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Ur. 108.

Nlarkurg, Donnerstag, 4. Mai 1876.

XL Jahrgang.

fhuetaen nimmt entgegen: Mt WtiM d. Blatte», fetoie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler tn Nkfurt-M. Berlin, Leip. 5g Eöln re; Rudolf Moffe i« Berlin, Frankfurt a. M. re.

ObcchcMc Jcituiuj.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bte Annoneen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Carl Schütz, ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Lage-bericht.

Die Bestätigung der Nachricht, daß Graf Andrafsy demnächst nach Berlin kommen werde, um an den Konse- renzen der russischen und deutschen leitenden Staatsmänner Theil zu nehmen, hat allerseits den besten Eindruck gemacht. In politischen Kreisen legt man besonderen Werth gerade darauf, daß die Konferenzen in Berlin abgehalten werden; weil hier die Berhältnisie mit objektiverem Auge betrachtet «erden können, als in den zunächst an den orien­talischen Wirren beteiligten Staaten. Mit vollständigstem Pertrauen in das damit von Neuem bekräftigte Einvernehmen der drei Kaisermächte steht man einer friedlichen Lösung der Frage entgegen, selbst die Börse hat daraus einen Impuls zum Steigen der Kurse erhalten. Die Konferenzen der drei leitenden Staatsmänner sollen noch, wie wir vernehmen, über den Aufenthalt des Kaisers von Rußland hinaus fort­gesetzt werden, um eine definitive Verständigung zu erzielen.

Die Mittheilung, daß die preußische Regierung ihre Geneigtheit zu erkennen gegeben habe, das kürzlich erlasiene Einfuhrverbot sür niederländisches, belgisches und luxem­burgisches Rindvieh wieder auszuheben, entbehrt, sicherem Vernehmen nach, jeder thatsächlichen Unterlage.

Während gerade von sächsischer Seite au» die Absicht, die Eisenbahnen auf das Reich zu übernehmen, am heftigsten bekämpft wurde, geht die sächsische Regierung fast aus den­selben Gründen, welche das Reichseisenbahnprojekt erzeugten, jetzt mit dem Gedanken des Ankaufs sämmtlicher sächsischer Privatbahnen um. Schon ist der sächsischen zweiten Kammer eine Vorlage wegen Ankaufs der Leipzig-Dresdener Bahn zugegangen.

In dem Augenblick, wo sich die Insurrektion in der Herzegowina in recht verzweifelter Lage zu befinden schien, wurde von der Agence Russe (30. April) folgendes Tele­gramm verbreitet: „Gestern sind noch Boten an Mukhtar Pascha abgegangen mit dem Befehl, den Durchgang des DugapasieS mit Waffengewalt zu erzwingen. Die Ver­handlungen mit Montenegro wegen Verproviantirung von Nikstc waren so ernsthaft gemeint, daß Fürst Nikita die Anwesenheit eine» österreichischen CommissärS erbeten hatte, welcher der Ablieferung der Lebensmittel, die durch einen montenegrinischen Offizier geleitet wurde, beiwohnen sollte Zur selben Zeit hatten die Insurgenten, einen neuen Waffen­stillstand als gesichert annehmend, sich nach Hanse begeben. Daß auf diese Nachricht hin Mukhtar Pascha mit 30 Ba­taillonen avancirte, hat den Fürsten tief verletzt, der sich bitter über diese türkische Täuschung beklagt. Die Wojwoden der sriedlichen Stämme Kutchia und Brekalowitsch, welche in vollem Vertrauen nach Pvdgoritza gekommen waren, wohin sie berufen wurden, um als Vermittler bei den Ver­handlungen mit den Insurgenten zu dienen, sind von den tükischen Behörden ergriffen, geknebelt und nach Skutari

geschleppt worden. Allgemeine Erbitterung herrscht in Al­banien.

Mukhtar Pascha's Sieg über die Insurgenten sollte ihm nicht unbestritten bleiben. Nachdem er Nikstc ver- proviantirt hatte, wollte er sich nach Gaczko zurückbegeben, wurde aber am 30. April von den Insurgenten nach zwei heftigen Kämpfen geschlagen und umzingelt. So melden übereinstimmend die Jndep. beige, Hirsch' Bureau und die National-Zeitung.

