Sr. 87.
Marburg, Donnerstag, 13. April 1876.
XL Mw
n statt i< ®e, Haltige rden, fentlich [633 'tneral:
tuug, h Hrn. »Hain lllach,
die
1 :4
igen, SS zu
:in [2772
irkt.
। obtt welch! rbeitfli uerndk
aser, 15. ■
>en er- i, wird
»st,
V__
blirttf
et z» voll< [865
»affe!
7«.
ro.
. 10',,
52,.r
flnietgen nimmt entgegen: Me GmMtion d. Matte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co «, Saffet und Hannover; Ly. Dietrich in Frankfurt a. M-; S" 'tein & Vogler tn ria.M, Berlin.Leip. In k; Rudolf Moste in'Serlin, Frankfurt a. M. rc.
OKrhcMc Jrilimg.
Anzeigen nimmt entgegen: dir «chrditton d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Stete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sß Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht.
Die in Berlin tagende Reichs Cholera-Kommission hat ihre Berathungcn am Momag geschlosien. Wie wir er- ^hren, beschränkten sich dieselben darauf, das Material zu fichten, welches in Folge der jüngst in Deutschland herrschenden Choleraepidemien während der Jahre 1873 und 1874 von den auswärtigen Mitgliedern der Kommission gesammelt worden war, um daraus dasjenige, was als Unterlage zu späteren Schlußfolgerungen dienen konnte, zu entnehmen und für eine weitere Verbreitung durch den Druck vorzubereiten.
Die Grundbuchämter sind mehrfach von der Annahme ausgegangen, daß auch bei einfachen AufiassungSverhand- lungen zwischen Theilnehmern an einer Erbschaft, oder zwischen Ascendenten und Desceudenten, ohne Weiteres die eine Steuerbefreiung bezw. Erleichterung gewährenden Be stimmungen der Kabinetsordre vom 21. Juni 1844 und des Gesetzes vom 22. Juli 1861. Der Justizminister hat die Grunrbuchämter daraus ausmerksam gemacht, daß die den Ansatz deS KauswerthstempelS ausschließenden bezw. beschränkenden gesetzlichen Bestimmungen lediglich da zur Anwendung gelangen, wo die zwischen Theilnehmern an einer Erbschaft zum Zweck der Theilung der zu letzterer gehörigen Gegenstände abgeschlosienen Kauf- oder Tauschverhandlungen resp. die UtbertragSverträge zwischen Ascen- denlen beurkundet worden sind, und daß, sobald dies bei Auflasiungsfällen der gedachten Art weder in einer dem Grundbuchamte sogleich oder innerhalb einer erbetenen Frist vorgelegten förmlichen Urkunde, noch in einem bei Gelegenheit der Auflassung selbst errichteten bezw. in das AuflassungS- protvkoÜ mit aufgenommenen Akt der freiwilligen Gerichtsbarkeit geschehen ist, der Ansatz deS vollen Werthstempels für die AufiasiungSerklärung erfolgen muß. Zugleich hat der Justizminister darauf hingewiesen, wie eS hiernach im Interesse der Betheiligten und zur Vermeidung einer vom Gesetze nicht beabsichtigten vermehrten Heranziehung der materiellen Rechtsgeschäfte zur Besteuerung geboten ist, daß durch die Grundbuchämter in allen Fällen, in welchen eine über daS der AnflassungSerklärung zu Grunde liegende Veräußerungsgeschäft errichtete Urkunde gänzlich odertheilweise von dem Werihstempel befreit sein würde, dem Betheiligten zugleich die Folgen bemerklich zu machen sind, welche ein Unterlasten der Beurkundung deS getroffenen Abkommens nach sich zieht.
Die katholische Presse zählt nach einer neueren Auf- stellung in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz 301 periodische Schriften katholischer Tendenz, mit Einschluß der religiösen Preste. Allein in Rheinland und Westfalen
hat die ultramontane Partei 43, meist kleinere politische Organe, in Schlesien 5, in Hannover 7, in Hessen-Darm stadt 4, in Bayern 29, in Baden 8, darunter 5 täglich erscheinende, 11 dreimal in der Woche, 5 zweimal und 6 einmal erscheinende. Daneben hat sie ihre großen politischen Organe, wie die „Germania", die „Kölnische Volkszeitung," die „Neue Augsburger Zeitung", der „Bayerische Courier", das wöchentlich erscheinende „Mainzer Wochenblatt". Ebenso bestehen besondere Broschürenferien und Unterhaltungsblätter in dieser Richtung.
