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Ul-. 106.

JRarfiurg, Sonntag, 7. Mai 1876.

XL Mgang.

Lnzergen nimmt entgegen: bie @fl>ebition d. Blatte», «»wie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in «taflel und Hannover; Th. Dietrich in Frarrlfurt a. M.; S- lein & Vogler in rta.M>Berlrn^Lew- n ic; siudolf Moffe toSedin, Frankfurt a. Al. rc.

ObcrhcUlhc Jriliuig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Iäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Echüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Politische Wochet-Ueberficht.

Unser Kaiser Hot am Donnerstag im besten Wohlsein feine Reise von Wiesbaden nach Berlin angetreten, um noch vor der Ankunft deS Kaisers Alexander die ersten FrühjahrS-Paraden abzuhalten. Für die Zeit der Anwesen­heit des russischen Kaisers aber wird neben dem Fürsten Gortschakoff auch Graf Andrasiy nach Berlin kommen. — Staats»Minister Delbrück hat am Mittwoch B rlin ver­lassen und mit seiner Gattin eine Urlaubsreise nach Paris angetreten. Er wird nach etwa vier Wochen zurückkehrcn und sein hohes Amt in die Hände seines Nachfolgers uiederlegen. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der gegenwärtige Minister - Präsident von Hesien und hessische LundeSrathSbevollmächtigte Geh. Rath Hofmann den Vor­sitz im Reichskanzleramt, nach weiterer Abzweigung einiger Abtheilungen deS letzteren, übernehmen werde. Die am vor- wöchentlichen Mittwoch im preußischen Abgeordnetenhause be­gonnenen Berathungen der ReichSeisenbahnvorlage haben am Dienstag damit geendet, daß der Antrag der Regierung, der am Sonnabend in zweiter Lesung mit einer Mehrheit von 41 Stimmen genehmigt war, in 3. Lesung mit einer Mehr- heit von 56 St mmen endgültig angenommen worden ist, das Abgeordnetenhaus beschäftigt sich gegenwärtig mit der Syno­dalordnung, deren Zustandekommen gesichert erscheint. Mehr aber als die inneren Angelegenheiten zieht die bevorstehende Zusammenkunft und Conferenz der Kanzler des Drei- Kaiser - BündnisieS die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich.

Endlich tft nach langem Ringen und Sträuben der Ausgleich zwischen den beiden Hälften der habsburgischen Monarchie am 2. Mai zu Stande gekommen; glücklich darf man kaum sagen, denn eS wird voraussichtlich noch zu manchen heißen Kämpfen in den Kammern diesseit wie jensrit der Leitha kommen, doch haben beide Cabinette zur Vertretung und Durchführung ihrer Bereinbarungsergebnisie sich solidarisch verbindlich gemacht. Der Kaiser und König h« daS Meiste zur Verständigung gethan, nach ihm An­drasiy, welcher erklärt hatte, er werde von seinem Posten zurücktreten, wenn daS Cabinet Tisza sich zurückzuziehen genöthigt werde. Noch am 27. April hatte der ungarische Ministerpräsident mit Ueberreichung eines Ultimatums oder, wie man sich glimpflicher ausdrückte, eines Minimums, zugleich feinen Rücktritt angeboten, der König-Kaiser den­selben jedoch auch diesmal wieder nicht angenommen, also stillschweigend eS übernommen, seinem ciSIeithanischen Ca­binette dieses Ultimatum annehmbar zu machen. Dic Eini ping, einschließlich der Quotenfrage, erfolgte denn auch am 2. Mai „in allen die Erneuerung deS Ausgleichs be- ttesienden Punkten vollständig."

Am vorigen Donnerstag wurde zu Bern der zwischen der Schweiz und dem Deutschen Reiche abgeschlossene NiederlasiungSvertrag unterzeichnet.

Die italienische Regierung hat eine Commission ernannt, welche bis zum 1. Juli das vorbereitende Material zu einem Gesetzentwurf über die Erweiterung des Wahl­rechts sammeln soll. Die Verhandlungen zwischen Baron Rothschild und den Ministerien in der oberitalienischen Eisenbahnfrage sind erfolglos geblieben.