Auch ging der „Agence HavaS" eine aus südslavischer Quelle stammende Meldung aus Ragusa zu, welche be­streitet, daß die Verproviantirung von Nikstc in der in den türkischen Berichten behaupteten Weise stattgefunden habe und hierüber vielmehr Folgendes wiffen will: Mukhtar Pascha sei am Freitag in fortwährendem Gefecht mit den Insurgenten in Presjeka angekommen. In der darauf folgenden Nacht hätten sich 500 Einwohner auS Niksic aufgemacht und die von Mukhtar Pascha bet seinem vorigen mißglückten Zuge gegen Niksic in Presjeka zurückgelaffeneu Proviantvorräthe auf ihren Schultern nach Nikstc herein- geholt. Mukhtar Pascha hätte zwar am Sonnabend die Aufständischen auf'S Neue angegriffen, auch eine Verschan­zung derselben weggenommen; nach einem den ganzen Tag hindurch dauernden Gefechte sei Mukhtar Pascha jedoch schließlich genöthigt worden, sich nach Nozdrew zurückzu­ziehen, wo er sogar von den Insurgenten eingeschloffen sein solle. — Nach den neuesten Depeschen ist eS Mukhtar Pascha jedoch geglückt, Gaczko wieder zu erreichen.

Eine Meldung der „Agence HavaS" aus Ragusa vom 1. Mai bestreitet, daß die Verproviantirung von Nikstc in der von den türkischen Berichten behaupteten Weise stattgesunden habe, und berichtet darüber Folgendes: Mukhtar Pascha kam am Freitag unter fortwährenden Gefechten mit den Insurgenten in Presjeka an; in der nächsten Nacht brachen darauf 500 Einwohner von Nikstc auf und trugen auf ihren Schultern die von Mukhtar bei seiner früheren mißglückten Expedition in Presjeka zurück- gelassenen Proviant - Dorräthe nach Nikstc herein. Am Sonnabend griff Mukhtar die Insurgenten wieder an, er­oberte zwar zunächst die Verschanzung der Letzteren, sah sich jedoch schließlich nach den ganzen Tag hindurch dauerndem Gefecht genöthigt, nach Nozdevo zurückzumarschiren, wo er nun von den Insurgenten eingeschlossen sein soll.

Deutsches «eich.

- Berlin, 2. Mai. Ueber die Aenderungen im höheren Reichsdienst, welche in Folge des Rücktritts des Staatsministers Delbrück bevorstehen, circuliren heute fol­gende Angaben, durch welche frühere Mittheilungen von uns bestätigt werden. Der Fortbestand deS Reichskanzler-^ Amtes, gewiffermaßen als Abtheilung deS Innern ist ge-

Tapfrre Herze».

(Fortsetzung.)

Unterstützt von einet kleinen, einflußreichen Partei am burgundischen Hose, war eS Hagenbach und seinen Freun den bis jetzt auch gelungen, die Klagen des BolkeS tn den Vorländern über seine tyrannische Herrschaft und die der benachbarten Eidgenoffen über sein herausforderndes über «Üthiges Wesen gegen sie von des Herzogs Ohr fern zu halten, und so die wahre Lage der Dinge zu verbergen. ES galt jetzt noch eine Anstrengung, um auch diesen letzten Versuch einer Aussöhnung der Eidgenossenschaft mit Burgund zu vereiteln, und das Spiel der Barone war gewonnen: Krieg zwischen Burgund und bet Schweiz unvermeidlich.

Dies war der Gegenstand des Gespräch», welches die drei Männer in deS Freiherrn Cabinet mit leidenschaftlicher Erregung führten. Der Landvogt «ar dieses Mal anderer Ansicht, als seine zwei Freunde, die Barone von Hewdors und Eptingen, und in lebendiger Rede suchte er ihnen das Richtige seiner Ansicht zu beweisen.

