«d erst am 18. statt. Zum Präsidenten der österreichischen Delegation wurde Rechbauer, zu dem der ungarischen Ezlavy gewählt. Das Kriegsbudget ist um mehr als 1,300,000 Gulden gegen das Vorjahr gemindert. KxijgS- Minister Koller ist in Urlaub und läßt sich vom SectionS- chrs F.-M. L. v. Benedek vor den Delegationeü^bertreten. Diesseit der Leitha herrscht die tiefste Windstille in der tonere» Politik, in Ungarn dagegen rühre» sich die Gegner Tisza'S gewaltig, um ihm Fußangeln zu legen.
Der Federbusch aus leerem Kopf, Jrn Stacken c.nen steifen Zopf, Den Bauch zurück, die Brust heraus, DaS macht deS Heeres Stärke aus.
affei:
i. J
.5.
chten t bk 1273
»gtt itüni >-Ge- nder-
Die internationale Conferenz wegen der Gotthardbahn ist bis in den Monat Juni b. I. verschoben worden, weil die vom schweizerische» Bundesrathe in der Angelegenheit niedergesetzte Commission ihre» bezügliche» Bericht zu erstatten noch nicht im Stande ist
Die Minderheit der italienischen Kammer hat sich in einer stark besuchten Versammlung, in welcher Minghetti eine glänzende Rede hielt, zu einer streng einheitlichen Organisation unter der Führung Sella's zusammengeschloffen. Daraufhin glaubte die Linke nicht zurückstehen zu dürfen, versicherte das Ministerium ihrer bleibenden Zustimmung und beauftragte den Ministerpräsidenten DepretiS mit der Ernennung eines Parteiführers, zu welchem derselbe CriSpi, das hervorragendste Mitglied deS CentrumS, auSerkor.
Die französische Republik hat einen höchst kritischen Fall ohne schmerzliche oder langwierige Wehen durchgemacht: in der Nacht vom 11. zum 12. Mai erlag plötzlich der Mlnister deS Inner», Rieard, einem Herzleiden mitten in den Geschäften, die sich bei Wiedereröffnung der Kam mer» gehäuft hatten, mitten in den Vorbereitungen zu einer großen Bewegung im Verwaltungspersonal, mitten in dem Kreuzfeuer der verschiedenen Gegner der Verfassung, aber auch unter dem frischen Eindruck seines letzten Rundschreibens über die innere Politik. Der Marschall Mac Mahon zeigte sich von dem ersten Augenblick an durchaus correct; er übertrug Dufaure das Provisorium und vollzog die Ernennung von Ricard'S Unter - StaatSs.cretär, Marcsce, zum Minister des Innern, sowie die Ernennung des Quästors Faye zu dessen Unter-StaatSsecretär ohne Zögern, und schnitt so den Orleanisten und Clerikalen den bereits angesponnenen Faden zu neuen Umtrieben gegen die jetzige Ordnung der Dinge ab. ES herrscht also jetzt Eintracht im Cabinet und Einvernehmen zwischen diesem und dem Elyfse, wie zwischen beiden und den Mehrheiten iN'Senat und Dtputirtenkammer. -
Am 13. d. MtS. nahmen die spanischen CorteS mit 220 gegen 84 Stimmen de» Artikel 11 der Verfassung nach der Regierungsvorlage an, wonach Spanien den nichtkatholischen Bekenntmffen zwar keineswegs Gleichstellung mit der katholischen Religion, also Religionsfreiheit, wohl aber Duldung einräumt. Der KatholiciSmuS bleibt Staats« relipion^ und öffentliche Kundgebungen sind den übrigen Bekenntniffen verboten. Gegen den Paragraphen stimmte istjl den Clericalen der linke Flügel der Liberalen unter der Führung Castelar's, dem die Regierungsvorlage nicht weit genug geht. Trotzdem ist die Annahme derselben mit so Überwältigender Stimmenmehrheit als ein glänzender Sieg des gemäßigt liberalen Spaniens Über die Anmaßungen des Ultramontanismus anzusehen.
Nach seinem großen Siege über den von Sir James gestellten MißtranenSantrag hat das englische Ministe
rium bei einem minder bedeutenden Anlässe auch einmal eine Niederlage erlitten, trotz seines sgewöhnlichen zahlenmäßigen Uebergewichts. ES handelte sich um einen von der Regierung bekämpften Antrag, nach welchem auch in Irland die Schenken am Sonntag geschloffen bleiben sollen; die konservative Mehrheit war dieses Mal nicht vollzählich genug zur Stelle, um die Gegner zurückzuschlagen, und der Antrag wurde mit 224 gegen 167 Stimmen angenommen.
In Dänem.'ark ist am 15. d. Mts. der Reichstag mit dem neugewählten Folkcthing ohne weitere Förmlichkeiten eröffnet worden, und selbigen Tages auch der König Georg von Griechenland (Sohn des Königs Christian) mit Familie zum Besuch bei Hofe eingetroffen.
Der schwedische Reichstag ist am 17. Mai durch die Staats-Minister im Namen deS Königs geschloffen worden.
