Nr. 118.
Marburg, Dienstag, 16. Mai 1876.
XL Jahrgang.
fltuetgen nimmt entgegen: to&bttion d. Blatte«, «gwie die Anuoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & 6o. in oaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; B' lein & Vogler in
NaM, Berlin, Leip» n k; sludolf Moste ^Berlin, Franksutt a. ivt. rc.
McrhkMe Jalung.
Anzeigen nimmt entgegen: die d. Blatte«,
sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Eo. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schüß» ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.
Sricheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Kouutagöblatt" durch die Srpeditton (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pf«, (exl. Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Orientlrung der betreffenden auswärtigen Vertreter Rußlands abgefertigt werden. Fürst Gortschakoff bleibt, soweit bis jetzt bestimmt ist, jedenfalls bis Montag hier.
Auf dem ZnsurrectionS-Gebiete, das sich täglich erweitert, stehen die Dinge für die Pforte auch schlimm genug. Der Aufstand ist nun auch in Bulgarien ausgebrochen. Die erste Erhebung fand in dem Städtchen Slatitza statt, wo die wenigen ZaptieS von einer Schaar wohlbewaffneter junger Bulgaren ermordet, das Haus des KaimakamS gestürmt und schließlich der Ort von den Aufständischen in Besitz genommen wurde. Eine ähnliche, aber noch viel ernstere Revolte brach in Tartar-Bazardjik aus, wo angeblich wegen eines Ackers ein Streit vom Zaune gebrochen wurde; die türkischen Behörden wurden verjagt, der Mutes- sarif (Gouverneur) rettete mit Mühe daS Leben, und die Stadt, welche eine starke christliche Bevölkerung hat, ist in den Händen der Insurgenten, die ihre Legion recrutiren und die Thore in VertheidigungSzustand setzen. So züngelt die Insurrektion da und dort empor und die Gegenmaßregeln, welche die Pforte trifft, sind fast so verzweifelt wie ihre Lage. Die in Rumelien angestedelten Tschcrkcffen, die raubgierige Nomaden geblieben sind, sollen nach einer Erklärung deS GroßvezierS auf ihr wiederholtes Gesuch endlich bewaffnet, in Adrianopel organistrt und zur Aus« füllung der Lücken, die durch Detachirungen entstanden, ins Lager nach Risch geschickt werden. Von dort waren nämlich in den letzten Tagen 8000 Mann nach Bosnien und 9000 Mann nach der Herzegowina abgegangen.
Die Politische Correspondenz bestätigt da» Eintreffen Mukhtar Paschas in Mostar und erwähnt eines Gerücht«, wonach die Ankunst Mukhtar Paschas in Mostar mit der Absicht der Pforte in Verbindung stände, direkt mit den Insurgenten wegen Abschluß eines Waffenstillstands zu verhandeln. Inzwischen beschleunigt dir Pforte ihre Rüstungen gegen Montenegro. 20 Bataillone und mehrere Batterien Gebirgskanonen wurden in Srutari gelandet. In Klek ist ein Transportdampfer mit 1200 Mann türkischer Truppen angekommeu. Zn Gravosa ist aus Äon« stantinopel der Lloyddampfer »Calypso" mit 20,000 Centner Getreide für die türkischen Truppen angekommen.
Ein Telegramm der »Times" au« Athen vom 12. Mat sagt: In Konstantinopel herrscht allgemeine Aufregung. Die Muselmänner kaufen Waffen und sprechen drohend von Niedermachung der Ungläubigen und die Reisenden vcrlaffen maffenweise die Stadt. Die hier ansißigen Ein- wohner von fremder Nationalität senden ihre Familien zurück. Die diplomatischen Vertreter des Auslandes find in Permanenz zusammen und handeln gemeinschaftlich. Trotzdem daß Nachrichten aus Athen über Zustände in
Tagesbrrtcht.
