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Mr. 83.

Marburg, Sonnabend, 8. Aprll 1876.

XI. ZhkgMg.

Anzeigen nimmt entgegen: di. GMditio« d. Blattei, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jlaffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Vogler tn Fmnkfurt o. M, Berlm^Lerp. na, Köln k ; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc-

WecheMt Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Spedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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güt tn der Expedition zu erthe.lende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. V B

QUf zweite Quartal UUUHjjlll werden noch angenommen und auf Verlangen die bereits erschienm Num- '♦ mern nachgeliefert.

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Der Reichskanzler, Fürst Bismarck, erläßt im „ReichS- Anz." folgende Bekanntmachung: Nachdem die nachstehend genannten Privat-Notenbanken, welchen laut der Anlage zu § 9 deS Bankgesetzes vom 14. März 1875 die daneben vermerkten Antheile an dem Gesammtbetrage des steuerfreien ungedeckten Notenumlaufs zustehen, nämlich: der Ritter fchaftlichen Privatbank in Pommern (Stettin) Mk. 1,222,000, der Bank des Berliner Kassenvereins Mk. 963.000, der gommunalständifchen Bank für die preußische Oberlausitz (Girlitz) Mk. 1,307,000, der Leipziger Bank Mk. 5,348,000, der Weimarifchen Bank Mk. 1,971,000, der Oldenburgi- schen Landesbank Mk. 1,881,000, der Mitteldeutschen Kre­ditbank in Meiningen Mk. 3,187,000, der Privatbank zu Gotha Mk. 1,344,000, der Anhalt-Dessauischen Landes­bank Mk. 935,000, der Thüringischen Bank (Sonders­hausen) Mk. 1,658,000, der Geraer Bank Mk. 1,651,000, der Niedersächsischen Bank (Bückeburg) Mk. 594,000, der Lübecker Privatbank Mk. 500,000 auf daS ihnen zustehende Recht zur Notenausgabe, und zwar die Bank des Berliner KasfenvereinS mit dem 31. Januar, die übrigen Banken mit oder vor dem 1. Januar d. I. rechtsgültig verzichtet haben, sind die im Ganzen auf Mk. 22,561,000 sich be laufenden Antheile dieser Banken an dem Gesammtbetrage deS steuerfreien ungedecktm Notenumlaufs nach § 9 Absatz 2 des Bankgesetzes mit den gedachten Zeitpunkten dem An- cheile der Reichsbank zuzewachsen. Dieser Antheil hat stch sonach von Mk. 250,000,000 erhöht auf Mk. 272,561,000.

Die im landwtrthschaftlichen Ministerium zusammenge- trttene Conferenz für Moorkultursragen hat am Donners­

tag ihre Thä'.igkcit geschlossen. Die Cvaferenz hat sich für

Errichtung einer agrikultur-chemischen Versuchsstation für

Moor, Sumps und Haide entschieden, welche ihren Sitz

in Bremen erhalten soll.

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Schon in der zweiten Session der gegmwättigen Legis­laturperiode hatten stch acht Gemeinden aus dem früheren Herzogthum Nassau an das Haus der Abgeordneten ge­wandt, die sich darüber beschwerten, daß ihre Gemeinden nicht zu selbstständigen Standesamtsbezirken erklärt, sondern mit andern Gemeinden zu diesem Zwecke vereinigt wären, mit der Bitte, den Petenten zu einer Selbstständigkeit in dieser Richtung zu verhelfen. ES waren die Gemeinden Rambach, Buringen, Mofsenheim, Diedenbergen, Norden- stadt, Eddersheim, Weilbach und Eschhorn. Diese Peti­

