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®r- 681 ; ,; Marburg, Sonnabend, 18. März 1876.

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XL Jahrgang.

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Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Matte», sowie die Annoncen-Bureanx von Th. Dietrich L Co. in

Der kleine und mittelstaatliche ParticulariSmus, dem solche Gesichtspunkte allerdings sehr sremd sind «nd der alles nur nach dem Matze feine» SouveränetätSdünkels mißt, sieht natürlich wieder dahinter ein Attentat neuen feine AutorttätSsptelerei. i ;

Wir glauben, der ßitm, den diese Kleinen von ben Meisen erhoben haben, wird sich bald verkaufen, wenn nur i »st Fürst BiSmarck ein ernstes Wort gesprochen hat. Dem Gewichte seiner Stimme gegenüber wird der partieularistische - Spuk sich bald in fein Richt« auflSfen, Die Nation die- mit Recht ein unbedingte« Vertrauen in die Weisheit und ’ >en Scharfblick de« leitenden Staatsmannes fetzt, wird dem Inkengefchrei der Particularistm Ruhe gebieten und die Capaciläten von der Gattung Pfretzfchner und Frieftn zur Ordnung weifen. E« wird auch hier wieder gehen wie mit dem Zollverein. Man wird das Reichseifenbahnfysttm J so lange angreifen und verlästern, bi« eS Wirklichkeii-e

durchgeführt hat. Mit welchem Eigensinn und welcher Verbisienheit haben sich die mittelstaatlichen Minister, die Biedermänner Pfordten, Beust, Varnbühler, gegen jeden । Vorschlag Preußens gestemmt. Mit fanatischem Eifer haben sie das J-Titelchen ihrer Souveränität aufrecht erhalten, von der buntscheckigen UnisyrmSfMerei bis gu dem Post- regal und ihrem GesandtschaftSrecht. Freiwillig haben sie nie etwas geopfert. Der hartgesottene, unfähige und klein­lich beschränkte PartikulariSmus ließ das nicht zu. ES blieb so lange beim Alten, alle die tausend lächerlichen und dummen Mißbräuche wurden ronservirt, bis Preußen an sein Schwert schlug, und den ganzen Plunder auseinander warf. Nur jener Energie des leitenden Staatsmannes haben wir es allein zu verdanken, daß wir au« Her schmach­vollen Verkommenheit herausgenommen und nicht mehr der Spott der Fremden sind. Aber e« scheint, als ob die Lehre von 1866 noch nichts gefruchtet hat, als ob der mittelstaatliche PartikulariSmus sich auf« neue wieder in seiner ganzen Erbärmlichkeit und seiner vSlligen Unfähig, kett zeigen muß.

Die Roth unserer Industrie, das Labyrinth unserer Tarife und die ganze der Vielstaaterei gründlich nachge­ahmte Eifeubahnwirthschaft hat längst eine Abhülfe dringend erfordert. Diese Erkenntniß hat den Titel VII in die Verfassung des Norddeutschen Bundes und de« Deutschen Reiches eingeführt. Also seit 10 Zähren sind diese Uebel- tände ausdrücklich durch die Verfassung anerkannt. Daß re nicht beseitigt sind, daran trägt wahrlich der Deutsche Reichskanzler keine Schuld. |tl„vv

Seite ist alles geschehen, um die ReichSverfasiung auch nach dieser Seite hin wahr zu machen und den Titel VII auS- zuführen. Zm Zahre 1873 gegen Schluß der Reichstags- Session nach großen schwer zu überwindenden Schwierig­keiten, die von Seiten der Mittel- und Kleinstaaten kamen, wurde dem Reichstag ein Eileuba-u-esetz vorgelegt. In der Zwischenzeit wurde von Seiten des Reichstages in Folge der eingelaufenen Beschwerden an den Reichskanzler das Ersuchen gestellt: Die Frage der Differentialtarife aus den Eisenbahnen einer eingehenden Prüfung unter Mit­wirkung von Sachverständigen unterziehen zu laffen und von dem Resultate der Untersuchung dem Reichstage Mittheilung machen zu wollen. Die Untersuchung verlies aber resultatlos. Es zeigte sich nur zu bald, daß den widerstreitenden Sonder nteresfen nur durch ein Reichseisenbahngesetz und die Ein etzung eines Reichseisenbahnamtes beizukommen sei. Im i Frühjahr 1873 trat eine Reichscommisston zusammen, welche i da» Gesetz über das ReichSeisenbahnamt entwarf. Der \

▲ menet in Berlin; Carl Schütz- v ter in Hannover; C. Schlotte

in Bremen.

