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XL Jahrgang
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«Le roi est wort, vive le roi I» hatte Bifchofswerber
und Schulftellen. Im Allgemeinen wurde die Vorlage der Regierung angenommen, jedoch mit einer sehr wesentlichen Modifikation, da der Landtag entgegen dem Vorschlag der Regierung, welche eine sünfundzwanzigfache Kapitalisirung der Geldrente forderte, nur eine zweiundzwanzigfache be willigte. — In dem betreffenden Ausschuß des Landtags hat ffch die Majorität für die von der Regierung bean fragte Modifikation des Wahlgesetzentwurfs, daß auch den privilegirten Wählern die Theilnahme an den allgemeinen Wahlen neben dem bereits von ihnen ausgeübten Senator» Wahlrecht znstehen solle, ausgesprochen, doch ist es Zweifel haft, ob das Plenum sich dieser Ansicht anschließt. — Zn der vorgestrigen Sitzung erklärte StaatSrath v. Groß in Beantwortung einer früheren bezüglichen Interpellation, daß die Regierung im Einvcrständmß mit dem preußischen Han- delsminisier die Einstellung des BahnbaueS der Strecke Magdeburg-Erfurt nicht genehmige, daß man aber noch über die Zwangsmittel gegen die Bahngesellschaft M Der Handlung stehe. — Auf eine neue Interpellation, darüber Auskunft zu geben, warpm die von dem Schulvorstande eines Ortes im^Eisenacher Oberlande beschloffene Errich tung einer Simultanschule nicht genehmigt worden sei, behielt sich die Regierung die Antwort vor.
Stuttgart, 6. März. Nach einer Meldung des „Württembergischen Staatsanzeigers" auö Berlin hat der Vorsitzende des JustizauSschuffeS des Bundesraths, MinIM Leonhardt die Mitglieder des Ausschusses aus den 3. April nach Berlin einberufen. DaS Referat für die Stafprozeß- Ordnung ist dem Minister von Mittnacht, für die Sivil- Prozeßordnung dem Minister Fäustle, für das Gerichts- BerfassungSgesetz dem Minister Abeken übertragen. — AuS Anlaß des heutigen königlichen Geburtstages ist u. A. dem Präsidenten der Abgeordnetenkammer Hölder das Comlhur- kreuz des Kronenordens verliehen.
Viünche«, 4. März. Die in der gestrigen Kammersitzung vom Abgeordneten Freytag abgegebene zweste MißtrauenSerkiärung gegen das Ministerium läßt zwei wichtige Thatsachen constatiren : die eine, daß der bekannte Octobererlaß des Königs an das Ministerium, richtiger an das Volk, die vielleicht beabsichtigte Wirkung im dentalen Lager nach keiner Seite erzielt hat, also in den Wind gesprochen war, die andere, daß die patriotische Fraktion nach wie vor einig dasteht und auch mit vollster Einigkeit in eierlicher Weise sich als „Sr. Majestät getreueste Oppost- on" vor dem Lande erklärt hat. Die erstere Thatsachr kann unter den in Bayern obwaltenden Parteiverhältniflen niemanden überraschen; denn dieselben sind derart zuge- spitzt, daß die Krone nichts klügeres thun kann, als die beiden Parteien sich die Stärke ihrer Köpfe'aneinander ruhig versuchen zu lassen und sich zu hüten, sich irgendwie in den Kampf herabzerren zu lassen. Billiger kann man
Mecklcnburg-Strelitz. Wenn das am Abgrunde stehende Preußen sich trösten wollte, dann richtete es seine Augen auf die kronprinzliche Idylle, aus deren Kreisen mancher Charaklerzug in das Publikum gedrungen war. So wußte man, daß die Kronprinzessin, nachdem sie erfahren hatte daß ihr Sonntagsgast General Köckeritz nach Tische raucht' ihm die Pfeife und den brennenden Fidibus selbst gereicht hatte. Auch erzählte man von ihr manche piquante Antk dote, wie sic das Ceremoniell der Oberhofmeisterin, Frau
•) Urtier das HauS, in dem Königin Luise von Preußen in Hannover geboren wurde, gibt ein Localhistoriker im «Hann. Tagebl." ausführlichere Mittheilungen, denen wir solgeiide Notizen entnehmen. Hinter dem Reithause aus
Dem naßkalten Tage war ein trüber Abend gefolgt. Ueber den HavelgewÄssern schwebten gespenstige Nebelmassen und über den heiligen See zog es wie ein graues, riesiges Geisterheer, das sich, eine umschleiernde Wolke, um das Marmo,palaiS breitete.
Drinnen aber lag in den letzten Zügen König Friedrich Wilhelm der Zweite von Preußen. Keine Kunst der Erde hatte jein Leben länger retthü können. Der Tod streckte nach dem von seinen Günstlingen.schwer gemißbrauchten Monarchen nicht «ehr die Hände au»; Chatte den nach Luft ringenden Mann schon ergriffen.
