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Marburg, Freitag, 24. März 1876

Wr. 70

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und die MilitärbkvollmLchligten, geführt von dem General-

ien starken SchneewetierS den Festlichkeiten besonders zünftig, trotzdem ist in den Hauptstraßen in Berlin geflaggt, t Morgen um 10 Uhr nahm der Kaiser die Gratulationen königlichen Familie und der fremden Fürstlichkeiten im

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattei, femie die Annoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Leip, »g, Köln k; Rudolf Moste jnBerlin, Frankfurt e. M. rc.

Graf Herbert BiSrnarck, der älteste Sohn des Reichs­kanzlers, und der Gesandtschafts-Attache Prinz Arenberg haben das diplomatische Examen abgelegt und beide mit Auszeichnung bestanden.

Der Gesetzentwurf der Synodalordnung soll noch vor Ostern dem Plenum zugehcn. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß trotz der von der Fortschritt-- und der Cen- trumSpartei ausgehenden Opposition der Entwurf durch das Plenum nicht wesentlich verändert werden wirb. In der Commission arbeiteten die CentrumSmitglieder dahia, die synodalen Organe und Kirchenbehörden von den Staats^ behörden möglichst unabhängig zu stellen, während man forischrittlicherseitS das größte Gewicht darauf legte, die Unabhängigkeit der Kirchengemeinden zu sichern. Was ba­den KreiSfy-ioden beizulegende Recht der Besteuerung be­trifft, so steht fest, daß die Auffaffung der Staatsregierung, den KreiSsynodcn kein Recht selbstständiger Besteuerung zu gewähren, allgemein getheilt wird.

Am 1. April verfällt der ZinScoupon für die särnmt- lichen bisher von der Eisenbahngesellschaft Halle-Sorau- Guben emittirtcn Anleihen. Zur Einlösung deffelben stehen bereite Mittel nicht in genügendem Umfange zur Verfügung, und eS wird daher behufs Erlangung von Vorschüffen mit den der Gesellschaft befreundeten Bankinstituten ver­handelt. Ob diese Verhandlungen zu einem günstigen Re­sultate führen, steht noch dahin.

1. Tagesbericht

F Zu der Feier des kaiserlichen Geburtstages hatten sich tzvie alljährlich bereits eine Reihe von fürstlichen Herr 'schäften in Berlin eingefunden. Der Großherzog von Mecklen bürg - Schwerin ist TagS vorher früh 5*/2 Uhr aus Schwerin daselbst eingetroffen. Ebenso auch der Großherzog und der Erbgrvßhcrzog von Oldenburg kamen daselbst an; .außerdem noch der Prinz Ludwig von Heffe» und der Hrinz Herrmann von Wien. Am Montag Abend waren ider Erbprinz und die Erbprinzesstn von Schwarzburg- Eondershausen, der Fürst und die Fürstin von Lippe- Detmold, der Herzog von Sachsen - Meiningen und der Fürst zu Waldeck und Pyrmont angekommcn. Vorgestern früh waren bereits der Großherzog und die Großherzogin von Baden eingetroffen. Mittags kamen der Prinz und hie Prinzessin Georg von Sachsen. Dienstag Mittag um 1 Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin, begleitet pn den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, «wie den anwesenden fürstlichen Gästen in die National« t'allerie, um dieselbe zu eröffnen. Der Kaiser wurde dort llipsangen von dem Kultusminister Dr. Falk, sowie den rächen deffelben. Die Herrschaften besichtigten die dem Lutschen Kaiser geweihten Räume auf daS Eingehendste.

Kaiser sprach seine Zufriedenheit über das Gesammt- | angement auS. Um 5 Uhr fand ein größeres Diner I »er Bildergallerie des königlichen Schlosses statt, an f -em die anwesenden Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge, i Zotschaster und Gesandten, sowie die höchsten Hofchargen r il nahmen. Der Geburtstag war wegen des anhal-

Ein wehmüihigeS Lächeln zog da langsam um Diana- Lippen, und den Kopf auf das Polster des SophaS lehnend, sprach sie weich und sinnend:

Du hast Recht. Aber man streiche solche Selbst- Täuschung aus dem Leben, und eS gleicht einer duft- und farblosen Blume, einem Rechenexewpel, in welchem der kalte Verstand jede heiße Wallung des Gefühls regulirt, wie der naffe Schwamm die falschen Zahlen auf der Tafel um zuictzt ein Facit zu erhalten, in welchem das Glück nur in einem verschwindenden Bruchtheile vorhanden ift."

Diana, so sprichst Du?"

Nur heute noch nur hier morgen ja mor­genSchluchzend erstickte ihre Stimme; sie schloß die Freundin in die Arme:

Lebe wohl, Rosa Lebe wohll" -

* *

Die Gastzimmer im ersten Stockwerke bei Tegern'schen Schlosies, welche da- junge Paar in den Flitterwochen bewohnt, waren sorglich hergrrichlet und eine große Span­nung lag auf allen Gesichtern, denn bei der Teilnahme, welche das Geschick Diana'S und die Trennung ihrer jun­gen Ehe, über deren Ursache viele, sich gänzlich wider» i sprechende Gerüchte im Munde der Dienerschaft curstrien, bei dieser stets erregt halte, freute man sich allgemein über die Versöhnung der Getrennten, die ja der Besuch de« Gatten zu Wege bringen mußte.