Die Mordlhat in Salonichi hat den Großvezir und den Scheich ül Islam zu Sturze gebracht. An Mahmud Pascha's Stelle ist Mehemed Ruschdi Pascha getreten, und daS Haupt der Ulemas heißt jetzt Hairuli Effendi. Kriegs-Minister und SeraSkier der Armee ist der von Lruffa berufene Huffein Avni Pascha geworden. Raschid Pascha führt noch die auswärtigen Angelegenheiten. Die Pforte hat versprochen, die Mörder beiden Consuln aufs allerstrengste zu bestrafen; eS sind bisher in Salonichi annähernd 200 Personen verhaftet und sechs davon auf öffentlichem Markte im Beisein der auswärtigen Vertreter hingerichtet worden. Trotzdem ist die Besorgniß nicht gering, daß tzS zwischen Türken und Christen zu einem wilden Gemetzel kommen könnte. Alle Mächte schicken deshalb ihre Flotten an die türkische Küste. In der Herzegowina ist noch kein Waffenstillstand eingetreten.
In Rumänien hat das neue Ministerium Jepure- anu-Bratianu vor der Deputirtenkammer erklärt, eine friedliche Politik nach außen befolgen, die internationalen Verträge achten, in der Innern Verwaltung sparsam fein und die Lage der ländlichen Bevölkerung verdeffern zu wollen Der Senat hat dem Fürsten Karl in einer besonderen Adresse versichert, er werde das jetzige Ministerium in allen Stücken, namentlich in der Finanzfrage, stützen.
TageSd-richt.
Das „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer das Gesetz über die KriegSleiftungen. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes beträgt die tägliche Feldmundportio», welche den mit Verpflegung Einquartirten zu gewähren ist, reglementSmäßig: 750 Gramm Brot, 375 Gr. frisches oder gesalzenes Fleisch — Gewicht deS rohen Fleisches — ober 250 Gr. geräuchertes Rind- ober Hammelfleisch oder 170 Gr. Speck; ferner 125 Gramm
Man wird bei Tanz und Geigenschall, Bei Kuß und Spiele Feldmarschall.
„Willst du läugncn, Schurke?" fuhr der Feldmarschall den erschrockenen Nachtwächter mit erneuter Wuth an: „Willst du läugnen, daß du daS gesungen hast, als ich aus der Thür meines Hauses trat?"
„Mag es gesungen haben, wer will, ich weiß nichts davon!" antwortete der Nachtwächter.
„Warum liefest du denn davon, als du mich vortreten sähest?" fragte der Marschall weiter.
„Ich bin nicht gelaufen."
„Was?" riefen die beiden Offiziere: „Du nicht gelaufen? Warst du nicht außer Obern, als wir dich am Markt hier endlich cinholten?"
„Ja, ich war vor Schrecken außer mir, daß mich die Herren so gewaltthätig Überfielen. ES liegt mir noch jetzt in allen Gliedern."
Schließen Sie dm hartnäckigen Hund krumm!" rief der Marschall dem Wachthabenden zu: „Er hat bis Morgen Zeit genug, sich zu besinnen." Mit diesen Worten eilte der Marschall hinweg.
Der Lärm auf den Gaffen und die Spottgedichte der Nachtwächter hatten die ganze Polizei in Bewegung gesetzt. Noch in derselben Viertelstunde wurden zwei andere Nachtwächter, freilich nicht die rechten, ergriffen und zur Hauptwache geführt. Der eine sollte auf den Minister der auswärtigen Angilegenheiten ein schmähliches Lied gesungen haben, deS Inhalts: der Minister wäre nirgends Auswärtiger, als in seinem Departement. Der andere war beschuldigt, vor dem bischöflichen Pallaste gesungen zu haben: eS fehle den Kirchenlichtern nicht an Talg, aber sie verbreiteten im Lande mehr Qualm und Rauch, als Helligkeit.
tFottsetzung folgt )
— Den Mitgliedern der StädteordnungSkommission, die sich vor einigen Tagen im Berliner RathhauSkeller zu einem gemeinsamen Sbendeffen vereinigt hatten, wurde folgendes Gedicht eines Anonymus zugesandt, das in dem Kreise derselben stürmische Heiterkeit erregte, daS aber auch weiteren Kreisen einige vergnügte Augenblicke bereiten dürfte.
§ 1 der Stüdteordnung.
Als wir sie von Wohlers kriegte», Dachten wir uns ohne Weilen: Nein, vergessen wir mit Nichten, Eie auch Andren mitzutheilen.
Noch aus Landraths-Reactionszeit Stammt, was Ihr habt in Westfalen. Schnell entschlüpft! Jetzt ist ja Schonzeit, Günst'ger Eulenburg strahlt Allen!
Euch, die Ihr aus rhein'fcher Flur seid, Mär' das Ding auch nicht vom Uebel, Hier entdeckt von dem Culturstreit Eine Spur selbst nicht Herr Sybel.
Und Herr Petri blickt voll Trauer
Sehnend nach der neuen Gabe:
»Meine biederen Nassauer
Wolle auch davon 'was habe."
Kommt! Hier ist ja Platz für Alle,
Keinen wollen wir vergessen, Frankfutt mal in keinem Falle Und vor allen nicht die Hessen.
Doch kaum hören es die Hessen,
Daß sie seien ausgenommen. Als sie einen unermeffen Riesengroßen Schreck bekommen.
Was von 34 schon unS
Angestammt, — wer sollt' eS glauben? — Das will diese Commission uns, Heil'ger Haffenpflug! jetzt rauben!
Heil'ger Haffenpflug, im Grabe
Müßtest Du vor Schreck Dich dreh«»,