Marburg, Mittwoch, 5. April 1876.
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XL Jahrgang.
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DerheMtIeitung
Bahnen eingeschlagen, die geradezu die Vernichtung unserer gegenüber mildere Saiten aufzuziehen. Am Freitag haben" nationalen Arbeit herbeiführen muffen. Jetzt, wo endlich wie uns mitgetheilt wird, Cardinal Antonelli und der Erz die Regierung sich von dieser unfruchtbaren und rein nega bischof von Genf, Mermillod, berathschlagt, ob es nicht ti^nlL^oI,itif Ic8l^en E, wo sie endlich die energische besser wäre, um zu einer Verständigung mit der eidacnösst-
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Absicht zeigt, der nothleidenden Industrie entgegenzukommen und mit ihren Mitteln der Crcditlosigkeit in loyaler Weise
entgegenzutretcn, jetzt treten die Apostel der unfehlbaren Volkswirthschaft, die Herren Richter und LaSker, mit ihrem Veto dazwischen.
ES ist hoch an der Zeit, daß man dem gemeinschäd lichen Treiben dieser Manchestermänner mit aller Energie entgegentritt, daß das deutsche Volk sich ermannt und sich von der Herrschast dieser Phrascurs befreit, die lange genug schon einen unheilvollen Einfluß auf die Gestaltung unserer wirthschaftlichen Verhältnisie geübt haben.
reißen sie fort, auch die junge Magd, die Alles getreulich hernach berichtet hat, faßt sie am Rocke und blickt dabei nicht ohne Schauder hiitab in die dunkle Tiefe, über welcher der leere Eimer, von der rostigen Kette gehalten, rasselnd hin und her schwankt.
Max Bernau aber ist besinnungslos auf das Bündel, das zur Erde gefallen, gesunken — es war Magdalenens Mantel
Am andern Morgen haben sie ihre Leiche aus dem nassen Grabe gezogen — den Schlüssel aber fand man nicht.
Daher ist es denn auch den Leuten erklärlich, daß selbst dies einzige und unfehlbare Mittel, den Zauber zu lösen, hier erfolglos geblieben ist, denn Max Bernau ist von seiner Liebe noch nicht geheilt, selbst nachdem er von dem Nervenschlage, welcher ihm GemüthSaufregung und akute Erkältung zugezogen — wie die Aerzte sagen — längst genesen ist. Trübe und still geht er den ganzen Tag in Haus und Garten umher, kümmert sich nur selten um die Geschäfte der Wirthschast, die der alte Vater und Frau Agathe fast allein führen müssen, und lächelt nur manchmal noch gar seltsam und verstohlen, wenn er sich von Niemand beobachtet glaubt, .zum Brunnen schleicht und über den morschen Rand gebeugt, lange, starren AuaeS in die Tiefe blickt.
„Da liegt der Schlüssel!' so sagen die Leute und schlagen ein Kreuz und eilen scheu vorbei. Ter blödsinnige Sohn des Hirten aber, der rothe Poldl, welcher Magdalene einst gar gern gehabt, als sie Beide noch Kinder ge- wesen, der schwört darauf, daß er unten in dem dunklen Wasserspiegel in der Vollmondsnacht da« Bild der Magda lene gesehen habe. Die hat nicht Ruh' in ihrem Grabe an der KirchhofSmauer, die ist dort unten festgebannt und eines Tages wird sie ihren Liebsten sich nachziehen in die Tiefe — dann erst wird er völlig gelöst sein, der mächtige Zauber!
Tagesbericht.
Wie uns von Paris geschrieben wird, sind Schreiben der Königin Victoria, gegengezeichnet von dem gesummten Ministerium, an alle Souveräne abgegangen, bei denen Vertreter Großbritanniens akkreditirt sind. In denselben wird officiell davon Anzeige gemacht, daß Ihre britannische Majestät zukünftig mit ihrem Königstitel den einer Kaiserin verbinden wird. Die erhobene Souveränin wird also, wie es darin heißt, fernerhin in ihren Beziehungen mit den fremden Höfen mit dem Titel Kaiserin Königin unterzeichnen.
