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Marburg, Sonntag, 26. März 1876.

Nr. 72

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liuetgen nimmt entgegen: dieSMtditton d. Matt-, fetmie die Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co- in Raffel und Hannsv«; Th- Dietrich in Frankfurt a. M ; ßoefcnftein & Vogler in Krantturi a. M, Berlm, Lerp- üg, (Mln k ; Rudolf Moffe ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Mcrhclsilchc Mutig.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Spedition d. Blatt, sowie bte Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfutt a. M.: JSger'sche Buchhandlung in Fraickfutt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete» meyer in Berlin; Earl Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageAllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Srpeditton (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. <exl. Bestellgebühr). JnferlionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfß. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

demnächst sicher erreicht werden wird. Am Montag hat sich nun auch das Herrenhaus aus den Weihnachtsferien wieder zusammengefundcn. Gleich in seiner ersten Sitzung hat dasielbe in einer vom Grasen Udo Stolberg ringt brachte, aus allen Theilen des HauseS unterstützte Inter­pellation den Eisenbahuplänen der Regierung im voraus «ine freundliche Hand entgegengestreckt. Die betreffende Regierungsvorlage soll in den nächsten Tagen dem Abge- ordnetenhause zugehen. Der Landtag soll bekanntlich die Regierung ermächtigen, die preußischen Staatsbahnen und die Rechte des preußischen Staates in Betreff der Privat­bahnen an das Reich abzutreten, um dadurch dem ReichS- Eisenbahnamt und überhaupt der Reichseisenbahn Gesetz­gebung aus ihrer gegenwärtigen Ohnmacht hinaus zu helfen.

Trotz fleißigster Spritzenarbeit des österreichischen Ministeriums glimmt doch bald da und bald dort der Brand, den die Jesuiten schüren, wieder auf. In Tyrol hat in der letzten Woche die hohe Regierung täglich fast rebellirende Organe des srontirenden CleruS, der sichcon- servativ" nennt, mit Beschlag belegen müssen, um sich nicht ungestraft verhöhnen zu lasten. Die Männer der Glaube» Einheit nennen ihre Auflehnung gegen Staat und Kaiser gerechte Nothwehr".

Die italienische Ministerkrists ist am Sonnabend zum Ausbruch gekommen. Der Absagebrief Peruzzi'S ver­mochte die Koalition zwischen den Toskanern, dem Centrum und der Linken nicht wehr zu lösen. Am 16. d. trug Minghetti der Kammer sein Finanzexposö vor, wonach das Deficit im Jahre 1875 nur 28 Millionen Lire betrug, das Jahr 1876 aber nach dem Voranschläge einen Ueber schuß von 10 Millionen und dar Jahr 1877 einen solchen von 15 Millionen ergeben werde. Diese glänzenden Re sultate, die Erreichung des lang ersehnten Gleichgewichts aber verfehlten gänzlich ihre Wirkung aus die zu energischem Vorgehen entschlostenen Parteien. Der Angriffspunkt der selben war freilich so unglücklich wie möglich gewählt. Am 18. d. interpellirte der Abgeordnete Morana von der Linken das Ministerium über die Art und Weise der Erhebung der Mahlsteuer, während diese Steuer selbst keineswegs angegriffen wurde. Minghetti versprach Abhülfe. Morana aber drang auf ein Mißtrauensvotum wegen unbilliger Anwendung der Mahlgesetze. Da bat Minghetti um Ver­tagung; bei der Berachung der großen Eisenbahnverträge werde er ein Votum der Kammern provociren. Dieser Antrag wurde von Deprctis, Correnti und Piccioni an­gegriffen und mit 242 gegen 181 Stimmen verworfen. Daraufhin reichte das gesammte Ministerium am 19 d. sein Entlastungsgesuch ein, und Minghetti konnte am 20. der Kammer mittheilen, daß dastelbe vom Könige ange­nommen sei, daß das Cabinet aber bis zur Bildung eines neuen im Amte verbleiben werde.