Die Ferien der französischen Minister sind zu Ende; am Freitag werden sie sämmtlich der großen Be- rathung beiwohnen, von welcher Wichtiges erwartet wird. Vollständiges Einvernehmen zwischen allen Staatsgewalten, Parteien und Blättern herrscht zur Zeit eigentlich nur in militärischen Geldfragen, die, sobald es sich um Ausbildung und Hebung von Heer und Flotte oder um Festungsbauten handelt, nirgends auf Widerspruch stoßen. Ganz anders steht es dagegen mit den Einwirkungen der extremen Par- teien. Mac Mahon und Cisiey lasten dem Apostolate der Ultramontanen Thür und Thor offen, sind aber desto mißtrauischer gegen die Liberalen, während diese, voran Gambetta, unentwegt gegen die Ausbildung einer Glaubens- Armee zu Felde ziehen. Der größte Stein des Anstoßes für die Regierung ist aber die wachsende Bewegung gegen Ricard'S Rettungsversuche in der Verwaltung, die ihm allerdings nicht bloß von republikanischer, sondern fast noch mehr von konservativer Seite verleibet werden; selbst daS langmüthige Journal des DebatS findet, daß offene Briefe wie die von Pascal, Chazelle und Auray einen schlimmen Geist in der aus Broglie's und Buffet'S Tagen herrührenden Verwaltung verrathen.

Der Prinz von Wales hat Madrid am 30. v. M. verlasten und wird seitdem in Lissabon in gleich enthusia­stischer Weise gefeiert. Mit dem Budget und den Finanz- Plänen Salaverria'S sind nicht nur die Staatsgläubiger, sondern auch eine große Anzahl von CorteS - Mitgliedern unzufrieden. Mit den auswärtigen Rcntenbesttzern will die Regierung sich behufs Erreichung eines UebereinkommenS in Verbindung setzen, den CorteS gegenüber aber beabsichtigt das gesammte Ministerium, das Budget in seiner gegen- wärtigen Gestalt aufrecht zu erhalten und aus besten An­nahme nöthigenfalls eine CabinetSsrage zu machen.

Mit erhöhter Erbitterung wüthet in England der Streit um den Kaiscrtitel — und des Kaisers Bart, würde man hinzusügen, wenn dieser Ausdruck nicht gerade bei der gegenwärtigen Besetzung deS britischen Thrones eine wider­spruchsvolle Gedankenverbindung hervorriefe. Seitdem am Freitag Abend die amtliche London Gazette die königliche

Kundmachung betreffend Annahme deS indischen Kaisertitels veröffentlicht hat, sind die Gegner der Neuerung aufge­bracht über einen angeblichen Wortbruch der Regierung; die Minister sollen die Beschränkung der Anwendung deS kaiserlichen Titels auf Indien zugesagt haben, und nun bietet sich die Möglichkeit, daß auch in einigen Urkunden innerhalb deS Vereinigten Königreiches der Zusatz „Kaiserin von Indien" erscheinen wird, so z. B. in den Bestallungen von Offizieren, die ja eben so gut für Indien wie für England Beamte der Herrscherin sind. Ein Mißtrauens­antrag schwebt über dem Haupte der Minister, aber sie können auf die treue HeereSsolge ihrer Partei rechnen.

Der dänische Reichstag ist auf den 15. Mai zu einer außerordentlichen Session einberufen. Im Folkething hat die Vereinigte Linke jetzt 74 Stimmen zur Verfügung, 14 mehr als in der letzten von der Regierung aufgelösten Ver­sammlung.

