Nr. 66
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Der von der Pforte zum Gouverneur der Herzegowina ernannte Vaffa Effendi ist api 1h. M. ig. Ra- flufa eingetroffen. Mukhtar Pascha hat mit dem östex> reichischen Statthalter von Dalmatien, FZM. v. Rodich, an der Grenze persönliche Absprache genommen über die zur Beruhigung der zur Heimkehr bereiten Flüchtlinge zu treffenden Maßregeln. Ljubobratic ist am 10. d. M. nebst der holländischen Abenteuerin Markus und mehreren Insurgenten Osficieren bei Jmoschi aus österreichischem Gebiet sestgenommen und abgesührt worden. ... .
Die rumänische Regierung darf keine neue Anleihe machen und muß sich mit der Ausgabe von Schatzscheinen zu Helsen suchen.
Der am 29. Februar io Kragujevatz vorgekommene Krawall ist in Belgrad sehr ernst genommen worden, weil man ihn kommunistischen Umtrieben zuschreiben zu muffen meint. ES stnd sehr viele Personen verhaftet.
Der Khedive von Egypten hat den Generalkonsuln der Mächte angezeigt, er wünsä e allen StaatSgtäubigern volle Sicherheit zu gewähren, und werde die Befugniffe der Commiffare Englands, Italiens und Frankreichs ganz nach deren Vorschlägen jeststellrn.
Das dänische Folkething hat die zweite Lesung des Finanzgesetzes beendet und dabei die vom Marineminister beantragte Summe von 380,000 Kronen für den Weiterbau des Panzerschiffes „Helgoland" weggcstrichen. Ebenso »at es das HeereSorganisationSgeseh mit allen der Regierung nicht genehmen Aenderungen durch die dritte Lesung ge- »racht und jo dem Landsthing überwiesen, das nun feiner« eits wieder alles wegstreicheo wird, was die Opposition jineingetragen hat.
Die Zweite Kammer des schwedischen Reichstage« hat den Antrag des Abgeordneten Uhr, für die Mitglieder der StaatSkirche die Civilehe einzuführen, ohne weitere Abstimmung abgelehnt.
Am russischen Hofe ist der Herzog von Edinburg mit seiner Familie eingetroffen. Seine Gemahlin, Tochter des Kaisers, wird einstweilen in Petersburg bleiben, er selber aber nach dem Mittelmeer gehen, um ein Eommändo in der englischen Flotte zu übernehmen.
«neigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in
Hochberg war anfangs fast betreten über diese Maßlosigkeit des Schmerzes und bot Alles auf, Diana zu beruhigen, doch gelang es ihm nicht und endlich ward er von der Gluth ihrer Leidenschaft, die sich ihm noch nie so klar wie jetzt bei dem drohenden Verluste in dem wilden Wehruf ihres Herzens gezeigt, so hingeriffen, daß er sich zu einer vernünftigen Reflexion immer ungeneigter fühlte, und zuletzt allen Ernstes erwog, ob es nicht am Besten sei, — zusammen zu sterben, wie Diana verlangte, oder über dem Ocean in irgend einem stillen Erdenwinkel eine Heimath zu suchen.
Da trat Rosa mit verlegenem Gesicht herein und berichtete steckend, daß ihre Stiefschwester soeben zum Besuche auf einige Tage angelangt sei und schon g'efragt habe: wer denn die Freundin Diana wäre und warum dieselbe so weine.
Diana trocknete ihre Thränen, sie war plötzlich gefaßter als Ernst, der kaum im Stande war, dem betretenen Mädchen ein freundliches Abschiedswort zu sagen. Diana drängte zum Ausbruch. Schweigend schritten sie durch die Straßen. Jetzt standen sie an dem Hause am Platze still und blickten auf zu den dunklen Fenstern.
„Auch das mußte uns heut noch treffen, — heut!" murmelte er voll Bitterkeit vor sich hin.
