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Är. 86. - Marburg, Mittwoch, 12. April 1876.
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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux oon Th. Dietrich & Co. in «kaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S‘ lein & Vogler in rt a. M, Berlin, Leip- !n m ; Rudolf Masse .«'Berlin, Frankfurt a. M. ic.
OiicrheUliit Zeitung.
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Lage-bericht.
Die »Rordd. Allgem. Ztg." ist in der Lage, bestätigen jii können, daß die Existenz des von Dresdener Journalen erwähnten, bei der früheren Vorberachung dcS ReichScisen- bahngesctzkS den sächsischen Commisiarien als Direction mitgegebenen, angeblich verschiedenen deutschen Regierungen, auch dem preußischen Handelsminister vertraulich mitge- »heilten Schriftstückes eist jetzt durch die Presie zur Kenntniß der betheiltglen Reichsbehörden gelangt ist.
Dem Abgeordnetenhaufe ist der schon seit einiger Zeit angekündigte Gesetzentwurf betreffend den Austritt auS der jüdischen Synagogengemeinde zugegangen. Außerdem ist noch ein Gesetzentwurf betreffend die Beseitigung einzelner kirchlicher Abgaben und Leistungen sür Schul-, Cornmunal- and Armenzwecke vorgelegt.
Das Herzogthnm Lauenburg, besten bevorstehende Ein Verleihung in die preußische Monarchie zu so lebhaften unerwarteten Debatten Anlaß bot, hat sich schon einmal im Besitze Preußens besunden. Auf dem Wiener Congreste uämsich wurde Lauenburg Preußen zugesprochen, das letztere trat aber das Herzogtum gegen Neuvvrpommern, welches »vn Schweden an Dänemark eedirt war, an dieses ab, mit welchem es bis 1864 in Personalunion verbunden blieb.
Der „Agence HavaS" zufolge scheint daS gute Einvec nehmen zwischen England und Frankreich durch die jetzige Zusammenkunft von Lord Derby mit dem Herzog DecazeS befestigt zu sein. Dieselben conferirten gestern von 2 bis 4 Ähr und speisten darauf bei Lord Lyons; hier blieben die beiden Minister in vertraulicher Unterhaltung bis 10 Uhr Abends zusammen. Der Conseil Präsident Dufaure nahm ebenfalls an dem Diner Theil.
Kaiser Wilhelm hat, wie ans London berichtet wird, dem hvchwürdigen James Davis, Secretär der evangelischen Mauz, durch Vermittelung des deutschen Botschafters, Gras Münster, sein Bildniß übersandt, welches die eigenhändige Unterschrift Sr. Majestät sowie eine Widmung trägt, in welcher der Kaiser dem Jntereste, daS er für ge nannten Verein empfindet, entsprechenden Ausdruck gibt.
Zur Illustration der türkischen Zustände, welche in der letzten Zeu ein stehendes Thema in den europäischen Blättern bilden, wird uns Folgende« auS Constamiuopel mitgetheilt: Bor Kurzem starb der großherrliche Chef der Eunuchen, Talha Aga, und hinterließ ein Vermögen von 220,000 Pfd. türkisch, etwa 3,550,000 Mark. Den am ottomanischen l
Hof gültigen Gesetzen gemäß ist der Sultan selbst der Erbe dieser Hinterlastenschaft. Ter Chef der Eunuchen bezieht ein Gehalt von monatlich 60,000 Piastern (etwa 15,000 Mark) und steht bei den (Zeremonien im Palaste mit dem Grobvezier in gleichem Range. An Stelle des Verstorbenen ist sofort Djever Aga ernannt worden.
Die Reise des Schah von Persien nach Europa hat doch für sein Land mancherlei praktischen Gewinn hervorgebracht, u. A. ist das persische Postwesen vollständig re organisirt worden. Der Schah hat einen österreichischen Postbeamten an die Spitze dieser Verwaltung gestellt, und dessen Anstrengungen haben es dahin gebracht, daß seit Neujahr die Posten regelmäßig kursiven. Man kann jetzt von Teheran nach allen Punkten Europas Briefe für die einheitliche Taxe von 55 Centimes senden, welche mit neu- gebildeten persischen Briefmarken versehen sind. Innerhalb Persiens kostet jeder Brief 25 Centimes (20 Pfennige) bis zur russischen Grenze. Von da an erhalten dieselben durch die russische Post eine Marke von 30 Centimes, wie sie nach den Postvereinsabmachungen für Rußland bestimmt worden ist und laufen damit durch ganz Europa.
