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Mr. 89.

Marburg, Dienstag, 11. April 1876.

XI. Jahrgang.

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XÄS sowie di- Amwncen-Bureaux 'von Th. Dietrich ^Co. m gaffet und Lannsve» LH. D°-M» in Frankfurt a. M,; üaasenstcin & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip. tZ ic; Rudolf Moste 'a^Berlin, Frankfurt

OlmheMe Irilung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M. - Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JüuftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Sh Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

lUfftllUttflHi auf das zweite Quartal ffllpirUUllylU werden noch angenommen und auf Verlangen die bereits erschienen Num­mern. nachgeliefert.

rage-bericht.

Der „Reichs-Anz." enthält folgende Notiz: Bei den parlamentarischen Verhandlungen in den deutschen Landes - Vertretungen über die Eisenbahnsrage und auch in anschei­nend osfi iösen Zeitungsartikeln wurde gegenüber einem Satze in den Motiven des dem preußischen Landtage vor- grlegten Eisenbahn-Gesetzentwurfs die Versicherung ertheilt, daß man ein ReichSeisenbahngesetz wolle unv daß die Un­fruchtbarkeit der seitherigen bezüglichen Versuche noch nicht entscheidend sein könne. Abgesehen davon, daß die Vorlage der preußischen Regierung sich nicht ausschließlich oder auch nur vorzugsweise auf jenen Satz der Motive stützt, so em­pfiehlt eS sich gleichwohl, näher zu beleuchten, was es mit den Versuchen, den gedachten Satz zu entkräften, auf sich habe Die bevorstehenden Verhandlungen des preußischen Landtages werden dazu pasiende Gelegenheit bieten.

Ueber die Absicht der Reichsregierung, eine Vermehrung der Reichseinnahmen durch Uebertragung der Stempelsteuer auf das Reich herbeizuführen, schreibt man der „National, zeitung", daß über die Frage bereits zwischen den einzelnen Regierungen Unterhandlungen stattgefunden haben und daß, wie eS cheint, der Gedanke überall einer günstigen Stim »ung begegnet ist. Fraglicher ist es, ob die Absicht einer erneuten Vorlage über Besteuerung der Schlußscheine rc. gegenüber dem Widerspruch des Reichstages zur Ausfüh- rung kommen wird. Sine Wiederholung des Versuches mit Erhöhung der Brausteucr innerhalb der Norddeutschen Brausteuervereinigung war gleichfalls in Anregung gekoty men, ist aber definitiv wieder ausgegeben.

Einzelne Blätter hatten schon vor mehreren Tagen einen Bericht über die Verhandlungen der Budgetkommisston in Betreff der beiden Eisenbahnvorlagen Halle-Kassel und Halle-Sorau-Guben gebracht, während die genannte Com­mission bisher noch gar nicht in die Berathung dieser Ent­würfe eingetreten war. Trotz alledem bemhen die betreffen den Berichte doch aus Wahrheit; denn eö haben Berathungen über die Eisenbahnprojekte in den Fractionen und nament­lich in den Couloir« des Abgeordnetenhauses stattgefunden, welche die der Budgetkommission untergelegten Ansichten zu Tage förderten. Wenn indeß behauptet wird, daß die Ge­setzvorlage betreffend ZinSgarantie deS Staates ftzr die Prioritäten der Halle-Sorauer Bahn zu ernsteren Differenzen geführt habe, so dürfte diese Behauptung sich wohl nur mrf einen kleineren Kreis resp. Fraction beziehen, denn man war im Hause selbst der festen Ansicht, daß auch diese letztere Vorlage, wenn auch nur mit schwacher Majorität (man rechnet 5 bis 10 Stimmen) angenommen werden würde.

Das italienische Kriegsministerium hat nach Verein-

Hin Pariser Blumenmädchen.

Von Karl Wartenburg.

(Schluß statt Fortsetzung.)

