Markurz, Mittwoch, 22. März 1876.
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Einen Moment stehen sich Beide gegenüber >— Aug i« Auge----und dieser Moment birgt eine Ewigkeit der
Qual in sich; er macht das Gesicht des Mannes in leichen- Hafter Bläffe erstarren, er zeigt dem nicht Ahnenden den Abgrund zu seinen Füßen, der ihn scheidet von der bleichen Frau dort, an deren Liebe er so fest geglaubt!
Der Schrei hat ihm Alles gesagt: dies «ufjauchzm einer glücklichen Seele, deren Entzücken za groß ist für Worte und deßhalb frei ausströmen muß als liebende Begrüßung.
Der Klang zittert in seinem Ohre nach, er'wähnt ihn noch zu hören, tief Athem schöpfend tritt er einen Schritt näher und die Hand der bebenden Frau erfaffend fraßt er, seiner Stimme gewaltsam Festigkeit gebend: ' '
„Wen wen hast Du erwartet?"
»arlSrwhe, 19. Märt- .Der'Großherzog and die Großherzogin begeben sich im Verkaufe des heutigen Tage« nach Berlin, um bis Ende dieses Monats dort zu verweilen.- — Wie verlautet, werden die Wahlen zur diesjährigen General-Shnode — 24 geistliche und 24 weltliche Mitglieder nebst 7 vom Großherzog ernannten — bald nach Ostern ausgeschrieben werden, so daß die Synode nach Schluß des Landtags Ende Juni zusammentreten ann. Mit Rücksicht auf die derselben harrenden Aufgaben nincipieSer Natur, als Reform der Schul- und Kirchen- Bücher, Organisation der Pfarr-Wahlen, Versuche zur Hebung des Theologenmangels rc., welche zu einer mar«
Der Riegel fliegt zurück, ein Schrei des Entzückens, in dem der Jubel ihre« Herzens und die "ganze selige LirbeSlust auSNingen, tönt dem Wartenden entgegen — er hört rS voll Freude und breitet vortretend die Arme aus, Diana an seiner Brust zu empfangen. — Doch sie — starre« Entfetzen im Blick — keines Wortes mächtig — taumelt, wie von einem giftigen Pfeile getroffen, zurück — der Mann ist — Kurt.
20 März. Das „Reichs-Gesetzblatt" publi- rirtr am 6. d. Mts. die Novelle zum Strafgesetzbuch und geb zugleich den Text des Letzteren mit Einschaltung der neuen Bestimmungen vollständig wieder. Da in der Novelle ein Anfangstermin für ihre verbindliche Kraft nicht, angegeben ist, sp . treten die Bestimmungen deS Artikel 2 der ReichSverfaffung in Wirksamkeit, nach denen die verbindliche Kraft eines Gesetzes, welches in dieser Beziehung keine andere Bestimmung enthält, mit dem vierzehnten Tage nach Ablauf desjenigen Tages beginnt, an welchem das betreffend« Stück deS ReichsgesetzblalteS in Berlin ausgegeben ist. Hiernach wird di« Novelle zum Strafgesetzbuche, da sie-, am 6. März d. I. in Berlin ausgegeben ist, am 20. März d. IS-, also heute, in Kraft treten. Bei den Handlungen, welche vor dem Inkrafttreten der Novelle begangen find, wird das Erfordrrniß des Antrages auf Verfolgung, sowie die Zulässigkeit der Rücknahme nach den bisherigen Gesetzen demtheilt. — Da« parlamentarische Diner beim Fürsten Bismarck am vergangenen Sonnabend «qr von .