tionen kamen in der Gemeindekommission zur Berathung. Der darüber festgestellte schriftliche Bericht kam wegen Schlusses der Session nicht zur Berathung im Plenum. Den zeitig vorliegenden Petitionen der acht aufgeführten Gemeinden steht eine Petition der acht in denselben fungirenden Geist­lichen zur Seite, welche die Gesuche ihrer Gemeinden leb­haft befürworten, indem sie einzelne der hierüber angegebenen Nachtheile für die Gemelnden hervorheben und insbesondere bezeugen, daß es in allen Gemeinden an passenden Personen zur Führung des Standesamtes nicht fehle. Die Commission beschloß dem Anträge des Referenten entsprechend, an das Haus den Antrag zu richten: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Der königlichen Staatsregierung die aus der Provinz Hessen-Nassau eingegangenen Petitionen aus den Gemeinden Breckenheim, Diedenbergen, Eddersheim, Eschhorn, LorSbach, Mossenheim, Nordenstedt und Weilbach zur Abhülfe zu überweisen, sofern und soweit geeignete Per­sonen zur Führung dcS Standesamtes in den einzelnen Ge­meinden vorhanden sind.

In dem am 3. d. MtS. abgehaltenen Consistorium hat der Papst, wie wir erfahren, zwei Cardinäle (also nicht drei, wie die telegraphischen Nachrichten lauten) ernannt, nämlich den Bischof von Caloi und Teano Msgr. Barto lemeo d'Avanzo und den Jesuitenpater I. B. Franzelin; außerdem wurden in demselben Consistorium 15 vakante Bischofssitze, darunter 4 in partibus infidelium besetzt. Die meisten derselben erhielten italienische Diöcesen, beson­ders zu erwähnen ist nur Msgr. Kutschker als Erzbischof von Wien. DaS Consistorium schloß mit Uebergabe deS CardinalöringeS an den Erzbischof von Rennes, welcher den Titel der Kirche von St. Maria della Biitoria erhielt.

Deutsches Reich.

** Berlin, 6. April. Das Unwohlsein deS Kaisers, welches in starker Heiserkeit besteht, verhindert Denselben, die Reise nach Baden-Baden auch heute und morgen zu unter­nehmen. ES bleibt nunmehr überhaupt fraglich und sogar unwahrscheinlich, daß der Monarch nach Baden-Baden gehen wird. ES tritt daher di« Eventualität immer mehr in den Vordergrund, daß der Kaiser Gelegenheit finden werde, der Königin Victoria während ihres Verweilens in Koburg, den beabsichtigten Besuch abzustatten. Ein Plan, der sich mög- icherweise mit der Reife nach Wiesbaden in Verbindung bringen lassen wird. Aus dem Grunde der Unpäßlichkeit wird der Kaiser auch schwerlich seiner alten Gewohnheit, der Einsegnung der Cadetten am Palmsonntage beiwohnen zu können, Rechnung tragen können. — Herr v. Keudell ist gestern Abend, nachdem er stch verabschiedet hat, auf seinen Posten in Rom zurückgekehrt. — Die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses in der gestrigen Sitzung hat ein lebhaftes Interesse hervorgerufen, durch die Aeußerungen

des lcitenden Staatsmannes, welche derselbe gegen die kri­tischen Bemerkungen deS Abgeordneten Virchow machen mußte. Die Abfertigung gegenüber des Ausdrucks einer anSge- preßien Citrone war wohl verdient. Einige Blätter machen Fürst Bismarck den Vorwurf, daß et die Reminiscenzen der ConflictSzeit wachgerufen habe. Bei ruhiger Beurthei- lung wird zu constatiren sein, daß nicht Fürst BiSmarck die Initiative hierzu ergriffen hat, sondern daß er gewisser­maßen genöthigt worden ist, auf dieses Kapitel einzugehen. Der Fürst bewahrte den Angriffen gegenüber die äußerste Mäßigung und Ruhe, und ließ es an verbindlichen und schmeichelhaften Wendungen nicht fehlen. Er konnte mit Recht seinem parlamentarischen Gegner den Vorwurf machen, daß er nicht die vornehme Vergessenheit beobachtet habe, die er stets in Acht nehme.

