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Marburg, Dienstag, 4. April 1876.

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hätten. Unserer jügeren Industrie aber den extremen Frei­handel ausbürden, heiße ihr eine Zumuthung anstnncn, welche bisher in keinem Culturland gewagt worden sei. Daß man sage und rathe, wir sollten billiger prvduciren und solider leben, sei nicht« als Redensart, denn daß man Jemanden zumuthen könne, arbeiten zu lassen, wenn weder Capital mehr vorhanden, nvch Bestellungen zu erwarten seien, glaubten die Leute selber nicht Das beste Produkt sei selbst sür einen Heller zu thcurr, wenn sich kein Käufer finde. Man könne heute schon billig prvduciren, allein Niemand habe mehr Betriebsmittel genug, um auf Lager zu arbeiten. Diese Thatsache verstimme die öffentliche Mei­nung dermaßen, daß man allgemein daS Uriheil fälle: Die liberale Partei hat rasend rasch abgewirthschastetl"

Der Reichskanzler Fürst Bismarck feieite am 1. April seinen 61 Geburtstag. Vom frühen Morgen an waren Telegraphenboten unterwegs, um dir zahlreich eingegangenen Depeschen zu best'llen. Mit der Menge der telegraphischen Beglückwünschungen wetteiferten briefliche Zusendungen und von vielen Orten her einlaufende große wie kleinere Geschenke. Gegen halb 12 Uhr brachte das Musikcorps d«S Kaiser Alexander - Garde - Grenadier - Regiments dem Fürsten im Garten des auswärtigen Amtes ein Ständchen. Gespielt wurde das Finale des zweiten ActeS aus der Oper A!va und eine Jubel-Ouvertüre von Lintpaintner. Zu dm vielen Gratulanten die beim Reichskanzler vor- sprachrn, gehörten außer den Diplomaten und Ministern auch Mitglieder der beiden Häuser des Landtages. Der Kaiser und der Kronprinz beehrten ihn Nachmittags mit

Eine rsmantische Liebesgeschichte.

" Von W. 9.

(Fortsetzung.)

Da tritt Frau Gertmd ein. Magdalene springt auf, »1t grröthrten Wangen und dtitzeuden Augen klagt sie die Mutter an. Diese, welche der Tochter nie die Liebe zu Max und deren traurige Folgen zum Vorwurf gemacht, geräth bei des Mädchens Beschuldigungen plötzlich in hef- tige Erbitterung und wirst derselbm die Schwäche ihres Charakter« und die unsinnig« Liebe zu dem Verführer vor, die sie stets verhindert habe, Rache für den ihr zugefügten Schimpf zu nehmen.

Die Nachbarin, von den lauten Stimmen der Streiten- den herbeigezogen, legt ihr Ohr lauschend an das Schlüssel- lvch, wie eben Magdalene ihre Begegnung mit Max er­zählt, schauert aber in abergläubischer Furcht zusammen, al« Frau Randow hohnlachend erwidert:

»Also der Zauber wirkt sieh', daS ist die Rache Gottes 1 Ja, ich habe Dich gerächt, mag man mich dafür kinsperren auf meine alten Tage. Mit List und tausend Aengsten hab' ich den Schlüffel zur Brautkammer abze- ivgen und still vergraben am Kreuzwege. Und wie Reu ®»nb war, bin ich um Mitternacht zu der Stelle gegangen, hab' ihn ausgescharrt mit diesen meinen Händen und hinab- geworfen iu den alten Ziehbrunnen auf ihreui stolzen Hose, d« zu gut war für Dich. Da mag er liegen in alle Ewigkeit jammt ihrem Glücke und Frieden."

Ein verzweiflungsvoller Ausruf Magdalenens ist die kiuzigr Antwort genesen die Nachbarin schlich sich fort sie wußte genug.

»Heiliger Brahma!" unterbrach mich Freund Ludwig, »fdlltr man das sür möglich halten in unserer Zeit!"

»Die Treue und unwandelbare Liebe des Mädchens vdrr den Glauben an die Zauberkünste?" fragte lächelnd ta Doktor.

Eins wie das andere schließlich ist alles Aber­glauben."

