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Marburg, Sonntag, 23. April 1876.
XL Jahrgang.
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mit dem Sylvester 1876 da« Zoll- und HandelSbündniß zwischen Oesterreich und Ungarn abläuft, man weiß, daß man sich verständigen muß, und doch zögert man und verbittert sich däS Leben.
Die jüngste SammermehrheitS- und RegierungS - Veränderung in Italien hat größere Umwälzungen im Vcr- waltungspersonale zur Folge gehabt, als dies nach früheren Krisen ähnlicher Art der Fall war; beispielsweise haben fast alle Präfekturen theilS durch Neubesetzung, theilS durch
gefährdet werden; im Uebrigen behält die russische Politik ihre Doppelströmung bei.
In der Herzegowina ist während der Osterwoche scharf gekämpft worden. Mukhiar Pascha war mit 17 Bataillonen von Gaczko nach Niksic aufgebrochen, um letzteren Platz, der bereits Noth litt, mit neuem Proviant zu versehen. Auf diesem Marsch und Rückmarsch hat er sechs Tage hindurch unablässig die Angriffe des Feindes abwehreu müssen, besten Stärke er auf 14,000 Mann schätzt, wovon die Hälfte aus gut bewaffneten Montenegrinern bestanden haben soll. Der Fürst von Montenegro hatte diesem Ber« proviantirungSzug freundschaftlichen Vorschub zu leisten versprochen; seinen Unterthanen kann er aber nicht wehren, daS gerade feindschaftliche Gegenlheil zu thun. Ebenso contradictorisL geht es bei den Friedensverhandlungen zu. Der Bevollmächtigte Rußlands, Westelicki Bozidarowic, verhandelt mit den Aufständistlen und empfiehlt ihnen Nachgiebigkeit; sodann zieht er sein AmtSkleid aus, costumirt sich als Anwalt de« Aufstandes und verhandelt mit den Mächten über die von seinen Clienten gestellten Friedensbedingungen. In Bosnien ist eS auch wieder unruhiger geworden, in Serbien gährt eS, die ganze slawische Welt hofft auf den weißen Zaren, der sie nicht im Stiche lasten werde, wenn einmal der blutige Völkerfrühling angebrochen sei.
Zn Rumänien hat Fürst Karl nicht dem Führer der jetzt „national-liberal" genannten „Rothen," Ioan Bratianu, sondern, nachdem er mit VerneScu nicht hatte einig werden können, dem General FloreScu den Austrag gegeben, ein neues Ministerium, und zwar auS Männern der conservativen Partei zu bilden.
In Egypten haben die Inhaber von Staatsschuld- scheinen und die Vertreter der Ottomanischen Bank ein Comitö gewählt, welches sich von der Regierung Auskunft über die derzeitige Finanzlage erbitte« soll. Der Finanzminister hat die Erklärung abgegeben, die schwebenden Fragen würden so schnell wie möglich gelöst werden^ DaS Einschreiten der Mächte scheint schließlich doch angerufen «erden zu sollen.
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Auf Dein Kinderhaupt. — Und ich. rufe betend aus: S5 leib’, was Du auch lernst. Kindlich, wie im Vaterhaus, Trotz des Lebens Ernst! —
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Georg ausep, [1000 1876.:
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Versetzung der bisherigen Präfekten neue Vorsteher erhalten. Die Kundgebungen zu Gunsten einer Erweiterung deS Stimm rechts sind noch immer nicht zu Ende; in den letzten Tagen haben sich sogar die sonst so ruhigen lombardisch-venetianischen Städte daran betheiligt.
Frankreich erfreut sich einer tiefen, aber keineswegs behaglichen politischen Windstille. Senatoren und Depn tirte sowie der Minister Ricard sind auf dem Lande, und wenn sie die öffentliche Meinung in den Landbezirken und kleinen Städten studiren, so werden sie vernehmen, daß die bisherigen Schritte in der so ungestüm erwarteten Reform der Verwaltung zwar von Ricard gut gemeint waren, aber keine Partei befriedigt, im Gegentheil überall Erbitterung und Mißtrauen zur Folge gehabt h den. Die Männer der moralischen Ordnung, die im Elysse noch ein Wort mitreden, finden, es seien der Versetzungen zu viel, ihre Gegner, und voran Gambetta, nennen daS ganze Vcr- setzungssystem ein unsinniges und zugleich gefährliches Experiment, während ein Theil der versetzten Präsecten es kaum verhehlt, daß man bleiben werde, was man vor der Versetzung war. Der am 14. April erfolgte Schub umfaßte 45 Präfecturen, aber fast nur Luftveränderungen, ein ähnlicher Schub in den Unter - Präfecturen wird auf Anfang Mai angekündigt. Die internationale Ausstellung, an die sich auch eine allgemeine Kunst-Ausstellung anschließen wird, gibt den republikanischen Blättern willkommene Gelegenheit, „die Siege des Friedens" zu feiern, und in dieser Richtung begegnen sie sich mit den officiösen AuSlaffungen auS dem Ministerium des Auswärtigen. Daneben ist jedoch ein gewisses Mißtrauen in den orientalischen Fragen, sowohl in Betreff Aegyptens wie der Balkan - Halbinsel, nicht zu verkennen.