; Li: ..xnüJ.V l./.iir-Y'-. a ■ F.'Jü i •» Da- Skeich-eisembahnprojekt med der Parti o hkulari-m«-

Seitdnn das Reichseisenbahnprojekt aufgetaucht ist, haben die Schildträger des PartikulariSmus und der Sonder- intereffen wieder einen Gegenstand, den sie mit lautem Halloh auf ihre Fahne schreiben können. Wenn man dem Zetergeschrei der sächsischen und bayerischen Partikularisten Glauben schenken sollte, alSdann gingS der Reichskanzler jetzt wirklich damit um, die Hand an die Existenz der Klein« und Mittelstaaten zu legen; denn nach ihren Ex pektoralionen ist daS Reichseifenbahnprojekt nichts anderes al« der Anfang zum UMergang derselben, al« ein gewalt- thätiger Uebergriff in ihre verbürgerten Rechte, ja al« eine Verletzung der ReichSverfasiung und vereinbarten Verträge selber. Mit dem Föderalismus ist e« zu Ende, wenn das Reichöeisenbahnsystem zur Durchführung kommt, und der Einheitsstaat ist dann nicht mehr aufzuhalten, so tönt her Chorus der Partikularisten und ihrer Nachbeter.

Und doch ist dieses Geschrei jedeSmal von den Eng­herzigen und Kurzsichtigen erhoben, wenn Preußen einen Schritt vorwärts thun sollte, um unsere wirthschaftlichen Znteresien zu fördern. Welch ein Lärm wurde im Zahre 1828 erhoben, als Preußen den Zollvertrag mit Heffen- Darmstadt fchloß. Damals zeigte sich der mittelstaatliche PartikulariSmus und lhm nach die bornirte öffentliche Mei­nung ganz besonder- empört. In Frankfurt am Main arbeitete unter den Augen des Frhrn. von Münch-Delling- Hausen, des k. k. Gesandten, eine k. k. Correspondenzsabrik und überschüttete die preußenfeindliche Presse förmlich mit ihren giftigen AufhetzungSartikeln gegen Preußen. Die unseligen Darmstädter Zudustriellen sollten Haus und Hof verlaflen, um den preußischen Zöllen zu entgehen. Die Augsburger Allgemeine ließ sich aus Darmstadt schreiben: »man muß heute einundzwanzig Mal Preußisch reden, ehe man einmal Hessisch reden darf, daS unglückliche Land trägt zweifache Lasten, die neuen Marken und die alten, da ja für Wein und Tabak Ausgleichungsabgaben erhoben werden.* In diesem Sinne bewegte sich damals die öffent­liche Meinung in Deutschland. Der Unverstand, daS Psalphilisterium, die kleinstaatliche Bonirtheit hatten Jahr aus Jahr ein kein größeres Vergnügen als den Zollverein zu bekämpfen. Und doch ist er gerade die einzige Ursache unsere« industriellen und volkSwirthschaftlichen Aufschwunges und die Grundlage, auf dem das deutsche Reich erwachsen ist.

Und wie e« mit dem Zollverein gegangen ist, so ist es mit allen anderen Reformen, welche Preußen für Deutschland 1

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m Berlin, grentfurt a. M.3;

Staffel und Hannover; Ty. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlm, Leip­zig, <wn k ; Rudolf Moste