Die französische Flotte, welche sich den deutschen, russischen und englischen Geschwadern zur Unterdrückung der chinesischen Piraterie anschließen soll, wird von dem Contreadmiral Ribcurt befehligt, dessen Flaggenschiss die „Venus' zwischen dem 15. und 20. April in St. Louis erwartet wird, um die in den dortigen Gewässern stationirten Schiffe unter seinem Befehle zu sammeln. Die Flotille soll indessen von Frankreich aus noch verstärkt werden.
Vor Kurzem wurden bekanntlich in Rom mehrere ge- älschte mit der Unterschrift deS Königs Victor Emanuel versehene Wechsel im Betrage von mehreren Hunderttausend Franken entdeckt und der Sohn des Königs aus seiner morganatischen Ehe, Graf Mirafiori, der Täterschaft bezichtigt. Die darauf gegen den jungen Grafen eingeleitete Untersuchung hat indeß, wie wir erfahren, seine Unschuld aus'S Evidenteste ergeben. Die Briefe, durch welche seine Schuld bewiese» werde» sollte, haben sich als ebenso gefälscht erwiesen, wie die Unterschrift deS Königs.
Der Papst hat dem Cardinal LedochowSki einen festen Wirkungskreis in Rom zugedacht und man schließt daraus, daß dieser nicht wieder in seine Diöcese zurückkehren wird.
Im Vatican scheint man geneigt zu sein, der Schweiz
Manchesterpolitik.
Die letzte Kammerverhandlung hat wieder die Blüthen der ManchesteiPolitik zu Tage gefördert. Die beiden Assessoren a. D. Richter und Lasker haben in ihrer unerschöpflichen und stets unfehlbaren Redeweise wieder jene alleinseligmachenden Theorien entwickelt, deren Motto lautet: Fiat
scheu Regierung zu kommen, wenn dem Letzteren ein anderer Wirkungskreis angewiesen würde, als der ganten Genf. Vertrauensmänner sind angewiesen worden, in der Schweiz anzufragen, ob man dort zur Versöhnung geneigt ist.
Bekanntlich hat der Vicekönig von Aegypten die Regierungen von England, Frankreich und Italien aufgefordert, ihm in seinem Bestreben, die ägyptische Staatsschuld zu consolidiren, beizustehen und zu diesem Behufe ihm tüchtige Finanzmänner zur Verfügung zu stellen. Diesem Verlangen ist denn auch von allen drei Mächten entsprochen worden. Frankreich scheint nun auf diesem Wege seinen alten sehr verwischten Einfluß in dem afrikanischen Reiche wiederge- winnen zu wollen. Das dem Ministerium des Aeußern nahestehende „Memorial diplomatique" entwickelt darüber folgende bemerkenSwerihe Ansichten: „Man darf nicht vergessen, daß diese Frage weniger eine finanzielle als gerade eine politische ist. Man muß England, welches gewiß politische und kommerzielle Interessen an den Ufetn deS Nil zu wahren hat, einen Einfluß auf die ägyptischen Angelegenheiten zugestehen, aber wir dürfen nicht vergessen, daß Frankreich in Aegypten ebenfalls eine Stellung zu wahren hat, welche das Resultat langer Anstrengungen und großer Opfer ist. Dazu kommt noch, daß die Frage sowohl alle gemeine materielle wie auch Interessen der dort befindlichen Nationalen und endlich unsere Lage als Großmacht nahe berührt. Wir glauben uns nicht zu täuschen, wenn wir annehmen, daß in den zu Kairo begonnenen PourparlarS, die französischen Vertreter die oben erwähnten Rücksichten nicht aus dem Buge verlieren. Frankreich wird seinen 24 Jahre alten Einfluß in Aegypten nicht ohne Weiteres aufgeben, es wird sorgfältig über seine Interessen wachen und Alles berechtigt zu der Hoffnung, daß seine Anstrengungen von vollem Erfolge gekrönt fein werden, ohne den Rechten anderer Nationen zu nahe zu treten."