Ihre Hand lag schon zum Abschied in der seinigen, da zuckte ein Gedanke durch ihr Hirn und demselben Worte gebend, rief sie: „Nein Ernst, ich kann Dich nicht lasten — ich kann nicht. So wird eS und muß eS gehen. Bleibe Du hier stehen, ich laste nur durch das Mädchen das EntlL öffnen und sende sie dann mit einem Auftrage
nach der Küche. Wenn Du ein Licht aufblitzen siehst uyd dort jene dunkeln Fenster erleuchten, dann eile schnell die Treppe herauf. Ich öffne Dir dann die Thür meine« Zimmers, das direkt auf den Flur mündet und so steht Dich kein Mensch. Dann werde ich Marie zeitig entlasten, auch die Thür nach jenem Zimmer verschließen, in welchem sie überhaupt Abends nie etwas zu thun hat."
„O Dianal" E« lag soviel Glück in diesem seinen, Ausrufe, daß das erste Lächeln heute, wie ein matter Abendstrahl nach regntgtem Tage über ihr bleiches Gesicht zog. Mit einem flüchtigen Reigen de« Kopses eilte sie schnell in'S Hau«.
Mitternacht war schon vorüber. Die Lampe brannte trübe und flackernd und ließ die Ecken des Gemaches unerhellt.
Auf dem Divan saß Diana, den Arm auf den vor demselben stehenden Tisch gestützt und das Gesicht darauf gedrückt und in den Falten deS weißen Mouffelline-Aermel« verborg«, über besten Spitzenbesatz die blonden Locken löse und verwirrt fielen.
Ihr zu Füßen kniete Ernst. Jetzt ergriff er leise die heradhängende Linke ter jungen Frau und küßte sie.
Diana schauerte fröstelnd zusammen bei der Berührung feiner Lippen, dann versank sie wieder in ihr Hirnbrüten.
Da wurde unten die Hausflur hastig geöffnet, Beide schracken auf und blickten einander verstört an.
Ein Tritt ward auf bet Treppe hörbar — noch eine schreckliche Minute, — bet Mann ging langsam an der Thür vorbei und nach dem zweiten Stockwerke.
übertragen wurde; Ricard übernahm baS Innere. DaS Cabinet ist linkes Centrum. Am 13. März erfolgten bie Wahlen deS endgültigen Vorstandes ber beiden Kammern. Im Senate wurde der Herzog von Audlffcet $ PaSquier, ber letzte wohl bewährte Präsident ber Nationalversammlung, mit 203 Stimmen gewählt; bie Bonaparlisten ent hielten sich bet Abstimmung; in ber Deputirtenkammer wurde der Republikaner Grevy, ber Prästbent der Nationalversammlung unter Thiers, mit 461 bei 468 Abstim- menden gewählt. Die Wahlen bet Vite - Präsidenten ergaben im Senat eine schwankende, in bet Deputirtenkammer eine solide" Majorität für die Republikaner. In beiden Häusern wie im'Kabinette herrscht über eine Frage ganz entschiedene EinstimrnigMt: „Front gegen die Bonapartisten."
Nun ber Bürgerkrieg inSpanienzu Ende, fängt der Kulturkampf an, ber diesem Lande, nach ber Erschütterung, welche chie klerikale Herrschaft im letzten Jahrzehnt erlitten, nicht mehr ^erspart bleiben kann. In den CorteS hat die Berathung Über die Antwort auf bie Thronrede schon zu einem sehr hitzigen Turnier zwischen den feindlichen Parteien geführt. Die jetzige spanische Regierung unter Leitung von -CanovaS' bei Castillo ist wahrlich nicht allzu liberal unb wird ber Kirche voraussichtlich größere Forberungen bewilligen, als irgend eine andere Regierung auf der Welt, nachdem das klerikale Regiment Ecuador und in Frankreich von ber Bühne abgetreten ist. Indessen verlangen bie ModeradoS unter betn Namen ber „religiösen Einheit" baS Verbot jedes nicht-römischkatholischen Bekenntnistes, so weit eS nach außen in die Erscheinung tritt; und ganz soweit will das jetzige Ministerium nicht gehen.
Wie in der vorigen Woche das Budget des Heeres, so hat daS englische Parlament in dieser dasjenige der Flotte in Angriff genommen und eine Reihe von Posten davon bewilligt. Die Haltung deS Hauses bei der Gene« ralbebatte zeigte, daß eine Herabminderung der RegierungS- orberungen (L. 600,000 mehr al« baS Vorjahr) nicht zu befürchten ist.