Der Finanzminister und der Minister der landwirth- schaftlichrn Angelegenheiten haben dem Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf wegen Ergänzung der Verordnung vom 13. Mai 1867 betr. die Ablösung der Servituten, die lheilung der Gemeinheiten und die Zusammenlegung der Grundstücke für daS vormalige Kurfürstenthum Hessen nebst Motiven zugehen kaffen.
Au« Berlin wird uns mitgetheilt: Um in das Geheim niß der Ministerkonferenzen einzudringen, bemühen sich vor Allem Vertreter russischer und österreichischer Blätter. Alle Mühe dieser Art hat sich jedoch alS vergeblich erwiesen und der russische Geheimrath Hamburger hat einen ihm von bester Seite empfohlenen Korrespondenten mit dem Bemerken abgewiesen, daß authentische Aufklärungen veröffentlicht werden würden, aber frühestens in etwa 14 Tagen. Alle Nachrichten, welche über Berichte von äußeren Vorgängen hieraus gehen, sind daher als falsch anzusehen; folgende Nachrichten liefen telegraphisch ein:
12. Mai. Heute Mittag hat die dritte gemeinschaftliche Conferenz der drei Canzler bei dem Fürsten Bismarck stattgefunden. Kaiser Alexander besuchte gestern den Fürsten BiSmarck und die Feldmarschälle Graf Wrangel und v. Manteuffel. Heute Miltag dejeunirtrn Kaiser Alexander, Kaiser Wilhelm, der Kronprinz und die übrigen hier anwesenden Fürsten bei dem Osfizier-Eorps des Kaiser Alexander-Regiments. Morgen folgen die drei Canzler der Einladung des Kaiser« zum Diner.
13. Mai. Die in den letzten Tagen hier abgehaltenen Conferenzen zwischen den leitenden Ministern. Rußlands, Oesterreich-Ungarn und Deutschlands haben entsprechend dem innigen Bündnifle der Drei Kaiser - Höfe sofort zur vollen Verständigung über die bei der gegenwärtigen Sachlage in der Türkei gebotenen Entschließungen geführt, den engen Beziehungen der drei Regierungen, sowie der früheren Politik derselben wird dadurch aus'S Neue Ausdruck gegeben. Der Inhalt der getroffenen Vereinbarungen ist bereits von den genannten Ministern bei einer heute stattgehabten Zusammenkunft mit den hier beglaubigten Botschaftern Frankreichs, England» und fJtalienS den letzteren mitgetheilt worden.
13. Mai. Kaiser Alexander empfing heute nach seiner Rückkehr von einer Morgen-Promenade den Fürsten Gortschakoff, um deffen Bericht über die gestrige Conferenz der Md Canzler entgegenzunehmen. Im russischen Botschaft- Hotel arbeiten außer dem Botschafter v. Oubril die StaatS- rithe Zowini und Hamburger und der russische Botschafter fn Wien v. Nowikoff theilS an dem Material zu den weiteren Conferenzen, theilS an den Depeschen, welche zur
r DaS Abenteuer der RcujahrSuacht.
Humoreske von Heinrich Zschocke.
W ,'iiiu (Fortsetzung.) n
,0 sagen Sie mir kdne Schmeicheleien, gnädigster Herr! Sie wiffen, jeden Augenblick ist mir das Leben für Sie feil. Hätte ich geahnet, daß Jhnm da» süße Geschöpf bekannt, daß e» Ihnen nicht gleichgültig wäre, eS läge längst schon in Ihren Armen."
— Kein Wort mehr davon! rief Philipp grimmig, so grimmig er mit gedämpfter Stimme an diesem Orte und ta der Nähe der tanzenden, schwärmenden und lauernden Masken rufen durfte, um sich nicht zu verrathen: „Kein Mort mehr!"
