Einzelbild herunterladen
 

Nr. 102.

Marburg, Mittwoch, 3. Mai 1876.

xi. A-rMg.

Anzeigen nimmt entgegen: Mt Expedition d. Matte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Stein & Bögler in rt a.M , Berlin Leip, n re; Siudolf Moffe m'Berlin, Frankfurt a. M. re.

OimMche Jrilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die E^redition d. Blattes, sowie bte Annoneen-Bureaur von L- Daube & Co. in K:ankfutt o. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Srscheink täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartel mit der wöchentlichen BeilegeJllustrirteS SonntaaSblatt" durch die Expedition (Ko ch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

Der Ausschuß des LandwirthschaftSrathS, dir Herren v. Rabenau, Scipio, v. Behr, Richter-Meißen u. s. w., ist augenblicklich in Berlin versammelt. Montag Abend sand bei dem landwirthschaftlichen Minister, Herrn Dr. Frieden thal, eine Soiröe statt, zu welcher zahlreiche Mitglieder de- Landtages und die Mitglieder des AusschusieS des LandwirthschaftSrathS Einladungen erhalten hatten.

Der Ches der Admiralität hat zur Deklaration deS Reglements über die Geld Verpflegung der Marinetheile rc. im Frieden bestimmt, baß die in etatSmäßigen Assistenz arztstellen außerhalb deS Garnisonortes ihrer Wahl etnge stellten einjährig-freiwilligen Aerzte in Betreff der Kompe­tenzen ganz wie die Unterärzte zu behandeln sind und daß denselben daher auch in Erkrankungsfällen die den Unter­ärzten zustehende kostenfreie Lazarethbehandlung und Ver­pflegung, sowie Krankenlöhnuag zu gewähren ist.

Die Budget-Commission des Abgeordnetenhauses hat die Vorlage in Betreff des Ankaufes der Bahnen Halle- Nixai, Halle-Kassel und Halle -Sorau- Guben mit großer Mehrheit angenommen.

Am Donnerstag den 27. April ist der zwischen der Schweiz und dem deutschen Reiche abgeschlossene Nieder laffungSvertrag in Bern unterzeichnet worden.

Die Versuche des Vatikans, mit der Schweiz wiederum friedliche Beziehungen anzuknüpfen, sind, wie man uns mit- theilt, als gescheitert zu betrachten. Msgr. Mermillod, welcher fich auf Weisungen aus Rom schon nach der Schweizer Grenze begeben hatte, um die Verhandlungen selbst zu leiten, ist nach Paris abgereist.

Die geheimnißvolle Nachricht, welche der Telegraph aus Rom vor einigen Tagen brachte, daß beim heiligen Stuhle diplomatische Schritte geschehen seien, findet jetzt ihre Er­klärung. Fünfzehn der ältesten und einflußreichsten Kar- dinäle haben nämlich dieser Tage dem Papst auf Befragen nklärt, daß unter den gegenwärtigen Umständen das Kon­klave nirgends bester al» in Rom abgehalten werden könne, was im Vatikan als ein großer Fortschritt in der LSsnng dieser hochwichtigen Frage betrachtet wird.

Au» Pari» wird telegraphisch gemeldet, daß bei der Nachwahl im Departement Cher erhielt der Republikaner Rollet 6634 Stimmen, dagegen der konservative Sauver 6137 Stimmen, mithin ist Ersterer zum Deputirten ge wählt. Das von auswärtigen Zeitungen verbreitete Ge­rücht, Frankreich habe einen Congreß beantragt, wird hier für unbegründet nklärt.

DieSatnrday Review* sagt gelegentlich einer Be sprechung be» Blaubuches über den Aufstand in der Her zegowina: Wenn Oesterreich eS schließlich für notwendig findet, da« streitige Gebiet zu besetzen, scheint kein Grund vorhanden zu sein, warum die englische Regierung gegen eine Intervention Einwendungen erheben sollte. Selbst wenn die schließliche Folge davon die Einverleibung eines a =

TheileS einer türkischen Provinz mit Oesterreich fein sollte, würde kein Grund vorhanden sein, dies zu bedauern.

