JSr. 109.
Marburg, Donnerstag, 11. Mai 1876.
XL Jahrgang.
«nieigen nimmt entgegen: Me @H«bttion d. Blatte», sowie die Anroncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Saffel and Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Laasenstein & Vogler in Lrankfurt a- M.Berlm, Leip»
Löln rc; Rudolf Moffe i» Berlin, Frankfurt a. M. rc.
ObrrhcMc Ickung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. 8- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendanl, A- Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz» lcr in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Tagesbericht
Der Kaiser hat dem seitherigen türkischen Botschafter Aristarchi Bey, welcher am Montag sein Abberufungsschreiben in feierlicher Audienz überreicht hat, seine Marmorbüste nebst entsprechender Marmorkonsole als Andenken »um Geschenk gemacht und übersenden lasten.
Der neue türkische Botschafter Edhem Pascha ist Dienstags in Berlin eingetroffen, während Graf Andraffy, gutem Vernehmen nach, erst Mittwoch daselbst eintrifft.
Der „ReichS-Anz" bestätigt, daß die Corvette „Medusa" (Corvetten-Capitän Zirzow) den Befehl erhalten hat, von Messtna, wo dieselbe ei.-getroffen ist, unverzüglich nach Salonichi abzugehen und dort zum Schutz deutscher Staats- angehöriger bi» auf Weitere« zu verbleiben. Außerdem hat da» Kanonenboot „Meteor" zunächst Ordre, in Konstan tinoprl zu verbleiben. Gleichzeitig werden dort auch die russische, die österreichische und die italienische Kriegsflagge vertreten sein, indem bereits von Petersburg, Wien und Rom Weisung eriheilt ist, daß sofort Kriegsschiffe dieser Mächte nach Salonichi abgehen sollen.
Einem der „Nationalzeitung" aus Paris zugegangenen Telegramm zufolge ist die officiclle türkische Version bezüg sich der Vorgänge in Salonichi, welche auch nach Deutschland übermittelt wurde, augenscheinlich falsch und ersunden, um die Schwäche oder gar die Mitschuld der türkischen Behörden zu verdecken. Nach diplomatischen Telegrammen wäre da» Mädchen, welches die U'sache zur Emeute gab, wider seinen Willen zum Islam bekehrt worden, ferner sollen sich der französische und der deutsche Consul nicht, wie die türkische Version behauptet, fteiwillig in die Moschee begeben haben, sondern von dem fanatischen Pöbel in dieselbe geschleppt und ermordet worden fein.
Ueber die bevorstehende Drei. Kanzler -Conferenz wird der „Post" aus St. Petersburg gefchrieben: Man verspricht sich hier von der Zusammenkunft der drei Kanzler in Berlin, ein ernstes und praktisches Resultat für die Herstellung der Ruhe in den christlichen Provinzen der Türkei. E« ist wunderbar, wie in den höchsten Kreisen zu Konstantinopel die allersonderbarsten Widersprüche vorwalten. Einerseits will man die so feierlich gegebenen Versprechungen nicht allein ehrlich halten, sondern sogar noch erweitern, andererseits hat aber bis heute noch keine Maßregel statt gefunden, welch« mit diesem guten Willen in Einklang stände. Die Rüstungen werden mit Ausopferung der letzten Geldmittel der Pforte fortgesetzt und die militärischen Operattonrn hören nicht auf. Inzwischen nimmt der Aufstand zu, ganz Bulgarien ist im Begriff sich zu erheben, die
