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Marburg, Sonnabend, 6. Mai 1876.
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Wie«, 2. Mai. Die österreichisch-ungarische» Au« gleichsvcrhandlmigen waren sachlich bereits am 20. April »eendet. Die ungarischen Minister hatten sich mit den von lhren österreichischen College» gemachten Präpositionen einverstanden erklärt und waren nach Pest gereist, um die Zustimmung ihrer Partei zu erlangen. Letztere machte -doch Schwwierigkeiten und erklärte sich mit den gemachten Concessionen nicht zufrieden. Dazu kam, daß man TiSz» einzureden wußte, er sei mit seiner Person nur das Werk
„Herr Landvogt, Ihr könnt nicht verlangen, daß ich so BöseS gegen meinen Gatten lhue. Seid Ihr nicht deS Herrn Herzogs Statthalter und uns von ihm zur Obrig- leit verordnet, wie dürft Ihr also Solches von mir verlangen?-
schwer und fest auf seine Schulter und eine tiefe ernste Stimme sprach hinter seinem Rücken:
„Laß Dich nicht gelüsten nach Deines Nächsten Weib.
spricht der Herr.- x '
i Absatz 1 deS Commisstons Antrages (Vernichtung der Abgeordneten. Wahlen im Wahlkreise München 1) mit 77 gegen 65 Stimmen angenommen. Mit gleicher Majorität wurde hierauf bei namentlicher Abstimmung Absatz 2 des - Commissions-Antrags angenommen, das Ministerium möge 1 dafür sorgen, daß bei den Neuwahlen der Münchener । Magistrat des Wahlgesetz bester beachte.
Passair, 30. April. Der neue Bischof von Paffau, Herr Joseph Franz Meckert, ist heute consecrirt und inthro- nisirt worden und hat am gleichen Tage einen Hirtenbrief in deutscher Sprache an alle Angehörigen seiner Diöcese und zugleich ein in lateinischer Sprache abgefaßtes Hirten- schreiben an seine Diöcesangeistlichkeit erlasten. Der Hirtenbrief an die Diöcesanen zeichnet sich durch edle Einfachheit aus. Wir entnehmen demselben folgende Stelle: „Wir wüsten, wir wollen die hohen Güter sorgfältig bewahren, welche die frommen Vo.fahren uns vererbt; wir wollen am Leibe der heiligen katholischen Kirche, deren Grundpfeiler an den vier Enden der Erde eingesenkt sind und deren Dachwölbung der Himmel ist, lebendige Glieder zu sein uns kräftig bemühen; wir wollen ihrem unsichtbaren und sichtbaren Oberhaupte in gehorsamer Liebe ergeben und zu- gethan sein; wir wollen wie unsere Väter treue Söhne unseres Landes sein und an opferwilliger Liebe zu demselben uns von Keinem übertreffen lasten. Die Tugenden unserer Ahnen, ihre Glaubensstärke, ihre Frömmigkeit, ihre treue Liebe zur Kirche und zum Vaterlande, ihre hingebende Anhänglichkeit an das angestammte hohe Herrscherhaus, sollen auch die unseren sein und bleiben.- In seinem Schreiben an die Geistlichkeit ermahnt er diese zur Geduld und Nachsicht; sie sollen in ihren Reden und Worten alle» vermeiden, was die Gemülher erbittern und entfremden könnte, und nach Kräften mit allen Menschen in Frieden leben. Hierauf heißt eS weiter: „Zum Wohl der menschlichen Gesellschaft sind von Gott zwei Gewalten verordnet worden: nämlich die bürgerliche und die kirchliche, die einander stützen, unterstützen und stärken müsten, damit sie aufrichtig unter sich verbunden mit vereinten Kräften jede nach ihrem Theil zusammenwirken, und durch die also begründete Eintracht zwischen Staat und Kirche (Imperium et sacerdotium) das öffentliche Wohl gemehrt und bewahrt werde. Unterstützen wir bk, von welchen wir wünschen, daß sie uns unterstützen, und beten wir, daß die Gesetzgeber' durch die göttliche Weisheit erleuchtet, beschließen, was ae- recht ist.- °
„Närrchen, ich verlange ja nichts Böses, sondern nur Liebes von Diri- rief ungeduldig der Freiherr, indem er seinen Arm nach der jungen Frau ausstrcckte,' „und nun sträubt Euch nicht länger, denn ich bin nicht gewohnt so lange um ein W-ibSbild zu girren.-
Bei dieser dreisten Geberde und Rede des LandvogtS stieß Elsbeth einen lauten Angstschrei aus, und zugleich schrie das Kind, aus dem Schlafe geweckt, laut auf.
