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Marburg, Mittwoch, 19. April 1876.

xi. Zhrgmg.

Vr. 90

OlvrhtUlht Jritung

Das Ansehen deS heiligen «Einnahmen die Geiede und Gewobn- steuern im

müssen unerschütterlich bleiben.

Königreiche und in der gallikanischen Kirche bestehenden

------------ ---- ... --- -------------- ------ -------------- 4/1.

20 Pf., Nickelmünzen 24.166,225 M. 50 Pf., Kupfer­münzen 8,186,613 M. 27 Pf. — Die Nachweisung der

Endlich vermochte er dem Gefühle, das sich seiner gänz-

er die

die ge-

zuschlascn sei völlig vergeblich. Anfänglich glaubte er, Erscheinung am Tische fei ein Theil seine« Traumes wesen und daß ihn eine Augentäuschung geneckt habe.

Stuhles verlangt es sogar, daß die Gesetze und Gewohn­heiten aufrechterhalten werden, welche zwischen ihm und den Landeskirchen festgesetzt worden sind. Obgleich der Papst den Hauptantheil an Glaubensfragen hat, und ob­gleich seine Decrete alle Kirchen und jede Kirche berühren, so sind seine Aussprüche doch nicht unumstößlich (irrefor- mable), wenn ihnen die Zustimmung der Kirche fehlt.

Der erste Gegenstand, der, als er an den Tisch trat, durch seinen Glanz seine Aufmerksamkeit erregte, war ein goldene« Armband.

„Aha," rief er au«; „also war da«, was ich sah, keine Erscheinung, keine Augentäuschung, sondern rin wirkliche« lebendes Frauenzimmer."

Er sah sich weiter um; aber da« Armband war das einzige zurückgebliebene Ding. Er ging an die Thür, welche er bei seinem Eintritt in das Zimmer zwar zugemacht, aber nicht verschlossen hatte und sand, daß sie jetzt nur ange- lrhnt war.

dies war das Zimmer, welches unser Held bewohnte, unter den größten Höflichkeitsbezeugungen erschien.

Nach einigen porangeschickten Bemerkungen erzählte unser Freund die Ereignisse der verflossenen Nacht und fragte dann nach den Bewohnern deö Hotels.

Der Wirth durchlief mit der Schnelligkeit der Gewohn­heit im Gedächtnisse die Liste derselben, aber kein Einziger entsprach der gegebenen Beschreibung, bis ihm endlich einfiel, daß ein ältlicher Herr mit seiner Frau und zwei Töchtern mehrere Wochen im Hotel gewohnt habe, und an diesem Morgen ganz unerwartet abgereist sei. Er wußte zwar nicht, setzte er hinzu, wohin, wolle sich aber darnach erkun digen, falls der „Herr Bergrath" es wünschen sollte.

Dies wünschte nun b r Herr Bergrath ohne allen Zweifel; denn es hatte sich seiner ein seltsames Gefühl, eine Ahnung bemächtigt, baß sein Geschick auf da« Innigste mit seiner geheimnißvollen Besucherin verknüpft und diese bestimmt sei, seine Frau zu werden.

Dieses Gefühl wurde um so stärker, je mehr er über den seltsamen Zufall nachdachte. Es wurden Nachforschungen im Hotel und namentlich bei den Postillonen angestellt, die eben zurückgekehrt waren, und e« schien nach Allem, daß die Gesellschaft den Weg nach München Angeschlagen habe.

Unser Freund sann über die Ereignifie der Nacht und des Tage« nach und sein Gefühl blieb immer dasselbe. Er verbrachte den nächsten und mehrere folgende Tage in einer solchen Aufregung, daß er allen Geschmack an den Dingen verlor, die ihn früher so sehr interesstrt und ihm so viele« Vergnügen gemacht hatten. Er konnte Stunden lang an seinem Fenster mit dem Armband« in der Hand fitzen, es aufmerksam betrachten, an den Arm denken, welchen dieser Schmuck geziert hatte und darüber nachsinnen, ob die Schön­heit btt wirklichen Eigenthümerin derjenigen gleichen möge, die er im Traume al« Erscheinung gesehen hatte.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» ▲ meycr in Berlin; Carl Schüß-

” ler in Hannover; E. Schlotte

in Bremen.