Die militärische Situation der Türken in der Herzego­wina hat sich mit einem Male wesentlich gebestert, indem eS Mukhtar Pascha am 28. v. M. gelungen ist, Nikstc, durch welches die Verbindung/der Herzegowina mit Mon lenegro gesperrt wird, zu entsetzen. Mukhtar Pascha griff am 28. noch einmal die Insurgenten im Dugapaß an, und zwar mit 20 Nizambataillonen, 2000 Arnauten und 3000 BaschibozukS und gelangte noch am 28. April mit Proviant für Nikstc in die Nähe von Preflcka. Obwohl ihn die Insurgenten, nach derWiener Presse," hartnäckig am Weitermarsch verhinderten, so drang er doch bis Kloster Ostrop, an der Grenze Montenegro'S, vor. Von Grahowo und Zara wurde bereits am 29. April gemeldet, daß die Türken durchgedrungen seien und in Nikstc angelangt wären. Nähere Details bringt folgendes Telegramm Mukhtar Paschas vom 28. April:Wir haben Gaczko gestern 6er- lasten und heute mit den Insurgenten, die sich uns in großer Anzahl bei Astrachika entgegenstellten, ein Treffen bestanden. Die Insurgenten sind in Unordnung znrückge worfen worden, die von ihnen besetzt gewesenen Verschan­zungen fielen in die Gewalt der Kaiserlichen Truppen, welche siegreich den für Nikstc bestimmten Proviant nach Nikstc geleiteten. Ich werde diese Nacht in Nikstc zubringen.*

Auch von Ragusa aus wird bestätigt, daß Mukhtar Pascha nach siegreichen Kämpfen mit den Insurgenten Nikstc am 28. v. M. erreicht und diesen Platz in ausreichendster Weise verproviantirt hat.

Mit dieser für die Türkei günstigen Wendung der Dinge ist nun wieder die Gefahr gegeben, daß sich die Pforte in den Friedensverhandlungen mit den Insurgenten jetzt noch schwieriger zeigen wird, wie vorher. UebrigenS wird von St. Petersburg aus in Abrede gestellt, daß die Pforte von den Mächten eine bewaffnete Mitwirkung verlangt habe; sie habe nur die moralische Mitwirkung verlangt, um die Unterstützung der Aufständischen durch ihre Nachbarn zu verhindern.

Die zwischen dem Khedive und auswärtigen Gläubigern bestehenden finanziellen Differenzen dürften, wie uns aus Paris mitgetheilt wird, demnächst einen guten Schluß finden, Dank dem zwischen den Kabineten von London und Paris bestehenden^Einverständniffe in dieser Frage. Authentischen Informationen nach ist nicht daran zu zweifeln, daß die Beschlüsse sowohl die europäischen al» die ägyptischen In- tereffen in gleicher Weise wehren.

Dentsche, Teich.

* Berlin, 1. Mai. Es wird in einzelnen Blättern darauf hingewiesen, daß Fürst BiSmarck nur gesagt habe: Es herrsche keine Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und Delbrück in politischen Fragen.* Dieses schließt nicht auS, daß Meinungsverschiedenheiten in wirthjchaftlichen Fragen

