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Är. 88.

Marburg, Freitag, 14. April 1876.

XL Z-hlMg.

ObrrheUiht Jntung

Nnzergen nimmt entgegen: di. Spedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dickich & Co. m Saffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Hassenstein & Vogler in Krankfurl a. M, Berlin, Lew- 5g, Cöln rc; Rudolf Moste

Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expeditton d. Blatte», sowie ine Annoncen-Bureaux von S L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ♦ meiner in Berlin; Carl Schüß-

ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

'«jxj., tfiatiaußer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS GonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresten werden 25 Pfg. berechnet.

Die Lage der katholischen Kirche in Europa

DaS Hauptblatt der ultramontanen Partei in Preußen, die .Germania«, entwirft in der letzten Wochenschau ein «chr trübes Bild von der augenblicklichen Lage und den nächsten Aussichten der römischen Kirche in säst allen 6t8©ei* Kamps gegen die Kirche in den eigenthümlichen Formen, welche er in Deutschland angenommen und welche ihm die Bezeichnung als „deutschen Kulturkampfes« er­worben habe, nehme weitere Dimensionen an und könne möglicher Weise die ganze Erde, so weit sie von Kindern der Kirche bewohnt ist, umspannen.

Die „Germania" meint in ihrer verblendeten Auffasiung die bedrohliche Wendung vor Allem dem mächtigen Ein- stufte de« Fürsten von Bismarck zuschreiben zu müssen.

Der deutsche Staatsmann, welcher, wie sie sagt, die Kirche der Staatsgewalt zu unterwerfen unternommen habe, und an diese seine Aufgabe die ganze Kraft feines vielge­wandten Geistes und die gewaltigste materielle Macht fetze, die zeitweilig auf Erden vorhanden fei, habe sich von An­fang an nicht verhehlt, daß das Gebiet des neuen deutschen Reiches ein zu beschränkter Plan sei, um auf demselben eine Anstalt von universalem, die Welt umfaftendem Cha­rakter erfolgreich zu bekämpfen; — feine Bemühungen seien darum eifrig darauf gerichtet gewesen, die Regierungen der anderen Staaten zum Anschlüsse an seine Politik zu be­wegen. Lange Zeit habe er kein Glück mit diesen Bestre­bungen gehabt. Die jämmtlichen Kabinette Eutopa's, — mit alleiniger Ausnahme der kleinen Schweiz — hätten die Aufforderungen von Berlin abgelehnt, wenn auch nur aus Gründen der Politik, zumeist wohl um der über­mächtigen deutschen Regierung nicht zu Diensten zu sein. Nur einige überseeische Staaten verfolgten zunächst eine der deutschen entsprechende Kirchenpolitik, nämlich die Re publiken Mittel- und Südamerikas und eine Zeit lang der einzige monarchische Staat der anderen Hemisphäre, Bra filien. Der deutschen Politik aber mußte vor Allem daraus ankomme», die Regierungen Europas für ihren „Kultur­kampf" zu gewinnen. In dieser Richtung haben sie nun neuerdings einige Erfolge zu verzeichnen.

Das ultramontane Blatt weist zunächst auf den jüng­sten Ministerwechsel in Italien hin, aus welchem möglicher- weise größere Bedrängniß als bisher für den Papst er­wachsen werde und in welchem vermeintlich ein Erfolg der deutschen Politik zu erblicken sei. Daß seitens derselben Ernstes und Tiefgreifendes in Rom geplant werde, das glaubt die „Germania" nicht bloS aus der vor einiger Zeit erfolgten Reise deS „bismarckfreundlichen" Kardinals Prinz Hohenlohe nach Rom und aus der kürzlichen Her- überkunft des Botschafters Keudell nach Berlin, sondern

Die vewshntarkeit »er Planeten.

Bon Otto Ule.

(Schluß.)