Eine romantische Liebesgeschichte.
Bon W. E.
(Schluß.)
Aber eS war nur Frau Gertrud Randow und der Dorswächter, die an die Thür des Wohnhauses gepocht und heftig Einlaß begehrt haben.
Als man endlich geöffnet, hat die Gertrud nach ihrer Tochter verlangt und darauf bestanden, daß sie hier sein müsse. Der Wächter habe sie am Dunkelabend auf den Hof gehen sehen, als er von einem Botengänge aus der Stadt gekommen sei.
Daraus ist viel Rumor im Hause geworden, die alten Bernau's sind zwar nicht daheim gewesen, aber die junge Frau hat heftig das Fenster zugeschlagen und böse Worte
Aktionäre bereicherte, jo wollten diesmal die Herren Richter und LaSker dieselbe unfruchtbare und gcmeinschädlichc Politik der Halle-Sorau-Gubener Bahn gegenüber anwenden. Sic wollten fiskalischer sein wie der Fiscus, und mit einer Bravour, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, ihr „Hurrah, Bankerott!' in alle Lüfte hinein rufen.
Man sollte meinen, das Zuwarten und Gehenlassen der Manchestermänner hätte endlich genug Opfer gekostet. ES sei an der Zeit, daß der Staat der immer mehr um sich greifenden Verarmung, der allgemeinen Cceditlosigkeit mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften entgegentrete. Statt dessen plaidirt der Herr Richter mit dem ihm eigene» Cy- niSmuS für den Bankerott der Halle-Sorau-Gubener Bahn. Das heißt also, das Elend soll wieder noch in weitere Kreise hineingebracht werden. Die Bürger und Bauern sollen wieder um 60 Millionen Mark Aktienbesitz geschmälert werden.
ES ist wirklich unglaublich, welche Verblendung diese Leute beherrscht, die gegenwärtig das große Wort im Ab-
1876.
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rung an einem wirklich productiven Vorgehen. Wir haben es ost genug betagt, daß die Regierung sich auf den durch- auS verkehrten Standpunkt deS ManchesterthumS stellt, daß sie unendlich wenig für das Gedeihen von Handel und! Industrie lhut, daß unsere wirlhschaftliche Politik seit Jahren^
Der Max Bernau aber ist ganz außer flch und in der Haft nur halb bekleidet aus den Hof gestürzt und hat der Frau Randow nicht Rede gestanden, sondern nur immer st« gefragt nach der Magdalene und gesagt, sie müsse zu ihr zurückgegangen sein. Als er dann endlich begriffen, ”“6 sie nicht zu Hause gekommen, hat er den Knechten ^sohlen, Laternen anzustecken und mit ihm zu kommen »ach der Stadt zu, denn den Weg habe Magdalene ja Lehen wollen und da müsse ihr ein Unglück zugestoßen sein, die sins nun alle eben auS dem Hofthor geschritten, als plötzlich einen entsetzlichen Schrei hören, der durch die
aj®e Nacht gellt und ihnen durch Mark und Bein geht ^»türlich eilen sie zurück, Max Allen voran. Da stehl, h°chaufgerichtet, mit starren, weit offenen Augen, die Ger-
Randow an dem tiefen Ziehbrunnen und hält ein *»»tle« Bündel in ihren Armen. Wie sie aber den Max «ernau steht, fällt sie den wülhend an, packt ihn an der Fuller und zeigt auf das Packet. Dann läßt sie ihn i los, saßt mit beiden Händen nach dem Kopfe in daS ; ®itte Haar und will flch dann plötzlich über den Rand **• Brunnens stürzen. Dir Männer springen zu und
Anzeigen nimmt entgegen: die Ey>editton b. Blatte«, sowie bie Annoncen-Bureaux von @. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A- Rete- ▲ meyer in Berlin; Carl Schüß-
~ lei in Hannover; C. Schlotte
in Bremen.
