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Nr. 78.
Marburg, Sonntag, 2. April 1876.
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sowie die Anr.oncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jkaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; S" lein L Voaler in rtaM-, Berlin, Leip» [n re; Rudolf Moffe w Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OlmhkMe Jrilimg.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaur von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä Rete- meyer in Berlin; Carl Schliß» (et in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Pslitisch« Wschkn-Urherficht.
Gewisser Maßen das Ereigniß der Woche war die am p-rw-chentlichen Freitag erfolgte Zusendung der preußischen Reich» Eisenbahnvorlage an da» Abgeordnetenhaus. Text und Motive beschränkten sich streng auf den von der preu- ßishen Regierung beabsichtigten ersten Schritt: einen preu ßjschen Antrag beim Reiche, daß letztere» die preußischen Staats-Eisenbahnen und sonstigen Rechte an Eisenbahnen übernehmen möge bchuf» Krästigung der dem Reiche über da» deutsche Eisenbahnwesen verfasiungSmäßig obliegenden LusfichtS- und Förderungspflichten. Der preußische Landtag soll vorläufig nur mit der StaatS-Regierung da» gebieterische Bedürfuiß einer wirksamen Bekämpfung der gegenwärtigen Uebelstände de» deutschen Eisenbahnwesen» und die Tauglichkeit eine» ausgedehnten Besitzes von eigenen Eisenbahnen in de» Händen deS Reiches als Kampfmittel anerkennen; alle» Weitere in Betreff der näheren Gestaltung »ud Ausführung de» Plane» bleibt späteren Borlagen beim Reiche oder beim Landtage Vorbehalten. Doch erwartet mau, daß schon bei. der ersten Lesung der Vorlage über die Gestalt deS entworfenen Planes, insbesondere über die Organisation der politischen Verantwortlichkeit der beab- sichtigten Reich» Eifenbahnverwaltung Erläuterungen durch den Reichskanzler erfolgen werden. In Stuttgart ist die Abgeordnetenkammer wieder zusammengetreten und sofort find von den verschiedenen Kammerparteien, verschieden gc saßt theilS Resolutionen lheil» Interpellationen eingebracht, welche den Reich» Eisenbahnplan zum Gegenstände haben und die in der Kammer Donnerstag» zur Verhandlung kamen. Die Verhandlungen im bayerischen Abgeordnetenhause, verliefen die Woche — allerdings unter gelegentlichem Culturkampf -- verhältnißmäßlg sachlich und friedlich.
Di« in bedrohlicher Weise sich steigernden Gemeinde Steuern haben in Oesterreich den Minister deS Innern auf Anregung des Finanz-Minister» veranlaßt, den Landes Ausschüssen der Kronländer zu empfehlen, daß sie sich der möglichsten Einschränkung bei Bewilligung neuer Steuer» Zuschl^e befleißigen möchten. Im Uebrigen ist von den österreichischen Landtagen zu melden, daß sie sich eifrig mit dem beschäftigen, wa» ihre» Amtes, und daher Alles still und fein säuberisch vorgeht; nur die Tyroler machten eine Ausnahme, und e» hat daher Beschlagnahmen gegen das Tyroler Volksblatt geregne. Das Bestreben der Regierung in Fragen, die in den Culturkampf hinüberspielen, ist und bleibt, da« Feuer auSzutreteN, aber auch sonst nichts zu thun, was die drohende Gefahr beseitigen könnte.
Die Session der schweizerischen Bundesversammlung ist am Sonnabend geschlossen worden. Der Bunde»- rath hat die Ernennung einer Experten Commission zur Prüfung der Gotthardbahn-Angelegenheit beschlossen. Man erwartet, daß auch Seitens der deutschen und, der italienischen Regierung je eine Experten Commission zu dem gleichen Zwecke «erde ernannt werden.