Deutsches Strich.
— Berlin, 9. April. Der vorhandene Osficierstand in der preußischen Armee und der in dieselbe aufgenommenen Contingentstruppen und daS Bedürfniß von Officieren im Falle eines Krieges stellt sich nach der Rangliste folgender maßen: Die Zahl der pro 1875 aufgeführten aktiven O freiere beträgt 11,198. In der preußischen Armee gilt der Modus, keine freie höhere Stelle bleibt länger als höchstens einen sRonat unbesetzt, man findet deshalb alle höheren Stellen mit wenigen Ausnahmen in ihrer etatsmäßigen Zahl vorhanden. Ein Aufsparen der frei werdenden Stellen bis zu bestimmten Avaneementsterminen, wie z. B. in der österreichischen Armee die Mai- und November - Avaneements kennt die preußische Armee nicht. Die in der Armee statt- findenden Chargenerhöhungen der Generale und StabSoffi eiere haben mit der Besetzung von freien Stellen nichts zu thun. Die hierzu gewählten Tage zeigen die Absicht des Kriegsherrn, die hervorragenden Gedenktage der Armee zu ehren und sie in derselben wach zu erhalten. ES können deshalb die Chargen bis intl. Premierlieutenant, als durch den Etat bekannt, außer Acht gelaffen werden und nur die Zahl der SecondelieulenantS als derjenigen, auS welcher die Armee das Material für die höheren Stellen schöpft, in welchen sich überhaupt die Folgen eines vermehrten ober verminderten Zugang« auSprägt, betrachtet werden. Nach dem Militäretat, welcher dem Reichstage vvrlag, rechnet man im Kriegsministerium, daß 500 Lieutenantsstellen unbesetzt bleiben werden. Wenn man andere Armeen in den Militärzeitschristen klagen hört über den Mangel an Offi-
JlluftrtrteS 6onntag6ilatt" durch die Expedition (K o ch'sche . — Jnfertioirsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.
25 Pfg. berechnet. I ...................
ciernachwuchs, so wirst sich unwillkürlich die Frage auf, zeigen sich bei uns auch schon Symptome eines ähnlichen Mangels, gehen wir neben dem schon bestehenden Unter: osficiersmangel einer noch schlimmeren Kalamität entgegen. Die Zeiten deS glänzenden Avancements, waS lange Zeit sehr anlockte, sind vorüber, bei erhöhten Anforderungen an Geist und Körper, sind die Aussichten bald in ein auskömmliches Gehalt zu gelangen, sehr gewichen, Gründe, welche man bei dem momentan herrschenden materiellen Zeitgeist für einen eingetretenen Mangel ansühren könnte. Der alte preußische Sinn, welcher in den Familien, Adel und höheren Beamten und Bürgerthum, auS welchen sich das OificiercorpS refrutirt, herrscht, liefert trotz aller zerrüttender Zeitideen alljährlich nach wie vor seine Söhne znm Eintritt in die Armee, die Lust am edlen Waffendienst ist sich gleich geblieben. Trotz deS bedeutenden Abganges, hervorgerufen durch die Nachwehen dcS letzten Feldzuges, auch ist der momentan herrschende materielle Geist nicht ohne Einfluß auf denselben gewesen, wird derselbe durch den Nachwuchs, wie nachstehende Zahlen beweisen, gedeckt. Die Zahl der SecondelieulenantS der Infanterie incl. Jäger beträgt; pro 1874 3080 Officiere, pro 1875 3048 Officiere. Die geringe Zahl von 32 weniger vorhandenen Lieutenants ist jetzt schon durch das November-Avancement gedeckt. Für den Kriegsfall bedarf die preußische Armee, außer den Offi- cierabgaben an die höheren Stäbe, wie zu den immobilen Behörden und nöthig werdenden EtappencommandoS, welche zusammen etwa 12 bis 1500 Officiere beanspruchen würden und unter Berechnung bet vorhandenen aktiven Officiere noch 10,742 Officiere. Zur Deckung dieses Bedarf» sind vorhanden: Reserveofficiere aller Chargen, da hier keine fest normirten Etats pro 1874 4399, pro 1875 4984, mithin eine Vermehrung deS Bestandes von 520; Land« wehrofficiere aller Chargen 4884. Bei der ersichtlichen bedeutenden Vermehrung der Reserveofficiere und da bie Wirkungen bet Landwehrorganisation sich naturgemäß mit jebem Jahre in den neuen Armeekorps mehr zeigen muffen, wirb es halb möglich fein, den vollen Bedarf zu decken, immerhin ist bie beutfche jetzt schon günstigct als jebe andere Armee gestellt. Auch das SamtätScorpS bedarf für den Kriegsfall, als das eigentliche Hauptfeld feinet Tätigkeit, bedeutender Completirung. Hierzu waren und find vorhanden im Refcrveverhältniß pro 1874 640 Letzte, pro 1875 742 Aerzte, im Landwehrverhältniß pro 1874 641 Aerzte, pro 1875 580 Aerzte. ; ?