„Sprecht, was Ihr wollt/ tief er endlich, vor den beiden Herren stehen bleibend und die Arme übereinander kreuzend, „sprecht, waS Ihr wollt, Ihr Herren, ich bleibe bei meiner Meinung. Der Herzog ist kein Feind der Eiv- 8<noffen; kann er den Krieg vermeiden, so thut er es sicherlich. Und dies geschieht, falls die Herren von Bern und Straßburg vor Euch zu ihm in'S Lager kommen. Ich bnne t>ag Bürgerpack der beiden Städte. Sie werden den Herzog mit ihren Beschwerden und Querelen über mein Regiment in diesen Landen, sowie übet mein wenig freunb« Uachbarliches Benehmen gegen sie so lange in den Ohren Kegen, bis et den niederländischen Duckmäuser, seinen Runzler Hugonnet, mir über dm Hais schickt. Und dann

gebt Acht, waS geschieht. Dann wird da» Bürger- und Bauernvolk gelaufen kommen und dem alten griesgrämigen Federfuchser klagen, wie ich ihnen den Daumen auf» Auge gehalten und mich zuweilen mehr, als es meiner landeS- väterlichen Fürsorge ziemte, mit ihren Weibern und Töch­tern beschäftigte, und die von Bern und Basel und Mühl­hausen, und wie die Nester alle heißen, werden in den Chorus einstimmen, und die Geschichte von den Fahnen zu Schenkenberg ihm vorlamentiren, und ein Jedes wird seine Litanei vorbringen, bis daß das Sündenregister voll ist und der Kanzler mich zum Teufel schickt. Doch kommt Ihr zuerst zum Herzog, so wendet sich der Spieß, wir spielen das praevenire und unser ist daö Spiel."

„Bedenkt Euch noch einmal, Herr Landvogt," warf Bilgeri von Hewdors ein, indem er sich von seinem Sitze erhob und an das Fenster trat, von dem auS man die vom Mond beglänzte Landschaft, den breiten, silbernen Rheinstrom, die weite Ebene und die dunkl n Berge deS Schwarzwaldes erblicken konnte, „bedenkt Euch wohl, ehe Ihr uns zu Herzog Karl sendet. Das ganze Land, das Euer Auge von diesem Fenster aus überschauen kann, haßt die burgundische Farbe bis auf'S Blut. Aber noch mehr haßt eS Euch, haßt eS uns, die wir die Freiheiten der Städte dieses Landes vernichtet, ihre Rechte niederge­treten haben. — Aber wenn es uns haßt, so fürchtet unS auch das Volk. Traut Ihr Euch nun allein Macht zu, ohne uns die» empörungslustige, rachsüchtige Volk nieder zuhalten? Ihr wißt eS, Landvogt, es geht ein Geist deS Aufruhrs und der Rebellion durchs ganze Land. Selbst hier zu Breisach schwankt der Boden unter unfern Füßen. Fühlt Ihr nun den Muth und die Kraft in Euch, in solcher schweren Zeit die Zügel des Regiments allein, ohne unseren Beirath und Hülfe zu führen — wohlan, so reiten wir

sichert, daffelbe erhält den hessischen Ministerpräsidenten Hoffmann als Präsidenten. Von dem bisherigen Reffort des Reichskanzleramtes wurden folgende selbstständige Ab- theilungen abgelöst und direkt dem Reichskanzler unterstellt: Die Abtheilung für Finanzen, an dessen Spitze der Geh. Oberfinanzrath Burghart treten wird; die Abtheilung für Justiz, welche als Chef den UnterstaatSsecretär im Justiz­ministerium Dr. Friedberg erhalten wird; das Amt für Elfaß-Lothringen, an besten Spitze wahrscheinlich der Mi­nisterialdirektor Herzog oder Oberpristdent v. Möller treten wird. Selbstverständlich kann diese Reorganisation der Reichsämter nicht ohne Zustimmung des BundeSratheS und deS Reichstages durchgeführt werden. — Der Abg. Dr. Lasker hat für die 3. Berathung der Reichseisenbahnvor­lage folgenden Antrag gestellt: „Unter Annahme deS § 1 folgende Resolution zu fasten: Die königliche Staats- Regierung aufzufordern, dahin zu wirken, daß, für den Fall der Uebertragung der preußischen Staatsbahnen auf da» Reich, gleichzeitig alle EisenbahnausstchlSrechte deS preuß. Staates von dem deutschen Reiche übernommen werden." Dieser Antrag steht im Zusammenhänge mit dem Beschluste deS Abgeordnetenhauses bei der 2. Berathung der in Rede stehenden Vorlage, durch welchen die Nr. 5 deS § 1 ge­strichen wurde. Die Nr. 5 sollte bekanntlich die Staat»« regierung ermächtigen, mit dem deutschen Reiche Verträge abzuschließen, durch welche die Eisenbahnaussichtsrechte de» Staates auf das deutsche Reich übergehen. Da jener Be­schluß Mißdeutungen ausgesetzt war, kann der Antrag nur gebilligt werden. In der Thal hat der Antrag in allen jenen Fraktionen, auS denen sich die Majorität vom 29. April zusammensetzte, Unterstützung gesunden.