„Um dieses unschuldigen KindeS willen habt Barmherzigkeit mit mir, gnädiger Herr,- wimmerte die geängstigte Elsbeth, indem sie das Kind, das weinend seine Aermchen um der Mutter Hals schlang, wie einen Schild, der sie schützen sollte, an ihre Brust drückte. Aber noch ehe der Landvegt etwas entgegnen konnse, legte sich eine breite Hand
stellen werden, wie dies nach der in der Preste geführten Polemik zu befürchten war. — Wir hatten gestern Ver- anlaffung, den Gerüchten gegenüber, die sich auf eine Umwandlung der RessortS deS Reichskanzleramtes beziehen, zur Vorsicht zu mahnen. Wir können heute wiederholt bestätigen, daß die bei der WIcderbesetzung deS Präsidiums vorzunehmenden Benderungen in der Organisation noch vollständig im Flusse sind. Die von einzelnen Correspon denten verbreiteten Nachrichten sind daher als durchaus voreilige Conjecturen zu bezeichnen. Diese Auffaffung findet auch darin ihre Bestätigung, daß gerade an den Stellen, wo die bezeichneten Correspondenzen Aufnahme fanden, jetzt eine größere Zurückhaltung sich gellend macht. — Der Gesetzentwurf über die Vorbildung zum höheren Verwaltungsdienst soll in der nächsten Woche zur Berathung kommen. Die Prov. Corr, gab gestern ein Resume der Motive und deS CommissionSberichtS, und daraus crgiebt sich, daß nur an einem Punkte sich eine tiefer gehende Differenz zeigte. Namentlich ist über die Frage der Vorbildung selbst, über die Vereinigung der juristischen mit den staatöwirthschaft- lichen Studien und über die praktische Vorbildung volles Einverständniß in der Commission erreicht worden. Die einzige Differenz bezieht sich auf die Ausdehnung der Bestimmungen auf verschiedene Kategorien, einmal auf die Ab- iheilungSdirigenten und dann auf die Landräthe. Während man aus der Faffung der Prov.-Corr, schließen kann, daß die Regierung die Frage Abtheilungsdirigentcn nicht als ConflikiSfrage betrachtet, scheint sie auf die LandrathSfrage großes Gewicht zu legen. Die Prov. Corr, äußert schließlich die Zuversicht, daß man über diesen Punkt zur Vereinbarung kommen werde. Auf allen Seiten ist wenigstens der Wille da, das Gesetz jedenfalls zum Abschluß zu bringen.
Köln, 3. Mai. Der westfälische Slädtctag, welcher vorgestern abgehalten wurde, war nur von 36 Städten beschickt worden. Derselbe stimmte hinsichtlich seiner Be- chlüffe im Allgemeinen mit denen deS rheinischen Städte- tageS überein, auch darin, daß das Drei -Claffen Wahl System beizubehalten sei, und zwar mit 53 gegen 31 Stimmen. In §. 23 wurde beschlossen, es seien nicht allein Richter, sondern auch Geistliche, Kirchendiener und Elementar-Lehrer, sofern diese zu den Gemeinde-Lasten beitragen und nicht von dem Gemeinde-Vorstand berufen sind als Stadtverordnete wählbar. Am Schluffe der Berathung »eschloß der Städtetag: „der Landtag sei zu ersuchen, mit Entschiedenheit auf die Vorlage eines allgemeinen Gemeinde- teuer Gesetzes dringen zu wollen." Darin unterschied sich der westfälische von dem rheinischen Städtetag wesentlich, daß er beschloß, eS sei dahin zu wirken, „daß wo möglich die Städte-Ordnung noch in dieser Session fertig gestellt" also bald eingeführt werde. - '
Vor Kurzem sind zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und Frankreich Unterhandlungen angeknüpft worden zum Abschlüsse eines Handelsvertrages. Bekanntlich bestand zwischen diesen beiden Staaten bisher noch gar kein diesbezüglicher Vertrag. Die Unterhandlungen nehmen, wie der französische Gesandte in Washington mel, det, einen günstigen Verlauf. Die Unionsregierung soll sich danach bereit erklärt haben, die Zölle auf alle Waaren herabzusetzen, welche in den Vereinigten Staaten nicht fabri- kirt werden.
