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Sr. 107.

Marburg, Dienstag, 9. Mai 1876.

XL Z-htMg.

I

Lnzergen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blatte», {omie die Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in «affe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; ftaafenftein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Seit» Za, «Mn «; Rudolf Dloffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

ObkrMchc Icilmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bie Ännoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a.. M.; Jnvalidendank, A. Mete- meyer in Berlin; Carl Echüß» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

ffirfdieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 vsark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

— Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht

Der BundeSrath hat in feiner Sitzung vom 27. v. M. beschloßen: 1) daß Behuf» der Erörterung derjenigen Berhäl niffe, welche bei der gesetzlichen Regelung des Patent­wesens in Betracht zu ziehen sind, auf Kosten des Reichs eine (Snquete ftatifinbe und zwar in ver Weise, daß ein­zelne zur Beurtheilung jener Verhältnisie besonders geeig nete Persönlichkeiten nach vorgängiger schriftlicher Mitthei- kung der hauptsächlichsten Fragepunkte durch den Bundes- rathSauSschuß für Handel und Verkehr, unter Zuziehung von Kommissarien deS Reichskanzleramtcs, mündlich ver- nommen werden; 2) daß die Vorbereitungen dieser Enquete, insbesondere die Auswahl der Sachverständigen, durch oas Reichskanzleramt erfolgen; 3) den Bundesregierungen an­heim zu stellen, ihre Wünsche bezüglich der Auswahl der Sachverständigen binnen kürzester Frist an da« Reichs- Kanzleramt bekannt zu geben.

Edhem Pascha, der neue türkische Botschafter, wird seine Abreise so beschleunigen, daß er bei Beginn der drei Kanzlerentrevue schon in Berlin fein wird. Derselbe bringt, wie der „Post" gemeldet wird, eine Instruktion mit, welche ihn einem etwaigen Vorschlag der Kaisermächte betreffs Einsetzung eines europäischen Aufsichtsraths als Garantie für Durchführung der Reformen zuzustimmen ermächtigt.

In der Woche vom 23. bis 29. April 1876 sind ge­prägt worden: Goldmünzen: Doppelkronen 893,080 M. Kronen 4000,000 M.; hiervon auf Privatrechnung geprägt 893,080 M. Silbermünzen: 5 Markstücke 2,667,795 M., 1-Markstücke 9 340,436 M., 50-Pfennigstücke 649,793 M., 20 - Pfennigstücke 367,086 M. 60 Pf. Nickelmünzen: 10 - Pfennigstücke 167,301 M. 60 Pf., 5 - Pfenigstücke 79,176 M. 90 Pf. Kupfermünzen: 2 - Pfennigstücke 42,848 M. 10 Pf., 1. Pfennigstücke 24,729 M. 77 Pf. Die GesammtauSprägung beträgt daher: an Goldmünzen 1,397,460 M., an Silbermünzen 215,492,791 M. 60 Pf., an Nickelmünzen 24,827,307 M. 30 Pf., an Kupfermünzen 8,362,421 M. 64 Ps.

Wie ans südslavischer Quelle verlautet, hätte Mukhtar Pascha ca. 3500 Pferde zusammengezozen und stände an­scheinend im Begriffe, eine abermalige Expedition nach Nikste zu unternehmen. Nach dem „H. T. B." ist Mukhtar Pascha bereits mit feinen Truppen zu einer dritten Expe­dition nach Niksic aufgebrochen, da die Festung wieder ohne Proviant ist. Und dies Alles kaum acht Tage nach dem glorreichen Siege, nach der Veiproviantirung und dem Entsatz der Festung durch Mukhtar! Die dritte Expedition beweist zur Evidenz, daß auch die zweite mißglückt war. Znzwischen hat Montenegro eS für nöthig gehalten, drei Bataillone nächst Niksic zur Beobachtung der Grenze auf- znftellcn. Im Hasen von Klcck ist am 3 Mai eine aus

Asten kommende, 2800 Mann starke türkische Truppen- abtheilnng gelandet worden. Bekanntlich hat man alle Ursache, den astatischen Truppen zu mißtrauen, da durch sie die Cholera in Europa eingeschleppt werden kann.