bestanden hätten. Fürst BiSmarck hat aber erklärt:Nicht ein Schatten von Meinungsverschiedenheiten in politischen und sachlichen Fragen." Dies ist jedenfalls auf die wirth- fchaftlichen Fragen bezogen gewesen. Am 1. Mai hat die Redaktion derKreuz-Zlg." ihren Redakteur gewechselt. An diesem Tage hat Herr v. Niebelschütz die Zeitung über­nommen. Die Abstimmung über die Eisenbahnsrage im Abgeordnetenhause hat alle Erwartung übertroffen und man glaubt annehmen zu können, daß das Herrenhaus ebenfalls eine ansehnliche Majorität in sich schließt. Dem Auswär­tigen Amte ist von Seiten der englischen Regierung eine Zusammenstellung aller Verordnungen zugegangen, welche sich auf die Verleihung fremder Orden und Denkmünzen beziehen. Die Erlaubniß hierzu wird nur dann ertheilt, wenn die Auszeichnung vor dem Feinde erworben ist oder im Dienste eines fremden Souveränen. In letzterer Zelt ist von England mildere Praxis geübt. Die erneute eng­lische Mittheilnng läßt erkennen, daß die englische Regierung wiederum ihre Bestimmungen zur vollen Geltung bringen werde. Von Seiten der preußischen Regierung ist stet« der Grundsatz festgehalten, daß alle Verleihungen an Aus­länder nur unter der Mitwirkung des Auswärtigen Amte« erfolgen dürfe. Das Abgeordnetenhaus hat bekanntlich bei Gelegenheit der Budgetdebatte den Wunsch ausgesprochen, daß die definitive Besetzung der Stellen beim Oberverwal­tungsgericht sobald als möglich erfolge. Der Minister des Innern hat sein Einverständniß mit einer solchen Maß­nahme erklärt. Wie man hört, wird im Laufe dieser Session diese Angelegenheit zur Erledigung gebracht werden.

Darmstadt, 30. April. Der Eintritt unsere« Mi­nister-Präsidenten in die oberste Reichsbehörde hat, wenn auch in der Reichshauptstadt schon seit längerer Zeit in« Auge gefaßt und nunmehr bei der Verwirklichung ange­kommen, niemals recht den Beifall des Großherzogs gehabt, welcher sich nur schwer und ungern von Männern trennt, welche wie der Minister-Präsident, Minister des Aenßern und deS großherzoglichen HauseS, Wirkt. Geheimerath Hof­mann in so kritischer Periode das unbedingte Vertrauen deS Landesherrn in hohem Grade besaßen und binnen kurzer Zeit die Zustände deS Landes von der eingerisienen Stockung und Fänlniß zu säubern wußten. Wie wir au« guter Quelle vernehmen, hat, um die in unserer Regierung entstehende Lücke möglichst auszufüllen, hier der Gedanke einer weiteren Vereinfachung der obersten Regierungsbehörde sich Bahn gebrochen, indem zwei der gegenwärtig noch be­stehenden Ministerien vereinigt werden sollen, wogegen in eines derselben, das Justizministerium, noch ein Rath be­rufen würde. Unsere Ministerim des Innern und der Justiz waren schon früher vereint, ohne besonderen Schaden für beide Verwaltungszweige. DaS Jahr 1848 führte eine Trennung derselben aus äußeren Gründen herbei. Al« für jenen Posten eines RatheS im Justizministerium in Aussicht genommen wird der betmalige Präsident bet Zweiten Stänbekammer, ObergerichtSrath Götz in Mainz, genannt.

$e>fere Hetzen.

(Fortsetzung.)

Ihr vttgeßt das Sprüchwott, Meister, das bei den Leuten da im Reich ging und gebe: die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn. Ehe wir den Vogt richten Runen, müssen mit ihn haben.*

Darüber zu rathen, sendete ich in vergangener Woche ben vertrauten Boten an Euch, werlhe Herren," antwortete btt Waffenschmied,denn die Saat, die bet Landvogt gesäet, ist anfgegangen und gereift und harret bet Sichel" Die Rinnet blickten ihn erwartungsvoll an, und er fuhr fort: »Gleich nach meines Bruders Gefangennehmung eilte ich bon dem Bau an ben Gräben hinaus auf« Land, um unfern Freunden das Zeichen zu geben, daß sie beim ersten Lärmen zur Stadt eilen sollen. Die burgundischen Reiter, bie bet Vogt, seitdem unser alter Herr, bet Erzherzog und bie Eidgenossenschaft rüstet, das Land durchstreifen läßt, waten mir dabei hart auf den Fersen Zum Glück wat, sie auf mich stießen, der Abend schon heteingebtochea, so daß mich keiner von ihnen erkannt hat, wenn sie mir ®uch einen Denkzettel angehängt haben." Und er beutete enf den Streifschuß an bet Stirn.