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= ©erlitt, 17. März. Im Handelsministerium wird ein größerer Bericht vorbereitet, welcher die Untersuchungen über die Lage der arbeitenden Claffen darlegen und Anfang Juni extra veröffentlicht werden soll. — Die Behörden sind darauf aufmerksam gemacht worden, daß hinsichtlich der Zurückstellung von Landesbeamten welche der Reserve oder Landwehr angehören, für den Fall einer Mobilmachung oder nothwendigen Verstärkung dcS Heeres fortan die bezüglichen Bestimmungen ber neuen deutschen Wehrorbnung maßgebenb sind. Der Zurückstellung hinter den ersten Jahrgang ber Landwehr dürfen in erster Reihe nur solche Beamten theilhaftig werden, welche in ihren CivilverhSltniffen für militärische Zwecke wirksam stnd. Allein auch diese Beamten können nicht für unabkömmlich erklärt werden, wenn eine Stellvertretung desselben ohne erheblichen Nachtheil zulässig erscheint. Freiwilliger Eintritt unabkömmlich erkärter Beamten darf nur mit Genehmigung des Chefs ihrer vorgesetzten Amtsdehörde statlfinden. Sobald bie älteste Jahresklafse der Landwehr einberufen, erlischt jede« Anrecht auf Zurückstellung. Die zur Ertheilung von lnabhängigkeitS-Zeugniffen berechtigten Civilbehörden theilen die Listen der unabkömmlichen Beamten zum 1. Dezember eben Jahre«, sowie zum 1. Juni jeden Jahre« Nachtrag«, iften den Provinzial-GeneralcommandvS mit, tu bereu Bezirke diese Beamten militärisch controlirt werben. Die Generalcommanbo« prüfen bie ihnen zugegangenen Listen und lassen sie, falls sie im Beanstandungssallo-, p-n dem uständigen Resort-Ministerium al« richtig bestätigt worb« ind, ben Landwehr-BezirkS-CommanboS zugehen. Unab- kömmlichkeitS-Erklärungen im Augenblick der Einberufung
I« Abgeorbnetenhaufe gelangten die Budgetberathungen am Freitag voriger Woche zu dem Etat der CultuS- und Unterrichtsverwaltung und rückten seitdem — unter bestän bigett Beschwerden unb Angriffen aus dem Ceulrum — sehr langsam vorwärts, jedoch unter steter Annahme der von der Regierung ausgestellten Forderungen. — Nachdem im preiißifchen Justizministerium die Besprechungen über die Entwürfe der deutschen Strasprozeßordnung und Ge rtchwversaffUng, wie solche auS der ersten Lesung in der ReichS-Justizkommission hervorgegangen stnd, beendet wor
sowie die Annoncen-Bureaux A
von Th. Dietrich & Co. in M
gaffet und Hannover; Th. , ■ Dietrich in Frankfurt a. M-; ■
Laasenstein & Bögler in 1
Frankfurt e. M, Berlin, Leip- "
•ig Eüln :c; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Frankfurt a. M. -Jäger'sche ■ ■ I ■ ■ 11 I Buchhandlung in Frankfurt a. ■ ■ ■■■■■■ : M.;Juoalidendank, A. Rete-
IUa meyer in Berlin; Carl Schüß-
w (er in Hannover; C. Schlotte
in Bremen.
den, ist daselbst eine Conserenz höherer Juftizbeamlen auS ben Provinzen zur weiteren Erörterung des GerichtSver- faffungSgesetzeS zusammengetreten. Die gemeinsame Be rathung'der Justizminister der Einzelstaaten im Bundes tathe ttirb hierauf bald folgen. In Betreff bet Reich«. Eifenbtrhnm ist nunmehr, offirieller Mittheilung beS „Reichs- Anzeigers" zufolge, im preußischen SlaalSminiflertum bie ungesäumte Einbringung eine« Antrages auf Ermächtigung zuck Verkaufe der preußischen Staatsbahnen unb ber bem Staate zustehenden Rechte auf Bahnen an ba« Reich beschlossen worben.