Selbst um DianaS Lippen spielte ein Lächeln und rontrastirtr seltsam mit der Starrheit ihrer bleichen Züge, als sie beim Mittagstische der Tante gegenübersaß.

Ursula bemerkte das mit Genugthuung und erhob ihr

Auf Glück und Frieden!" -

Auf Frieden, wo er auch seil- erwiderte Diana und trank in hastigen Zügen ihr Gla« leer Die Speisen ließ sie unberührt, dann erhob sie sich langsam:

Wann erwarlrst Du Kurt, liebe Xante?*

Feldmarschall Graf Wrangel, derselbe hielt folgende An spräche:Ew. k. k. Majestät wollen in Gnaden gestatten, daß ich im Namen der hier versammelten Offiziere zu Allerhöchst Dero heutigem Geburtstag unsere ehrfurchts­vollen Glückwünsche in aller Unterthänigkeit darbrtnge. Ew. Majestät sind der kühne Lenker der Schlachten, der nie besiegte Feldherr in Europa. Vereint flehen wir zum Allmächtigen, er wolle Ew. Majestät au '- fernerhin in voller Lebensfrische und Thatkraft bis in die fernsten, fernsten Zeiten zum Heil und Segen für Deutschland gnä diglich erhalten.* Der Kaiser antwortete hierauf:Nehmen Sie Meinen Dank für die Wünsche, welche Sie, Herr Feldmarschall im Namen aller hier Versammelten ausge­sprochen haben. Damit könnte Ich selbst für den heutigen Tag endigen, wenn Sie in Ihrer Anrede nicht eine An deutung gemacht hätten, die Ich nicht annehmcn möchte, die Ich aber auch nicht abzuweisen vermag, da Meine brave Armee durch ihre Thaten sie zu einer Wahrheit gewacht hat. Sie haben Mir somit Gelegenheit gegeben, ja die Pflicht auferlegt, Ihrer Andeutung gegenüber allen Gene­ralen Meiner Armee, zunächst durch die heute hier Anre» senden, welche früher schon zu rechter Zeit bereit gestanden und jetzt noch mit Rath und Thai bereit stehen, Meinen Dank für ihre Leistungen zu sagen, einen Dank, der sich am besten in der Hoffnung, ja in Meiner Ueberzeugung ausspricht, daß eS durch ihre Hülfe ferner auch so bleiben wird."

Dem Festartikel derProv.-Corr." zu dem Kaiserlichen Geburtstage entnehmen wir folgende bemerkenSwerthe Stelle: Wenn dem Kaiser das FriedenSwerk nach außen Im Vereine mit seinen fürstlichen Freunden bisher gelungen ist, so sehnt sein landesväterliches Herz gewiß den Zeitpunkt herbei, wo auch im Innern unter Wahrung der seiner Fürsorge an­vertrauten staatlichen Jntereffen der volle Friede wieder hergestellt sein wird: Gebe Gott, daß das achtzigste Lebens­jahr diese Frucht seiner fürstlichen Sorge reifen laste I"

DieProvinzial Correspondenz" bestätigt, daß der Kaiser in der ersten Woche des April der Königin Victoria in Baden Baden einen Besuch abzustatten gedenkt; den größten Theil des April dürste der Kaiser in Wiesbaden zubringen, und gegen Ende April zum Empfange de« auf der Reise nach Ems in Berlin verweilenden Kaiser« von Rußland nach der Residenz zurückkehren.

Deutsches Reich.

«* Berlin, 22. März. Es war von hier au« an­geregt »men, auf der Welt Ausstellung in Philadelphia der Ausstellung von Gegenständen, welche den Bestrebungen des rochen Kreuzes dienen, eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Man war dort auch geneigt, diesen Wünschen nachzukommen. E« sollte deshalb ein besonderes Gebäude auf dem Ausstellungsplatze errichtet werden, welches diesen Theil der Ausstellung aufnehmen sollte. Das Central- Comits der deutschen Pflege-Vereine hatte sich ebenfalls der Sache mit großem Interesse angenommen und diejenigen Fabrikanten in Deutschland, welche sich mit der Production der bezeichneten Gegenstände beschäftigen, und die Personen, welcke solche zu liefern im Stande sind, aufgesordert, die Ausstellung in Philadelphia zu beschicken, wozu ihnen pe­kuniäre und andere Erleichterungen angeboren wurden. Nichtsdestoweniger ist die deutsche Bethriligung an diesem

darauf erwidert und in ihrer stillen Weise nachdenklich den Kopf geschüttelt.

Diana war in seltsam weicher Stimmung; vielleicht hatte der klare Geist doch der Schwäche des thörichtcn Herzens nachgegeben und sie genoß in vollen Zügen die schmerzliche Seligkeit, in dem Raume noch einmal zu ath- men, den die Erinnerung ihr so oft träumend und wachend gezeigt.