Im Himalaya beobachtete der Botaniker Hugh im December um 9 Uhr Morgens in der Sonne + 44 o R, im Schalten — 4,5 v, und dies war nur eine Folge der dünnen Luft, welche die Sonnenstrahlen nicht mehr genü­gend zerstreuen konnte. Auf dem Merkur, wo die Atmo­sphäre ganz fehlt, wird daher das Quecksilber des Thermo Meters am Tage bis zum Sieden erhitzt werden, in der Rächt erstarren und gleiche Temperaturcontraste werden sogar am Tage selbst unmittelbar neben einander an sonnen bestrahlten und beschatteten Stellen austreten, wie ja auch unerträgliche Helle mit schwarzem Dunkel wechseln muß Aus dem Merkur fehlt es also gerade so an allen Bedin Bungen organischen Lebens in unserem Sinne, wie auf dem ihm ähnlichen Monde.

Bester gestalten sich die Berhältniste auf der BenuS. Der Planet selbst ist an Größe und Maste unserer Erde fast gleich und sein Tag von dem unserigen nur um 35 Minuten verschieden. Er empfängt sogar l7/g mal so viel Wärme und Licht als unsere Erde, so daß auf der BenuS in einer Breite, die etwa der von Neapel bei uns ent fprechen würde, eine Sonnenwärme wie an unferm Aequa- ior herrschen muß. Die BenuS besitzt auch nach allen Beobachtungen, namentlich aus ihrem nebelartig verschwom menen Aussehen und aus der Abnahme ihres LichteS, wenn Re uns als Sichel erscheint, zu schließe», eine Atmosphäre, •tob Secchi behauptet sogar, daß diese mindestens l1/« mal k viel lichtbrechenke Kraft haben müsse als die unserige, beider wissen wir über die Neigung ihre« AequatorS zu ihrer Bahnebene, wodurch bekanntlich der Wechsel der Jahreszeiten bedingt ist, noch nichts GewisteS. Wenn aber

sogar aus der Anwesenheit deS (aus Gesundheitsrücksichten in Italien verweilenden) FeldmarschallS Grafen Moltke in Rom folgern zu dürfen.

Einen anderen Bundesgenossen habe Fürst Bismarck in jüngster Zeit in der neuen Regierung Frankreichs ge­wonnen. Bisher habe dieses Land sich von dem Banne, in welchem eS durch feine Niederlagen in dem letzten Kriege verfallen, durch die Rückkehr unter die Zucht der Kirche zu lösen gesucht, und dieser glücklichen Richtung verdanke es eine alle Welt überraschende schnelle Erholung von den Wunden und Leiden der Invasion und ihrer Folgen. Durch die letzten Wahlen aber hätten in der Abgeordnetenkammer Elemente die Majorität erhalten, welche nur zu sehr Willens seien, die in ihre Hände gelegte Gewalt zur Niedertretung der Kirche zu benutzen. Und die in Folge dieser Wahlen neu gebildete Regierung verkenne so sehr ihre Aufgabe, datz sie sogar die Leitung der unglücklichen kirchenfeindlichen Strömung übernehme.

Diese Wandelung in Frankreich könne nicht ohne Ein fluß auf daS benachbarte Belgien bleiben. Der „Liberalis­mus" befinde sich hier nicht bloS in einer sehr starken Minderheit, die an sich schon der katholischen Majorität Schwierigkeiten zu bereiten geeignet sei, sondern die höchste Stelle deS Landes selbst neige sich den „liberalen" An schauungen in beklagcnswerther Weise zu. So werde eö nicht überraschen dürfen, wen» auch in Belgien in nicht zu langer Frist das katholisch - konservative Ministerium einem kirchlich und politisch „liberalen" den Platz räume und der Kulturkampf in Hellen Flammen aufiodere, dem deutschen Reichskanzler zu neuem Triumphe.

Ebenso sei zu befürchten, daß auf die Dauer Holland „den Mahnungen Deutschlands, mit ihm gemeinsame Sache gegen die Kirche zu machen, nicht widerstehen werde."

Spaniens gegenwärtige Regierung sci eine Schöpfung Bismarcks, und eS liege in der Natur der Sache, daß das Werk den Charakter seines Meisters wiederspiegele. So werde auch die dort herrschende Gewalt nicht im Frieden mit der Kirche leben können.

Des Anschlusses Rußlands an den deutschen „Kultur­kampf" bedürfe es bei der Behandlung, welche die katho­lische Kirche bisher schon dort erfahre, nicht.