In dem Zeiträume vom 21. bis 26. April sind neuer­lich 336 Familien mit 2825 Personen aus Bosnien nach Kroatien geflüchtet. Nach dem Gesammtausweise über die Flüchtlinge weilen 7203 Familien mit 45,946 Personen aus Bosnien auf österreichischem Gebiete.

Deutsches strich.

— Berlin, 6. Mai. Der Vorsitzende des deutschen AerztevereinsbundeS Dr. med. Graf in Elberfeld hat Na­mens der im Juni 1875 zusammengetretenen Delegirten- versammlung deS genannten Bundes, speciell der preußischen Aerztevereine in den Regierungsbezirken Aachen, Arnsberg, Koblenz, Köln, Düffeldorf, Minden nebst Lippe-Detmold, Münster, Trier, in Oberschlesien und Nassau, ferner der Vereine in den Städten Kassel, Frankfurt a. M., Göttingen, Greifswald, Halle, Hannover, Lüneburg, Marburg, Stettin, Stolp, Wiesbaden dem Abgeordnetenhause eine Petition überreicht mit der Bitte: „Das Abgeordnetenhaus wolle mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die baldigste Herbeiführung einer Organisation des MedicinalwesenS im Königreich Preußen befürworten und fördern." Die Petenten erklären die baierische Medicinalorganisation als eine ihren Wünschen vollkommen entsprechende. Sie haben sich des­halb mit einer bezüglichen Petition an den Kultusminister gewandt, auf Erfordern auch organisatorische Vorschläge gemacht, welche sich an die baierische Organisation anlehnen, sind aber bislang ohne Bescheid geblieben. Aus diesem Grunde wenden sie sich, um die Sache nicht ruhen zu lasten, an das Abgeordnetenhaus, indem sie ihre Wünsche dahin präcisiren, es möge das hohe HauS herbeiführen helfen 1. eine auf dem Verordnungswege zu schaffende Ein­richtung, durch welche die Stimme der Aerztc des Landes zum Ausdruck kommen kann; 2. ein auf gleichem Wege einzufetzendes Centralorgan, welches einerseits die Anträge, Bestwerden u. s. w. der Gesammtzahl der Aerzte entgegen« nimmt und prüft und andererseits von den Executivbehör- den gehört werden, sowie mit der Gesamrntheü der Aerzte einen berathenden Verkehr pflegen muß. Die PetitionS- Commisston hat mit sehr großer Majorität dahin entschieden, dem Hause vorzuschlagen: Die Petition der StaatSregierung zur Berücksichtigung dahin zu überweisen, daß durch die bevorstehende gesetzliche Regelung deS Medicinal- und Sa nitälswesenS dem ärztlichen Stande selbst eine geordnete Mitwirkung gesichert werde.

München, 6 Mai. Sitzung der Abgeordnetenkammer. Nach langer Debatte werden die Anträge der Ablheilung, die Wahlen im Wahlbezirk München II für gültig zu er­klären, dagegen die Eintheilung der llrwahlbeztrke im

Tapfere Herze».

(Fortsetzung.)

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich dieser neue Befehl de» Landvogt» in der ganzen Stadt und tief eine unbe­schreibliche Aufregung hervor. Auf allen Plätzen und Straßen strömten die Bürger zusammen und riefen laut und drohend, daß sie sich nicht wie wehrlose Männer dem Metzger ans Mester liefern würden. Nicht der Herzog von Burgund, sondern Erzherzog Sigismund von Oesterreich wäre ihre rechte Obrigkeit, der hätte Freiheiten geachtet und gewahret, der Landvogt aber trete sie mit Füßen.