Dortmund, 29. April. Die Dortmunder Zeitung schreibt: „Bekanntlich haben sich in Düsteldorf die Ver­handlungen in Betreff Aufführung der Bismarck-Hymne zerschlagen. Das Verlags- und Aufführungsrecht ist von der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen der Stadt Dortmund mit der Maßgabe übertragen, daß die Hälfte der jährlichen Netto-Einnahme dem Luisen- Hospital zu Dortmund zu überweisen ist, und wird nun auch die erste Aufführung der BiSmarck Hymne unter Lei­tung des Komponisten Karl Reinthaler in der neuen Börse in Bremen stattfinden, wozu der Termin in Kürze bestimmt wird. Von hier aus wird zu dieser ersten Aufführung ein Ehrencomitö, worunter auch unser Ober-Bürgermeister Becker, auf besonderen Wunsch deS Präsidenten der deutschen Ge­sellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Consul H. Meyer in Bremen, als Mitglied sich befindet, abgesandt werden."

Braunschweig, 30. April. Der Landtag ist am 27. d. MtS. wieder zusammen getreten. Nachdem die ein» gehen Posten deS Etats der Lämmereikaffe für 1876—78 dsrchberathen und angenommen waren, tarn ein Antrag des Abg. Holle zur Besprechung, 10—25 pCt. der von

noch heute zum Herzog und die Berner Botschaft wird unverrichteter Dinge wieder abziehen.

„Ob ich den Muth und die Kraft in mir fühle?" rief der Freiherr von Hagenbach mit gerötheter Stirn und sichtlich gereizt durch den Zweifel deS Barons von Hewdors, dem der Andere, Konrad von Eptingen, durch sein bedeut­sames Schweigen belzustimmen schien, „ob ich die Kraft in mir fühle," wiederholte er, „Gottes TodI Herr Bilgeri von Hewdors, ich hab' in mehr als zwanzig Gefechten und Feldschlachten gegen den eilften Ludwig von Frankreich und die Herren von Gent unter meines gnädigen Herrn, de» Herzogs Fahne gefochten, und niemals dem Feind den Rücken gezeigt oder gezittert und werde eS solchem arm­seligen Volke gegenüber niemals lernen. Tragt Ihr nur deshalb Sorge, werthe Herren, so zieht in Frieden."

„Es sei denn," sprach Herr von Eptingen, indem er aufstand und nach seinem Reitermantel griff, „Ihr Wille geschehe, Freiherr, aber ich spreche wie Pilatus, ich wasche meine Hände in Unschuld, und wenn Euch etwas Mensch­liche- in diesen bedenklichen Zeitläuften widerfahren sollte: animam meam salvavi.«

„Ein bibelfester Herr, unser Baron von Eptingen," sprach mit spöttischem Ton der Landvogt zu dem Herrn von Hewdors, der düster und sinnend in die Nacht hinan» sah, „er kennt da» Evangelium, wie der Meßpriester da» Credo." Bilgeri von Hewdors zuckte stumm mit den Schul­tern und Hagenbach, dem die Situation unangenehm wurde, und der sich trotz seines Spottes bei den wie prophetisch klingenden Worten eines leichten Schauers nicht erwehren konnte, brach die Unterhaltung mit den Worten ab: „Und nun gute Nacht, wir sprechen uns noch, bevor Ihr morgen aufbrecht. — Seid gegrüßt, Ihr Herrens"

(Fortsetzung folgt.)