Kretenser sind unruhig geworden und selbst unter der muha» medanischen Bevölkerung zeigt sich ein Bestreben, mit Gewalt bessere Zustände zu fordern. Je mehr die hohe Pforte Zeit verliert, desto bedenklicher und gefährlicher wird ihre Lage und nur der Verwendung der fremden Cabinete hat sie eS zu verdanken, daß bis jetzt noch Serbien und Montenegro durch dringende Vorstellungen abge halten wurden, ihre durchaus nicht zu unterschätzenden Streitkräfte mit denen der Insurgenten zu vereinigen. Andererseits ist aber auch hervorzuhebcn, daß die Insurgenten weder eine Sonderstellung, wie die Rumäniens und Serbiens in Anspruch nehmen, überhaupt sich von der Herrschaft deS Sultans lossagen wollen. Sie verlangen nur Reformen, welche ihre traurige Lage erträglich machen sollen, sie nehmen nur ein Drittel des ihnen und ihren Vätern durch die Renegaten geraubten Lodens in Anspruch, gern sind sie bereit, die Waffen niederzulegen, wenn auch ihre muhamedanischen Tyrannen entvaffnet werden und die Kaisermächte die Garantie für die Ausführung der ihnen vom Sultan so oft und so feierlich zugesagten Reformen übernehmen. Diese Umstände erleichtern die Bestrebungen der drei Kanzler und dürfte e« zuerst darauf ankommen, «inm längeren Waffenstillstand zu erreichen, um die Unterhandlungen mit beiden Thetlen wieder aufzunehmen. Die Feststellung der Bedingungen dieses Waffenstillstandes dürfte der erste Zweck der bevorstehenden Berliner Conserenz sein. Hoffentlich gelingt eS dem gemeinschaftlichen Streben der drei Kanzler, den Frieden in den aufständischen Provinzen der Türkei wieder herzustellen. Damit ist aber der Verfall des finanziell durchaus zerütteten tür- kischen Reiches nicht aufgehalten und sind von deffen Seite, früh oder spät, neue politische Verlegenheiten zu erwarten.
Die österreichische Regierung hat, wie wir erfahren, seit Anfang dieser Woche den 12,000 herzegowinischen Flüchtlingen , welche sich im Bezirke von Ragusa befinden, die täglichm Unterstützungen entzogen. Die Commune der Stadt wollte der Bezirksbehörde das zur Fortsetzung der Unterstützungen nöthige Geld vorstreckeu, dies wurde jedoch mit Berufung auf diesbezügliche Instructionen abgefchlagen.
Die Nachrichten über die innere Situation der Türkei lauten auch fönst heute sehr ernst. Einern „Time«"-Tele- gramm aus Athen zufolge hat die aufständische Bewegung in Bulgarien bis zum Rhodvpegebirge (DeS potoDagh) — also bi« nach Thrakien hinein I — um sich gegriffen und nimmt eine immer ernstere Gestalt an. Die Pforte sendet alle disponiblen Truppen mittelst der Eismbahn nach Sdrianopel.
Ueber den neuen Ministerwechsel in Konstantinopel —
Abdul-Kerirn-Pascha hat daS Kriegsministerium und Achmed- Kaiserly - Pascha da« Marineministerium übernommen — schreibt das „Journal de St. PeterSbourg": „Wenn wir die Tragweite dieser Veränderungen richtig verstehen, so hat der Sultan damit Europa ein neue« Unterpfand seiner friedlichen und versöhnlichen Intentionen geben und in den Augen seiner eigenen Unterthanen die den Mächten wiederholt gegebenen Versicherungen bestätigen wollen, daß die Situation nicht durch Unternehmungen verwickelt werden soll, über deren Inopportunität Europa ungeteilter Meinung ist."
Deutsche- Teich.