Jim 23. d. Mts. hat das neue italienische Ministerium bem König den Eid derTeu« geleistet. Dasselbe ist, wie folgt, zusammengesetzt: TepretiS Versitz und Finanzen, Melegari Auswärtige», Mancini Justiz, Zanardelli öffent.
liche Arbeiten, Nicotera Innere», Mezzacapo Krieg, Cop- pino öffentlicher Unterricht, Maiorana Ackerbau, Industrie und Handel, und Brin Marine, durchweg Mitglieder der Linken, nur Melegari, Mezzecapo und Brin von etwas matterer Schattirung als die Uebrigen. Zu General- Secretären in den Ministerien der Finanzen, de» Innern und des öffentlichen Unterrichts sind die Abgeordneten Doda, La Cava und Umana ernannt worden.
Die französische Deputirtenkammer betreibt die Wahlprüsungen so gewiffenhaft, daß den Senatoren, die bis zur Abwicklung diese» ProzeffeS aufgezwungene Ferien haben, die Geduld zu reißen ansängt. Der Senat verfuhr bei den Wahlprüfungen mit giößerer Gemüthlichkeü als die Kammer, in welcher die Anordnung der Untersuchung über die Einmischung de» Cleruü in die Wahl re» Agitators de Mun viel Staub aufwirbelte; die ultramontane Presse beging die Lächerlichkeit, nm nicht zu sagen den Frevel, über „Gotteslästerung- zu schreien. Ungleich ruhiger geht e» in beiden Häusern in Sachen der Amnestie: die betreffenden Anträge werden mit imposanter Majorität in den Papierkorb wandern, dagegen wird man es dem Präsidenten der Republik wärmer oder minder warm an'S Herz legen, in einzelnen Fällen Begnadigungen zu ertheilen.
Kaum sind die Flammen deS Bürgerkrieges in S p a n i e n gelöscht, so wird vom Vatican aus versucht, einen Funken innerer Zwietracht zur Hellen Gluth anzufachen. Der Papst hat an den Cardinal-Erzbischof von Toledo ein Breve gerichtet, in welchem er gegen die Duldung der nicht katholischen Bekenntnisse Einspruch erhebt und eine Reihe schrecklicher Uebel für Spanien weissagt, wenn eS sich den Grundsätzen der civllistrten Welt anjchließt. Auch an König Alfen» hat der Papst ein eigenhändiges Schreiben gerichtet. Don Alfonso aber hat sich zu lange in der Fremde umgesehen, al» daß er sich, trotz seiner Jugend von Rom in Sachen deS GiaubenSzwangeS oder der Glaubensfreiheit ein £ für ein U machen ließe. .
Eine Erklärung DiSraeli'S im englischen Parlamente, daß der Khedive sich der Veröffentlichung de» Cave'schen Berichts über die Finanzlage Aegyptens widersetzt habe, machte großes Aussehen und gab zu den weitgreisendstcn Befürchtungen über den Stand der ägyptischen Finanzen sowie zu einer Reihe von politischen meist sehr pessimistischen Bermuthungen Anlaß. Nach den letzten Erklärungen der Regierung im Parlamente, so wie nach anderweitig einge» troffeaen Nachrichten, ist indtß die Veröffentlichung ledig lich deßhalb unterblieben, weil der Bericht eine Menge Einzelheiten auS früheren finanziellen Verhandlungen zwi schen dem Khedive und seinem Vater und fremden Mächten enthält, di« zur Veröffentlichung ungeeignet find, während die praktischen Ergebnisse deS Berichts, also die Darstellung der gegenwärtigen ägyptischen Finanzlage, durch den Khedive selber veröffentlicht werden sollen.
Der dänische Reichstag, dessen Session vor zwei Monaten bi» zum 29. März verlängert worden war, ist genau an diesem Tage durch ein königliches Dekret entlassen worden. Da» Wehrgesetz ist nicht zu Stand« g« kommen, c. -■ • f i. - - .
De Pforte kann ihre am 1. April fälligen Coupon» noch nicht einlösen, verspricht sie aber mit 6pCt. Verzugs- Zinsen am I.Juli zu bezahlen. Mil der Vereinheitlichung der gesammten Staatsschulden hat sie sich in der Hauptsache einverstanden erklärt.
Deutsches «eich.