Mukhtar Pascha hätte die Schlappe, die er in der Osterwoche auf seinem Marsche von Gatzko nach Niksir im Duga Passe erlitten, unfehlbar mit dem Verlust seines Heer­führerpostens büßen mästen, wenn er nicht ein „Serajlija" wäre, das heißt ein Kind des Serails und zugleich in der Gunst des Padischah nicht zu erschütternder Liebling seine« Erzeugers. Mahmud Pascha, der Großvezir, und selbst seine hohe Gönnerin, die Sultanin Valid«, vermochten ihn nicht in Ungnade zu bringen. Der Sultan bestand daraus, daß sein tapferer Sohn an der Spitze des Heeres bleibe und mit dem Aufgebot einer noch stärkeren Truppenzahl die Scharte auswetze. Und also geschah eS, daß Mukhtar Pascha am 27. April abermals von Gatzko auSrückte, im Duga-Paste die Aufständischen, die ihm dort wieder den Weg sperren wollten, völlig zersprengte, bis an daS Fort Presjika vordrang und mit dem dort bei dem Ostermarsch niedergelegten Proviant bis Nikstc gelangte, worauf er am 30. April wieder in Gatzko eingeräckt ist.

In Bukarest ist am 27. April die außerordentliche Session der rumänischen Kammern durch den Minister- Präsidenten General FloreScu eröffnet worden, welcher zuerst im Senat, der im Universttätsgebände tagt, und sodann im Abgeordnetenhause auf dem Metropolieberge die fürst­liche Botschaft vorlaS und darauf das Programm der Re­gierung entwickelte. In der auswärtigen Politik soll strengste Neutralität, dem Pariser Vertrage gemäß, beobachtet, im Innern Ruhe, Gesetzlichkeit, Ordnung und Sparsamkeit ge­wahrt werden.

Propst deS Beromünsters in Luzern, bewirkte Aussöhnung zwischen der Eidgenossenschaft und dem Hause Oesterreich an Wahrscheinlichkeit gewann — daß der französische König Ludwig XL, der noch von der Schlacht bei St. Jakob an der BirS her die eidgenössische Tapferkeit kenne, daS Feuer der Zwietracht durch schlaue Jntriguen schüre, um dadurch Burgund zu schädigen und ihm einen Theil seines Gebiets abzunehmen, und daß endlich der Landvogt einen neuen Gewaltstreich gegen die Bürger von Breisach im Schilde führe. —

Dieses letzte Gerücht erzeugte vor allen am meisten böses Blut unter der Bürgerschaft, und in den Wirth«» Häusern und Weinschenken sprachen sich einige hitzige Köpfe ungescheut dahin aus, daß nun der Zeitpunkt gekommen sei, wo man Gewalt mit Gewalt vertreiben müßte.

So verstrich der Tag und die Nacht, und der Morgen deS ersten OftertageS 1474 brach an. — ES war ein heiterer, sonniger Frühlingsmorgen: ein reiner, blauer Himmel wölbte stchiüber der Landschaft, warme FrühlingS- luft wehte in den Straßen, und in den Fluthen des Rhein« funkelte und glitzerte hell und goldig daS Sonnenlicht. Das Gebetbuch in der Hand, eilten schon aus 6em und jenem Hanse Frauen und Mädchen nach der Frühmetten und vom Dome klang ein frohes Ostergeläute weit hinan« in'S Land. Da schallt vom Herrenhause her, in dem der Landvogt residirt, durch die sonntägliche Stille ein heller, scharfer Trompetenstoß und zugleich erblicken einige der anwohnenden Bürger einen Trompeter deS Landvogts in Begleitung burgundischer Soldaten vom Herrenhause hinunter zum Marktplatz reiten, wo er still hält und nach einer schmetternden Fanfare der Bürgerschaft kund und zu wiffen thut: daß der Landvogt, der hier im Namen deS Herzog« von Burgund das Regiment führe, ihnen bei schweren Leibes- und Lebensstrafen gebiete, binnen vierundzwanzig Stunden alle Wehr und Waffen in feine, des Statthalter- Hände, abzuliefcrn.

(Fortsetzung folgt.)

Tapfere Herze».

(Fortsetzung.)

„ES ist meine« Bruders Haus, den Eure Soldaten in den Thurm gesperrt, wo wir find; was führt Euch hierher, Herr Landvogt?" entgegnete der Waffenschmied ernst, und ohne irgend welche Furcht vor des Landvogt- Drohung I« zeigen.