Die Ungeduldigen, welche unter den Mißtrauischen ia Frankreich in UebergangSzeiten gewöhnlich «inen ge­schwätzigen Nachtrab finden, machten in den letzten acht Tagen viel Getöse, aber daS neue Eabinet ließ sich nicht betäuben, sondern blieb im ruhigen Schritt, und die Nation wird sich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß eS mit der Verfassung und mit der durch die Wahlen eröffneten liberalen Richtung endlich Ernst werden wird. Zunächst hat eS Eindruck gemacht, daß der Unterrichts Minister Wad- dington seinen Beamten die offene Erklärung gab, er werde mit Entschiedenheit dafür eintrete«, daß dem Staate da» Recht, akademische Grade zu verleihen, im vollem Umfange zurückgegtben werde. Sodann hat der Minister des In­nern, Ricard, die Abberufungen und Versetzungen nach zähem Kampfe mit den widerstrebenden Elementen im Elysse durch­gesetzt und am 22. März im Amtsblatt- veröffentlicht: in 24 Präfekturen sind Veränderungen erfolgt; 13 Präfekten wurden beseitigt, unter den neu ernannten sind 7, welche fiüher schon im Amte, und 2, welche Drpurtirte der Ra- tional-Versammlung waren, sowie ein Unterpiäfect, der be­fördert wurde; der viel besprochene Präsect von Pau, Nadaillac, wurde nach Tours versetzt. Es handelt fich hier nur um eine Abschlagszahlung, aber man darf es Ricard wohl zutrauen, daß er mit den im Amte gelastenen Präfekten, die sich al» unverbesterliche VerfaffungSfeinde Herausstellen, in gegebenen Fällen kurzen Prozeß machen wird.

König Alfons von Spanien ist beim Triumpheinzuge in feine Hauptstadt mit Begeisterung empfangen worden, und noch lange werden die MadrilennoS sich der glänzen­den Festlichkeiten deS 20. März erinnern. Zwei Tage vorher hatte endlich die Abgeordnetenkammer nach zehn­tägiger Debatte die Adresse an den König als Beantwortung der Thronrede angenommen.

DaS Gesetz über den neuen Titel der Königin von England, da» während deS ganzen Lauf» der Woche die Aufmerksamkeit der politischen Kreise im weitesten Sinne des Wort fast ausschließlich in Anspruch nahm, ist glück­lich durch daS Unterhaus gegangen; der Premierminister hat aber zugleich die Erklärung abgegeben, daß nicht die geringste Absicht vorhanden sei, von dem Kaisertitel, al» dem etwa höheren, auch in England Gebrauch zu machen, und daß man namentlich nicht daran denke, die Prinzen und Prinzessinnen kaiserliche Hoheit zu tituliren.

Der dänisch« Reichstag, der versastungSgemäß am 29. März geschlossen werden muß, wird hoffentlich bi» dahin daS Finanzgesetz zu Stande bringen. Zur dritten Lesung im Folkething hat der Ausschuß empfohlen, zum Weiterbau deS PanzerschiffesHelgoland" 264,000 Kronen zu bewilligen und für die Lehrer und Lehrerinnen der Gr-

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6cnac vostboten ersucht

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An den Reichskanzler.

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DerRcichSanz« veröffentlicht folgenden Allerhöchsten Erlaß: Die Theilnahme, welche Ich an bedeutsamen Ge­denktagen bei Meinem Volke zu finden gewöhnt bin, hat sich, wie vor Kurzem an dem huneertjährigen Geburtstage Meiner in Gott ruhenden Frau Mutter, der Königin Luise, so auch an Meinem eigenen diesjährigen Geburtstage wieder »fiel, in überaus reichem Maße gezeigt. An beiden Tagen sind farrn gj^ 6on nah und fern, selbst aus fernen Welttheilen liug, Glückwünsche, Widmungen, Gegenstände der Erinnerung und Zuwendungen mannigfachster Art in größter Anzahl 'sttniß .gegangen. Je mehr Ich solche Beweise treuen Gedenkens schätze, um so tiefer fühle Ich Mich für dieselben zum Danke verpflichtet, welchen Ich bei der Unthnnlichkeit, jede Abreffe einzeln zu erwiedern, öffentlich zum Ausdruck zu bringen wünsche. Zu dem Behufe veranlaffe Ich Sie, diesen Erlaß alsbald zu publiciren.