Zweck desselben bestand in der Durchführung des Tit. VII. d" Verfassung und in der Entwerfung des Reichseisen. bahngesetzeS: Da« Eisenbahnamt hat alsbald seine Arbeit aufgenommen und zwei Gesetzentwürfe angefertigt; aber beide sind nicht zur Annahme gelangt, sie scheiterten an der Engherzigkeit de« ParticulariSmus. Inzwischen trat durch die Noch der Verhältnisie die Regelung der Angelegenheit mtt erneuter Schärfe hervor. Die Zerfahrenheit der Tarife, die Erhöhung derselben und die colvssalen Nachtheile, welche der Industrie daraus erwuchsen, veranlaßten die Einberu­fung einer Enquete-Commission von 48 Sachverständigen zur Ordnung der Tarif »Verhältnisse. Aber auch die Be« - rathungen dieser Commission waren ohne Erfolg. Erst - jetzt nachdem sich alle Bemühungen der Reichsregierung zur Regelung dieser Angelegenheit als vergeblich erwiesen hatten, trat der Reichskanzler dem Projekte der Erwerbung der Staat«- und Privatbahnen durch das Reich näher. Nur auf diesem Wege ist e« allein möglich, die schreienden liebet, stände in dem deutschen Eisenbahnwesen zu beseitigen unv 1 ben Widerstand des ParticulariSmus und der Sonderinteresien zu besiegen. Sofort war die ganze Meute der Particu- laristen wieder auf den Beinen und beschuldigte den Reichs­kanzler, diese« Projekt nur al« Handhabe für eine politische Vergewaltigung erfunden zu haben, obwohl diese Behaup- .. tung doch eine handgreifliche Lüge ist; denn es handelt sich einzig und allein dabei, um au« unserer wirthschaftlichen Confusionität heraus zu kommen, dem Eisenbahnschlendrian t , , «n Ende zu - machen, die Tanfwillkür und Confufion zu

3” 6onJein« beendigen unv unser« Wehrfähigkeit und Widerftand-kraft

Sijfelt Anzeigen nimmt entgegen: die Gchedttion d. Blatte», . sowie bie Amwncen-Bureaux von L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jüger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete-

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Vierzehn Tage waren vergangen. Diana träumte noch von der Ewigkeit der Liebe, welche überhaupt sie so oft in Frage gestellt hatte.

Man behauptet, daß die Convertiten stets die eifrigsten "nd gläubigsten Bekennet find, und hat da« mit zahlreichen Verspielen belegt, , / '

Nun, Diana wat tine solche Gläubige geworden und Wit der den Frauen eigenen Opfersreudigkcit gab sie sich mit voller Seele dem neuen, so süßen Gefühle der Liebe hin und brachte al« erste Gaben an deren Altar den Zwei stl an der Göttlichkeit jene« wunderbaren, sympathischen 2"Se», der so mächtig Herz und Herz verbindet, dar.

Die Welt, in der ste sonst gelebt, mit ihren kleinen und Freuden, war hinter ihr wie versunken und hatte auch nicht mehr da« geringste Interesse sür ste. Mit s^eßem Gleichmuth ertrug sie die Nachricht von einem «tonbe in Tegerhain. Zwar hatte da« Feuer, welche» *Urch bie Nachlässigkeit der Haushälterin entstanden war, die Ausstattung einiger der oberen Zimmer beschädigt,

auch wirklich erst in einige Aufregung, als daS Ergebniß den Kreis berührte, der ste in magischen Fesieln hielt.

Durch die Entfernung Tante Ursula's hatten Beide allerdings eine scharfsichtige Beobachterin verloren, zugleich

doch wurde Tante Ursula dadurch zur plötzlichen Abreise bewogen.

Die gute Dame, welche die Angst, daß ttwa ihre kost­baren Sammlungen oder Bücher gelitten hätten, in große Aufregung versetzte, bemerkte eS kaum, wie gefaßt die Richte

Ernst, der bei aller Leidenschaftlichkeit nicht so aus­schließlich wie Diana von dem Gefühle beherrscht wurde auch als Weltmann das Gefährliche der Situation be­treffend den Ruf der excentrischen jungen Frau, sehr'klar durchschaute, hatte bald seine Maßregeln getroffen, um das Verhältniß so viel als thunlich ben Blicken der schmäh - süchtigen Menschheit zu entziehen.

Dazu kam, daß ohne die Gegenwart der Tante die junge Frau den Geliebten unmöglich in das Haus laben durfte. CllA A kt A AM r Ia.m AM CVZ1 Sfl X. ZI. - _

stifte de« jungen LiebeSglückeS sollte von kurzer Dauer--' sein, denn e« trat Regenwetter ein und fast herbstliche Kühle - Eine „Landpartie" um jeden Preis hätte also selbst den Domestiken gegenüber Auffehen erregen müssen. rn

Jetzt faßte Diana einen kühnen Entschluß, dessen Au«. - führung ihr allerdings nicht leicht ward — ste zog ihre Freundin Röschen in’« Vertrauen.