AuS Serbien lauten die Nachrichten außerordentlich beruhigend. Die Negierung erhalte aus der Anleihe nur sehr wenig Geld und Kragujcwatz, die zweite Hauptstadt, habe bis jetzt nur 890 Dukaten gezeichnet. „Die Besorg- niß, daß die Regierung ihren Verbindlichkeiten in Wien, Paris, Berlin rc. nicht werde nachkommen können, wird immer größer. Dieser Tage wird H. Marinovits auS Rumänien erwartet. Man knüpft daran allerlei Kombinationen, die aber, wie bemerkt werden muß, durchwegs zu dunsten des Friedens lauten."
Wie die „Turquie" berichtet, hatte der serbische Agent in Konstantinopel, Magazinovich, am Donnerstag eine Audienz bei dem Minister des Auswärtigen, um demselben eine Depesche zu überreichen, welche er von seiner Regierung erhalten. Der „Turquie" zufolge enthielt diese Depesche »elterliche Versicherungen „der freundschaftlichen und ergebenen Gefühle, welche die Regierung von Belgrad gegen den suzrränen Hof hege."
Zuverlässigen Nachrichten auS Montenegro zufolge hat brr Fürst an der Ostgrenze ein Beobachtungs-Corps aufgestellt, weil die Kriegs - Ereignisse sich seinem Territorium näherten. Die Nachricht von einer Mobilmachung der ganzen Wehrkraft Montenegros ist unbegründet.
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Deutsche» Strich.
'= ** Berlin, 4. Mai. Das Abgeordnetenhaus ist mit heute an die wichtigste Vorlage, di« Synodalverfassung, hcrangetreten. Im Ganzen waren für die Vorlage zwei, gegen dieselbe fünf Redner angemeldet. Es dürfte sich schon aus den heutigen Verlauf der Verhandlung die Hoff »ung stützen lassen, daß die principiellen Gegensätze bei brr definitiven Berathung sich nicht in der Schärfe herauS-
Jn der Städteordnungskommisston des Abgeordneten- Hauses erklärte die Regierung an der Ausdehnung der Städteordnung aof die Rhein Provinz, Westfalen und Nassau festzuhalten.
Wie Wiener Blätter aus Konstantinopel gemeldet wird, hätte der für Berlin ernannte Botschafter Edhem Pascha am 2. d. seine Reise hierher angetreten.
DaS französische Kabinet hat in seinfr Sitzung am 1. Mai, wie uns mitgetheilt wird, den Beschluß gefaßt, alle Projekte sowohl einer allgemeinen als partiellen Amnestie energisch zurückzuweisen.
