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Är. 96.

Zllarkurg, Mittwoch, 26. April 1876.

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Die Exp. d. Oberh. Ztg.

Lage-bericht.

Der Gesetzentwurf, bett, die Verlegung des EtatSjahreS und dir Feststellung des Staatshaushalts - Etats für das Vierteljahr vom 1. Januar bis 31 März 1877 liegt dem Abgeordnetenhaus« jetzt vor. Derselbe lautet: § 1. Das Statsjahr für den Staatshaushalt beginnt vom 1. April 1877 ab mit dem 1. April und schließt mit dem 31. März jeden Jahres. § 2 Der diesem Gesetze als Anlage beige- sügte Staatshaushaltsetat für das Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 1877 wird in Einnahme auf 156,643,303 Mk. und in Ausgabe auf 156,643,303 Mk., nämlich auf 154,607,433 Mk. an fortdauernden und auf 2,035,870 Mk. an einmaligen und außerordentlichen Ausgaben fest- gestellt. § 3. Die im § 2 des Gesetzes vom 25. März d. Js. (Gesetzsamml. Seite 35) für daS Jahr 1876 er theitte Ermächtigung zur Ausgabe von verzinslichen Schatz­anweisungen wird auf dir Zeit bis zum 31. März 1877 ausgedehnt. Die Motive enthalten die von der Presse des Langen und Breiten erörterten Gründe.

Der kaiserliche Botschafter beim öfter. - ungar. Hofe, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode ist in Wien einge­troffen und hat die Geschäfte der Botschaft übernommen.

Die öffentliche Meinung in Oesterreich scheint die augen­blickliche Lage als eine entschieden kriegeskündende aufzu fassen. Der Kriegsminister wird bereits von Speculanten mit LieferungSanträgen überschwemmt, die aber als zwecklos zurückgewiesen werden. Inzwischen trifft die Regierung ge­eignete Maßregeln zur Sicherung ihrer Grenzen.

Heber die Truppenbewegungen und Vorbereitungen auf österreichischem Gebiete melden Wiener Blätter: Außer dem Kaiser - Jägerbataillon Nr. 3 marschiren auch das 7. und 19. Jägerbataillon aus ihrer Garnison RudolsSwörth und Cilli an die türkisch-dalmatinische Grenze. Auch daS 46. Infanterie-Regiment Sachsen-Meiningen, gegenwärtig in Laibach garnisonirend, ist bereits nach Dalmatien via Triest abmarjchirt. Erzherzog Albrecht inspicirt nach einem Te­legramm derA. «. Z." die Festungen und Truppen an bet croatisch türkischen Grenze.

Die aufständische Bewegung in Bosnien ist im Wachsen begriffen, ohne daß die Türken derselben Einhalt zu thun im Stande sind. Oesterreich rüstet in Dalmatien und Kroatien, und eine Besetzung Bosniens durch Oesterreich mit Zustimmung der anderen Mächte wird für möglich erachtet, namentlich für den Fall, daß auch Serbien und Montenegro sich an dem Kampfe beteiligen werden. Es scheint als sicher angenommen werden zu muffen, daß nicht nur die drei Mächte nach wie vor unter sich einig sind und bleiben werden, sondern daß namentlich auch England sich ihren Anschauungen angeschloffen hat. lieber die Art, wie die schließliche Lösung erfolgt, verlautet nach dem Reuen Wiener Tagebl.", daß eine Konferenz nicht in Aussicht genommen werde; Rußland werde aber folgenden, von den Mächten gebilligten Plan weiter zu betreiben suchen: die aufständischen Provinzen sollen mit Aufrechterhaltung der Souveränetät des Sultans einen Tributstaat unter dem gemeinsamen Protectorate Oesterreichs und Rußlands bilden.