Man hält eS allgemein für gewiß, daß die spanische Regierung den CorteS die Unterdrückung der baskischen Sonderrechte Vorschlägen wird. Um die Streitkräfte zur Bewältigung te6 kubanischen Ausstandes zu vermehren, ist mit der Anwerbung von 16,000 Freiwilligen begonnen worden.
Schnee, Stürme und Ueberschwemmungen waren die Ostergabe, welche die Natur den britischen Inseln gespendet hat. Die eigenthürnlichen Parteizustände in Irland haben sich durch einen blutigen Zusammenstoß zwischen Homerulern und Nationalisten — die einen wollen ein irisches Parlament, die andern völlige Trennung von Eng land — wieder einmal derb gekennzeichnet.
Die russische Regierung läßt der Preffe Petersburgs und Moskaus in der Erörterung der orientalischen Frage so freie Hand, daß sogar dem unwiderstehlichen Gelüste, den Großtürken nach Kleinasien zu werfen, kein besonderer Zügel angelegt wird. Das gute Einvernehmen zwischen Petersburg und Wien soll durch vorlaute Schwätzer nicht
täalieb außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3!i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Kaßtl »6.
»merzen nimmt entgegen: die SkMdttion d. Blatte«, sowie bt« Annoacen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Xp- Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin,Leip- £ «bin rc; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a.M.rc.
Dir Gewerhchalle in Kassel
(Schluß.)
§ 8. An den Beschlüffen des Vorstandes der Gewerbehalle muß wenigsten» die Hälfte der Mitglieder Theil nehmen. Stimmenmehrheit entscheidet; bei Gleichheit gibt der Vorsitzende den Ausschlag; jedoch kann Seitens der Minderheit gegen die Majoritätsbeschlüffe beim Ausschuß Berufung eingelegt werden.
§ 9. Der Ausschuß des Handels- und Gewerbevereins übt die Controlle über die Verwaltung der Gewerbehalle, und hat darüber zu wachen, daß die gewerblichen Bedürfnisse des ganzen Bezirks eine gleichmäßige Beachtung finden. Die beitragleistenden auswärtigen Vereine haben das Recht, den Ausschuß sür diese Thätigkeit durch Deputirte oder Bevollmächtigte zu verstärken. Ausschußmitglieder, welche gleichzeitig Mitglieder deS Vorstandes der Gewerbehalle find, werden sich bei Beschlüffen in vorgedachter Hinsicht der Abstimmung enthalten.
§ 10. Zu den erforderlichen Reglements für die @e- werbehalle, zur Geschäftsordnung deS Vorstandes, zu bedeutenderen Anschaffungen und zu Verträgen hat der Ausschuß seine Zustimmung zu geben, in Betreff der Reglements und der Gesehä'tSordnung nach vorherigem Benehmen mit dem Ober-Präsidenten.
$ 11. Das für die Verwaltung erforderliche Personal wird mit Genehmigung deS Ausschusses unter Berücksichtigung der versüglichen Mittel von dem Vorstande angenommen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A Stete- ureper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen, z
Tagesbericht
Im Kultusministerium ist der Entwurf einer neuen Mediciualtaxe fertig gestellt worden, um den ärztlichen Kreisen zuvor zu weiterer Meinungsäußerung mitgetheilt zu werden.
Eine eigenthümliche Bewegung findet gegenwärtig inner- halb der europäischen Diplomatie statt. Alle Vertreter der Großmächte an fremden Hösen, welche während der Oster- tage Urlaub erhalten hatten, kehren auf Weisungen ihrer betreffenden Kabinete noch vor Ablauf ihres Urlaubs auf ihre Posten zurück. Graf Schuwaloff ist schon wieder auf
§ 12. lieber die Einnahmen und Ausgaben der Gewerbehalle hat der Vorstand alljährlich bis zum 1. Decbr. einen Voranschlag sür das nächste Jahr aufzustellen und dem Ausschuß einzureichen, welcher denselben behufs Bewilligung bezw. Erwirkung von Zuschüssen der Vereins- Versammlung vorlegt und danach genehmigt.
§ 13. Für die Aufbringung der zur Unterhaltung der Gewerbehalle erforderlichen Mittel hat der Handels- und Gewerbeverein zu Kassel Sorge zu tragen und wird derselbe die Betheiligung der auswärtigen Vereine mit angemessenen Beiträgen herbeizusühreu suchen. Die Gewährung von Staatszuschüssen ist vor Anfang des Jahres unter Einreichung des Voranschlags bei dem Ober-Präsidenten zu beantragen.
i § 14. lieber die jährlichen Einnahmen und Ausgabe« der Gewerbehalle hat der Vorstand unter Zugrundelegung des Voran)HfagS bis zum 1. April deS folgenden Jahre» dem Ausschuß Rechnung zu legen; Letzterer ertheilt nach deren Revision und Offenlegung in der Vereinsversammlung die Decharge, Zugleich ist dem Ausschuß der jährlich zu erstattende BerwaltungSbericht über die Gewerbehalle zur Mittheilung an die Vereine rc. einzureichen.