Der Fre Herr antwortete dem Bürger nicht sogleich, aber er maß ihn mit einem solchen stolzen und verächtlichen Blick, daß ein weniger entschloffener Mann, als der Waffen­schmied, ihn kaum würde ertragen haben; bann sprach er, »°ch seinem Baret greifend und dicht an den Meister her- avtretmd, kalt und geringschätzend:

»Wisset mein Bursche, daß ich noch niemals Eures- gleichen Red« und Antwort gestanden und zu Gott hoffe, baß eS auch niemals geschehen werde." w

Und ohne eine Emgegnung abzuwarten, schritt et an bem Waffenschmied vorbei zur Thür hinaus. Der Meister aber blickte ihm mit einem düsteren Blicke nach und sprach für sich:

„Wahrlich Landvogt, dies wird eher geschehen, als Du Dir träumen läßt."

Dann wendete er sich zu Elsbeth, die das Kind in den Brmen, stumm und zitternd dem Ende dieses Auftrittes "igegen geharrt, und erzählte ihr, wie er, eben von feinem wange über Land in die Stadt zurückgekommen, Licht in bem Erkerfenster gesehen; um ihr Trost einzusprechen, wäre £ h«auf gekommen, gerade zur rechten Zeit, um dem «andvogt eine neue Frevelt hat zu ersparen. — . »Und nun gute Nacht, Elsbeth," sprach der Waffen schmied, brr jungen Frau bie Hanb zum Abschicb reichenb, »gute Nacht, und grämt Euch nicht allzu sehr, um den! Heinrich. Zum Osterfeste wirb er wieder frei, besten (tibi ^sichert — und di« dahin ist keine Ewigkeit mehr. — önb nun gute Nacht und schließt Euer HauS wohl ju."|

Er ging, und nachdem die junge Frau die HauSthür

hinter ihm geschlossen, eilte sie wieder zur Wiege ihres Kindes, wo sie auf die Knie nicbersank und in heißem Gebet Gott für die unerwartete Hilfe, die er ihr gesandt, dankte und ihn um die Befreiung ihres Mannes bat. Die Stirn auf das Lager ihres Kindes gedrückt, blieb sie in dieser Stellung, bis ein sanfter Schlaf ihre Augenlieder schloß. —

4.

Am andern Tage — es war der Sonnabend vor dem Feste — liefen dunkle beängstigende Gerächte durch die stadt. Die Abreise der beiden Barone von Hewdorf und Eptingen zum Herzog Karl von Burgund, so geheim sie auch gehalten worden, war dennoch bekannt geworden, und diese Nachricht vernichtete die letzte Hoffnung deS Volkes auf eine friedliche Aenderung der Zustände. Man kannte denZHaß gber Herren von Hewdorf und Eptingen gegen die Eldgenvstenfchaft und die Städte ,der niederen Vereinigung) und wußte nur zu gut, daß die Berner Ge­sandtschaft, welche dem Herzog Vorstellungen wegen deS harten rücksichtslos, u Waltens seines Statthalters sowohl gegen daS Volk in den Vorlanden, als gegen die benach­barte Schweiz machen sollte, wenig oder nicht« auSrichten würde, wenn es den beiden Baronen gelingen sollte, vor den Berner und Straßburger Herren zu dem Herzog zu gelangen. Man wußte, wie Hagenbach und die beiden Barone, sowie ein Theil deS Adels Alles auf boten, um einen Krieg zwischen der Eidgenostenschaft und dem mäch- tigen Burgunderherzog herbeizufähren, und die Stimmung war deshalb eine sehr gedrückte, beklemmende. Zugleich munkelte man, daß der Erzherzog Sigismund von Oester­reich, den das Loos seines Volkes in den Vorlanden jam merk, und der vergebens dem Herzog Karl die Einlösung gegen Rückerstattung de« PfandschillingS ungebeten, mit Bern und den Übrigen eidgenöjstschen Orten einen heim­lichen Vertrag zum Schutz und Trutz wider Burgund ge­schloffen — ein Gerücht, welche« durch die von Jobst von Sillium, Administrator dc« HvchstistS zu Grenoble und