Berlin, 24. März 1876.

Wilhelm.

Politische Wscheu-Uebrrficht.

! und

i: 1 > Gv mgel Arzt.

Da» preußische Abgeordnetenhaus hat am Freitag Abend endlich di« zwrite und darauf am Montag, in einer Sitzung, die dritte Lesung des Budgets für 1876 beendet. Der so unermüdlich durch die Männer des CentrumS in die Bud­getdebatte hineingezente Culturkampf wurde Punkt für Punkt jurückgeschlagen und auch ein einziger kleiner, nur au» Uebetellung und Mißverständniß entsprungener Schein- sieg (in Betreff einer empfohlenen Bearbeitung des Sim- pliciu» SimplicissimuS) wurde noch durch nachträgliche Aufklärung wieder vollständig verflüchtigt. Am Sonnabend gelangte der Entwurf der für die Ausführung des Selbst. . Verwaltung- Competenzgesetzes unentbehrlichen neu n Städte- W. Ordnung zur ersten Lesung, und der Verlaus derselben be- , festigte die Erwartung, daß eine schließliche Verständigung s sowohl über den gesummten Inhalt der im Wesentlichen _ 1 beifällig aufgenommenen Vorlage, wie auch über die weitere Ausdehnung auf die sämrntlichen Provinzen deS Staates

Kar­be« g-r war ager i er,

Eis Schrei.

.s Novelle von Ernst von Waldow.

(Schluß.)

Man hat den Nahenden von drinnen erblickt ihn erkannt. Eine der Mägde, händeringend, mit thränenden Augen, stürzt ihm entgegen. Mit einer Stimme, deren heiserer Laut halb unverständlich ist, ruft Kurt:

695Was ist geschehen?«

totAch, gnädiger Herr ein Unglück.« Schluchzen &eh« erstickt die weitere Rede be» Mädchens.

lern, j Er »artet nicht ab, bis sie sich gefaßt, sondern fliegt '3-4 W® Stufen hinan, tritt durch die halboffene Thür in da» Gemach, aus welchem ihm das Geräusch vieler Stimmen

>. M entgegenschallt und taumelt mit einem dumpfen Schrei zurück.

Dort auf den dunkelen Damastpolstern de» Ruhebettes im Badezimmer ruht Diana, gehüllt in weiße Tücher und _ Linnen, starr und bleich die Augen und Lippen ge­schloffen und au» den nassen Locken rieseln leise noch ein- reine schwere Tropfen über die blaugeäderte durchsichtige ft Haut der Schläfe.

'*Todt tobt starr und tobt bahin für immer!« " , so ruft e» in ihm verzweiflungsvoll, und wie gebrochen ,a*' finkt der starke Mann an dem Lager ber Entseelten nieber. on® Da tritt eine schwankenbe Gestalt auf ihn zu. Aus ' dem blaffen, zuckenden Antlitze blicken ihn Tante Ursula'» " Auge« mit fast geisterhaftem Ausdrucke an, und bebend beugt sie sich z» ihm herab und flüstert:

'*,« ?Lin Schlaganfall hat Diana im Bade getroffen k ste rang schon mit dem Tode, al» ich kam. Ein schneller Sang in her MittagShitze im ©arten vorher da» kühle

Satz darnach ist nur zu erklärlich."

Aber vielleicht ist noch Hoffnung Hilfe «in Arzt", so ruft er.

Still still ich habe schon nach Einem gesandt aber hier ist keine Rettung."