Die Verhandlungen ber seit bem 1. März tagenben sieb «zehn Landtage CiSleithanien« verlaufen in ruhiger GeschäftSthätigkeit und in Fernhaltung von ber höhere« Politik; nur die ultramontane Majorität des Tiroler Landtages konnte de« Tumulte« nicht entbehren, um gegen die von ber Regierung verletzte „Glaubenseinheit" zu de- monftriren. Die Regierung antwortete bereits am 11. mit Schließung „wegen pflichttvibrigen Vorgehens bet Mehrheit des Landtages". Diese Erklärung geschah im Auftrage de« Kaisers.
Während die längst beschloffene Erhebung des Herrn v. Reubefl zum deutschen Botschafter in Rom durch die Ueberreichung deS Beglaubigungsschreibens in feierlicher Audienz ihren vfficiellen Abschluß fand, hatte sich ein schwere« Gewitter über dem gegenwärtigen Ministerium zusammengezogen. Unzufrieden wie immer, hatte die intriguen» gewandte, obwohl selbst zum Regieren unfähige Linke der Kammer mit dem Zentrum und der unter Peruzzi's Leitung stehenden, durch die Eisenbahngefchäfte der Regierung in chren persönlichm Interessen gekränkten toskanischen Gruppe ber Rechten ein Bündniß geschloffen, welches die alle Majorität vernichten, der Opposition sowohl bei der Wahl der Bice - Präsidenten wie der der Generalbudget - Commission den Sieg verschaffte.
Trotz aller Schränkungen in der öffentlichen Meinung Hot Frankreich eine höchst fruchtreiche Woche gehabt. Am 8. März waren die neuen Kammern eröffnet worben am 9; wurde das neue Cabinet den Vertretern des Landes vorgestellt, und zwar unter Dufaure als Präsidenten und nicht mehr al« Vice-Präsidenten des CadinetS, und unter Trennung des Portefeuilles für CultuS und Unterricht und Bereinigung des ersteren mit dem der Justiz, das Dufaure bchiell, während der Unterricht dem Protestanten Waddington
Erscheint t^lich^außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für baS Quartal mit der wöchentlichen Beilage Svnnlaa»blntt" d"-ch die Srvedition i«och'sSx-
Buch drucker-i) bezogen 25, Mark, durch die Postämter des Dnttfchen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (etf; Mstellgebühr). - Mf^ionsgebüh? für die gefiaftem 10JBfe * tn der Expedition zu ertherlende Auskunft unb Annahme von Adressen werben 25 Pf«, berechnet.
Marburg, Sonntag, 19. März 1876.
:,VV u- Mrgaeg.
' Hi, Schrei.
■ r-.-ffrä von Ernst von Waldow.
, (Fortsetzung.)
Ernst .hatte Briefe von Hause erhalten, welche seine Ankunft bringend erheischten. Der Onkel fühlte sich sehr leibend, Jütte fürchtete eine ernstliche Krankheit, da der Arzt bedenklich den Kopf geschüttelt und von den schlimmen Folgen bet Erkältung in so hohem Alter gesprochen habe. Aus dem ganzen Schreiben, in und zwischen ben Zeilen beffelben klang unb tönte bie eine Bitte — bald Vorwurfs voll, bald sehnsuchtsvoll —: Komm zurück — endlich — endlich l
Höchberg halte ben Brief schon zweimal gelefen unb lang noch ndch einem Entschlüsse.
Grade weil ber Weg oer Pflicht so klar vor ihm lag I »nb tzhre und Gewiffen eine Trennung de« unheilvollen Verhältnisse« zu ber Gattin de« Freundes forderten — «achte die 'Äeve, jene Leidenschaft, die aller Schranken spottet, ihre Macht um fb gebieterischer geltend.
A Endlich schrieb er an Diana, — in der Hoffnung, baß er sie am Abend, wenn fie Zeit gehabt habe, sich mit btt traurigen Nothwendigkeit des Scheiden« vertraut zu Aachen, ruhiger unb gefaßter finden würbe.
Diese Voraussetzung bestätigte sich jeboch nicht, denn Nachdem die junge Frau in Worten geantwortet, welche klnem grenzenlosen Schmerze Ausdruck gaben, warf sie sich am Abend, at» Beide kaum das gastliche Stübchen Rosa'ö ^treten hatten, jede Rücksicht bei Seite setzend, schluchzend a« die Brust be« Geliebten, ihn beschwörend — sie zu : Wen, aber nicht von ihr zu scheiden. - l