Sr. SS.
Marburg, Freitag, 10. März 1876.
XL Zahrgaig.
Anzeigen nimmt entgegen:
Kövtgin Luise.
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aus
Schelm! aber höre weiter. Dann kannst Du auch
der der
Sie fest umschlungen Haltmd, ging et in dem Gemache und nieder, während er tröstend sprach:.. >• «Sieh, Diana, wie schnell vergeht eine Woche nach anderen. Du selbst haft neulich über den raschen Flug Zcit geklagt —"
von mir so kalt läßt, daß Du in den letzten Momenten des Beisammenseins noch satyrische Bemerkungen über meine Trauer machen kannst — dann —" 5
»Nun — dann?" fragte er, fich neben ihr auf der Eauseuse niederlassend.
»Dann werde auch ich das Unvermeidliche mit Würde tragen — es ist eben Alle« reciproque, mein Lieber I"
Er schlang lachend seine Arme um ihre feine Taille. »Sieh, fleh, welch' ein wildes Täubchen meine kleine Sanft- muth zu Zetten sein kann. Jetzt aber von ernsteren Din- gen. Ich dichte, Du solltest rt hinlänglich wissen, wie sehr mal ä propos mir das Commando nach Silbestein kam. (56 ist wahrlich kein Bergnügeu, in dieser langweil ligen Bergfeste 2 Monate auszuhalten, so schön auch die environs find. Dazu der anstrengende Dienst und die Sehnsucht nach meiner kleinen Frau."
Er zog fle sanft an fich und küßte die vollen, ihm zugeneigten Lippen; dann warf er wieder einen Blick nach der Uhr und erhob sich. — „Es ist Zeit — ich werde dem Burschen sagen, daß er mit dem Gepick voran fährt." , .
„Ja, weil ich mit Schreckm den Tamm Deiner Abreise nahen sah —" m-r.-j
„Still, ungeduldiges, kleines Herzl Bedenke, wie so manche» hübschen Zeitvertreib Du Dir machen kannst. Du gehst mit Deiner Tante spazieren, auch einmal tn's Loncert oder Theater. —"
„Bist Du nicht eifersüchtig?" unterbrach fie wieder, den Kopf erhebend. ;
Ec lächelte. „Nein, ich bin nicht eifersüchtig."
„Ganz und gar nicht?"
Kraft und Tiefe gewonnen hat, hat deshalb fort und fort eine innerlich segensreiche, ernst sittliche Kraft für unser Volk gehabt: von dem wehmüthigen und doch so erheben den Gedächtnifie der edelsten Königin ist ein neuer reicher Segen ausgegangen für den Thron der Hohenzollern, für das preußische und für das ganze deutsche Volk.
Denn auch darin hat sich das wahrhaft prophetisch« Wesen der Fürstin bewährt, daß sie mit bewunderungswürdiger Klarheit und weit über das Berständniß der meisten Zeitgenossen hinaus den innigen Zusammenhang der Größe Preußens mit den nationalen Geschicken ganz Deutschlands erfaßte und ahnend verkündete. Wie sie selber in Wesen und Sitte das herrlichste Bild und leuchtende Vorbild einer echt deutschen Frau war, so war ihr Denken und Streben auch durch und durch von deutschem Geiste erfüllt und stets auf „da» Ganze", auf die nationale Wiedergeburt Deutschlands gerichtet. Als btr „Schutzgeist deutscher Sache" wurde fie im Leben und im Tode von den Dichtern der großen Zeit gefeiert.
Was die hohe Frau mit Thränen gefiel, das ist bald nach ihrem schmerzlichen Hingang in überraschender Weise geerntet worden, — aber die volle Ernte war erst unserer Zeit beschieden.
Mit dem sittlichen Ernst und der Liebe zum Volke ist auch der deutsche Geist der Königin Luise auf ihre Söhne übergegangen. Friedrich Wilhelm IV. sprach einst: „Deutschlands Einheit liegt mir am Herzen, sie ist ein Erbtheil meiner Mutter", — und was der hochselige König geistig mit angebahnt, das hat unser jetziger König glorreich zur Erfüllung gebracht, herrlicher als die erhabene Mutter es zn ahnen vermochte.