„FrancoiS!* rief schluchzend Eugene und ergriff die schlaff herabhängende Hand des Freunde«, der von dem Arzt und den Sekundanten jetzt aus den grünen Rasen »iedergelasien wurde, „FrancoiS, vergiebl vergiebl"

Ueber FrancoiS bleiche Blicke flog ein traurige« Lächeln, erdrückte leise Eugene« Hand und flüsterte: „Vergeben? Ich habe Dir Nicht« zu vergeben, armer Eugene... denn ich . . ich,« er konnte nur noch leise sprechen, „wurde an Dir zum Verrächcr . . . aber steh, nun ist eS vorbei . . . hier,' murmelte er in flüsterndem gebrochenem Tone, die Hand des weinenden Eugene an seine Brust drückend, .hier da« rothe Blut wäscht den schwarzen Flecken ab . .. ich bin wieder Dein FrancoiS und Du mein Eugene ... etc damal« als wir noch an den grünen Ufern der Somme spielten und zusammen in die Schule gingen ... und unser Brod mit einander theilten . . . o, weißt Du e« Noch, Eugene,' und da« Gesicht de« Sterbenden verklärte sich bei dieser Erinnerung an die goldene Jugendzeit, „wie Du mit mir Dein Frühstück theiltest und durch da« Fenster in mit in die Hungerkammer krochst, in die man ... mich gesperrt. . . weil ich . . .', ein Blutstrom erstickte seine letzten Worte ... Der Arzt wendete seine ganze Kunst v>f, aber hier war sie vergeblich ... Nur noch auf Augenblicke gewann FrancoiS die Sprache wieder, er zog Sugkne's Gesicht an das [einige und küßte ihn sanft und leise, dann murmelte er noch:

barung mit dem Ministerium deS Acußeren zwei Offiziere, den Obersten Nagle und den Major Toretta zur Besich tigung der hervorragenden Waffenfabriken des Auslandes entsendet. Diese Commission hat ihren Weg zunächst nach Wien genommen und von dort aus mit Genehmigung deS Kriegsministers die große Werndl'sche Fabrik in Steher besichtigt. Die Gewehrfabrik in Stadt Steher liefert wöchent­lich 2000 Werndl-Gewehre für Oesterreich, 5000 Mauser- Gewehre sür Preußen und ändert außerdem per Woche 3000 Chaffepot-Gewehre in das System Mauser um. Auch hat dieselbe eine größere Lieferung Gewehre deS Systems Gras für Frankreich übernommen. Die Türkei und Spa­nien hat man wegen überhäufter Arbeit abweisen müssen. Von Oesterreich gehen die italienischen Offiziere nach Ruß­land und von da nach Berlin. In Berlin soll die Fabrik Loewe und in Spandau die kaiserlichen Fabriken und Etabliffements besucht werden. Auch die Maschinenfabriken in Chemnitz (Hartmann und Zimmermann) sind zur Be sichtigung in Aussicht genommen. Aus Deutschland geht die Reise nach Lüttich und von da über Ostende nach London. Ob auf der Rückreise Frankreich und Elsaß Lothringen eine Visite erhalten werden, ist noch nicht aus­gesprochen.

Die Commission zur Vorbereitung der Weltausstellung in Paris im Jahre 1878, deren Vorsitzender der Minister des AckcrSbaueS und Handels ist, h-t ihre Thätigkeit un» mittelbar nach der Vertagung der französischen Kammern begonnen; zunächst soll die Größe deS nothwendigen Bodens bestimmt und das zu bebauende Terrain selbst ausgewählt, eine allgemeine Ueberstcht über die Ausgaben aufgestellt und über die Ausführung der Bauten ein Plan entworfen wer den. ES soll sich eine Privatgesellschaft zum Bau der sämmtlichen Baulichkeiten in Regie unter der Bedingung erboten haben, daß man ihr sämmtliche Einnahmen über lasse. Die Commission hat jedoch über diesen Plan noch keinen Beschluß gefaßt und dürfte sich allem Vermuthen nach ablehnend zu demselben verhalten.