---- Berlin, 9. Mai. ES ist bereit« bei Berathung de« Stattshaushaltsetats pro 1875 und 1876 Gegenstand der Erörterung geworden, daß der Betrieb der fiskalischen Berg-, Hütten- und Salinenwerke während be« Jahre« 1874 unter dem Einflüsse einer fallenden Konjunktur und des wirthschaftlichen Rückganges stand, welcher, mit der zweiten Hälfte des Jahre» 1873 beginnend, bi« jetzt fort» dauert und unaufhaltsam alle Zweige produktiver Thätigkeit erfaßt hat. Nach der dem diesjährigen Etat beigegebenen Uebersich zu dem Etat der Berg, Hütten- und Salinen- Verwaltung ergab dieser wichtige Staatsindustriezweig 1874 einen rechnungsmäßigen Ueberschuß von 38,355,080 Mk. 19 Pf., während das Jahr 1873 einen solchen von 54,214 925 M. 65 Pf. und 1872 von 34,945,918 M. 76 Pf. lieferte. Selbstverständlich war e« weder vom Standpunkte allgemeiner volkswirthschaftlicher Jntereffen au« wünschenSwerth, noch nach der natürlichen Entwickelung der Dinge zu erwarten, aus die Rein ,ewinnste der Bergwerke und Hütten auf der Höhe be« Jahres 1873 blieben. Insbesondere der in der Geschichte der BergwerkSindustrie unerhärt hohen Preise der Steinkohlen, welche 1873 erzielt wurden und unserer Verwaltung koloffale Einnahmen brachten, mußten schädigend und vielfach lähmend auf die Kohlen konsumirenden Gewerbe und da« gesammte Wirth» schaftSleben der Nation einwirken. Sie umgaben den Bergbau mit dem gefährlichen Glanze einer gesicherten Prosperität, wie sie kein anderes Gewerbe bietet. Im hohen Matze muß es auch die Aufmerkfamkeit der Landesvertretung anregen, in welcher Progression die Förderung bc« bedeu- tendsten StaatSwerke«: der Steinkohlengruben bei Saarbrücken seit 60 Jahren zugenommen hat. Dieselbe bezifferte sich im Jahre 1820 auf etwas mehr al« 2 Mill. Gentner und stieg 1830 auf 4 Mill. Ctr., 1840 auf 7,600,000 Gtr., 1850 auf 11,800,000 Gtr., 1860 auf 39 Mill. Gir., 1870 auf 54,600,000 Gtr., 1874 auf 84,594,725 Gtr. Die Budgetkommisston, welcher die diesbezügliche Ueberstcht des Handelsministers überwiesen war, hat den Antrag ge-
„Wie, auf ihn schieben? Der Herzog weiß nun, daß Sie, ich, die Marschallin und da» Bäckermädchen in bet Jntrigue waren, um aus seinem Aberglauben Nutzen zu ziehen Er weiß, baß Sie den Salmoni zur Geisterbannerei bestachen; baß ich mein Bäckermädchen, in ba« er verliebt war, abrichtete, um ihn in bic Falle zu locken; baß ich ber Geist war, bet ihn zu Boden warf und ihm da« Fell bläute. Hätte ich nur den Spaß nicht zu weit getrieben! Aber ich wollte ihm die Liebe zu meinem Mädchen ein wenig auSklopfen. ES ist ein verdammter Streich. Ich » nehme Gift."
— Nehmen Sie lieber ein Gla« Wein; er ist gut! sagte Philipp, und nahm tr.lt frischer Eßlust ein frische« Stück Torte. Und überhaupt, setzte er hinzu, muß ich Ihnen offen gestehen, lieber Oberst, daß Sie für einen Obersten sehr feig sind, und ftp ba einer Rarrengcschichte willen gleich erschießen, ersäufen, vergiften und aufhängen wollen. E« wäre schon an einem zu viel. Zweiten« muß ich Ihnen sagen, daß ich au« Ihrem Geschütz da untereinander noch zur Stunde nicht klug werde.
„Königliche Hoheit halten zu Gnaden, ich weiß nicht, wo mir der Kopi steht. Der Kammerjunker be« Herzog« — er ist mein alter Freund — vertraute mir diesen Augenblick, die Marschallin sei, vom Teusel geplagt, erst vor wenigen Minuten zum Herzog getreten, und habe ihm gesagt: die Komödie im Hau« de« Bäcker« hat Ihnen Prinz Julian gestiftet, der Ihnen seine Schwester nicht gönnte. Die Hexe, d e Sie sahen, war ich selbst, al« Abgeordnete der Prinzessin, um Zeugin Ihres Aberglauben« zu sein. Prinz Julian hat ba« Verzeichniß Ihrer Schulben, ba« Sie in die Gruft warfen, au« welcher Sie die Schütze heben sollten, so wie Ihren Rever« gegen da« Bäckermädchen, da« Sie, nach ber Vermählung mit der Prinzessin, oll Maftresse zu sich nehmen und adeln kaffen wollten,
Tapfere Herze».