Der Freiherr von Hagenbach, welcher von seinem Fenster aus diese Zusammenrottungen sehen konnte, schickte einen feinet Offiziere auf die Straße hinab, der die Zusammen rottungen zerstreuen und die Bürger vor Meuterei warnen sollte. Aber das Volk antwortete dem O-fijier mit Drohungen und hie und da funkelten schon Waffen unter der Menge, dic immer aufgeregter wurde. — Erstaunt über die uner­hörte Widersetzlichkeit und an sklavische Ausführung seiner Befehle gewöhnt, eilte der Landvogt, nur von einigen Haupt­leuten feiner Wache begleitet, selbst hinunter aus die Straße, wo die Bürger jetzt mit lautem tumultarischem' G schrei die Zurücknahme deS Befehl» zur Ablieferung der Waffen verlangten.

Die persönliche Erscheinung deS Landvogts tief eine augenblickliche Stille hervor, und so groß war die Macht der Gewohnheit deS Gehorsams und der Furcht vor dem harten Mann, daß auf seine strenge Frage: „Was ver langt Ihr, was ist Euer Begehr, Männer von Breifach?" für den Augenblick Keiner ihm Bescheid zu geben wagte.

Der Landvogt, der den Eindruck, den seine Erscheinung aus die Bürger hervorgebracht, wohl bemerkt hatte, wieder­holte noch einmal seine Frage, indem er mit erhobener Stimme rief:

„So sprecht, was ist Euer Begehr?"

In dem Augenblicke entstand eine drängende Bewegung, und eine tiefe Stimme rief:

„Gebt den Gefangenen los, den jungen Göldschmled, den Ihr am Charfreitag habt ungerechter Weise in brti Thurm werfen lasten, gebt ihn los, Ihr habt's öffentlich vor dem Volke versprochen."

Des Freiherrn ZorneSader schwoll, seine Hand legte sich an den Griff seines langen, spanischen StoßdegenS und er ries:

„Wer wagt eS, dem Landvogt de« Herzogs von Bur­gund Vorschriften zu machen!"

„Ich, Herr Landvogt, ich wage eS," ries dieselbe Stimme, welche die Forderung gestellt, und der Waffenschmied ar­beitete sich, gefolgt von neun anderen bewaffneten Männern durch die Menge und trat dicht an den Landvogt heran, „ich, der Waffenschmied Friedrich Vögelin."

Einen Augenblick schien der Landvogt außer Fasiung zu sein, aber im nächsten Moment rief er, sich zu den ihn begleitenden Offizieren wendend:

„In Namen St. Hoheit des Herzogs von Burgund, faßt diesen Mann als Meuterer und Rebell."

Die Offiziere, eingeschüchtert durch die drohende Hal­tung der Menge, zögerten, und einer eilte vom Platze, um die burgundische Wache zu holen, aber noch ehe er zehn Schritte gegangen war, riefen die Männer, die den Waffen schmied begleiteten — es waren die Verbündeten, die in

Wahlbezirke München II (rechts der Isar) als gesetzwidrig zu erachten und dcßhalb zu vernichten, angenommen. Da­für stimmten die Ultramontanen. Die Liberalen stimmten für den Schlör'schen Antrag, wonach ebenfalls die Wahlen in München II für gültig zu erklären und die dagegen eingebrachten Reklamationen zurückzuweifen.

Hllllll.