Anzeigen niximt entgegen: feit Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip­zig, Cöln :c; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

z Deutsches «eich.

— Berlin, 15. April, lieber die letzte Bundestaths- Sitzung wiro noch Folgendes bekannt: Der Bundesrath beschloß, daß zur Prägung von Reichsgoldmünzen 30,000 Pfund fein verwendet werden sollen. Die Prägung von Reichsnickelmünzen soll nach Aufarbeitung des betreffenden Materials ganz eingestellt und die Thätigkeit der Münz­stätten vorzugsweise zur Herstellung von Silbermünzen ausgenutzt werden. Um die Verwendung der Silbervor- rälhe zu beschleunigen, wird auch die Ausprägung von Zweimarkstücken und die verstärkte Prägung von Fünf­markstücken angeordnet. Von den bereits geprägten Nickel­münzen sollen zunächst 33 Millionen Marl in den Ver­kehr gebracht werden, da der GesammtbO^ag der im Verkehr befindlichen Nickel- und Kupfermünzen und der Scheide­münzen der Thalerwährung die im Art. 5 des Münzge- sctzeS vorgeschriebene Grenze von 2V2 Mark pro Kopf der Bevölkerung überschreitet. Demgemäß hat der BundeSrath einer Verordnung des Reichskanzler« seine Zustimmung gegeben, welche bestimmt, daß die Vr', ^l-^nd21/2-G^oschen- stücke der Thalerwährung vom 1. Juni bi« 31. August eingelöst und von da ab außer Cours gesetzt werden. Die Beschlußfassung über die Einziehung der 5 und 10-Groschen- stücke bleibt noch Vorbehalten, ebenso diejenige bezüglich der Gleichstellung der Silberthalcr, welche jetzt noch an Stelle der Goldmünzen genommen werden müsten, mit den Reichs­silbermünzen. — In der Woche vom 2. bis 8. April 1876 sind geprägt worden: Goldmünzen: Doppelkronen 6,024,200 Mark, Kronen 2,319,910 M., hiervon auf Privatrechnung geprägt 6,024,200 M.; Silbermünzen: 5 - Markstücke

526,415 M., 1-Markstücke 1,685,707 M., W - Pfennig­stücke 636,757 M. 50 Pf., 20 Pfennigstücke 304,417 M. 40 Pf.; Nickelmünzen: 10 Pfennigstücke 149,314 M. 10 Pf , 5 Pfennigstücke 70,992 M. 70 Pf.; Kupfermünzen: 2 Pfennigstücke 44,061 M. 46 Pf., 1-Pfennigstücke 43,554 M. 99 Pf. Die GesammtauSprägung beträgt danach: Gold­münzen 1,388,111,940 M., Silbermünzen 204,636,083 M.

Al« er zu diesem Schlüsse gekommen war, stand »us, da er nicht schlafen konnte, um nachzusehen, ob Gegenstände, die er vor dem Zubettegehen auf den Tisch gestellt hatte, nicht in Unordnung gebracht worden seien.

WaS fei» fett, schickt sich wehl.

Rovelette.

(Fortsetzung.)

Der Traum, au« welchem er eben erwacht und die ge- heimnißvolle Erscheinung, die vor seinen Augen verschwunden war, stimmten so genau zusammen und standen so lebhaft vor seiner Seele, daß er fühlte, jeder Versuch wieder ein-