Das eidgenössische Militärdcpartcment ist gegenwärtig mit den Vorarbeiten zur Aufstellung eines allgemeinen Mobilmachungsplanes beschäftigt und hat kürzlich dieserhalb die Kantone zur Berichterstattung über die ihrerseits für die Zusammenberufung der Truppen 'unb den Uebergang auf den Kriegsfuß getroffenen Maßregeln aufgefordert. Auf allen Gebieten des eidgcnöstischen Militärwesens herrscht große Regsamkeit, namentlich geschieht sehr viel mehr als früher für die Instruktion der Chargen und die Ausbildung der Mannschaft. Der Bundesrath hat sich unlängst dafür entschieden, innerhalb jedes der acht Divisionsbezirke ein permanentes Militäretablistement zu errichten, in welchem die Ausbildung der Ersatzmannschaften der Infanterie statt- fiiden soll. Auch für die Felddienstübungen geeignetes Terrain soll in der Nähe des ExercierplatzeS oder der Kaserne gegen mäßige Entschädigung zur Verfügung stehen.
Deutsches «eich.
•» Berlin, 9. April. Im Reichskanzleramt wird bekanntlich ein Gesetzentwurf vorbereitet, welche das Apotheken wesen regeln soll. Es hat sich hierbei die Nothwendigkeit herausgestellt, über die Verbreitung der Apotheken in Deutsch land genaue Kenntniß zu erhalten. Der CultuSminister Dr. Falk hat in Folge dessen die Provinzialbehörden angewiesen, hier eine nach angeordnetem Schema zusammengestellte Ueberstcht über die Apothekenverhältnisse in den einzelnen Provinzen einzureichen. — AuS der Bemerkung der „Provinzial-Eorresp." über die große Zahl der noch zu erledigenden Gesetze hat man den Schluß gezogen, daß die Regierung beabsichtige, einen Theil der Vorlagen zurück- zuzieheen. Dieses ist jedoch nicht der Fall; die Regierung legt den größten Werth auf die Fertigstellung der Vorlagen und namentlich auf die der Berathung unterbreiteten Re formgefetze im Gebiete der KreiSordnung. Alle die Aeuße- rungen, welche die Regierung durch ihre Commistarien in den Commissionen hat machen lasten, bestätigen eine solche Hoffnung. — Die „Germania" constatirte Sonntag in ihrer Wochenschau, daß allem Anschein nach der kirchen
Die Bewohnbarkeit der Planeten.
Von Otto Ule.
(Fortsetzung)
Ohne Licht, wie eS wenigstens von unser« Sehorganen empfunden wird, vermögen nur wenige Pflanzen und Thiere, die man in tiefen Höhlen gesunden hat, zu bestehen. Ohne Luft stirbt jeder Organismus, auch der Fisch im Master, wenn diesem die Luft entzogen wird. Ohne flüssiges Master würde ebenso jede» lebende Wesen mit der Zeit zu Grunde zehen und selbst in den großen MeereSliefen, in denen die Temperatur bisweilen um mehrere Grade unter den Gefrierpunkt sinkt, würden die zahllosen Diatomeen, Forami- uifeten, Seesterne rc. nicht existiren können, wenn der gewaltige Druck das Master nicht flüssig erhielte. So ist das Leben bei un8 auf Erden unabänderlich in gewiste Grenzen eingeengt und wenn Kant sagt, daß sich die Or- Mismen den veränderten Bedingungen anbequemen können unb baß daS Leben daher wohl ein ewiges sein könne, so sehen wir auf der Erde doch keine Beweise dafür. Der brennende Sand der wasterlosen Sahara, wie die verdünnte, ‘ifigc Luft der Hochgebirge setzt dem Leben heute noch so fr enge Grenzen, wie vor Jahrtausenden; die Organismen faben dies Terrain nicht durch Gewöhnung erobert.