— Berlin, 31. März. Wie nicht ander» zu erwarten, nimmt die Vorlage de» Gesetzentwurfs über den Uebergang der preußischen Bahnen an da» Reich die allgemeinste Auf» merksamkeit in Anspruch. Der Ausdruck, den die Motive des Gesetzentwurf» gemacht haben, können al» überwiegend günstig bezeichnet werden. Die Mehrzahl sämmtlicher Blätter verhält sich durchaus zustimmend; man kann daher mit Recht sagen, der Gesetzentwurf erfreut sich der größten Popularität und wird aus jeden Fall die Zustimmung des Landtages erlangen. Es fehlt natürlich auch nicht an Stimmen, welche den Gesetzentwurf verurtheilen und eine strenge Kritik an den Motiven üben. Es sind das auf der einen Seite namentlich die radikalen Freihändler, welche allerlei Aussetzungen machen und den Vorwurf erheben,-daß man an entscheidender Stelle selbst noch durchaus darüber im Unklaren ist, nach welchen Principien künftig das Eisenbahnwesen verwaltet werden soll. Daß außerdem die Par- ticulariftischen und ultramontanen Richtungen an dem Gesetzentwurf allerlei auszusetzen haben, liegt aus der Hand, weil sie gegen jede Stärkung des Reiches sind. Endlich aber macht auch noch ein Theil der FonschrittSpresse gegen die Vorlage Front, unter denen die hauptstädtischen Organe, die Vojsische Zeitung und die Volkszeitung namentlich her- vorzuhcben find. Diese kehren ganz besonders die politische Seite hervor und verlangen mehr constitutionelle Garantien als in der Vorlage vorhanden sind, namentlich in dem st« da» größte Gewicht -auf die Herstellung eine» verantwortlichen Reich » Ministers legen. Wir sind der Ansicht, daß die Erörterung dieser Frag« nicht vor da» Forum des preußischen Landtage» gehört, sondern lediglich vor den deutschen Reichstag. Dort wird ste auch jedenfalls ihre Erledigung find«». E» ist grundverkihrt, wenn die Organ« der Fortschrittspattei.die Ansicht verbreite», daß der Reich»- kanzler gegen die Creirung von Reichs Ministerien sei. Vielmehr ist zu verschiedenen Malen gerate von ihm diese Frag« in Bewegung gebracht, allerdings nicht jm Sinne de» Schablonen-CoiistitutionaliSmu», sondern vielmehr in dein allein mögliche» und wünschenSwerlhen, daß auch nach der Creirung von gesonderten ReichSministerien die Einheit der Regierung durch die überwiegende Stellung des Reichskanzlers erhalten bleibt. ^Jn diesem Sinne wird dies« Frage jedenfalls gelöst werden, jo daß die Besorgniß die consti- lutionellen Garantien könnten dem Institut der Reichsbahnen fehlen, ohne jede Begründung sind. „ ,,
Breme«, 30. März, lieber die weiteren Ergebnisse der wegen der Dynamit-Explosion in Bremerhaven geführten Untersuchung ist ein zweiter amtlicher Bericht veröffentlicht worden. Nach demselben ist der richtige Name des Thomas „Alexander Keith", sein Geburtsort ist Halifax, wo fein Later John Keith und sein Oheim Alexander Keith eine
<H*e romantische Liebesgeschichte.
. Von W. El "T1,
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(Fortsetzung.)
Auch Magdalene hatte sie gesehen und ihr umwölkter Blick langt auf den frischen Zügen deS jugendlichen Antlitze» geruht, während rin Schauer ihre Gestalt dabei durchbebte.
- Di« Lag« vergingen gleichförmig auf bk gewohnte Weise. Weihnachten war nahe, und der frühe Abend dämmerte bereit« heran, al» Magdalene eiligen Schritte» und sehr aufgeregt von einem Geschäftsgang« nach Hause kam.
Sie hatte aus dem Kirchhofe am Grabe ihres Kindes »ach so langer Zeit den immer noch Geliebten wieder ge irhen.