Dte Erklärung der frauzöfischen Geistlichkeit aus dem Jahre 1682,

von der in jüngster Zeit mehrfach die Rede gewesen, war von Bossuet rcdigirt, von 8 Erzbischöfen, 26 Bischöfen und 30 anderen kirchlichen Würdenträgern unterzeichnet und später von Louis XIV. als Gesetz publicirt wurde, lautet wörtlich: Wir aus Befehl des Königs hier in Pari« ver­sammelten Bischöfe und Erzbischöfe sind als Vertreter der gallikanischen Kirche mit reiflicher Ueberlegung zu der Ueber- zeugung gekommen, daß eS nothwendig ist, nachfolgende Declaration zu erlassen: Der heilige PetruS und seine Nachfolger, die Stellvertreter Christi, haben, sowie die Kirche selbst, von Gott nur die Macht über die geistlichen, keines­wegs aber über die weltlichen und bürgerlichen Dinge er­halten. Jesus Christus selbst lehrt uns, daß sein Reich nicht von dieser Welt ist, und an einer anderen Stelle, daß man dem Kaiser wa« de« Kaiser« und Gott was Gotte« ist, geben soll. Man muß sich an die Lehre des heiligen Paulus halten: alle Obrigkeit ist von Gott rc. In Folge »csiea erklären wir, daß die Könige keiner geist­lichen Macht in weltlichen Dingen nach dem Willen Gotte« unterworfen sind, sie können weder direkt noch indirect der Autorität des Oberhauptes der Kirche unterworfen werden; ihre Unterhanen dürfen von der ihnen schuldigen UnterthS nigkeit und dem Gehorsam weder enthoben noch von dem Eide der Treue entbunden werden. Diese Lehre, welche zur Erhaltung deS öffentlichen Friedens nothwendig und dem heiligen Stuhle ebenso wie dem Staate zum Vortheile ge­reicht, muß als konform mit der heiligen Schrift, mit der Ueberliesrrung der Kirchenväter und den Beispielen der Heiligen angesehen werden. Trotz der Vollmacht des hei ligen apostolischen Stuhle« und der Nachfolger des heiligen Petru« als Stellvertreter Christi über die geistlichen Dinge behalten doch die Decrete des heiligen ökumenischen Concils zu Konstanz, die durch den heiligen apostolischen Stuhl gebilligt, durch die Praxis der ganzen Kirche bestätigt und zu allen Zeiten von der gallikanischen Kirche heilig gehalten worden sind, ihre Kraft bei, und die Kirche Frankreichs kann der Ansicht derjenigen nicht beitreten, welche diese Dekrete angreisen oder abschwächen, indem sie sagen, daß dieselben nicht allgemein anerkannt, nicht gehörig bestätigt oder nut bet Ausdruck eines Schismas seien. Der Ge­brauch btt apostolischen Amtsgewalt muß nach den Canones geregelt werden, welche im Geiste Gottes gemacht und durch die allgemeine Achtung der Welt geheiligt sind. Die im

i an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchs­steuern im deutschen Reich für die Zeit vom 1. Januar bis zum Schluffe des Monats März 1876 ergtebt im Vergleich mit dem Vorjahre an Zöllen 27,534,410 Mk. (+ 139,118 M), Rübenzuckersteuer 23,666,615 Mk. (+ 10,223,867 Mark.), Salzsteuer 7,448,118 Mark (+ 233,837Mk.), Tabackssteuer247,231M. (-f-67,944M.), Branntweinsteuer 14,777,040 Mk. (4- 21,571 Mk.), UebergangSabgaben v. Branntwein 32,619 M. (4- 3,667M.), Brausteuer 5,060,597 Mk. (-f-179,910 M.) UebergangS- Abgaben von Bier 229,827 M. (-j- 8,428 M.); zusammen 78,996,467 M. (-s- 10,410,668 M.) — Dem Aus- und Feilbieten sogenannter Geheimmittel soll an der Hand der bestehenden Gesetze im ganzen deutschen Reiche mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. So ist nun auch dec Oberpräsident des Reichslandes Elsaß Lothringen ver­anlaßt worden, gegen den von Apothekern und Nichtapo­thekern getriebenen Unfug einzuschreiten, zumal auch ältere französische Gesetze denselben zu beseitigen die Macht geben. Außerdem soll die neueste Reichsverordnung über den Ver­kauf von Apothekerwaaren auf das Genaueste beobachtet werden.

Da« war ein zweiter Beweis, daß Jemand dagewesen war und dieser Jemand war ein Frauenzimmer gewesen.

Die Gedanken über diese Vorfälle beschäftigten ihn der- pstalt, daß er den übrigen Theil der Nacht natürlicher Weise schlaflos zubrachte.

Er beschloß bei dem Wirthe am folgenden Morgen möglichen Erkundigungen über die im Hotel wohnenden Gäste und namentlich über die Damen einzuziehen.