«»« 30 Personen besucht. Zugegen warm sämmUich« Staatsminister, das Bureau des Abgeordnetm- haufeS und einzelne Mitglieder deS Hauses, u. A. die Abgeordneten v. Köller, v. Knesebeck, Miquel, Dr. Lasker. Das Gespräch kam, wie die „Post" mittheilt, u. A. auf die Verhältnisse in Lauenburg und auf die sociale Frage. Der Fürst Reichskanzler versicherte, daß dort die Arbciternoth größer sei, als anderwärts, wett die Unmöglichkeit vorläge, sich anzusiedeln., Einen Gegensatz bildeten die Verhältnisse in Schönhausen und in einem Theile Pommerns, wo die sog- Büdnerverhältnifft (HauSbesitz mit ©arten und Acker
F-st ein Jahr ist seitdem verflossen. Die Stofen blühen, die Vögel singen im Schloßgartm von Tegernhain. Diana geht, unberührt von dem süßen Zauber der blühenden prangenden Ratm, ernst und flnnmd durch die ihr von
Er ist e«, der» Heißgeliebte, — 0, fie hat «e ja ge teufet, — er mufete Wiederkehr««,
An»«-« nimmt entgegen: di« «xyeMtiott d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureanx ton ®. L. Daube & Co. in
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u Ed« Stunde ist vergangen 60 Minuten — für Diqn» eine Ewigkeit, denn jede Minute brachte eine Hoffnung und eine Enttäuschung, i, •>;/. >:< >
Jetzt — nach der letzten, hatsie — wie sie e« sich weuigsteuS sagt — jede Hoffnung aufgegeben. Sie ist auf da» Teppich uiedergesunken, daö Haupt auf die Arme ge» legt und in die Polster deS Divans vergraben. — Eie hat keine Thrän, und kein« Seufzer mehr — nur noch den einen Wunsch r — nichts mehr zu hören, noch zu sehen von der Welt da draußm, nicht den Sonnenschein, nicht' den Vogelgesang «ad vor Allem nicht die frohen Gesichter btt Menschen, -v-
Da — ein Schritt draußm auf dem Flur sie fährt auf — lauschmd wendet st« den Kopf nach der Thür während sie sich selbst einzuredm sucht, um nur nicht wieder so schmerzlich mträuscht zu werden, daßes vielleicht betfelbe Mann sei, der im zwttwn Stockwerke wohnt und welcher gestern fit und Ernst so erschreckt.
■ Doch nein — die Tritte nähem sich der Thür — ihr Herz schlägt zum Zerspringen. Jetzt — ein leises Pochen — tu zwei Sprüngen ist ste an der Thür, — fie will hinaussehen, ihr heißer Athem läßt daS kleine Glas fast »blinden und doch erblickt ste die hohe Gestalt eines Manner, b<t zur Seile getreten ist, wie um nicht gleich gesehen zu teerden. ; ' r>-: ...
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Nun, war thut'S — er kann wohl auch so schnell noch nicht da sei« aber er wird kommen, — gewiß kommen.
Ein Seufzer flieht über ihre blaffen Lippen, fie entzieht ihm die kalte Hand und greift damit in die Luft, hn Nieder sinken eine Stütze suchend. — Er beugt sich über ste. in dem Versuche, fie aufzurichten. ---i
„Wen?" wiederholt er, zitternd vor ErreauM »Richt Dich 1" haucht fie tonlo« und fällt, die Augen chließend, ohnmächtig zur Erde.