DaS deutsche Schiff „Friedrich' auS Papenburg war auf der Reise von Hamburg nach dem La Plata in der Nacht vom 14. zum 15 März d. I. an der französischen Küste in der Nähe von Boulogne gestrandet. Nur zwei von den acht Personen, welche sich auf dem Schiffe befan­den, vermochten durch Schwimmen sich an'S Land zu retten. Die Uebrigen fanden in den Wellen den Tod. Die Be­hörden der nächstbclegenen Ortschaften haben sich der Ge­retteten freundlich angenommen, bis der deutsche Consul die Fürsorge übernehmen konnte. Unter der Mitwirkung der französischen Behörden erfolgte auch die Aufsuchung der Leichen der Verunglückten, welche alsdann in der Ge meinde von Andringhem in feierlicher Weise unter Zu­ziehung deS Geistlichen auf dem Kirchhofe daselbst bestattet wurden. Die Reichsregierung hat in diesem Anlaß den Betheiligten durch Vermittelung der kaiserlichen Botschaft in Pari« ihren Dank aussprechen laffen.

Von der Reichskommisston sür die Weltausstellung in

„Eugene! ich habe noch eine Bitte . . . grüße mir,' hier hielt er seinen Mund dicht an Eugene'S Ohr als scheue er sich daS Wort laut auszusprechen, „grüße Rose Cheri sag' ihr ... sie sollte Dich immer lieb behalten .. . und mich nicht ganz vergeffen . . . Leb' wohl, Eugene, dort wieder . . Noch ein Seufzer, ein leiser Druck mit der Hand als Abschied von Eugene, und FrancoiS war nicht mehr.

Schwelgend standen die anderen Männer um den Todten und um Eugene, der sich weinend auf den Leichnam ge werfen und das bleiche Haupt an feine Brust drückte .. . Endlich erhob er sich . . . und sah sich scheu und verstört im Kreise um, dann betrachtete er sich und seine von Blut besudelten Kleider .. . Ein Schauder vor sich selbst packte seinen Körper und seine Seele und mit dem gellenden Aus ruf: „Rain!" stürzte er bewußtlos zusammen.

Die Freunde hoben ihn in den mitgebrachten Wagen und der Arzt flüsterte dem Einen zu: „Er wird Francois bald Nachfolgen, wird am Nervenfieber sterben . . . es sind alle Symptome vorhanden." *

Aber Eugene starb nicht. Seine Jugendkraft siegte über da« tödtliche, heiße Fieber, aber die Blüthe seines Lebens war abgcstreift, geknickt und gebrochen vom rauhen Sturm des Lebens... Er hoffte nichts mehr vom Leben und Alles vom Tod, der ihn wieder mit seinem FrancoiS vereinigen würde . . . Von Rose Cheri hatte er Nichts wieder gehört, er wünschte eS auch nicht und betrachtete sie gleichfalls für tobt und gestorben ... Wenige Wol en, nachdem Eugene vom Krankenbett aufgestanden, kamen die

Philadelphia wird ein amtlicher Katalog der deutschen Aussteller herausgegeben. DaS Werk, welches sich gegen­wärtig unter der Preffe befindet, erscheint in deutscher und englischer Sprache. Es enthält von jedem Aussteller: Firma oder Namen, Wohnort, kurze Angabe über die zur Schau über die zur Schau gestellten Gegenstände, Name des Agenten, kurze Angabe über Alter, Gegenstand u. s. w. des Gcwerbetriebs, die auf früheren Ausstellungen erhalte­nen Preise. Den Angaben über die Aussteller derjenigen Produktenzweige, welche zu einer gemeinsamen planmäßigen Schaustellung vereinigt sind, ist eine kurze statische Dar­stellung deö betreffenden Industriezweige« vorangeschickt.

Deutsches Reich.