Stettin, 9. April. Gestern trat der Pomrnet'sche Städtetag in außerordentlicher Sitzung hier zusammen, um Beschlüsse zu soffen in Bezug auf den Entwurf einer neuen Städteordnung. Es waren 37 Städte durch 61 Abgeordnete vertreten. Den Vorsttz führte Bürgermeister Peter» Anklam, da» Referat hatte Herr Bürgermeister Haken-
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Die Bewohnbarkeit der Plattete«.
Von Otto Ule.*)
Wenn wir in einet klaren Winternacht zum Sternenhimmel auffchauen, kommt un» unwillkürlich die Frage, »b denn alle die Taufende sichtbarer und die zahllosen Millionen nur für das Fernrohr erkennbarer oder in Nebel derfchwimmender Welten nut ein tobtet Schmuck fein können, eb unsere Erbe, dieses verschwindende Staubkorn im unendlichen All, allein bas Vorrecht besitzen kann, Wohnsitz wib Tummelplatz leber.ber Organismen, Erziehungsstätte denkender Wesen zu fein. Dichter unb Deuker aller Zeiten haben sich mit bieser Frage beschäftigt, ober nur mit Phan- tafiegebilden vermochten sie die fernen Welten zu bevölkern, »on ben Pythagoräern, denen bie Mondbewohner sünszehn- mal verständiger al» wir und mit noch einigen Sinnen »ehr begabt fein sollten, bis zum «riost, der uns in einem Thale auf d-m Monde nach unserem Tode die Jceen und Bilder aller Dinge, die uns auf Erden umgeben, wieder finden läßt, unb di» zu Bcrnarbin de St Pierre, der un» do« paradiesische Leden bet VenuSbewohner schildert. Aber sollte denn nicht bie heutige Astronomie, bie mit Hilfe be« Kernrohr» boch fo tief in bie Himmelsräume eingedrungen A, bet ba« Spektroskop sogar Kunbe von bet stofflichen Statur ferner Welten bringt, unS etwa» Besseres al« jene triume bet Philosophen unb Dichtet bieten können? Wir Rnnten allenfalls daraus verzichten, von dem Leden auf jenen fernen Fixsternen etwa« wissen zu wollen, die trof «Bet vergrößernden Kraft be« Fernrohr« nur blitzende Punkte bleiben, wenngleich sie in Wirklichkeit felbft unsere Sonne noch weit an Größe übertreffen unb von noch zahlreicheren Planeten al« sie umgeben sein mögen. Aber we- digsten« von unseren nächsten Nachbarn, von ben Genossen
*; Aus bet sehr zu empfehlenden Zeitschrift »Natur*.