In Serbien geht es mit jedem Tage kriegerischer zu. DasN. Wiener Tagebl." erhält aus Belgrad, 21. April, folgende Depeschen überden Aufmarsch der serbischen Armee";Montag (das würde also gestern fein) beginnt der Aufmarsch von hunderttausend Soldaten der Miliz an der bosnischen, altserbischen und bulgarischen Grenze. Der Fürst hat Zuprija zum Hauptquartier bestimmt. Eine Escadron Kavallerie bildet seine Kriegssuite. Man glaubt am 28. April werde die serbische Armee die Offensive er­greifen." Alexinatz, 20. April. Hier wimmelt eS von Generalstäblern. Massen von Proviant und Munition kommen täglich an. Die Grenze fist befestigt. Nächster Tage beziehen 25,000 Mann ein Lager eine halbe Stunde von hier. Auf Befehl des Kriegsministers sind drei Batte­rien zur Grenze dirigirt worden. Fürst und Fürstin em­pfingen Fräulein MercuS, die holländisch serbisch herzegowi- nische Amazone. Der Universttäts - Professor Kujunzits hielt eine öffentliche Rede, worin er die Regierung wegen ihres Zögerns, den Krieg zu erklären, heftig tadelte.

DaSMämotial diplomatique" veröffentlicht an bet Spitze feiner Nachrichten folgende Notiz:DasMsmorial" hat die Aufgabe, alle diplomatischen Aktenstücke, welche der Oeffentlichkeit angehören, in feinen Spalten aufzunehmeu. Aus diesem Grunde haben wir in unserer Nummer vom 8. April mehrere Aktenstücke wiederholt, die am 14. März von dem römischen BlatteRome," welches sie von D. Urquhart erhalten, gebracht worden waren. Der Zwischen- raum von fast einem Monate, welcher zwischen diesen beiden Tagen liegt, beweist in unwiderleglicher Weise die Abwesen­heit jedes Hintergedankens unsererseits. Mit Unrecht sprechen daher die europäischen Blätter vonEnthüllungen" des

Msmorial diplomatique" und machen das Letztere zum Gegenstand« von mehr oder weniger gehässigen Betrachtungen.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. April. Das Abgeordnetenhaus ist heute bei nothdürftig besetztem Hause in die Verhandlungen wieder eingetreten. Der Minister des Innern hat in Begleitung des Deeernenten in feinen R-ssort für Polizei- fachen die Reife nach Wiesbaden unternommen. Der Mi­nister hat in Wiesbaden mehrfache Besprechungen mit der dortigen Regierungsbehörde gehabt und ist bann von Sr. Majestät zum Vortrag empfangen worden. Am Sonnabend begab sich Gras Eulenburg in Begleitung des Regierungs- Präsidenten v. Wurmb, des Geh. KabinetSratheS v. WU- mowski und des Geh. Reg.-RathS von Köhler nach Kaub, woselbst sowohl mit den Regierungs-Beamten als den commu- nalen Behörden eingehende Erörterung über die zunächst zu ergreifenden Maßnahmen in Bezug auf daS Unglück deS Bergrutsches ftattfand. Bei seiner Rückkehr nach Wiesbaden ließ sich der König nochmals Bericht erstatten. Graf Eulenburg ist heute nach Berlin zurückgekehrt. Die vom Handelsminister ernannte Kommission von Bergbeamten, welche sich über di« montanen Verhältnisse bet Vereinigten Staaten Nordamerikas unterrichten soll, begiebt sich am nächsten Freitag nach Bremerhaven, um am 29. d. M. von dort aus mit einem Dampfer nach Philadelphia zu fegeln. Die gerüchtweise bekannt gewordene Ernennung deS bisherigen Laiiddorft v. Bötticher zu Hannover ist nunmehr erfolgt. Derselbe ist mit dem Charakter Regierungspräsident zum Präsidenten in Schleswig ernannt. Eine neuerdings ergangene {'Verfügung des Ministers des Innern bezweckt die Erleichterung der Ermittelung der FabrikationSstätten und Ergreifung der Verbrecher von falschem Papiergelde. Es wird die Weisung ertheilt, daß von jetzt ab alle auf die Verbreitung und Entdeckung von derartigen Münz- Vergehen bezüglichen Nachrichten dem Berliner Polizei- Präsidium zugehen sollen. Diese Behörde soll den be- theiltgten Polizeiverwaltungen die nöthigen Mittheilungen machen. DieWeser Ztg." äußert sich in sehr ver­ständiger Weise über die Macht des Drei-Kaiser-Bündniffe-, welches bei den Verwickelungen im Orient auch in sofern seinen Einfluß geltend mache, alS Europa diesem gegenüber eine gewisse Sicherheit bewahrt bleibe, was vor Bestehen deS BündniffeS durchaus nicht der Fall war.