'Wer aber glaubt, ist selig I seufzte der blonde College, von einer kleinen sentimmtalen Anwandlung befangen.

Ich bat mir für den Schluß der Geschichte Ruhe auS und fuhr fort:

Am andern Morgen ging Magdalene schon früh zur Kirche. Doch kam sie verweint ünd trübe auS der Messe zurück. DaS Gebet hatte ihr keinen Trost gegeben. Ein einziges Gefühl hatte sich allmählich ausschließlich ihres ganzen Seins bemä. tigt, es war das der Liebe zu Max, gemischt mit der Sorge für fein Glück.

Sie hatte zwar nie aufgehört, ihn zu lieben, doch die Aeußerungen dieser Leidenschaft, besonders in letzter Zeit, in Schranken gehalten. Jetzt, wo sie wähnte, daS Opfer geheimer Künste zu fein, gab sie sich widerstandslos den Regungen des Herzens hin. Dabei fühlte sie einen bren> nenden Schmerz in Kopf und Brust, ihre Gedanken waren wirr und unftät, fste ssprach kein Wort mit ihrer Mutter und schlich sich am Nachmittage auf den Kirchhof zum Grabe des KindeS.

Dort weint und betete sie lange, aber selbst haS Bemü­hen , sich dabei die Züge deS kleinen Wesens so klar wie sonst vor daS Auge ihres Geistes zu bringen, scheiterte heute, und des Kindes braune Augen, welche sie nur allein sah, gemahnte« sie an jene deS Geliebten, und während ihr Mund die kalte Erde küßte und die feuchten bereiften Blätter des Epheu'S, hatte sie das Gefühl, als feien es feine heißen Lippen, welche die ihrigen im Kuffe verschlössen

Verzweifelnd sprang sie auf und eilte nach Hause. In der dunklen Flur stand die alte Nachbarin. Dir nahm fie mitleidig bei der Hand und zog sie in ihr trauliche« Stübchen, indem sic ihr zuflüsterte, daß sie Alles wiffe.

Magdalene vertraut ihr nun schluchzend, daß durch den höllischen Zauber rin wildeS Feuer in ihrcr Brust entzündet sei und sie der Gedanke am meisten mauerte, daß Max

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Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, so daß es nun mehr gesichert erscheint.

Zu Anfang nächster Woche werden die Berathungm deS JustizauSfchuffes des BundcSratheS über die Justiz- Gesetze ihren Anfang nehmen. Wie in Preußen die Be- rathungen des Justiz - Ministeriums bereits abgefchloffen sind, so verlautet auch auS anderen Bundesstaaten, daß die Vorarbeiten für den Justizausschuß beendet sind.

DasMilitär-Wochenblatt" theilt die intereffante mili­tärstatistische Ermittlung mit, wonach daS aktive Heer und die Reserve an SccondelieutenanlS zählen: 1873 über­haupt 8905 (wovon 3871 Reserve- und 5034 aktive Offi­ziere), 1874 überhaupt 9177 (4197 und 4980), 1875 dagegen (4688 und 4860). Bei der Infanterie befanden sich 1875 per Regiment 25 aktive und 24 Reservelieutenants, per Armeekorps 208 und 192, bei den Jägern per Bataillon 9 und 4, bei der Cavallerie per Regiment 11 und 15; bei der Feldartillerie per Brigade 40 und 32, bei der Fuß Artillerie per Regiment 16 und 6, bei den Pionieren 186 und 47, bei dem Eisenbahnbataillon 9 und 72, beim Train 57 und 106.

Außer Oesterreich, Rußland und Großbrittanien haben auch Frankreich und die Vereinigten Staaten osficiell ihren Beitritt zu gemeinschaftlicher Action der Seestaaten behufs Ausrottung der Seeräuberei in den chinesischen Gewässern erklärt.