Darmstadt, 4. April. Das neueste „Regierungs- Blatt" enthält eine Verordnung über die Prüfung der Aspiranten des Gymnasial- und Real - Lehramtes. Die Prüfungs-Commission wird hiernach aus Professoren der Landes-Universität und praktifchen Schulmännern ernannt. Zur Prüfung werden alle Angehörigen des deutschen Reiches zugelassen, welche die Maturitäts-Prüfung an einem Gymnasium, daS akademische Triennium absolvirt haben und sittlich unbescholten sind. Das Ministerium deS Innern ist ermächtigt, das MaturitätS-Zeugniß einer Realschule erster Ordnung für Die als ausreichend zu er­klären, welche stch eines der vier Fächer: Mathematik, Physik, Chemie, beschreibende Natur-Wissenschaften als Haup fach der Prüfung erwählt haben. Bon den Fächern, tn den an Gymnasien und Realschulen unterrichtet wird, hat jeder Aspirant eines zu seinem Hauptfach zu wählm. Die Fachprüfung erstreckt stch auf dieses und zwei Neben- fächer. — Nach Anordnung des Ministeriums des Innern werden in den Kreisblättern periodisch die Verzeichnisse derjenigen Privat Notenbanken veröffentlicht werden, deren Noten allein in Deutschland zu Zahlungen gebraucht werden dürfen. — DaS Ober-Consistorium hat eine Instruction für die Erhebung der allgemeinen evangelischen Kirchen- Steuer ertheilt. Hiernach erfolgt deren Berechnung in den Hebe Listen für die Gemeinde-Umlagen, und sie wird von dem Gemeinde-Rechner mit den übrigen Umlage-Zielen er­hoben und in den Central-Kirchenfonds etnbezahlt

München, 4. April. Der königliche Staatsminister der Justiz Dr. v. Fäustle wird in Mitte kommender Woche von Berlin zurückerwartet. In der gestern Abend abge­haltenen Sitzung des Ausschusses für den Jörg'fchen Wahl, zefetzentwi'rf gelangte man nur bis zu Art. 4. Der An­trag, den katholischen Geistlichen das Wahlrecht nicht ein­zuräumen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Dom Abg. Frhr. v. Stauffenberg wurde ein Antrag eingebracht, der u. A. bestimmt, daß nur diejenigen das Wahlrecht

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Bon Karl Wartenburg.

(Fortsetzung.)

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Eugene war zurückgeblieben; er stützte stch mit dem Arme auf die vergoldete Brüstung, die das Parket umgab, ■ob strich stch mit der Hand die blonden Locken aus der ktirn, während feine Augen dem Paare folgten, das in raschem Tanze dahinflog. Auf dem Contre war eine Gal- ivppade gefolgt, aber Frarxols und Rose Cheri waren gar nicht abgetreten, sondern hatten stch sogleich wieder den tanzenden angeschlossen. FrantzriS hatte feinen Arm fest die reizende Taille des jungen Mädchens geschlungen, < war als trage et sie mehr, ihre kleinen Füßchen berührten kaum den Fußboden. Die Musik klang immer wilder und waschender, der Tanz wurde immer feuriger, eS war eine mailiche Höllengalloppade. FrartzotS und Rose Cheri's Augen blitzten, ihre Wangen glühten und ihre Pulse flogen. Ader während dies bei Rose Cheri die Wirkung der Musik,

Tanzes, der Freude, der Aufregung in Mitten dieser don Wohlgerüchen und Parfüms aller Att durchdustetm Atmosphäre, war eS bei FranyoiS die Wirkung einer Leiden- Aaft, die er nicht mehr zu bändigen vermochte. Et liebte Ne Cheri zum Rasendwerden und vergaß in diesem Rausche Wne, feine Freundschaft, seine Schwüre, ihre gegenseitige Aufopferung, mit einem Worte, Alles, Alles, nur Rose Art nicht. Eben hatte die Galloppade geendet, die Reihen m Tanzenden listen stch auf und eS entstand jene bunte ^rwitrung, in der Niemand auf den Andern achtet, weil

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|Wt« nur mit seinem Glücke und seiner Freude beschäftigt FraryoiS benutzte diese Verwirrung und preßte im Akbermaß seiner glühenden Leidenschaft einen Kuß auf Rose wri’« weiße runde Schulter, von welcher der leichte Shaw! ^gefallen. War Rose Cheri noch so sehr von dem