„Ich bitte Gott täglich in meinem Gebete, daß er meine Kinder segnen und seinen Geist nicht von ihnen nehmen möge," — schrieb die Königin ihrem Vater. Ihre heißen Gebete für ihre Linder sind von Gott dem Herrn erhört worden und damit zugleich die Gebete für ihr Land und Volk. ■ ~
Der Sohn der Königin Luise steht heute nicht blos als König des an Macht und Ehre erhöhten Preußen, ondern als Kaiser des neu erstandenen deutschen Reiches allverehrt inmitten deS deutschen Volkes, und mit den Gefühlen dankbarster Erinnerung an die große Königin teigen die heißen Segenswünsche der Nation für den Königlichen Sohn empor, durch welchen das Vermächtniß der erhabenen Fürstin unter Gotte« sichtlichem Segen in wunderbaren Erfolgen zur Erfüllung gelangt ist.
Möge der Geist der unvergeßlichen Königin auf unserem Throne und in unserem Volke auch fernerhin segnend waltenl. , . (Prov. Eorr.)
WcchWc Jriltmg.
i Deutsches Reich.
** Betli») 8. März. Für alle Verwaltungen find Dienstanweisungen vorhanden, bei denen Revisionen und Zusätze von Zeit zu Zeit! erforderlich sind. Den meist« Aenderungen unterliegt jedoch die Dienstanweisung für die Beamten der Post, da auf diese» Institut die Umwandlungen deS inneren und internationalen Verkehrs die Rück- sichtSnahme auf die Gewohnheiten des Publikums immer von Neuem einwirken, wozu auch die in der letzten Zeit vielfach durch Verträge eingetretenen Umwandlungen der postalischen Beziehungen zum Auslände beitrugen. Die oberste Postbehörde hat nun eine große Anzahl von Berichtigungen zur Allgemeinen Post - Dienstanweisung, einschließlich deS Posthandbuches, wargenommen, welche den Postbeamten zur Kenntniß gebracht worden sind. Von diesen sollen diejenigen, die ein Jntereffe für da« Publikum haben, mitge- theilt werden: „Offene GeschästSkarten, welche auf der Vorderseite nur die Adresse, die gedruckten Mittheilungen dagegen auf der Rückseite enthalten, können auch dann zur Beförderung gegen die ermäßigte Taxe für Drucksachen zu- gelafien werden, wenn sie auf der Vorderseite -die Ueber- schrift „Postkarte" nicht tragen, sofern fie nur im klebrigen in Form und Größe mit den gewöhnlichen Postkarten, übereinstimmen." — „Wissenschaftlichenund technischen Zeitschriften dürfen bei der Versendung unter Band kleine Stoff- und Zeugmuster beigefügt werden, insofern die Muster lediglich als unentbehrliche Beigabe» zur Erläuterung deS Textes bienen. Bedingung ist, daß derartige Muster aus kleinen, dünnen Stoff- oder Zeugabschnitteu bestehen, welche die Stärke de« zu der betreffenden Zeitschrift benutzten Papiere- nicht erheblich überschreiten, ferner, daß dieselbe» in keinem Falle die Eigenschaft einer eigentlichen Waarenprobe haben und daß die Sendungen — gleich allen übrigen Drucksachen — in jeder Beziehung zur Beförderung mit der Briefpost geeignet find. Alle anderen Drucksachen, namentlich kaufmännische Kataloge, Preislisten it., denen Stoffoder Zeugmuster beigefügt sind, unterliegen dagegen der Taxe für Waarenprobe».^ — „Die nur mit einer Chiffre versehenen postlagernden Briefe, deren Weiterbeförderung an eine bestimmte Person nach einem anderen Orte verlangt wird, erhalte» durch die Aufschrift der neuen «dreffa die Eigenschaft neuer Verscndungs Gegenstände und müssen daher bei der Weiterbeförderung von Neuem mit Porto belegt werden."