Mir wollen nun zujehen, in wie weit wir diese Bedingungen deS Lebens auf den Welten unseres Sonnen- Wems wiederfinden. Wir wollen dabei den Mond ganz wrs dem Spiele lasten. Jeder, der Jules Berne's „Reise Um den Mond" gelesen hat, weiß ja, daß dort oben keine frlnosphfire, also auch kein Master vorhanden ist, und daß 'rdisches Leben dort keine Stätte findet. Aber wie steht $ mit der Sonne selbst, dieser Lebensspenderin für unsere »bische Welt? Durch photometrische und spektroskopische Beobachtungen hat Zöllner für die Obeiflä^e der Sonne
Temperatur von 13230° C., der berühmte Astronom decchi in Rom sogar eine Temperatur von 133780° ge- fruden. Die Sonne b.findet sich noch in einem glühend
flüssigen Zustande, von einer Atmosphäre glühender Gase umgeben. Dieser ungeheure Weltkörper, der an Maste alle seine Planeten sammt ihren Monden um das 740fache übertrifft, der allen diesen untergeordneten Welten Licht und Wärme spendet, die alles organische Leben bei uns auf Erden wecken, dieser ungeheure Ball kann nach unfern Be griffen nicht bewohnt sein, so wenig es die Erde einst war, als sie sich in einem ähnlichen glühenden Zustande befand.
Wenn wir uns jetzt zu den Planeten wenden, so begegnen wir gleich bei dem sonnennächsten, dem Merkur, sehr ungünstigen Verhältnisten. Seine Bahn um die Sonne ist außerordentlich excentrisch, so daß er in seiner größten Nähe nur 6 Millionen, in seiner größten Ferne aber 10 Millionen Meilen von der Sonne entfernt ist und darum das eine Mal IOV2, das andere Mal nur 2 mal so viel Wärme und Licht als unsere Erde empfängt. Schon dadurch müsten außerordentliche Temperaturgegensätze in dem kurzen, nur 88 unserer Tage währenden Merkursjahr her beigesührt werden. Dazu kommt nun noch der Mangel jeder für uns erkennbaren Atmosphäre. Diese Atmosphäre ist es aber, die bei uns auf Erden sowohl das Eindringen der Sonnenstrahlen als ihr Entweichen, ihre Rückstrahlung, verlangsamt und eine gleichmäßigere Vertheilung von Wärme und Licht bewirkt. Aus hohen Bergen, wo die Atmosphäre bereits beträchtlich dünner ist, finden wir die Dinge ganz anders.
«Fortsetzung folgt.)
Ei« nächtliches Abenteuer.
Mitgetheilt von C. Doll in New-Aork.
(Schluß.)
Man kann es nicht leugnen, daß unsere Mädchen das nicht verstehen, was man Haushalten, Wirthschaften nennt. Gewiß giebt eS manche Ausnahmen von dieser Regel, aber diese Ausnahmen bestätigen auch in diesem Falle nur die Regel. Die meisten jungen Mädchen haben es in der
politische Kampf in allen Ländern ungünstig für die Cleri- kalen ausfalle. Allerdings wirst das katholische Blatt der Regierung Deutschlands die Schuld an diesem Verhältniß zu ohne sich einzugestehen, daß dieser jKamps nur in Folge der übermütigen Haltung der Hierarchie entstehen mußte. — Es wird darüber Klage geführt, daß die Ausstellungsgegenstände für die Weltausstellung im nächsten Monat zu Philadelphia noch sehr spärlich eingehen und somit die Eröffnung ein unfertiges Bild zeigen werde. — ES ist auch neuerdings noch nicht bestimmt, ob der Kaiser nach Coburg zur Begrüßung der Königin von England reisen wird.
Coburg, 10. April. Die Königin Victoria und die Prinzessin Beatrix von England sind heute Abend hier eingetroffen.
Darmstadt, 10. April. Den Ständen ist eine Vorlage der Regierung wegen Erweiterung der ungenügend gewordenen Räume deS hiesigen Main-Neckar-Bahnhofs zugegaugen. Die Kosten sind auf etwa 60,000 Mk. veranschlagt. (H. V.-Bl.)