Rosa faßte die Hand der Freundin.Und wirst Du ein Genügen finden in der Erfüllung Deiner Pflicht gegen Kurt? Wird die Erinnerung nicht an Dich herantreten und die Sehnsucht nach Glück und Liebe in Dir erwecken o, Diana Du bist noch so jungl"

Sie lächelte schmerzlich.Jung, liebe« Herz? Jung ist nur Derjenige, der glaubt und hofft. Da« liegt hinter mir.

Sieh, und wenn auch der alte Philosoph Emp.doklc«, von dem ich neulich laS, leider sehr richtig die Welt für ein Jammerthal, eine finstere Höhle erklärt, und unser ganzes Dasein als einen Zustand tiefen Elends im Ganzen und Allgemeinen bezeichnet, so ist eS doch ganz trostlos, wenn wir schon bald beim ersten Aufrollen des Vorhanges mit kritischem Achselzucken und dem Lächeln der Gering­schätzung die Dinge in ihrer Nacktheit erkennen; von der bunten Leinwand deS gemalten Waldes an bis zu der ge­heuchelten Liebe und dem ungeheuchelten Haffe der in den Wolken wohnenden Tugend und dem die Welt beherr­schenden Laster."

DaS macht alt sehr alt und dem Alter gebührt erfahrungsgemäß der Tod er ist ja überhaupt die einzige Genugthuung und Ausgleichung für da« Leben I"

Rosa zuckte zusammen, ein schneller, prüfender Blick traf Diana; doch diese ertrug ihn ruhig, sie erbebte erst, als die Freundin mit ungewöhnlicher Heftigkeit auSrief:

O, diese unselige Liebe, sie hat Dich elend gemacht und Dir Glück und Jugend zerstört I*

Um rechtzeitige Erneuerung, möglichst vor : v» dem 28. d. M., der Bestellung auf das zweite Quartal 1876 der '

Dberhessischen Zeitung

mit ihrer Gratis-Beilage

| Muflrirtes Sonntagsölati

.bei dm betreffenden Postanstalten oder den Land- i Moten ersucht

Die Ezchev. I. Oberhesfischeu Zeitung.

Die mehrfach angekündigte Vorlage über die Eisenbahnen wird nach derProv.-Corr." unverweilt erfolgen.

«vuiyuiycii yumim uuv vti jicuivcu uui|uuy«.tiici! im Fürst Bismarck wird wahrscheinlich schon zu Anfang glichen PalaiS entgegen. Um Kft/gUhr erschienen die j April nach Varzin übersiedeln und dort wieder den ganzen f

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Pre,S für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckeret) bezogen 31 Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exl. Bestellgebühr). JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 10 ®fe gflt tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreflen werden 25 Psg. berechnet.

Ei» Schrei.

Novelle von Ernst von Waldow.

W (Fortsetzung.)

I Kurt suchte eine Versöhnung mit der Gattin. Er fe, wenn er ihr großmüchig jedes gegen ihn begangene cht verzeihen, wenn er ihr jvgar das Geständniß deS

L erlassen würde, sie zu beschämen und zugleich die jbi ihrem Herzen für ihn auf'S Neue zu erwecken. ^Ursula, die sonst so klar Sehende, war von ihm qen Plan gewonnen, und sie hatte eS übernommen, tana die ersten einleitenden Mittheilungen zu machen.

Dabei geschah es, daß Ursula mit sonst nie geübter tie ihre» verzogenen Liebling verdammte, als Diana fest klärte, daß ein Zusammenleben mit Kurt nach allem Vor- -Tgegangenen unmöglich sei.

Don da ab gab es für die junge Frau keine Ruhe ehr in dem sonst so friedlichen Asyl und auf ihre, nicht yae Bitteikeit vorgebrachte Bitte:

Laßt mich doch wenigstens ruhig sterben, es wird ja «gar lange nicht währen," halte die Tante mit finsterer Miene geantwortet: |

Dann ist'S zu spät, begangene Schuld zu sühnen!" Am andern Morgen nach dieser Unterredung hatte

Diana die Absicht geäußert nach der Stabt zu fahren, um mit ihrer Freundin Rosa die Sache zu besprechen.

y* 1 die Tante nur Gutes davon hoffte, indem die meisten »rauen eine angeborene Neigung haben, gelockerte oder strriffene Ehebande wieder fest zu schürzen, war sie bereit Mlltg darauf eingegangen.

. Der Abend dämmerte schon, die beiden Freundinnen °ben zusammen in dem traulichen Gemach, das Diana so ®'t Ernst vereint hatte.

Ihre Blicke grüßten die stummen Zeugen des kurzen ^d«glüa.s. Sie hatte von Kurt gesprochen und von n bevorstehend«, Aussöhnung, und Rosa nur wenig

^"^l'chen^Hofes, um 11 Uhr die Generäle | Sommer verbringen. Für die Zeit seiner Abwesenheit wird ..v. vi. c"r ' ---- " ' der deutsche Gesandte in Athen, Herr von Radowitz, im

auswärtigen Amte verwendet werden, wie daS schon im vorig n Jahre geschah.

Anzeige» nimmt entgegen: die Eqwdftton b. Blattes, sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnoalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.