§ 15. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vereinsausschuß und dem Vorstande der Gewerbehalle ist der Beschluß deS Ausschusses maßgebend; jedoch steht dem Vorstände das Recht zu, seine entgegenstehende Ansicht bei dem Oberpräsidenten geltend zu machen, welcher alSdann nach Anhörung des Ausschusses endgültig entscheidet.
§ 16. Bon de« Reglement» der Gewerbehalle, der Geschäftsordnung, sowie den Jahresrechnungen und Ber- waltungSberichten, erhält der Oberprästdent durch den Ausschuß einen Abdruck oder Abschriften.
§ 17. Abänderungen diese» Statuts unterliegen her Genehmigung deS Obeiptästdenlen.
De» liehe» Kleine» am Tage ihres ersten Gange» zur Schule. (Montag nach dem weißen Sonntag.) Wenn ich heut', ihr Kindlein, Euch Auf der Wandrung seh', . . .
Warum stimmt'S daS Herz so weich, Füllt's mit leisem Web'? — Fragt die Thräne, heiß und still, X Die die Mutter weint,
Was der Tag bedeuten will. Der ein frommer scheint. — Ist eS nicht der erste Schritt Zu der Wanderschaft, Die dein Kind dir Tritt auf Tritt Elternhaus enirafft? —: Vater, Mutter find nicht mehr Einzig und allein, /
Was dem Kleinen, wie bisher Vorbild sollte sein-
Lehrer, — ob auch sanft und lind, — Er verlangt mit Ernst, Daß Du nun, mein liebes Kind, Mühsam Vieles lernst. Und zur Kinder-Seligkeit Tritt nun schon der Zwang Erster Sorgen, erstes Leid, — Heut' mit diesem Gang!
. Eine Stunde schlug Dir ja, Glücklich Kind, noch nicht; . .. Doch von heut' an tritt Dir nah Schon die erste Pflicht! — In die Lust deS Kinderspiels \ Mischt sich ernst und kalt, Kind, deS strengen Pflichtgefühl» Mahnende Gestalt.
So zur Schule heut' gesandt, Kindlein, kranzbelaubt, .... Leg' ich segnend meine Hand
Die Parlamente haben zwar inSgesammt sich Osterferien gestattet; eine Zeit politischer Ruhe aber ist Europa darum doch nicht beschieden. Die türkischen Wirren sind wieder stark in den Vordergrund getreten; mit neuer Kraft scheint ber Ausstand in Bosnien aufzuflackern, und man zweifelt, »te weit man den Siegesnachrichten Mukhtar Pascha's Glauben schenken soll. Wenn dieser türkische General seiner Regierung die Wahrheit berichtet, hätte ber Fürst von Montenegro eine bedeutende Streitkraft den Empörern offen zu Hülse geschickt. Neben bi.fen Mittheilungen laufen die Gerüchte von Schwierigkeiten, die sich auf der von den Nordmächten gemeinsam eingeschlagenen politischen Bahn erhoben hätte«; doch wird von Wien wie von Petersburg her alles aufgeboten, um die nicht ohne Grund beängstigten Gemüther zu beruhigen und namentlich die Zuversicht zu verbreiten, daß die Entwickelung der Krisis auf der Balkan- Halbinsel keine Störung des allgemeinen Friedens herbei-
Än' r führen würde. Man darf wohl glauben, daß eS den 6er- -’eteB bündele« Mächten in diesem Punkte voller Ernst tst. In Preußen hat sich unterdessen eine ziemlich lebhafte Bewegung in Bezug auf eine Frage der reinsten inneren Politik kund- gegeben; mehrere Provinzen haben Städtetage, mehrere größere Städte gemeinschaftliche Berathungen durch ihre Vertreter abgehalten, um ihr Urtheil über den Entwurf der Städteordnung zu bilden oder festznstellen; eine Thätigkeit, woran« dem Landtage von sachverständigster Seite werthvolle Beiträge zur ferneren Prüfung des Gesetzentwurfs erwachsen. Kaiser und Kronprinz statteten der Königin Victoria einen Besuch in Coburg ab; der Kaiser ist zu längerem Aufenthalte in Wiesbaden eingetroffen.
Die Session der österreichischen Landtage ist im Ganzen mit Ruhe, Bescheidenheit und Fleiß verlausen, nur in Tirol, Vorarlberg und Böhmen ging da« bekannte Schau spiel des Sturme« in einem Glase Wasser« auch diesmal in Scene, e« fand ober wenig Beachtung. Im Großen und Ganzen herrscht in der habsburgischen Monarchie jener matte, verdrossene Friede, der alle« Fragen eine graue Färbung gibt. Auch die Verhandlungen über den volks- wirthschaftliche« Ausgleich zwischen beiden Reichshälften leiden unter dieser trübseligen Stimmung: man weiß, daß
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