--- Berlin, 8. April. Fürst Bismarck wird demnächst auf kurze Zeit nach seinen Lauenburgischen Besitzungen ver­reisen, nach Ostern jedoch wieder nach Berlin kommen, um den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die ReichS- eisenbahnvorlaze persönlich beizuwohnen. Nach Erledigung dieser Angelegenheit wird der Reichskanzler seinen Aufent­halt dauernd auf dem Lande nehmen. — Das Eintreffen des Kaisers von Rußland in Berlin, wird nunmehr mit Bestimmtheit am 9. Mai erwartet. — Der Justizausschuß des BundesratheS wird seine Berathungen längstens am 11. d. MtS. — weit früher, als ursprünglich vorgesehen war — zu Ende sördcrn. Der Ausschuß hat den Beschluß der Reichsjustiz Commission wegen Einführung der großen Schöffengerichte als unannehmbar bezeichnet. — Da« an­fänglich mit Unglauben aufgenommene Gerücht von der Abberufung des türkischen Botschafters in Berlin, Aristarchi Bey, und der Entsendung deS Edhem Pascha nach Berlin, sinket nunmehr vollinhaltlich Bestätigung. Unrichtig ist dagegen, daß Aristarchi Bey nach Konstantinopel zurück­kehren und eine hohe Stellung im Staatsdienste bekleiden werde. Aristarchi Bey vertritt die hohe Pforte bereits seit 1860 n Berlin; er ist mit einer Tochter des verstorbenen Kriegsministers von Bonin vermählt. Man vernimmt, daß ec sich ins Privatleben zurückziehen werde. Der neue Bot­schafter, Edhem Pascha, war unter Huffein Avin Pascha Minister für die öffentlichen Bauten und Quarantaine-An> gelegenheften, und prästdirte als solcher der internationalen Suez Commission. — In der Sitzung deS BundeSralheS i|t den Gesetzentwürfen wegen Abänderung des Tit. VIII. der Gewerbeordnung und die eingeschriebenen HülfSkaffen bekanntlich genehmigt worden. Ein EMrefilet der „Nordd. Allg. Ztg." macht einige Bemerkungen über das Verhalten der Presse hinsichtlich jener beiden Entwürfe. Die Ver­zögerung sei der Werthschätzung des GesitzeS über die HülfS- kafsen in der öffentlichen Meinung entschieden zu statten gekommen. Während daS Gesetz vom Reichstage berathen und angenommen wurde, sei dem Gesetze nur ein unterge­ordneter Werth beigelegt worden, man hab« sogar gemeint, daß es bester sei, Alles beim Alten zu lassen. Als später Zweifel über daS Zustandekommen des Gesetzes entstanden seien, sei plötzlich behauptet wordemdaß die beste Frucht

verhängr.ißvollen Tage des Dez mberS, in welchen der Staatsstreich [Louis Napoleons Frankreich eine neue Regierungsform gab. Auf einer der ersten Barrikaden in der Nähe deS Hotel de Ville stand ein junger bleicher Mann mit wild flatternden Locken, der, die Trikolore in der einen und einen Säbel in der andern, mit wahrer Todesverachtung dem Kartätschenhagel und dem Kftin« gewehrfeuer trotzte... Seine Kleider waren an mehreren Stellen von Kugeln durchlöchert, sein Haar von Pulver­rauch geschwärzt und er selbst mit Blut besudelt, doch noch immer stand er kühn und muthig auf der Brustwehr und ließ die Fahne lustig im Winde flattern . . . Da raffelte zum SuccurS der Truppen eine halbe Batterie von dem Greveplatz her. . . Die Signale riefen zum avanciren, die Infanterie gab noch eine Charge und dann ging die Batterie vor und ließ einen Hagel von Kartätschen gegen die Barrikade prastelu. Einen Augenblick war Alles in Feuer und Rauch eingehüllt, und man unterschied weiter Nichts als den Ruf de« Kommandeurs und die Signale des Militärs, welche« jetzt zur Attaque mit gefälltem Ba­jonett »erging . . . Sie fanden die Barrikade verlassen, nur der Fahnenträger, von zwei Kugeln in die Brust ge­troffen, war zurückgeblieben ... Da noch Leben in ihm war, wurde er mit dem einen Transport anderer Verwun­deter in das Hotel de Dieu gebracht, wo die barmherzigeu Schwestern, die soeurs grises, die atmen Verwundeten verbanden und pflegten ...

„Madeleitt'," sagte eine der Oberen zu einer jungen Schwester, die mit unermüdlicher Thätigkeit die Leidenden pflegte und die Sterbenden tröstete, „Madeleine, r« ist rin