Tie Interpellation deS irischen Ultramontanen Sullivan zu Gunsten des Herrn von Arnim ist, wie von vornherein zu erwarten war, spurlos im Sande verlaufen. Es war diesem Herrn darum zu thun, dem Reichskanzler eins anzuhängen; aber wie Gras Arnim mit allen seinen jäm­merlichen Jntriguen gegen seinen Vorgesetzten jedesmal ein vollständiges Fiasco erlitten hat, so auch In dieser Jnter- pelationSgeschichte im englischen Parlament. DerReichs- Anzeiger" hatte bekanntlich vor einiger Zeil einen Bericht de« Fürsten Bismarck an den Kaiser veröffentlicht, worin bezüglich deS ehemalig«» Botschafters Grafen Arnim auf die Thatsache hingewiesen wird, daß die Ernennung des­selben auf den Londoner BotschastSposten englischerseitS wegen der Unglaubwürdigkeit des genannten ehemaligen Diplomaten und feiner Neigung zur Jntrigue perhorreScirt worden war. Diese Mittheilung wurde von derKreuz- Zeitung" und derGermania" angezweifelt und wurde dann von diesem genannten Herrn Sullivan zum Gegenstand einer Interpellation im englischen Unterhause gemacht. Von dem englischen Cabinet ist darauf erwidert worden, daß daffelbe Über diesen Gegenstand keinerlei Information be-

Anzeigen nimmt entgegen: die Cjcpebitton d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, 31. Rete» meyer in Berlin; Sari Schütz- ler in Hannover; S. Schlotte in Bremen.

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schiff-: 3. Mai. Ü-Mai.

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Jüdin.

«n,eigen nimmt entgegen:

Expedition d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureaur von Th- Dietrich & So. in Haffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; öaafenftein & Vogler in Kantfurt «- M^. Berlin, Leip- «g, Cöln rc; Rudolf Mvffe ,n Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Kvch'fche Buchdrucker«i) bezogen 21 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutsche, «eich.

Berit«, 1. April. Die Reise deS Kaiser« «ach Caub scheint noch nicht fest beschloffen, wie überhaupt die Dlsposiiioneii über dir FrühjahrSauSflüge de« Monarchen noch keineswegs ganz bestimmt getroffen sind. Man nimmt an, daß der Kaiser erst nach dem Osterfeste nach Wiesbaden gehen wird. In hiesigen Hofkreisen glaubt man an die frühe Reise des Kaisers Alexander nach EmS nicht, es wird als wahrscheinlich gehalten, daß der Czar erst in Petersburg om 29. April dem Alexanderfest beiwohnen wird und sich in den ersten Tagen des Monat Mai auf die Reise begeben wird. Die Bedenken, welche sich über eine nicht zu weit hinauSgeschobene Erledigung der Für­sorge sür die durch Ueberschwemmungen Beschädigten kund gegeben haben, sind Veranlassung geworden, eine Eommisflon, bestehend aus Comwissarien aller Ministerien, zu bilden, welche in den nächsten Tagen unter Vorsitz deS Wirklichen Geh. Ober-FinanzrathS Burckhardt zusammentritt und die Vorlage für den Landtag vorbereiten soll. Ungeachtet, daß dieKrzztg." erklärt hatte, daß sie ihre Dcclaranten- Liste schließen wolle und nur die unterwegs befindlichen Beitritts * Erklärungen ausnehmen werde, veröffentlicht die­selbe tagtäglich weitere Namen. DieKrzztg." hat ihren größten Abonnentenkreis in dem Stande deS alten und befestigten Grundbesitzes. Bon dieser Kategorie gibt e« circa 2000 Gutsbesitzer, und diese sind eS eben, welche schwerlich je ein andere« Blatt lesen als dieKreuzzeitung". Man muß sich aber fragen, weshalb sind denn dfts« 2000 nicht alle Declaranten? ES scheint also, daß dieserletzte Versuch" der nun abtretenden Redaktion ein politisches FiaSco geworden ist. In Bezug auf die Pferdezucht in Preußen während de« Jahres 1874 sagt der Jahresbericht daffelbe empfände und dadurch eben so unglücklich al«- schuldig werde,, weil ihn ja das heilige, unlösbare Band deS Sakramentes mit Jener verknüpfe.

Gibt eS denn kein kein Mittel, den Zauber z« lösen?" hat sie zuletzt die alte Frau im flehenden Tone gefragt.Soll ich zum Herrn Pfarrer gehen und dem beichten?"