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' _ dkom, 20. März. In der heuftgen Sitzung der i Kammer zeigte Minghelti an, daß der König die Demission ■ des Cabinets angenommen habe, daß dieses, jedoch auf 1 Wunsch des Königs bis zur Bildung eines neuen Cabinets weiter fungiren werde. — Ein vom UlsterrichtSminlster erschienenes Decret schließt als gesetzwidrig die sogenannte vatikanische oder päpstliche Universität, welche hier im Palast Altemps ihre Wohnstätte errichtet hatte, Folgendes sind die Gründe, die Herr Bonghi für seine Maßnahme angibt. „1) Nach de» Gesetz vom 13. November 1859 kann der höhere Unterricht nur in RegierungS - Anstalten erthcilt werden oder von Privatleuten nur in Fällen gesetzlicher Ermächtigung; 2) die in Rom unter dem Namen vati- canische oder päpstliche Universität" bekannte. Anstalt wird von Personen geleitet, welche sich Amtsthätigkeiten und Titel anmaßen, die nur denen zukommen, welche vom Könige oder dem Unterrichts Minister ernannt sind oder sonst die gesetzliche Erlaubniß zum Unterrichten haben; 3) das alles ist nicht allein gegen das oben erwähnte Gesetz, sondern auch nach dem Strafgesetzbuch strafbar; 4) diese gesetzwidrige Lkhrgesellschaft zielt nur darauf hin, die Ausübung der Unterrichisgesetze zu stören und die Ueberzeugung zu fördern, daß man auch außerhalb deS Gesetzes und gegen das Gesetz für einen Beruf berechtigt werden könne; 5) die Zeugnisse, Diplome und akademischen Grade dieser vatikanischen Univer- sitäl sind an und sür sich werthloS, aber auch gemeinschädlich, da ihrer Ertheilung augenscheinlich die Absicht unterliegt, ie den gesetzlichen Zeugnissen und Diplomen gleichzustellen ; 6) diese so beschaffene Universität muß ihre Besucher nur zu Schaden bringen, weil der darin ercheilte Unterricht mangelhaft ist, ihre HülfSmittel wie Laboratorien und StMMttMM' Mch WM -sind, 'M-Swdenlm aller,um hre Studien verwerthen zu können,-gezwungen sind, ihren Seruf in ungesetzlicher Weise auSzuühen oder ihre Anerkennung durch das Unterrichts «Ministerium durch'Bitten und Anliegen gleichsam zu erpressen; 7) die Studenten befinden sich deshalb in steter Unruhe über ihre Zukunft; ans dieses sie zu befreien ist eine Pflicht: das kann aller nicht ehell geschehen, -als bis die gesetzwidrige Anstatt ge- chloffen ist; bei der sie angehalten wurden, sich einzuschreiben;
1 ) «US dem Wortlaut der von dieser UniversttSt ertheilien Diplome geht heschor, daß diejenigen, welche dieselbe bilden, ch vorgenommett haben, den jugendlichen Gemüther'n die Ansicht betzubringen, daß die gegenwärtige politische Orb-,
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Kindheit her vertrauten Gänge zur GeiSblattlaube am Ende deS Gartens. ~ 7 ~~ \
, Dort pflegt sie stundenlang zu ptzen, „die blaffe &au mit den traurigen Augen," wie die „Boten-Kathrine" sie genannt — die schlimme Kathrine, die als Alp gehen und das Vieh besprechen kann. Und wenn die eS sagt, da muß eS schon Mahr sein^hLUi die Alte hört das Kra« wachsen und kann mehr al« andere-Keute.
Nach ihrer Meinung aber war «»"Mensch, der mit h traurig en" Augen auf die Welt gekommen, nur zum Ün« glöd geboren und AlleS schlug ihm zum Unheil a«s.
Und wenn irgend eine naseweise Dirne fragte: „Aber Mutter Kathrine — was sind denn „traurige" Augen und wie müssen die aussehen?" 7 - “ ■
Da erwiderte ste verweisend: „Dummes Ding — nicht ein Jeder kennt das heraus — dazu gehört mehr Und ob die Augen schwarz, blau ober grün sind — darauf kommt es nicht an — der Tod blickt eben heraus. Man muß das nur verstehen. Und eine Sehnsucht liegt darin, die nicht von dieser Welt ist!" -i
Keine der Freundinnen und selbst Taitte Ursula nicht, hätte Diana's Seelenzustand, den in unbewach en Momenten da« Auge, der Seelmspiegel, wieder gab, bester schildern können. ' ' V
Bon schwerer Kraükheit genesen, war Diana mit "Tante Ursula, welche zu ihrer Pflege herbeigeettt war, damals nach Tegernhain zurückgekehrt, ohne Kukt wiedergesehen zu haben.