„Nein, Thaten!" fiel der Holländer fröhlich ein: »Schon morgen sollen die Laufgräben gegen die Festung «öffnet werden. Dann rücken Sie vor. Sie sind gewohnt, ja siegen. Mit den lauersamen Vorposten werden wir bald tätig. Den Gärtner nehme ich auf mich; das Mütter- leiit geht zu Ihren goldenen Fahnen über. Dann Sturm- Schritt l"
Philipp konnte sich kaum mehr mäßigen. Er packte mit seiner Faust den Arm des Holländers und sagte: »Herr, »enn Sie sich unterstehen —'
„Um Gotteswillen, gnädiger Herr, mäßigen Sie fich in Ihrer Freude. Ich muß laut ausschreien. Sie zer- Hwtscheu mir den Arm."
— Wenn Sie sich unterstehen, fuhr Philipp fort, und Hellen diesem unschuldigen Mädchen nach, so zerquetsche ich Ihnen, so wahr ich lebe, alle Knochen am Leibe.
„Gut, gut l" seufzte der Holländer in schmerzlicher Angst: »Geruhen Sie nur, mich loszuiaffen."
— Finde ich Sie jemals auf d^« Mädchen hinschielend,
nur in der Nähe des Milchgäßchens, so sind Sie ein Kind des Todes von meiner Hand. Danach richten Sie fich.
Der Holländer stand ganz verblüfft da. „Königliche Hoheit", sagte er zitternd, „ich konnte nicht wiffen, daß Sie das herrliche Mädchen so ernsthaft liebten, wie es scheint."
— Sehr ernsthaft, da« will ich vor der ganzm Welt gestehen.
»Und werden wieder geliebt?"
— Was geht Sie das an ? Reden Sie mir nie wieder davon. Denken Sie nie wieder an das Mädchen; Ihr Gedanke schon besudelt. — Nun wiffen Sie meine Meinung. Packen Sie fich.
MU diesen Worten wandte ihm Philipp den Rücken, und der Holländer ging, hinter den Ohren kratzend, davon.
8.
Unterdeffen hatte auch Philipps Substitut, als Nacht» Wächter, auf den Straßen der Stadt seine Rolle gespielt. ES ist wohl nicht nöihig, erst zu sagen, was Jeder von selbst weiß, daß dies kein Anderer, als Prinz Julian war, der, des süßen WeineS voll, auf den Einfall gekommen, in die Nachtwächter?! hineinzupfuschen. Sobald er den Philipp verlassen hatte, rief und blies er von Straßenecke zu Straßenecke die Stunden nach Herzenslust, machte zu seinem Gesang allerlei komische Zusätze und bekümmerte fich wenig um da« vorgeschriebene Revier, das er zu behüten und zu beblasen hatte.
Indem er auf einen neuen VerS sann, ging seitwärts eine Hausthür auf, ein wohlgekleidetes Mädchen trat hervor und winkte mit einem lockenden Bst! bst! Dann zog eS sich in die Dunkelheit des HauSgang» zurück.
Der Prinz ließ feine Verse fahren, und folgte der angenehmen Erscheinung. In der Finsterniß ergriff ihn
Konstantinopel wenig Glauben verdienen, herrscht an der Berliner und Frankfurter Börse flaue Stimmung.
Der „Army- und Navy Gazette" zufolge erhielt da» englische Mittelmeer-Geschwader den Befehl, sich sofort nach Smyrna zu begeben.
Deutsches «eich.