Die Alte hat darauf den Kopf geschüttelt und gesagt: ES gibt wohl ein Mittel aber daS wird Niemand an« wenden, das geht über Menschenkraft. Zum Pfarrer gehe aber noch nicht, der Zauber ist zu stark, den löst weder Weihwasser, noch Beschwörung."

Weiter hat sie nichts gesagt so Hal fie später hettig; versichert, so sehr auch Magdalene in sie gedrungen mit Bitten und Thränen.

Die ist denn auch endlich hinaufgrgangen, hat mit cher Mutter die Abendsuppe gegessen und fich darauf ruhig z« Bett gelegt.

In der Nacht hat fie aber einige Male aus dem Schlafe gesprochen, waS sie sonst nie gethan, und laut und ängst- lich gerufen:Max, Mox!" so daß die Mutter sie schon hat wccken wollen, darüber aber selbst eingeschlafen ist.

Am anderen Nachmittage, eS ist ein besonder« sonniger und milder Tag zu Ende Januar gewesen, hat Magdalene ihren schwarzen Tuchmantel umgenommen und hat gesagt, sie gehe zur Muhme nach Werding. Frau Gertrud hat sie auch ruhig gehen lösten und noch zur Nachbarin gesagt: eS sei ihr lieb, daß sie zu der gehe, denn die würde ihr am ersten die verdrehten Einbildungen au« dem Kopfe und dafür daS Ehrgefühl aufwecken, da« ihr die verrückte Liebe ganz eingeschläfert habe.

Ünterdesten ist Magdalme bei der Muhme eingetreim und hat ein paar Etundm bei derselben zugebracht, in denen Beide fortwährend laut zusammen gesprochen haben.

Einige Kinder, welche nach Master über den Hof ge­gangen und unter dem Fenster stehen geblieben find, haben

Glückwunschbesuchen «nd die Kaiserin ließ ihm durch ihre Palastdamr Gräfin Hacke ihre Theilnahme auSdrücken.

Fürst Bismarck und der Minister des Innern Graf Eulenburg haben ihre Bedenken gegen das Hilfskaffengesetz fallen lassen. Somit werden dem Zustandekommen de«!sitze, flbetbem müsse der Schriftwechsel nothgedrungen einen Gesetze- Seiten« der preußische« Regierung keine weiteren s privaten und vertraulichen Charatter gehabt haben. Solche

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1816.

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In der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung ist ein sehr

3 beachtenswerther Artikel aus den Rheinlanden enthalten, in welchem die Stimmung der Bevölkerung über das Ver­hallen be« Reichstages und Abgeordnetenhauses zu der wirchschaftlichen Lage dargelegt wird. Es wird namentlich hervorgchoben, daß man allgemein eine Besserung der Verhält­nisse von der liberalen Majorität erwartet habe, aber die Prinzipientreue der Führer habe eine solche verhindert. Man sei deßhalb im höchsten Grade unzufrieden, weil die Abgeordneten so wenig die wirkliche Stimmung und die thatsächlichen Bedürfnisse ihrer Clienten zum Ausdruck ge bracht und sich ganz und gar in ihre Prinzipien verrannt

Spürtet mutier. Pörticü

176.

I Mittheilungen pflegen übrigen« durchaus keinen öffentlichen Charakter zu haben. Ueberhaupt ist jede Regierung be­rechtigt, einen ihr in Vorschlag gebrachten diplomatischen Vertreter einer auswärtigen Macht abzulehnen, wenn sie der Meinung ist, ihre bisher gepflogen»» guten Beziehungen könnten dadurch alterirt werden. Je länger übrigens Graf Arnim intriguirt, um fo mehr wird feine Sache diSgustirt.

Für die Jury bei der Weltausstellung in Philadelphia hat daS deutsche Reich zwölf Stellen zu besetzen und e« sind bereits die Verhandlungen zur Gewinnung geeigneter Kräfte eingeleitet worden. ES ist gegründete Aussicht vor­handen, zur Gewinnung geeigneter Kräfte aus den Kre fen der Wistenfchaft und Industrie.

Zum Zwecke der Revision deS deutsch-chinesischen Han­delsvertrages finden gegenwärtig in Peking deutscherseits Unterhandlungen statt.