Eine Bitt« um Vergebung stammelnd, hatte er ihr in liefe« Bewegung dk Hand geboten über dem kleinen Hügel
Da hatte st« ihm di« eben gebrochen« Epheuranke in die Hand gedrückt und weinend geflüstert:
»Hättest Du mich je so geliebt wie ich Dich — bann wußtest Du, daß ich Dir nicht zürnen tonn.*
Damit wat sie hinweggeeilt und er hatte ste nicht zu ^«gehalten, ihr aber, auf derselben Stelle wie gebannt stehen bleibend, lange, lange nachgeblickt.
Ä Bald darauf verbreitete sich in dem Städtchen da» Gerücht von dem in dem Bernau'schen Hause herrschenden Unfrieden, der so schnell auf dcn kurzen LiebeSrausch der Flitterwochen gefolgt sei und tägli h greller zu Tage trat.
Zuerst waren es klein« Zänkereien, aus denen sich ernstliche Zerwürfnisse entwickelte». Die junge Frau weinte und schmollte, der Mann ging düstern Auges und mit finsterer Stirne umher, und hatte weder Milde, noch Nachsicht für die kleinen Fehler und Schwächen Agathen», welche ste allerdings in reichlichem Maße besaß, da sie stet» der verzogen« Liebling ihrer Eltern gewesen.
Viele, benen Magdalenens Geschick noch in frischer Er innerung war, sagten jetzt leise und laut: Da« ist deS Himmels Strafe |ür die gebrochene Treue! Manche aber, besonder» die Dorfbewohner, behaupteten kopfschüttelnd, daß die Geschichte nicht mit rechten Dingen zugehe und irgenb eine Zauberei im Spiel fein müsse. Sei doch die alte Katharine die Muhme bet verlassenen Geliebten Bernau'«, dem Gertrud Randow ja oft genug Rache geschworen habe, wenn von dem Unglück Magdalenens die Rede gewesen.
Zudem hatte man Frau Gertrud in bet Sbenddämme rung zwischen Weihnachten und Neujahr übet den Hof de» Bernau'schen Gehöftes schleichen und sich dort scheu umblicken sehen. Das hatte Etwa« zu bedeuten gehabt, da die Frau den Hof noch nie betreten. Die schlimmen Folgen der gcheimen Künste, welche angewandt worden waren, den Ehefrieden zu vernichten, traten ja auch schon zu Tage, und man wat allseitig gespannt auf das, was folgen würde.
Auch bi» zu Magdalenen waren solche dunkle Gerüchte gedrungett; ste hatte dieselben jedoch mit Entrüstung zurück
gewesen und den aussteigenden Verdacht gewaltsam unterdrückt. Da sah sie sich eine« Nachmittags, von einem Besuche bei der Muhme kommend, bd einer Biegung he» Weges plötzlich Max Bernau gegenüber.
Sein Gesicht war ungewöhnlich bleich, wurde ober bei M g alenenS Anblick von jäher Röthe übergossen. Dann 6reitie er die Arme nach ihr aus, und sie in leidenschaht- licher Erregung umschlingend, flehte er .sie in verwirrten Worten um ihre Siebt an.
I» diesem Augenblicke bemächtigte sich ihrer der Argwohn mit erneuerter Stärke. Mit Aufbietung aller Kräfte rang st« sich lo« und, fast athemlo« vom schnellen Lauf«, langte ste zu Haufe an.
Die Mutter war nicht daheim. Magdalene war mit ihren Gedanken, die ste gleich den Vtstvnen des Fiebet- paroxiSmuS marterten, allein.
©ie fann und sann, Die Erinnerung an den Abend, wo die Mutter ihr, von der Muhme kommend, den Liebestrank gegeben und das Gerede der Leute, das seltfame Lächeln der alten Katharina heute bei der Frage: ob sie ihren ehemaligen Liebsten n cht wiedergesehen habe, feit er so schlecht lebe mit seinem Weibe — und zuletzt die Begegnung mit Max, die Gluth der Leidenschift, mit der er ste umfangen und ihren Namen genannt — kein Zweifel, sie war am Feuer der Hille entzündet I ES konnte nicht anders fein, ein böser Zauber hatte ste Beide umsponnen und nur den Mächten der Finsterniß verdankte sie di« wieder erwachte Liebe, (§ortf. folgt.)