l Bei dem Klange dieser Stimme stieß die junge Frau, indem sie sich rasch nach der Richtung, von der sie kam,'
1 umdrehte, einen Freudenschrei aus, der Landvogt aber drehte sich mit hastiger zorniger Geberde nach dem Störer seine« Zwiegesprächs mit Elsbelh um, während seine Rechte mit jäher Bewegung nach der Waffe an seinem Gürtel griff. Aber er stieß die Klinge wieder in die Scheide zurück, al« er das Gesicht des Eintretenden erblickt hatte. Es war der Waffenschmied, der jungen Frau Schwager, der vor ihm stand, das Gesicht geröthet von eiligem Lauf und innerer Aufregung, mit wirrem, von Blut und Schweiß auf der Stirn zusammengeklebtcm Haar. Betroffen von dem Anblick wich der Freiherr unter dem Eindruck der ersten Ueberraschung einen halben Schritt zurück, doch bald faßte er sich wieder und sprach mit rauhem harten Tone:
„Was führt Euch zu so später Stunde noch hierher, Meister Schmied, habt Ihr,' und ein höhnisches abscheuliches Lächeln spielte um seinen Mund, „vielleicht auch ein Auge auf Eure Schwägerin geworfen, oder," und seine Stimme wurde drohender und seine Stirn zog sich in Falten, „oder spürt Ihr mir nach und seid mir vielleicht gar nachgeschlichen? Dann hütet Euch, hütet Euch, denn ich habe manchen Kopf fallen lassen, der so fest wie der Eure zwischen seinen Schullern saß."
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Hnattgen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in -affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Söln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Echeditton d. Blatte«, sowie die Annoncen-Burraur von G. L. Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ meyer in Berlin; Sari Schütz- v In in Hannover; 6. Schlotte in Bremen..
München, 4. Mai. Bei der heutigen Fortsetzung der Berathung in der Abgeordnetenkammer über die Vernichtung der Münchener Wahlen wurde ein von Hörmann und Schauß gestellter Antrag, die Angelegenheit in die Abtheilung zu weiterer Prüfung und Veranlassung weiterer Erhebungen zurückzuweisen, abgelehnt. Demnächst wurde
„Kind, ich bin mein Lebenlang ein gottloser Patron gewesen und habe es nicht viel mit dem Beten gehalten aber desto mehr mit dem Küssen. Das Beten will ich Dir deshalb erlassen, wenn Du mich aber küssen und ein wenig lieb haben willst, so gebe ich Dir mein Wort, daß Dein Gatte noch morgen Abend sein Gesängniß verlassen soll."
Die dunkle Röihe der Scham verdrängte bei diesen leichtfertigen Worten des LandvogtS die bleiche Farbe der Angst aus ElSkelh'S Gesicht, und mit leiser, aber fester Stimme entgegnete sie:
«ayreno jie |tq> s>peu zuruckveu^ gegen mich im Sinne führen."
»Bösea gegen Dich im Sinne," lachte der Freiherr S” ließ seinen Bart in fieberhafter Erregung durch die seiner Hand gleiten, „bewahr, im Gegenlheil, nur «Utes und Liebes — nur darfst Du nicht so blöde sein."
»P. gnädigster Herr," entgegnete, die Hände gegen ihn »gebend und mit einem rührenden Ausdruck von Unschuld y Herzenseinfalt das junge Weib, „wenn Ihr nur Gutes ‘ erweisen wollt, so gebt mir den Galten wieder frei, u® wein Lebenlang will ich für Euch beten, und meinem ein Gleiches zu thun lehren."
j Utter dc« Freiherrn Züge flog ein seltsame« Lächeln.
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und »der
„Um Gott, Herr 8anbD0.it," stammelte, an allen Glie- •ttn be&enb unb sich mit bet Hand auf den Rand der Wiege ihres KindeS stützend, die junge Frau, „was begehrt Är noch zu so später Stunde in unserem stillen Hause?"
,WaS ich begehre," entgegnete der Freiherr v. Hagen- lA einige Schritte vorwärts tretend und mit stechenden ?"<ken die junge Frau, die ihn mit entsetzter Miene an- Mirte, betrachtend, „was ich begehre? Bei Gott, Niemand «S Dich — aber so tritt doch näher, sehe ich denn so ^echterlich unb schreckhaft aus?" Unb er streckte seine v«nd nach dem jungen, zitternden Weibe aus.
» »Um der hochgelobten Jungfrau willen, gnädiger Herr," l irp die Hände faltend unb wie Espenlaub zitternd, Els- M während sie sich scheu zurückbeugte, „Ihr werdet nichts