l. Vor- lagen aller Volks- und StaatSwirthschaft geradezu ,in'S ieder» Gesicht schlägt. Der Staat kann und darf sich nicht blos ze nach auf den Standpunkt eines gewöhnlichen Geschäftsmannes grab«, stellen und Alles vom fiskalischen Gesichtspunkt behandeln; "---das Wohl und Wehe seiner Unterthanen, das Gedeihen
von Handel und Industrie, die Befestigung veS allgemeinen »n Ott CrediiS, kurz und gut, die Förderung des Gemeinwohls ist die erste und wichtigste Ausgabe des Staates.
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™ Berlin, 3. April. Das Staatsministerium hielt heute sofort nach Schluß der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses im Landtagsgebäude unter dem Vorsitze des Fürsten Bismarck eine Sitzung ab, um über die Be- ch üsse des Hauses bezüglich des Gesetzentwurfes über die Einverleibung Lauenburgs Stellung zu nehmen. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, ist das Ministerium den Beschlüssen der Kammer in allen Punkten beigetreten. —
„Und was wurde aus der Mutier?' fragte College X., als ich schwieg. „Sie hat sich bei Gericht der Zauberei angeklagt und da man Spuren des Wahnsinns an ihr zu bemeiken glaubte, brachte man sie nach der Residenz in die Charite, wo sie in der Abtheilung für Irre bald darauf gestorben ist."
Die Herren schwiegen, das Feuer im Kamin war fast erloschen, nur einzelne Funken sprangen noch knisternd aus den langsam verglimmenden Bränden.
Da erhob sich der gelehrte Ludwig -k. und sprach mit bedenklicher Miene: „Wenn Sie mir nicht so ernst die Wahrheit Ihrer Geschichte verbürgt hätten, jo würde ich durchaus nicht an dieselbe glauben. Denn eine so hochherzige Selbstopferung kann meiner Ansicht nach blos von einem Individuum dargebracht werden, dessen Intellekt frei ist und das auf einer hohen Stufe der Intelligenz steht, wogegen in unserem Falle der haarsträubende Aberglaube eine geistige Kindheit bezeichnet."
Auch der blonde Doktor war ernst geworden und während er sich bemühte, den Knopf seines engen Handschuhes zu schließen, sagte er sinnend: „Es gab also in unserer verstandeskühlen Welt noch ein Weib, das ihr Leben ließ für den Geliebten, der sie verrathen hatte — und sie war jung und schön dabei. Das Tragische an der Sache
„Daß Magdalene nicht für Sie gestorben ist?" unterbrach ich lächelnd. Er zuckte die Achseln, indessen College X. den Drücker der Thüre noch einmal loS ließ und in feierlichem Tone begann:
„ES ist mir blos so unbegreiflich, weil eS alle meine Erfahrungssätze umzustoßen droht. Ein Mädchen wie dieses, befangen in Glauben und Aberglauben, kann sich ja gar nicht zu einer That der höchsten Freiheit erheben!"
„Und die Logik der Thalsachen,'" erinnerte ich, „was beweist diese? Lassen Sie mich meine Mcinung darüber sagen! Also erstens bin ich der Ansicht, daß denn doch
Anzeige» nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- M-; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Davon aber haben die Herren Richter und LaSker nicht die geringste Ahnung. Sie behandeln diese Fragen stets kl mit nut nach dem Cod>x deS radikalen Freihandels, nach den ,' ' ' Principien deS ManchesterthumS. Ihr Einfluß in dieser Beziehung ist geradezu gcmeinschädlich und hemmt die Regie-
justitia et pereat mundus.
Hatten wir schon bei der Nordbahnaffaire das wider- : liche Schauspiel erlebt, daß der Staat sich auf Kosten der
gevidnetenhause führen. Es ist eine förmliche Manie, welche diese Mgnchesterleute beherrscht, welche den Grund»