unserer Erde im gemeinsamen Weltentanze, von ben Pla« neten sollten wir doch erwarten dürfen, etwas GewiffereS in Betreff ihrer Bewohntheit oder Bewohnbark-it zu erfahren. Unmittelbar freilich Bewohner dieser Welten ober nur deren Werke zu sehen, hat selbst baS Fernrohr trotz aller Vervollkommnung den Astronomen noch nicht in ben Stanb gesetzt. Den Mvnb selbst vermag bekanntlich baS beste Fernrohr nur auf etwa 170 Meilen uns nahe zu bringen, fo baß wir also auch nur darauf rechnen können, Gegenstände von 3000 — 4000 Fuß Durchmesser mit einiger Deutlichkeit auf feinet Oberfläche zu erkennen. Menschen oder auch nur menschliche Bauwerke auf dem Monde zu sehen, müssen wir jedenfalls alle Hoffnung aufgeben. Viel schlimmer noch steht eS bei den Planeten, die viele Hunderte, ja Tausende von Meilen weiter als bet Mond von un« entfernt sind. Vom Fernrohr dürfen wir also keine Aufschlüsse über eine Bewohntheit bet Welten erwarten. Gleichwohl widerstrebt es unserem Gesühl, in diesen Nachbarwelten nur Stätten ewigen TodeS zu erblicken. Von bet gesummten Wärme, welche bie Sonne ausstrahlt, empfängt unsere Erbe nur den 2,300,000,000. Theil. Sollte nur ein so verschwinbenb kleiner Theil bet Sonnen- wärme zur Erzeugung organischen Lebens verwendet werben, sollte alle übrige Wärme nutz- unb zwecklos bem Welten- raum ober tobten Planeten zuströmen?
Wenn wir also auch über bie Bewohner anderer Welten nichts erfahren können, fo bleibt boch immer noch die Frage übrig, ob und wie weit ste überhaupt bewohnbar sind. Auch habet ist e8 freilich leicht, sich in leere Träumereien zu verlieren. Wenn man sich mit Laplace dahin versteigt, das Vorhandensein von Organismen auf anderen Welten anzunehmen, die nichts mit den irdischen Lebewesen gemeinsam haben, bie anderen LebenSbebingungen unterworfen sind, aus anderen Elementen zusammengesetzt, von denen die einen
im Feuer zu leben vermögen, die anderen in einer Kälte von 600 unter dem Gefrierpunkt noch fröhlich gedeihen, bie keiner Luft unb keines Wassers bedürfen, dann wirb m m allerbingö vielleicht feinem philosophischen Bedürfniß genügt haben, aber Reellere« al« die Phantasiegebilde der Dichter hat man nicht gewonnen. Wir müssen daher unsere Frage etwa» bescheidener stellen und sie wirb nur lauten können: Sind bie Planeten nach unserer gegenwärtigen Kenntniß ihrer Naturverhältniffe für organische Wesen bewohnbar, bie ben »bischen Organismen im Wesentlichen ähnlich sind? .. ,
Um diese Frage zu beantworten, müffen wir zunächst nach den Bedingungen forschen, unter denen da« Leben auf unserer Erde möglich ist. Die wichtigsten dieser Bedingungen sind bekanntlich Wärme und Licht, Lust und Wasser. WaS die Wärme betrifft, so wissen wir, daß organische« Leben bei uns nur innerhalb gewisser enger Temperaturgrenzen möglich ist. Einzelne Pflanzen und Thiere können allerdings einen ziemlich hohen Wärmegrad vertragen. So sahen Sonnerat und Prevost den Vitex castus in Ostindien an einer Quelle von 610 und auf der Insel Luzon an einem Bache von 69 o wachsen. Grüner Rasen bekleidete die Ufer jene« Bache» unb manche Pflanzen erstreckten ihre Wurzeln weit in ba« heiße Wasser hinein, in welchem mehrere Fischarten sich tummelten. Forster fand denselben Vitex am Fuße eines Vulkan« der Insel Tanna in einem Boden von 80 o Wärme. Am Rande des GcyserS auf Island soll unser bekannter Thymus Serpyllum noch wachsen unb DeSsontaineS sand auch an ben 770 heißen Quellen von Bona in Algerien mehrere Pflanzen. Am Senegal gebeiben unb grünen nach Abanson Pflanzen, obgleich ihre Wurzeln in einem Sande stecken, dessen Tem peratur bisweilen auf 60° steigt. OScillatorien leben in den hcißen Quellen von Karlsbad und Aachen bei einer