Wie», 6. Mai. Die griechische Königsfamilie ist hier eingetroffen und vom Kaiser am Bahnhofe herzlich begrüßt worden. — Die „Politische Correspondenz" theilt die we­sentlichsten Punkte des Ausgleichs mit Ungarn mit: DaS Zollbündniß wird auf 10 Jahre, wesentlich in der gegen­wärtigen Fassung erneuert. Kündigung vor dem neunten Jahre ist ausgeschlossen. Bezüglich deS allgemeinen Zoll­tarifs wurde vereinbart, für einige Jndustrieartikel, insbe­sondere zum Schutze der Trxtil-Jndustrie, die Zollsätze dem wirklichen Bedürfniste entsprechend zu erhöhen; bei einigen landwirthschastlichen Erzeugnisten die Zollsätze theilweise zu erhöhen und auf eine Reihe von ConsumtionSartikeln höhere Zollsätze einzuführen. In Betreff der Verzehrungssteuer ist vereinbart, die Verhandlungen Über Reform des Gesetze» Betreffs der Zucker- und Branntweinsteuer ehestens abzu- fchlietzen und den landwirthschastlichen Brennereien Begün­stigungen zuzuwcnden. — Das bisherige Quotenverhältniß, sowie der Abzug der Steuerrestilutionen von dem gemein­samen Zollerträgniffe wurde beibehalten, mit der Modifi­kation , daß beide ReichShälstcn an der Restitution für exportirten Zucker, Branntwein und Bier in dem Verhältnisie der jährlichen Brutto Erträgnisse der resp. Steuern Parti- cipiren. Die Regierungen erkannten sich gegenseitig das Recht auf Errichtung einer selbstständigen Zettelbank während der nächsten 10 Jahre zu, jedoch soll unter prin- eipieller Anerkennung der Einheit der Noten und der Be­deckung in beiden LSndergebieten zur ausschließlichen Roten- Ausgabe nut eine Bankgesellschaft mit zwei coorbinirten Bankanstalten in Wien und Pest und mit einem paritätisch zusammengesetzten Centralorgan ermächtigt werben. — Die Bankanstalt in Wien erhält 70, die in Pest 30pCt. der emittirten Noten zur ausschließlichen Verwendung im Bank- Geschäfte. — Die Regierungen formulhten ein Programm zur Ausführung dieser prinzipiellen Abmachungen, welche« sie in den Verhandlungen mit der betreffenden Bankgesell­schaft zur Geltung zu bringen bemüht fein werden. Da» Programm enthält Punktationen über die Organifation beider Bankbirektionen, sowie eines Centralorgans über die örtliche Aufbewahrung beS einheitlichen MetallschatzeS, über welchen nur das Centralorgan verfügt, sowie über die Bildung eines außerhalb der Bank stehenden Kontrollorgan» zur Ueberwachung deS Bestandes deS Bedeckungsschatzes.

Pari-, 6. Mai. Der Prästbent der Republik traf mit den Ministern deS Krieges und des Ackerbaues heute früh um 11 Uhr in Orleans auf dem Bahnhof ein, wo der dortige Maire eine Begrüßungsrede hielt, worin er

der Nacht jenen Eid geleistet — „Nieder mit dem Land­vogt, nieder mit Burgund, hoch Oesterreich, hoch der Erz­herzog!" und der Waffenschmied faßte den Landvogt an der Brust, indem er mit lauter weithin dröhnender Stimme ausrief: „Im Namen deS Herzog» Sigismund verhafte ich Euch, Freiherr Peter von Hagenbach!"

Der Landvogt stieß einen Wulhschrei au» und machte eine verzweifelte Anstrengung, um sich von dem eisernen Griff dcS Waffenschmieds zu befreien, aber die anderen Männer umringten ihn und ehe noch die bestürzten Offi­ziere und die allmälig herbeieilenden Burgunder — e« lagen zwei Fähnlein in der Stadt — ihm beistehen konnten, ward er entwaffnet und inmitten der Volksmenge nach dem Ralhhaufe abgeführt. Diese kühne That war so mplö^lich vor sich gegangen, daß die ihres Hauptes beraubte Be­satzung in vollständiger Rathlosigkeit und Bestürzung gar keine Miene zur Befreiung des LanbvogteS machte, und als ihnen die Bürger erklärten, daß man ihnen nichts zu Leid thun wolle, falls sie ruhig abzögen, so eilten O-fiziere, wie Soldaten, die ohnehin an Zahl viel schwächer als die Bürger und da« durch die Ereigniffe aufgeregte Landvolk waren, den Ort der Gefahr zu verlassen und zogen sich auS der Stadt und dem Gebiet zurück.

Auf den schnellen Fittigen deS Gerüchts flog die Kunde von der kühnen That der Bürger zu Breisach durch'« ganze Land, bis hinauf zu den einsamsten Waldhütten des Ge­birges und bi» in die einsamsten Alpenthäler deS Berner Lande». Tausende von Herzen klopsten rascher und froher, als sie die Nachricht vernahmen, und der Sonnenschein der Freude glänzte auf allen G stchtern.

(Fortsetzung folgt)