Karlsruhe, 11. April. Bei der von der zweiten Kammer vorgenommenen Wahl eines Präsidenten an Stelle des wegen Krankheit,'zurückgetretenen Präsidenten KirSner wurde Lamey gewählt. Die nächste Sitzung findet am 24. April statt.
Stuttgart, 8. April. Die Nachricht wird bestätigt, daß im September d. I. der Kaiser unser Land besuchen und Truppenschau zwischen hier und Ludwigsburg halten wird. Der Besuch deS Kaisers erfolgt — wie der „K. Z." geschrieben wird — auf ausdrückliche Einladung des Königs von Würtemberg. Die Truppenübungen, welche in Oberschwaben hätten gehalten werden sollen, »erben in hiesiger Nähe stattfinden. Die Königlichen Schlöffer hier und in Ludwigsburg werden den Kaiser und sein Gefolge aufnehmen. Das würtembergische ArmeecorpS soll in einer Stärke von 25,000 Mann zusammengezogen werden. Die Freude ist hier groß und allgemein, daß wir den Kaiserlichen Herrn im Lande sehen und begrüßen werden. Wer sich der begeisterten und herzlichen Ausnahme erinnert, welche der deutsche Kronprinz nun schon mehrfach in Würtemberg gesunden hat, wird sich denken können, welcher Jubel den Kaiser erwartet, der in seiner Hauptstadt Berlin nicht populärer sein kann al« er eS hier im Schwabenlande ist. — Die Kammer hat sich gestern bis zum 24. April vertagt.
A«Sl««d.
Wie«, 9. April. Wenn die Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen den österreichischen und ungarischen Ministern wegen Ernennung deS Zoll- und Handelsbündniffes Kunst deS GeldauSgebenS bis zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Geld zu verdienen verstehen verhältniß. mäßig nur Wenige, das Geld zusammen zu halten, das haben unter all' unseren Mädchen nut äußerst Wenige gelernt. Und daS wiffen unsere jungen Männer sehr wohl und deßhalb scheuen sie sich vor der Ehe, wie vor dem Feuer. Freilich sind nicht alle jungen Männer so scheu. Die Gegensätze berühren sich bekanntlich und so werden auch andererseits in diesem Lande Ehen mit einem Leichtsinne geschloffen, von welchem man in Deutschland z. B. keine Ahnung hat. Ein junger Mann und ein junges Mädchen lernen sich zufällig irgendwo, vielleicht in einer Gesellschaft, auf einem Balle, einer Land- oder Waffer- Parthie, oder gar in einem Straßeneisenbahnwagen kennen, finden an einander Gefallen und sind „Knall und Fall" so in einander verliebt, daß sie nicht mehr ohne einander leben zu können, überzeugt sind, und deßhalb einander zu heirathen beschließen — und zwar ohne langes Zögern. Eins kennt zwar weder das Vorleben, noch den Charakter, noch die Verhällniffe des Andern — aber was thut das? — das findet sich Alles später, dazu hat man ja immer noch Zeit, deßwegen braucht man sich kein graues Haar wachsen zu laffen. Wie sollten auch junge Leute, die kaum den Kinderschuhen entwachsen sind, an derartige Dinge denken! Ihnen liegt ja nur einzig und allein daran, das heißersehnte Ziel zu erreichen, gleichviel auf welche Weife, und da eS in diesem „Lande der Freiheit" weder an Geistlichen noch an Richtern fehlt, die es nicht für eine Nichtswürdigkeit halten, solche junge Leute, die „noch nicht trocken hinter den Ohren sind", selbst ohne die Zustimmung ihrer Eltern oder Vormünder zu verheirathen, so ist ein solcher „Bund für die Ewigkeit" geschlosien. Diese „Ewigkeit" ist aber in der Regel von sehr kurzer Dauer, — wie wir in mehreren Fällen gesehen haben, währt fie mitunter nicht länger als eine einzige Nacht — unb die jungen Leute trennen fich bann wieder und thun so, als «b gar nichts