Nur in England feien bisher alle Versuche, eine Theil- nähme für die deutsche Kirchenpolitik zu wecken, gescheitert.

Aber, wenn auch an der Hoffnung, daß sich England an dem Kampfe nicht beteiligen werde, festgehalten werden möge, so muffe man doch fürchten, daß die anderen euro­päischen Staaten der Reihe nach sich der neuesten Politik anschlösten, und man müsse auf Jahre hinaus schwerer Leiden in und mit der Kirche gewärtig fein.

So die Darstellung der thatsächlichen Lage in dem ultramontanen Blatte. In dem Artikel ist ferner auSdrück­

die Angabe Schröters richtig wäre, daß diese Neigung 72° betrage, so würden damit alle sonst einer Bewohnbar kett deS Planeten so günstigen Verhältnifte wieder völlig bedeutungslos. Es würde dann nur noch Sommer und Winter aus der Benus geben und diese würden fast überall Temperaturcontrckste zeigen, wie sie bei uns nur Pol und Aequator barbieten. Thiere und Pflanzen, wie die unserigen, würden bei so starken Temperaturwechseln trotz der vor­handenen Atmosphäre schwerlich bestehen können.

Am günstigsten für die Entwickelung eines dem unse­rigen ähnlichen organischen Lebens sind die Verhältnifte auf dem Mars. Er ist zwar nur etwa halb so groß als unsere Erde und empfängt auch nut halb so viel Licht und Wärme von der Sonne; seine Bahn ist auch etwas excentrischer wie die der Erde und die Neigung seines Aequa- tors gegen dieselbe etwas größer, so baß bie Wenbekreise hier in etwas höhere Breiten hinaufgehen und bie Jahres­zeiten etwas entliehener auSg-prägt sinb als bei uns. Aber im Ganzen erinnert boch alles, was man von seiner Oberfläche weiß, bie atmosphärische Hülle, die Wolken, die von Zeit zu Zeit darüber hinschweben, die Schneefläche» an den Polen, die sich je »ach den Jahreszeiten regelmäßig verkleinern und vergrößern, die Gestaltung von Land und Meeresflächen, an unsere irdischen Verhältnisse, so daß wir hier nicht zweifeln können, daß die Bedingungen für die Existenz ähnliche Organismen, wie die unserigen, gegeben sind.

Wenig Hoffnung haben wir, auf den von der Sonne weiter entfernten Planeten geeignete Stätten des Lebens zu finden. Alle diese durch ihre riefige Größe ausgezeichneten Planeten haben zwar eine Atmosphäre, wenn auch nicht alle eine so dichte und wvlkenreiche, wie der Jupiter. Aber alle find auch zugleich von einer auß-rordentlichen Trocken­heit, so daß die Dichtigkeit deS Jupiters die des WafterS nut wenig übertrifft, bie deö Saturn sogar noch unter bet«

lich betont, baß es auch in dieser Zeit Gottes Absicht zu fein scheine, zu zeigen, wie wenig auf menschliche Kraft, menschliche Klugheit und menschliche Einrichtungen zu bauen sei und daß die hoffnungsreichen Erwartungen auf eine Abwendung der Trübsal dieser Tage, welche sich auf etwaS Anderes, als die Barmherzigkeit Gottes richten, sich al« eitel erweisen; — es bleibe daS Vertrauen auf Rettung, wenn Seine Zeit gekommen sein werde. Nach menschlichem Ermessen aber scheine diese Zeit noch fern zu sein

Diese Kundgebung der „Germania" steht nach Inhalt und Ton im entschiedensten Gegensätze zu der Siegeszuver­sicht, welche die gefammte ultramontane Presse noch vor wenigen Monaten zur Schau trug: eS ist ein erstes bedeut­sames Anzeichen, daß man sich in den leitenden katholischen Kreisen der Erkenntniß der thatsächlichen Entwickelung nicht mehr durchaus verschließt.