(Schluß.)
Bei der Verkündigung dieses Urtheil« entfärbten sich de« Landvogt« Wangen und feine Kniee bebten. Er drehte sich um und bat um einen Trunk Wein. Der Mann, der ihm zunächst stand, eilt« in die gegenüber gelegene Weinschenke „zum wilden Mann" und kehrte eilig mit einem Becher Rheinwein« zurück, den er dem Landvogt mit den Worten reichte:
„Trinkt, Herr Freiherr, und seid gefaßt wie ein Ghrist, der Tod sühnt alle Schuld und Gott möge Eure Seele zu Gnaden aufnehmen und Euch Gute Sünde vergeben, wie ich Euch da« Böse vergebe, da« Ihr gegen meinen Bruder und mich im Sinne führtet."
Der Landvogt, deffen Trotz und Muth im Angesicht de« Todes immer mehr wich, brückte dem Manne bie Hand
so viel sei noch mitgetheilt, daß c« den beiden Baronen von Hewdors und Eptingen vollständig gelang, den durch die Hinrichtung Hagenbach'« auf’« Aeußerste erbitterten Herzog von Burgund zur Zurückweisung der Berner Ge sandtschaft, sowie zu Feindseligkeiten gegen die Vorlande und die Eidgenoffenschaft zu bewegen. Die Namen von Granson und Wurten, diese Namen der Schlachten, in denen die burgundische Macht den Todesstoß erhielt, erzählen selbstredend den Verlauf jene« verhüngnißvollen Krieg«, der Karl dem Kühnen zuletzt da« Leben kostete.
Die Folgen diese« Kriege« für die politische Gestalt Europa'« waren schwer und verhingnißvoll und ihre Wirkungen bauerten Jahrhunderte. —
Karl Wartenburg.
DaS Abenteuer brr ReujahrSnacht.
und murmelte:
„Der Allmächtige lohne Euch bie« Wort, Meister Schmied, da« Ihr mir jetzt gesagt. —*
Eine Stunde später fi l fein Haupt unter dem Schwerte bei Nachrichter«. Der Goldschmied war nicht bei der Exekution gegenwärtig, sein weiche« Gemüth konnte den Anblick einer solchen blutigen Scene nicht ertragen. Der Waffenschmied brachte ihm die Kunde davon, indem er hin- rosetzke, daß der Landvogt ihm noch ausgetragen, Frau Eilbeth um Verzeihung wegen be» Bösen zu bitten, bas gegen sie im ©inne gehabt.
„Möge Gott ihm vergeben, wie ich e« thue," sprach ttschüttert und sich weinend an be« Gatten Brust wertend die junge Frau, „er ruhe in Frieden."
„Amen l" setzte der Waff nschmied b »egt hinzu.
Die Darstellung -de« »eiteren Verlaufs dieser Ereignisse PhhN nicht mehr in da« Bereich dieser Erzählung. Rur
Humoreske von Heinrich Zschocke.
(Fortsetzung.)
Philipp folgte dem Neger in ein einsame« Seitengemach, wo wenige Kerzen einen düstern Schein verbreiteten. Der Neger warf sich, wie gelähmt, auf ein Sopba nieder und seufzte laut. Philipp fand auf einem Tische Erfrischungen nebst seinen Weinen, u -d ließ sich'« schmecken.
„Ich begreife ri cht, wie Ihre königliche Hoheit so ruhig bei der verdammten Geschichte fein kann!" sagte der Neger: „Wäre nur der Schelm, ber Neapolitaner Salmoni noch hier, ber den Geistesbeschwörer spielte; der Kerl war voller Ränke von den Zehen an bis zum Scheitel, und hätte uns vielleicht mit einer List retten können. Jetzt hat er sich aus dem Staube gemacht."
— Desto bester! erroieberte Philipp, und füllte fein Gla« von neuem: So schieben Sie alle Schuld auf ihn. Ec ist davon.