— Wie in einem Theil unserer gestrigen Nummer elegraphisch mitgriheilt, gedenkt unser Kaiser am Freitag, 10. März, die Feier des hundertjährigen Geburtstage« der hochseligen Königin Louise im Kreise der Königlichen Familie und der dazu in Berlin eingetroffenen fürstlichen Anverwandten in aller Stille zu begehen. Um lli/2 Uhr Vormittag« findet im Mausoleum zu Charlotteuburg bet Fest- den meisten Fällen auf eine bewegte Vergangenheit schließ« läßt, etwa» aristokratisch Blastrte» verlieh. Er war fich dieser persönlichen Vorzüge und der Macht, welche biefeiben auf weibliche Herzen übten, auch so vollkommen bewußt, wie ein jeber hübsche, junge Mann die» zu sein pflegt. Und obwohl es Manche gab, welche sei» „reservirte» Wesen" langweilig fanden und seine kühle, verständige Art, durch da« Leben zu gehen, für Mangel an jeder höheren, idealen W ltauschauung erklärten, hatte Kurt natürlich eine ganz andere Anschauung von sich selbst, und mußte ihm auch schon die zärtliche, hiugebende Liebe Dianens ein Beweis seines WertheS fein.
Gewöhnt, die junge Frau durch Worte und Blicke zu lenken, versuchte er denn auch jetzt feine» ganze» Einfluß, um sie au« ihrer exaltirten Stimmung, wie er es nannte, zu reißen.
die CtycbitU» d Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in _ Frankfurt a. M.'Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, Ä. Rete» ▲ meyrr in Berlin; Earl Schüß-
ler m Hannover; 6. Schlotte in Bremen.
6».b Ei, Schrei. - ■
Novelle von Ernst von Waldow.
„Alle Wetter, e» ist schon Sieben l Da muß ich mich ja fettig machen, die Post geht präcise 8 ab."
„Set ohne Sorge, ich habe die Uhr um 20 Minuten dorgeftellt, weil e» mir gewissermaßen ein beruhigendes Gefühl ist, zu denken, es fei noch nicht so spät."
Der hübsche, blonde Manu, an den die Frau diese Worte gerichtet hatte, wandte sich yo» dem Kamine, wo et den Zeiget bet Pendule um die Zeit befragt, ab und bet Sprecherin zu, mit einem Lächeln, baS gutmütigen Spott auSdrückle, während er, ihre Hand ergreifend, sagte: „Ich habe Euch Frauen immer für recht merkwürdige und schwer definikbate Wesen gehalten; Du aber, kleine Schwärmerin, leistest in diesem Genre bas Außerordentlichste. Nachdem Du mir versprochen hast, so brav zu fein, wie e« der Frau eine» Soldaten geziemt, und Du auch wirklich vvrhiu ganz ausgelassen lustig warst, so daß ich schon hoffte, bet Abschied würde ohne eine große Rührscene — vor bet ich mich mehr fürchle, als vor dem Kartätschen- feuet — vorübergehen, — machst Du Experimente mit der Uhr, bereu richtige Gangart immer meine Freude war, u»d jetzt — stehl jetzt hast Du gar Thränen in den Äugen l" 3
lieber ihre weichen, saft noch kindlichen Züge, welche, obgleich fle nicht die strenge Regelmäßigkeit bet Schön- heit-form trugen, 'eines eigentümlichen Zaubers nicht katdehrten, flog e« wie ein Schatten, und die blauen, Achten Augen, in denen eben »och eine schmerzliche Sehnsucht gelegen, blitzten jetzt fast trotzig aus, al» fle fest Liberte:
„Nun, Kurt, fürchte nicht«, ich werde Dir keine „Scene" buchen; denn wenn Dich eiee zweimonatliche Trennung
Anzeige« nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Diettich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Hassenstein L Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Cöln rc; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Mit unserem KönigShause feiert in d lesen Tagen daS gejammte Vaterland einen Gedenktag so hehr, so weihevoll, wie er selten von einem Volke begangen worden ist.