Je ernster aber die Betrachtungen in dieser Beziehung werden, desto mehr wird man hoffentlich von dem Jrrthum zurückkommen, als seien die Gefahren, welche der katho­lischen Kirche eben in allen Staaten drohen, daS Werk einer vermeintlich kirchenfeindlichen deutschen Politik; — vielmehr dürste die Erkenntniß immer klarer werden, daß in jenen allseitigen Gefahren lediglich die Folgen des Va- ticanischen CvncilS heivortreten, wie sie nicht bloS für Deutschland, sondern für alle Länder der Welt von den frömmsten Bischöfen und von den der Kirche ergebensten Regierungen als unvermeidlich vorausgefehen und während des CvncilS selbst warnend vorhergesagt worden waren.

Aus der Verkündigung von Grundsätzen, „welche nir­gends im christlichen Europa zugelassen und anerkannt sind," und durch welche „ein verderblicher Widerstreit zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und der Kirche geschaffen worden ist," — mußten nach und nach in allen Staaten die schwersten Verwickelungen für die Kirche entstehen; die deutsche Politik hat in dieser Beziehung nur zuerst mit Klarheit und Ent­schiedenheit die staatlichen Gesichtspunkte vertreten, welche schließlich jede Regierung zu Derzeitigen genöthigt ist, wenn sie nicht der absoluten Unterordnung unter die kirchliche Souveränetät verfallen will.

Wie aber die Wirren, unter denen die Kirche leidet, nicht durch die staatliche Politik, sondern durch die Stellung und Politik deS römischen Stuhls seit dem Vatikanischen Concil herausbeschworen worden sind, so liegt e« auch vor Allem in der Hand Roms, der fortschreitenden Zerrüttung ein Ziel zu setzen. Vielleicht führt die erwachende Erkennt- niß der wirklichen Lage und allseitigen Gefährdung der Kirche dazu, daß man endlich von der Verfolgung des ver- hängnißvollen Weges abläßt. (Pr.-Corr.)

selben bleibt. Das würde freilich der Bewohnbarkeit dieser Planeten noch nicht entgegenstehen und manche Umstände würden dieselbe sogar begünstigen. Dahin gehört nament» lich die Kürze der Tage, die auf dem Jupiter nur 9 Stun­den 55 Min., auf dem Uranus sogar nach Mädler's An­gabe nur etwas über 7 Stunden währen. In Folge der geringen Neigung seines AequatorS gegen seine Bahn könnte der Jupiter sogar einen Vorzug vor unserer Erde verdienen. Denn der Wechsel der Jahreszeiten fehlt hier fast ganz, überall herrscht ein ewiger Frühling. Aber dieser Frühling hat nichts Verlockendes; denn der Jupiter empfängt nur i/$7 so viel Wärme und Licht als unsere Erde und auf seinem Aequator sogar kann keine größere Wärme herrsche», als auf unserer Erde unter dem 86. Breitegrade in der I eisigen Region der Pole. Dazu kommt, daß der Jupiter sich nach der Ansicht Zöllners wahrscheinlich noch in einem glühendflüssigen Zustande befindet. Auf dem Saturn wird das Leben vollends durch die ungünstige Neigung des AequatorS zur Bahn unmöglich gemacht, durch welche außer­ordentliche Unterschiede der Jahreszeiten bedingt werden, wie sie irdische lebende Wesen nicht zu ertragen vermöchten. Erwägen wir nun überdies, daß der Saturn nur noch den 90. Theil, der Uranus den 373 , der Neptun sogar nur den 900. Theil des Lichtes und der Wärme von der Sonne empfängt, deren sich unsere Erde erfreut, so werden wir eS wohl aufgtben müssen, ein dem irdischen ähnliche« Leben auf jenen Welten zu finden.

So gibt eS denn wenige Stätten im Bereiche unsere« Planetensystems, die in ähnlichem Sinne bewohnbar sind, wie unsere Erde. Der tiefe Denker Kant sagt, e« fei eben auch nicht nolhwendig, daß alle Planeten bewohnt seien. Aber er setzt hinzu, mit Befriedigung könne man vermuthen, daß, wenn ein Planet auch jetzt unbewohnt sei, et doch dereinst werde bewohnt werben, wenn die Periode seiner