— Berlin, 13. Mai. Auf Grund des Artikel» 7 der ReichSverfaffung hat der BundeSrath nachstehende Bestimmungen über di« Behandlung der bei Reichs- und LandeSkaffen eingehenden nachgemachten, verfälschten oder nicht mehr umlaufsfähigen Reichsmünzen beschlossen: I. Sämmtl che Reichs- und Landeskaffen haben die bei ihnen eingehenden nachgemachten oder verfälschten Reichsmünzen anzuhalten. Wird ein eingehendes Falschstück al» solches von den Kaffenbeamten ohne Weiteres erkannt, fo hat der Vorsteher der Kaffe sofort der zuständigen Justizoder Polizeibehörde Anzeige zu machen und da» angehaltene Falschstück vorzulegen, unter Beifügung deS eingegangenen Begleitschreibens, Etiketts rc., beziehungsweise der über die Einzahlung aufzunehmenden kurzen Verhandlung. Erscheint die Unechtheit eine» Stückes zweifelhaft, so ist daffelbe, nachdem dem bisherigen Inhaber eine Bescheinigung über den Sachverhalt ertheilt worden, an das Münzmetalldepot des Reichs bei der königlich preußischen Münzstätte in Berlin und zwar, wenn das Stück in Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen oder Hamburg angehalten ist, durch Vermittlung der Landesminister rinzusenden. Die königlich preußische Münzstätte in Berlin wird diese Stücke einer Untersuchung unterwerfen und a. im Falle der Echtheit für Rechnung des Reichs den Werth der einsendenden Kasse zur Aushändigung an den Einzahler zusenden lassen, die Münzstücke aber, sofern fie zum Umlauf nicht geeignet find zur Einziehung bringen; o. im Falle der Unechtheit das Falschstück an die einsendende Kasse zurückgeben, damit dieselbe in Gemäßheit der Vorschrift! verfahre. II. durch gewaltsame oder gesetzwidrige Beschädigung am Gewicht verringerte echte Reichsmünzen find von den Reich»- und LandeSkassen gleichfalls anzuhalten. Liegt der Verdacht eines Münzvergehens gegen eine bestimmte Person vor, so ist in der unter I vorgeschriebenen Weise zu verfahren. Liegt ein solcher Verdacht nicht vor, so ist da» Münzstück durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen, und alsdann dem Einzahler zurückzugeben. III. Reichsgoldmünzen, welche in Folge längerer Cirkulation und Abnutzung am Gewicht soviel ringebüßt haben, daß fie daS Passtrgrwicht nicht mehr erreichen, sowie Reichs», Silber-, Nickel- und Kupfermünzen, welche in Folge längerer Cftkulation und Abnutzung an Gewich
eine zarte Hand, und eine weiche Stimme lifpilte: „Guten Abend, Hiebet Philipp 1 Sprich leise, daß uns Niemand hört. Ich bin nur ein Augenblickchen von der Gesellschaft weggeschlichen, dich im Vorbeigehen zu grüßen. Bist du vergnügt?"
„Wie ein Gott vergnügt, du Engel!" sagte Julian. „Wer könnte bei dir auch traurig sein?"
(Fortsetzung folgt.)
Z« Sumpfe.
Ci« Bild aus dem amerikanischen Waldleben.
(Fortsetzung.)
Allmälig sahen die Ungethüme mich und fie kamen auf mich zu. — Drei liefen gerade am Ufer vor mir herauf. Soviel bekam ich auf der Stelle weg: fie fürchteten sich vor mir nicht und ganz gewiß lief ihnen das Wasser in ihrem großen Maule nach meinem weißen Fleische zusammen. Einer der Kerle, die am Ufer fich emporarbeiteten — ein sehr großer, gewiß achtzehn Fuß lang — kam ohne alles Bedenken auf mich zu. Ich hatte natürlich mrin Gewehr rasch wieder geladen und schoß ihm auch richtig durch das linke Auge. Er fuhr zurück und die beiden anderen folgten ihm rasch. ’**"*
Für einige Zeit hatte ich die Alligatoren erschreckt, aber ich kannte fie gut genug um zu wissen, daß fie sehr bald wieder da frin würden. Ich sagte mir also, daß ich am Besten thun würde, wenn ich ihnen ans dem Wege ginge. Ich trat deshalb mehrere Schritte zurück, lud wieder und wanderte wdter.
Ich hatte die Absicht, auf dem Wege zurückzugehen, auf dem ich gekommen, aber ich fand ihn nicht wieder und kam an einer anderen Stelle heran». Ich kannte indeß meine Richtung — wenigstens glaubte ich es — und so