Kaum hatte der Wirth gehört, daß „der Herr Bergrath" ---------- .. .... — ,.w

N j» sprechen wünsch«, al« et sogleich aus Nummer 23,'lich bemächtigt hatte, nicht mehr zu widerstehen und bi«

Karlsruhe, 14. April. Die Commission ber zweiten Kammer über ben Schulgesetz-Entwurf ist mit der Zusam­menstellung ihres Berichtes fertig geworden. ES wird darin in Uebcreinstimmung mit dem Ministerium die obligatorisch gemischte Schule in allen Orten deS Landes zur Einführung vorgeschlagen. Nur in einem Punkte ist eine entscheidende Differenz verblieben. Die Regierung will nämlich die noch in einzelnen Städten bestehenden sog. Kloster-Mädchenschulen auf Grund einer Regulativs vom Jahr 1811 fortbestehen lassen, um möglicherweise den katholischen Neigungen eine kleine Concesston zu machen, während die Commission darauf besteht, mit Rücksicht aus Errichtung neuer Schulen, diese Anstalten binnen Jahresfrist zu schließen. Da das Mi­nisterium diese Ansicht im Plenum mit Entschiedenheit be­kämpfen wird, so dürfte bei dieser Gelegenheit der selten« Fall eintreten, daß die ultramontane Partei mit dem ihm sonst verhaßten Ministerium stimmen wird. — In der ersten Hälfte ber Charwoche haben die Direktoren sämmtlicher badischen Ghmnasien und der vollständigen Realgymnasien in Karlsruhe eine Reihe von Versammlungen gehalten, in welchen Gegenstände deS GelchrtenschulwesenS (deutscher Unterricht, Wahl einer griechischen Schulgrammatik, die lateinischen Stilübungen, Acnderungen in der Abiturienten- Prüfungsordnung, naturwissenschaftlicher Unterricht, Ferien- ordnung) zur Besprechung kamen. Diese ersten badischen Direktoren. Conserenzen haben über eine ganze Reihe von wichtigen Gegenständen des Schulwesens zu voller Einigung Ungewißheit, welche ihn quälte, nicht länger auszuhalten. Er beschloß, denselben Weg einzuschlagen, wenn er ihn ausfindig machen könnte, den jene Familie genommen hatte, sie womöglich einzuholen und auf irgend eine Weise, durch die Gunst des Zufalles, auf die er baute, ihre Bekannt­schaft zu machen. Er verlor keinen Augenblick, seinen Ent­schluß in'S Werk zu setzen, traf seine Vorbereitungen und reiste, von der Gewalt seine« Gefühls getrieben, auf der Stelle ab. Er nahm dieselben Postillone, welche seine Ge­liebte (al« solche betrachtete er das junge Mädchen bereit«) gefahren hatten und versprach diesen ein tüchtige« Trink­geld, wenn sie ihn rasch vorwärts brächten.

(Fortsetzung folgt.)

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntaasblatt" durch feie Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 25| Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für feie gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in feer Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Wie verwend«! mau LiebigS Fleischertrakt richtig wie verkleinert man durch ihu dasHaushaltuugSbudget?*)

Eine Plauderei aus bet Küche.

Die Theilnahme an dem Emporkommen eine« KindeS bet Neuzeit, welches demnächst fast ebenso große Segnungen zu verbreiten bestimmt zu sein scheint, wie Nähmaschine, Sparheerd und Waschapparat, bewegt mich, zur Feder zu greifen und ein Wort der Ausklärung über das kaum Ge­kannte und gleich viel Verkannte zu sagen. Ich will je­doch sofort die Bemerkung vorausschicken, daß das Kind richtig behandelt sein will. Nicht jegliche Hausfrau weiß damit umzuzehen; Jede aber, die es zu nehmen wußte, ist seines Lobes voll, denn man kann damit bei rationellem Gebrauch ganz außerordentlich bedeutende Ersparungen im HauSstandS-Budget erzielen, un^die« ist in jetzigen theuten Zeiten eine Lebensfrage für manche Familie.

Auf Widerspruch seitens einigem meinet Leserinnen bin ich gefaßt; zum Glück befinde ich mich in der Lage, das Gesagte durch Thatsachen und Zahlen mit mathematischer

*) Aus feem „Daheim-Kalender" für 1875.