Darauf traten bie Männer dichter zusammen und be- «ethen, wie sie Land und Leute frei machen könnten von dem Dränger, dem Landvogt, und der burgundischen Herr sthaft überhaupt. Und al» Re darüber einig geworden, streckten sie die Hände empor zum Himmel mit feinen flim- wernden Sternen und gelobten einander mit einem theuten, Wllgen Eide, wie e« einst in jener Herbstnacht be« Jahres 307 bie drei Männer Fürst, Melchihal und Stauffacher

auf dem Rütli gethan, die alten Freiheiten, die sie unter dem Erzherzog besessen, wieder zu erobern, den tyrannischen Landvogt und die harte burgundische Herrschaft zu vertreiben, einander bei Gericht und Recht zu schirmen und daran Leib und Leben zu setzen.

Der Bernet aber sprach dazu das «men in GottcS Namen, und vetstchette den Männern aus den Botlanden, daß ihnen der Eidgenossen Hilfe nicht fehlen würde, wenn es zum Aeußersten käme. Hierauf trennten sie sich, nach­dem sie verabredet, daß das heilige Osterfest auch der Tag ihrer Auferstehung aus den Banden der Knechtschaft sein solle.

3.

Während der Waffenschmied so mit seinen Freunden über deS Lande» Noth und seine Errettung au« de» Landvogt» und der burgundischen Herrschaft Händen be- rieth, faß der Freiherr von Hagenbach mit seinen zwei vertrautesten Freunden und Räthen, ben Baronen Bilgeri von Hewdots und Konrad von Eptingen, in einem Gemach deS Herrenhauses zu Breisach, sich mit ihnen Über die Maßregeln besprechend, die gegenüber dem aufgeregten Volke nnd ben drohenden Bündnissen zwischen bet Eidgenossen­schaft, dem Erzherzog Sigismund unb den Städten der sogenannten niederen Bereinigung , an deren Spitze Lasel und Straßburg Randen, zu ergreifen waren. Denn dem scharfen Blick des burgundischen Statthalter» wat die dumpfe Gährung im Lande, der verbissene Grimm und Trotz der Leute, bet befonberS in bet letzten Zeit zu Tage getreten, nicht entgangen unb er wußte auch, daß es nur eine« geringen Anlässe« bedurfte, um da» Land aller Orten in Hellen Aufruhr zu bringen, Dazu kam noch, daß ihm ein

Gerücht zu Ohren gekommen, nach welchem die Herren s von Bern und Straßburg entschlossen seien, eine Gesandt­schaft an den Herzog Karl von Burgund zu senden, die sich Übet Hagenbachs Regiment, so er im Lande führte, sowie über feine unnachbarliche feindselige Gesinnung gegen die Eidgenossenschaft beschweren sollte. Er und die beiden Barone von Hewdots unb Eptingen wußten nun aber recht wohl, daß dem Herzog Karl vor allen Dingen an Frieden und Freundschaft zwischen Burgund und bet Eidgenossen­schaft gelegen war und daß er einen offenen FriedenSbruch seines Gouverneur« in den Botlanden mit schwerer Ahn­dung getroffen haben würde. Aber der Landvogt und seine zwei Freunde, die Barone von Hewdorf und Eptingen, die, nachdem sie ihre Besitzungen in den Fehden mit der Eid­genossenschaft verloren, in butgundlsche Dienste getreten waten, wollten eben diesen Krieg zwischen Burgund unb der Schweiz, sie wollten sich rächen dadurch an diesen über» müthigen Kuhbauern, wie die Edlen die Schweizer nannten. Besiegt in allen Fehden von den Bauern au» ben Wald­städten , brannten die stolzen Barone, die Schmach ihrer SRieb erlagen in dem Blute bet Eidgenossen zu ersticken, unb in wem konnten sie ein besseres Werkzeug ihrer Rache fi.iden, al» in bem mächtigen Burgunberherzog Karl dem Kühnen, dem e» nach bet Königskrone de« arelatischen Reiche» gelüstete, eines Reiches, bas bis jetzt nut in bett Träumen be« ehrgeizigen phantastischen Fürsten bestand, dessen Grenzen aber von der Schelde bi« hinunter zu ben Ebenen der Lombardei sich erstrecken sollten.

(Fortsetzung folgt.)