DreSde», 24. April. DasDreSd. Journ." gibt den bevorstehenden Rücktritt StaatSministerS v. Friesen zu, indem es versichert, der Rücktritt find« in dem vorgerückten Alter des Ministers ausreichende Erklärung und steh« mit der Eisenbahn Frage in keinem Zusammenhang.

Weimar, 21. April. Unser Staats - Etat auf die

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Gegen M8 Rcsterausttehme«!

Von S- Michclfcn

Direktor der Landwirthfchaftsschule in Hildesheim.

ES ist schon oft darauf hingewiesen worden, wie sehr wir in unferen Gärten und Feldern im Kampfe gegen die schädlichen Insekten der Beihülfe der infektenfreffenden Vögel bedürfen. Eben so oft ist betont worden, wie sehr die Unsitte deS NesterauSnehmenS im Widerspruch steht mit der so oft gepriesenen Bildung unseres neunzehnten Jahrhun bett«. Trotzdem kann die Warnung vor dem genannten Unfug nicht oft genüg wiederholt werden, da derselbe noch an vielen Orten mehr ober weniger im Schwange ist. Wir haben in Deutschlanb Gesetze, welche den Behörden und ihren Organen eS an die Hand geben, mit Strafen gegen die nesterauSnehmenden Buben vorzugehen; aber diese Ge­setze werden, wie der Augenschein zeigt, nicht an allen Orten mit gleicher Entschiedenheit gehandhabt, so daß schon nach dieser Richtung hin mehr als bisher geschehen könnte. Durch- ßteifender Erfolg kann freilich durch gedruckte Gesetze und polizeiliche Bestrafung der Uebertreter nicht erzielt werden. Dazu bedarf eS vielmehr der allgemeinen Leihülfe der Eltern und Lehrer. Beide muffen eS als ihre Pflicht et- lennen, der heranwachfenden Jugend Liebe zu der uns um- Skbenden Natur und zu den befiederten Sängern insbesondere ins Herz pflanzen. Und ich meine, daß solches auch nicht schwer ist. Sind doch di« Vögel, von dem Nutzen Sanz abg,sehen, «ine Zierde der lebenden Natur, auSge- jrichnet vor allen anderen lebenden Geschöpfen durch die Freiheit de« Fluges die Pracht des Gefieders und die Gabe deS GefangcS.

Bei den weiteren Zielen, welche glücklicherweise neuer hinge unserer Volksschule gesteckt sind, ist in erhöhtem Maße dir Pflicht an bi« Lehrer herangetreten, dir ihnen anver­

traute Jugend mit der sie umgebenden Natur vertraut zu machen. Kennt die Jugend die Natur, so wird sie dieselbe auch lieben. Für ein deutsches Schulkind ist eS aber viel wichtiger, die Lebensweise deS Maulwurfs, der Saatkrähe und der Eidechse zu kennen, als Geschichten erzählen zu können über den Panther, den Paradiesvogel und das Krokodil.