In bet Königin Luise, deren hundertster Geburtstag qm 10. März gefeiert wird, verehrt unser Volk nicht blo» da» erhabenste und sympathisbste Bild edler Frauengröße, sondern zugleich eine Hohepriesterin echt nationalen Sinnes und Geistes und eine Prophetin unserer nationalen Erhebung und Größe.
Nicht eine Helbenfürstin im eigentlichen Sinne war unsere herrliche Königin, — nicht um äußerer Großthaten willen, nicht durch selbstständiges Eingreifen in den Lauf der Ereignisse wird ihr Name in der Geschichte verzeichnet sein, und doch, so lange das preußische und das deutsche Volk der glorreichen Epoche am Anfänge diese» Jahrhunderts gedenken, wird mit den erhebendsten Erinnerungen da» Gedächtniß der Königin in hervorragender Weise verknüpft bleiben. Grade daß die Fürstin in ihrem ganzen Streben und Wirken bei dem lebendigsten und tiefsten Interesse für daS Heil des Volkes und die WiedererHebung des Staate« doch die Sphäre echt weiblichen Waltens niemals verlassen, eine unmittelbare Betheiligung an den Staatsangelegenheiten nie gesucht, und dennoch auf die Entwickelung der nationalen Gedanken und Gefühle in ihrer Tiefe einen so gewaltigen Einfluß geübt hat, — das verleiht ihrer erhabenen Gestalt einen so unvergleichlichen histo rischen und sittlichen Zauber. Nicht eine Heldin unmittelbarer Thai, — aber eine Heldin des muthigen Duldens und kräftige» Ausharrens und vor Allem eine Heldin des begeisterten und begeisternden Glaubens, des religiösen und politischen Glaubens und Hoffens war die Königin Luise, — und deshalb war es ihr beschieden, einen mächtigeren Einfluß auf die Erstarkung der Geister und auf die endliche Wiedererhebung Preußens und Deutschlands zu gewinne;,, al» irgenb einer der große» StaatsPäuner und Helden der gewaltigen Zeit.
Was der Wiedererstarkung Preußen» nach dem jähen Sturz, waS der Volkserhebung zu den Freiheitskriegen die höchste Kraft und eine segensreiche Bedeutung weit über die immiltelbaren Erfolge hinaus verlieh, das war ja die sittliche Wiedergeburt deS Volkes, welche nach dem Sinn und Streben der edelsten unter den Staatsmännern der Befreiung vorausgehen sollte, — und inmitten dieses tief eruste» Streben- grabe stand Königin Luise mit dem ganzen Eifer ihrer reinen Seele, mit dem ganzen Feuer ihrer heilige» Begeisterung, mit dem ganzen milden Zauber ihre» die Höchsten, wie die Niedrigsten gewinnenden Wesens. Die der Königin Luise gewidmete Liebe und Perehrung, die durch den Mäpthrerkranz der hohen Dulderin noch an
Erscheint tägl 1 ch außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS SauntaaSblatt" durch die Srvedition (K0<6'fd>e Buchdruckeret) bezogen % Wart, burd) die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pf», (eil. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Heile 10 Pf« $ 5ftr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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„Äurtl" fie rief rS so schmerzlich, unter halb unter- drückiem Schluchzen, daß er im Innersten erbebte, trotzdem aber unmuthig den Kopf schüttelte, fast wie abwehrend, als sie sich leidenschaftlich in seine Arme warf und ihn so verhinderte, das Zimmer zu verlassen.
„Diana, hältst Du so Dein Versprechen?" Er streichelte ihr leise wie einem weinenden Kinde daS weiche, blonde Lockenhaar. Seine Haren, hellblauen Augen, die gewöhnlich sehr ruhig, saft kalt blickten, schimmerten sogar in einem feuchten Glanze, al« er sich zu ihr herabneigte.
Kurt von Franken war ein hübscher Mann, von schlanker, «tutu wann lannn iuu aua?
biegsamer Gestalt und edlen GefichtSzügen, denen jene recht fleißig fein, englische Vokabeln lernen, in dem neuen Bläffe, welche die Frauen so interessant finden, «eil fie in Kochbuch lesen, Dir hübsche, weiße Küchenjchürzchen machen