Rosa, die treue Freundin, war an jenem veHängniß- vollen Morgen, auf Ernst v. Hochbergs Bttte, welche er in einigen erklärenden AbschiedSworten an fie gerichtet zu Diana geeitt, leider aber schon zu shät gekommen, um die Begegnung der beiden Gatten zu verhindern. Doch konnte sie wenigstens beim Entkleiden Diana's den Brief Ernst's ' von der Brust der Ohnmächtigen nehmen und vernichten, ehe derselbe zum Berrither ward. r
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Rovelle von Stnft von Waldow. .... ,
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t! Doch schs« Ist die Wange purpurn erglüh^ die Thräne tMstegt, — ein Wagen rollt heran. — Da« ist et! Sie eüt wieder an's Fenster — «eh — er fährt vorbei l ---
bie zur Förderung des Partei-JntereffeS geeignet erscheinen. .
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nimmt entgegen: die «iwedition d. Blatte«, sowie bte Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel mb Hannover; Th. I Dietrich in Frankfurt a. 3R. ; 1
Haafenstein 4 Bögler in jj; Frankfurt a. M, Berlm, Sei»» zig, <bln rc; Rudolf Moffe tn Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Frankfurt a. M. - Jäger'sche BuchhaMung.-in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- ▲ «eher in Berlin; Carl Schütz- v ler m Hannover; E. Schlotte in Bremen.
Wm rechtzeitige Erneuerung, möglichst vor ** dem 28. I. M, der Bestellung auf das zweite Quartal 1876 der r
Bvcrhessischen Zeitung
d»«b bis zu 2 Morgen) den ländlichen Familien die Mög-,^.._..„ w„ws mn„ lichkeit einet Existenz böten, wenn auch der Mann nebenbei hirten Scheidung beider Richtungen in bet protestantischen auf Arbeit gehen muffe. Diese« Verhältniß halte er fürs Kirche führen dürften, sind bereit« beide Parteien bestrebt
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.-41.0. M ihrer Gratis-Beilage' ' L^MMtes SonulagsöM' bei den betreffenden Postanstalten oder den Land^ WstbotW ersucht 3 j»
i. Die Exped. I. Oberhesfifchen Zeitung. * ■ - .......» -
Durch feine industriellen Anlagen in Pommern habe et bte Erfahrung gemacht, daß die innerhalb der Tagelöhner, Familien sich durch besondere Begabung und Fleiß her- vorlhuenden Jndividum Gelegenheit fänden, sich emporzuschwingen; deßhalb sei dort kein Mangel an Arbeitskräften. Er halte also industrielle Anlagen in Verbindung mit der Landwirthschaft für einen Hebel auch unserer gewöhnlichen Tagelöhner-Verhältnisse und glaube deßhalb, daß die große Ausbreitung de« SocialiSmu« in Holstein mit darauf zu rückzuführen fei, daß dort ähnliche Ansiedlungen nach Lage rer Gesetzgebung unmöglich seien. Die Unzufriedenen seibn die, die etwa« gelernt hätten und sich den Weg zum Vor- wärtskommen versperrt sähen. — Der vormalige Bischof Conrad Mattin von Paderborn hat, wie man der „K. VolkS-Ztg." mittheilt, Holland auf längere Zeit verlaffen. Es hieß bekanntlich, daß er nach England gehen würde, für ben Fall, daß die deuffche Regierung wegen ftineS Aufenthaltes in Holland und feiner Wirksamkeit daselbst Vorstellungen machen würde.
Münster, 17. März. Die heute stattgesundene, von seht zahlreichem Publikum besuchte Gerichtsverhandlung gegen den Bischof Wilhelm Emanuel v. Kettelet und den Redakteur deS „Westfälischen Merkur," Grochtmann, wegen Beleidigung deS OberprSstdenten Herrn v. Kühlwetter durch den in Nr. 20 des diesjährigen Jahrgänge« des Merkur abgedruckten Brief von dem ersten Angeklazttn dauerte zwei Stunden-.^ Nach halbstündiger Berathung verkündete der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Herrn KreiSgerichtS- Direttor Schumann folgende« Urtheil: Bischof v. Kettelet st wegen Beleidigung deS Herrn v. Kühlwetter bestraft mit 300 Mk. Geldbuße, den Redakteur des „WestfSlischeu Merkur," Grochtmann, trifft eine Strafe von 1 Monat Gefängniß. --- utviiri it. -ß, yam
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