Diese, ein alternde« Mädchen ohne die sprichwörtliche ' Medisance und Bitterkeit eines solchen, von sanftem Cha­rakter und Diana herzlich zugethan, erschrak zu Anfang sehr Uber diese Mtttheilung, und beschwor die junge Frau ein Verhältniß bei Zeiten zu lösen, au« dem sie nut Un^ he" für Alle sprießen sah. Doch Diana schüttelte mit einer' • gewissen finsteren Entschlossenheit, die von je ihrem Han -' dein in entscheidenden Momenten etwa« Männliche« gegeben a bo« ^aupt und endlich gelang es ihren schmeichelnden Bitten, Röschen da« Versprechen abzuzwingen, dem heimlichen Bunde - Schutzenn zu werden. - - :

öwi da ab sahen sich die Siebenten täglich bei Rosa die mit großer Gutmüthigkeit und jenem feinen Takte de« Herzens, welcher zumeist nur den Frauen eigen ist, sich unter den verschiedenartigsten Vorwänden in ihr Schlaf­zimmer zurückzog, die Beiden sich selbst überlasiend.

Daß Diana in diesem seligen Traumleben, welche« fk der Wirklichkeit und dem Zwange der Süßeren Verhältnisie gänzlich entrückte, nur seltene und flüchtige Briefe an ihren Mann schrieb, welche die (einigen so ungenügend beant­worteten, daß der pedantische fturt oft ernstlich mit seiner kleinen nachlässigen Frau zürnte, war sehr natürlich „ Aber eS kam ein Tag nach dem Verlaufe jener vierzehn glücklichen Tage, deren wir zu Anfang erwähnten, welcher für die zwei Menschen gerade so trübe und thrän-nschwer begann, wie in der Natur mit dem Morgenregen, der au« ben grauen jagenden Wolken unaufhörlich auf bie Blumen- Pracht der letzten erblühten Rosen niebertrofi und die zarten ' Blätter erst mit Thautropfen schmückte, sie aber allmälia zerriß und auf dm naffen schwarzen Boden zerstreute.

(Fortsetzung folgt.)

Sie waren schneit fortschreitend an einer Querallee an­gelangt, die durch eine düster brennende Oellampe eine Strecke weit matt erleuchtet ward^da wandte sie, nachdem I diese Nachricht und ihre Abreise ertruä. D*®iana‘aeri7th " geendet, den Kopf, von dessen lichter Lockensülle der —a 2- “ « -- - - H -

weiße Cachemir vdk verhüllenden Kapuze geglitten war. lind e« war, ak» zuckten ihre Sippen in tiefem, mächtig niedergehaltenech Schmerze, al« hingen Thränenperlen an ________a. ..... ...V[llvlcu

b«n dunkleo Wimpera JUUla16 leuchtete doch. In. dcm scuch- aber auch eine mögliche Beschützerin ihres Bunde«.'' " ten Glanze eine Flamme, die «st dem kalten Lichte der T * • - - ■ • -

©terne, das er soeben geschmäht, nichts gemein hatte. _ Frau den (geliebten unmöglich in bas Haus laben dürfte

Und da war et auch schon neben ihr und seine starken-s Das waren die ersten kleinen Wölkchen an dem LiebeShimmel Arme umfingen ihre bebende Gestalt und preßten sie an L-: " - °------ -

P»S klopfende Herz und die Lippen, welche den ihren so nahe waren, fragten stockend: „Diana — Diana — soll ich nicht Scheu — soll ich bleiben — bei Dir bleiben?!"

Zwei ^age nach jenem Abendspaziergange im nächtigen Parke hatte et sich officiell von Diaya verabschiedet, auch seine Wohnung im Hotel aufgegeben und ein Gasthaus dritten Ranges in der Vorstadt bezogen.

Freilich klagten Beide darüber, daß sie sich nur noch Abends sehen konnten, wenn da« Halbdunkel in den Gängen de« Parkes jede Furcht, erkannt zu werden, zerstreute.

Allerdings wurde ihm die Zeit in dem einsamen Gast- ; hause trotz einer eifrig geführten Correspondenz mit Diana, entsetzlich lang und er kam auf den illusteren Einfall — wie er selbst ihn nannte, schon bald Nachmittags in einem j chlichlen Fiaker über Land zu fahren und mit ängstlicher I Vermeidung aller besuchten Bergnügung-otte, in der stillen 1 3aube irgend eines DorfwirthShauSgartenS köstliche unbe i lauschte Stunden mit der Geliebten zu verplaudern und I zu verlosen. .

c Doch die Freude über dir schattige lauschige ZufluchtS.

Ei» Schrei. ' ■■

"’b3** i - Novelle von Ernst von Waldow.

‘ (Fortsetzung.)