Ein Schwindel faßte Ursula krampfhaft greift si« nach dem Herzen dort ruht wohlgeborgen unter den Falten deS Gewandes der Schlüffel des Geheimniffes, das kleine, halbgeleerte Fläschchen das sie in der Hand der Sterbenden gesunden!

Diana's letzter Wunsch Ursula zur Hüterin des schrecklichen GeheimniffeS zu machen, sie wird ihn er­füllen, die starkgeistige Frau ob der schwache Körper auch jetzt zu unterliegen droht.

Freilich ob nicht die traurige Weise eine» Vogel», ob nicht ein klagendes Herbstlüftchen an da» Ohr be» fernen Geliebten, der bangenden Freundin trägt die Kunde von dem müden Herzen, daS hier sich still geflüchtet aus Er­denleid und Schuld in den Arm des Todes wer kann eS sagen, wer e» verneinen? ES giebt ein Ahnen, das sympathisch di« Seelen verbindet, ob Raum und Zeit sie auch geschieben; ein Ahnen, bas uns bie große Einheit im Gewühl der Vielheit der Erscheinungen verkündet; ein Ahnen, daS uns Bürge ist für die Unzerstörbarkeit des Seelenatoms, das nicht im Staube mit zerfällt, sondern da» einzig Beharrende, da» Urewig« und Schrankenlos« weil nicht unter dem ehernen Gesetze ber ErschcinungSwelt Stehende ist.

Und ein solch«» Ahnen «» ließ auch Kurt jetzt, in einem Moment« des Hellsehen», bi« traurige Wahrheit er kennen, trotz ber von Ursula ihm gegebenen Erklärung.

Das Siegel be» Todes auf biefen bleichen geschlossenen Lippen, Diana'» eigene Hanb hatte e» fest unb muthig barauf gepreßt damit ba» Geheimniß, da» jener Schrei ihm verrathen, begraben werde auf ewig,

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So nimm e» denn fmit Dir Du süße, früh ge­brochene Blüthe, ich will nicht darnach forschen, wa» Dein Glüch, wa» Deine Schuld, Dein Elend »ar, wa» Dich aufjubeln ließ in so seliger Lust unb so jäh erstarb im Schweigen und jetzt im Todgrauen.«

So flüsterte er und legte leise den Kranz von weißen Rosen auf da» Haupt der schönen Leiche.

DaS Kabel bo» Halle »ach Berlia.

Seit wenig Tagen ist die Legung de» Kabel» begonnen worden, da» Halle mit Berlin verbinden soll. Wir stehen damit vor einer Reform im Telegraphenwesen, die auf ba» Interesse aller Kreise Anspruch zu machen geeignet unb berechtigt ist. DerMagd. Ztg.« wirb barüber Folgende» berichtet:

Das Kabel Halle - Berlin birgt sieben Drähte in fich. E» ist seiner äußeren Erscheinung nach den Kabeln durch­aus ähnlich, welche zur Verbindung von Welttheilen in'» Meer versenkt werden, nur versteht es sich von selbst, daß jedes neue Kabel von den Fortschritten der Wissenschaft profitirt, die auf dem Gebiete der Telegraphie eminente genannt werden müssen. DaS Kabelstück, welches ich zu sehen bekam, ist ein Muster an Dauerbarkeit, ja an rela­tiver Unzerstörbarkeit und Eleganz. In der kölnischen Fabrik von Felten und Guillaume angefertigt, gereicht «» ber brutschen Industrie zu hoher Ehre. Sieben Leitungen, in Guttapercha-Umhüllung auseinandergelegt, sind, um bet Feuchtigkeit deS Bodens Widerstand zu leisten, so fest um­hüllt, daß sie selbst einem gewaltsamen Angriffe Trotz zu bieten vermögen.

DaS Kabel Halle-Berlin wird nicht entlang bet An­baltischen Bahn, sondern entlang der alten Chaussee gelegt. Hier ruht e» in festerem Boden unb ist allen ben Gefahren tntrütft, bie durch ungewöhnliche Eisenbahnunglück»^«