Allerdings giebt eS ja auch schädliche Vögel; aber einer- feite ist die Zahl derselben eine viel kleinere, als vielfach angenommen wird, und andererseits ist unter allen Um ständen das NesterauSnehmen eine Sache, die den Kindern ebensowenig zukommt, wie die Beihülfe beim Tödten unserer HauSthiere. Es ist nicht gar lange her, daß ich daS Scheunenthor eines Gutsbesitzers im Hildesheim'fchen mit Raubvögeln" benagelt fand. Diese Raubvögel bestanden aber fast ausschließlich aus Schleiereulen und Mäusebuffar- den. Konnte eS ein redendereS Zeugniß geben für die Unwissenheit deS Besitzers oder Pächters in den Elementen der Naturgeschichte? Und wie viele Mäusebuffarde werden noch heute geschoffen in der Meinung, daß es Hühnerha­bichte seien?

Ebenso giebt eS viele Arten der Vögel, deren Nutzen und Schaden sich, bei genauer und vielseitiger Beobachtung, hebt. Ich hatte dieselben bei einer früheren Veranlaffung mit Arbeitsleuten verglichen, welche für UNS arbeiten, aber für ihre Arbeit auch Kost und Logis verlangen. Auch diesen Vögeln nachzustellen und ihre Nester auszunehmen ist, gelinde gesagt, eine überflüssige Arbtit. Hierher ge­hören namentlich diejenigen Vögel, welche einerseits Körner, andererseits Insekten freffen. Bei ihrer Beurtheilung wird ErstereS meistens unverhältnißmäßig hervorgehoben, Letzteres zu wenig beachtet und betont Auch hört man selten davon sprechen, welche Unmassen von Untrauifämereien (Hederich, Wolfsmilch, Vogelwicke rc.) z. B. die Tauben verzehren. DaS Körnerfreffen der Saatkrähen ist allgemein bekannt,

-s viel weniger ihre Maikäfer- und Engerlingsvertilgung, wenn auch intelligente Rübenbauer den Vogel längst hochfchätzen gelernt haben.

Die meisten Vögel aber sind fast ausschließlich nützlich, so daß daS NesterauSnehmen ihnen gegenüber nicht nur ein moralischer, sondern auch ein wirthschaftticher Fehler ist. Ich sagefast", weil natürlich immer Fälle vorkommen können, daß Vögel, welche im Allgemeinen der Schonung und deS Schutzes überaus werth sind, unter gewissen ört­lichen Verhältnissen uns Schaden zufügen. So z. B. ist der Staar (die Sprehe) nicht genug zu loben als Vertilger von Ungeziefer, namentlich der fo sehr schädlichen nackten Ackerschnecken; in Kirschgärten aber ist dieser Frühlingsbote durchaus nicht zu gebrauchen. Umgekehrt sind freilich auch Fälle vorgekommen, daß die als Nesterplünderin mit Recht berüchtigte Elster sich als Vertilgerin der Larven des Ge- treidelaujkäferS zeitweise sehr nützlich gemacht hat.

Die Kenntniß der einzelnen in Frage kommenden Vogel­arten erwirbt man sich meines Erachtens immer noch am besten aus den Schriften des verstorbenen Dr. ©löget, welche neuerdings in zeitgemäßer Überarbeitung von Dr. Karl Ruß und Bruno Dürigen (Verlag von Hugo Voigt in Leipzig) unter dem ©efammttitel: SchutzdenVögelul erschienen sind. Heft I fuhrt den Nebentitel: Kleine Er­mahnung zum Schutz nützlicher Thiece (M. 0,60); Heft II: Die nützlichsten Freunde der Land- und Forstwirth- schast unter den Thieren als die von der Natur bestellten Verhütet und Bekämpfet von Ungezieserschäden und Mäuse« fraß (M. 1,20)); Hest III: Bogelschutzbuch, kurzgefaßte Naturgeschichte aller einheimischen Vögel (M. 4,00); Heft IV: Die Hegung der Höhlenbrüter mit besonderer Rücksicht auf die Nachtheile des Vogelfanges für Land- und Forst- wirthfchaft (M. 1,20).

Vor einigen Jahren ging ein« Notiz durch die Zeitung,