Vergnügen des Tanzes berauscht ober hatte sie irgend einen andern Grund, genug, sie beachtete diese Zärtlichkeit Fran- yois nicht weitet, sondern summte aus der »La Rigolette de la Chaumiere«, diesem lustigen Liedchen Cabassols, einen VerS und hüpfte an der Hand ihres Tänzers zu Eugene, der bleich, die Hand auf die Brust gedrückt, an der Brüstung lehnte und das Paar erwartete. Rose Cherie hüpfte auf Eugene zu, schlang ihren runden Arm um feinen Nacken und flüsterte in schelmischem Tone: „Francois tanzt sehr gut, mein Freund, aber mit Dir tanze ich doch noch lieber I"

Eugene antwortete anfänglich nicht, aber et machte stch von Rose Cheri'S Arme frei und warf einen flammenden Blick auf Franyois, der ohne ein Wort zu sagen dastand und Rose Cheri mit seinen Augen fast verschlang. Endlich murmelte Eugene, indem er Rose Cheri's Hand ergriff und ste krankhaft drückte, daß das junge Mädchen fast einen Schrei ausstieß: „Wohl, FrantzviS tanzt sehr gut, aber Du wirst trotzdem nicht mehr mit ihm tanzen, denn er ist ein Ehrloser, der daS Vertrauen seines Freundes mißbraucht."

„EugeneI" rief Francois, auf seinen Freund zutretend, während dunkle Röche in seine Wangen schoß ünd seine Augen funkelten.

„Kein Wort weiter!" unterbrach ihn Eugene, „wir werden nur noch einmal mit einander sprechen . . . aber an einem Orte . . . Du brauchst Dich nicht zu verthei- digen, ich habe Alles gesehen, Alles." Francois verstummte und schlug schuldbewußt die Augen nieder.

„Aber Eugene!" rief jetzt Rose Cheri, indem sie ihre Hand auS der [einigen befreite, „was hast Du mit Francois ? was bedeuten diese drohenden Worte, diese entsetzlichen Blicke? geh, ich fürchte mich vcr Dir, ich begreife Dich nicht."

Eugene schwieg einige Augenblicke, dann sprach er mit seltsamem Tone: „Du wirst da- Alles nur zu bald be­

greifen, aber für jetzt wirst Du mit mir von hier fottgehen. daS Andere wird sich finden."

„Rose traute ihren Ohren nicht ... sie stand wie betäubt und wußte nicht, ob ste wache oder träume. Sie hatte nur daS gehört, daß ste fortgehen und nicht mehr tanzen sollte, fortgehen aus der Chaumisre, wo es noch nicht 8 Uhr war und nicht mehr tanzen, an einem Sonn­tag Abend, dem einzigen in der Woche,, wo sie tanzen konnte, das kam ihr Alles unerhört vor. Plötzlich kam ihr ein Gedanke ... Sie glaubte, Eugene scherzte und wolle seinen Spaß mit ihr treiben und in ein munteres Gelächter ausbrechend rief sie: „Ah, Francois, sehen Sie nur, was für ein drolliger Kauz Eugene ist, jetzt will er auf einmal ein gesetzter Mann werden, der schon zur Vesper mit seiner theuren Ehehälfte nach Hause wandert." In diesem Moment wurde ste von dem Orchester, welches eine Polka begann, unterbrochen, sie hielt einen Augenblick horchend inne, dann rief ste: „Meiner Treu, eine Polka, vorwärts, Francois, Eugene wird unterdessen feine Grillen los ..." und ehe Francois zur Besinnung gekommen und ehe Eugene ein Wort sprechen konnte, hatte sie ihren Tänzer beim Arm ergriffen und ihn fortgezogen ... Als nach einer halben Stunde der Tanz geendet und Rose Eugene aufsuchen wollte, war dieser verschwunden, ste sand ihn weder im Salon noch auf dm Galerien, noch im Garten ... Das lange Suchm machte ste traurig und müde. Sie wurde besorgt um Eugene und murmelte, indem sie sich zu Francois wendete:

„Mein Gott! wenn er wirklich böse gewesen und im Zorne fortgegangen wäre, mich vielleicht nicht mehr liebte o, dann würde ich sehr unglücklich fein!" und in Rose's Auge glänzte eine Thräne . . .

»Aber trotzdem würde eS noch immer Jemand ge6en, A« Sie licben und anbeten würde!" antwortete Francois,