An dem Lederftuhle, auf dem der nichtswürdig umgarnte
»Ich werde Seine königliche Hoheit zu versöhnen Mchm," jagte Bischofswerder und eilte mit den Kronin- Mien nach Paretz, dem ländlichen Asyle de» Thronfolgers, ** Sohnes Friedrich Wilhelm It
Zn Paretz hielt der Kronprinz nicht Hof; er lebte dort ie ein bescheidener, fast amer Landedelmann i.
dem Walle lag vor eiuigm Jahrzehnte»eine offene Sormuer- _ : e*n Ddst - und Gemüsegarten ge- v
war. Oberhalb dieser Sommer-Reitbahn erhob stch eine Anhöhe, offenbar ein Ueberblcibjel von dem alten Walle und den alten Festungswerken. Auf dieser Anhöbe stand ein herrschafliicheS LnsthauS, das im Anfänge de« Jahrhunderts von dem General v. Weyseu erbaut war und daher Weyseu - Laube genannt wurde. In demselben ist dje Wohnung verschiedener angesehener Personen gewesen, so der Gräfin Yarmouth, des FddmarschaUS von Spörken und mehrerer Minister, benen es vom Könige zur Sommerwohnung bewilligt war. So hatte e« der König - Georg HL auch de« Herzog Karl von Mecklenburg zur Residenz bewilligt, ai« derselbe Gouverneur von Hannover war. Hier wurde V/sKönigin Luise geboren. König Georg V. hat das HauS, als es abgebrochen werden mußte, im Weifengarten wieder aufbaucn lassen; in ihm befanden sich anfänglich die. Sammlungen be« Weifenmuseums. Die Taufe sand am 25. März in der dortigen Heiligengeist- Kirche statt. Der Auszug au« dem Kirchenbuch lautet wörtlich wie folgt: Anno 1776. Laustag: Mensis Martins 25. Namen des Kindes: Louisa Augusta Wilhelmina Amalia. Namen der Eitern: Sr. Durchi. Prinzen Carls zu Mecklenbi-Strel tz und Friedetica Carolina Louisa, Durchi Prinzessin von Hessen Darmstadt, junge Prinzessin' atb. am 10. Mart. Morgens 7 Uhr. Namen der Gevattern • Die hohen Tauipathen waren: 1. Prinzeß Charlotte von Hessen- Darmstadt, 2. Großfürstin von Rußland, 3 Erb Prinzessin von Braunschweig, 4. Prinzeß Royal von Engelland 5 Erb Prinzessin von Schwerin.Mecklenburg, 6. Mark Gr'äsin von Baden Durlach, 7. Fürstin von Oeringm — Deren Stelle habend Meten: 1. Prinzeß Charlotte in Hocheigener
wie dem Pietisten Wöllner zu Theil. Der Lieutenant von Born eskortirte aber die preußssche Dubarry, die Rietzen ehe sie noch Mit gestohlenen Banknoten flüchten konnte nnter dem Jubel des Volkes nach Spandau. '
Wie ihr Einfluß entsittlichend gewesen war, so erhaben mußte das Vorbild der jetzigen jungen und stönen Königin wirken; schien stch in ihr doch die Sitteneinheit und Treue personificirt zu haben.
' «m 10. März 1776 war Königin Luise als sechstes Kind des Großherzogs Karl Friedrich von Mecklenburg Streif geboren;*) aber in Frankfurt a. M. hatte der
stiiw fSerhn, 6. März. Sonntag Mittags fand unter dem Vorsitz de« Fürsten Bismarck eine Sitzung des Staatsministeriums statt, auf deren Tagesordnung u. B. die Beschlußnahme über die Städteordnung stand. Wie man hört, ist der Entwurf, wie er aus den kommissarischen Beratungen hervorgegangen ist, genehmigt worden und wird nun die Allerhöchste Sanktion eingeholt. — Der vom Minister des Innern nach Magdeburg gesandte Commissar Geh. Reg. Rath Haase, ist nach genauer Orientirung über die durch die Ueberschwemmungen angerichteten Schäden und nach eingehender Besprechung mit dem Oberpräsidenten Frhr. Patow nach Berlin zurückgekehrt. Es hat sich herausgestellt, daß die von allen Seiten eingehenden Spenden der Wohlthätigkeit für den augenblicklichen Unterhalt der Bewohner ausreichen. Dagegen wirb die Fürsorge der Regierung und der Localbehörden dringend in Anspruch genommen sür die Beschaffung von Wohnungen und namentlich für die zahlreich wvhnüngsloS gewordenen Arbeiter. Da e« unmöglich ist, für eine so bedeutende Anzahl Personen sofdrt feste Wohngebäude, besonder« in der Nähe bet Arbeitsstellen zu errichten, so handelt es sich zunächst um Herstellung von Baracken, die solide und wohnlich beschafft sein müssen. Für diesen Zweck find von der Regierung bereits bedeutende Mittel angewlefen. — Hebet den Stand bet sog. Eisenbahnfrage sind so viel Gerüchte im Umlauf, baß eS sich empfiehlt daraus zurückzukommen, daß nach zuverlässigen Mittheilungen bie Sache sich wie folgt verhält: Am 8. Januar würbe im Schvoße beS preußischen Staatsministeriums bie Frage erörtert und von Fürst Bismarck erwogen, bie preußischen Staatsbahncn und bie Staatsaufsicht über bie Privatbahnen an ba8 Reich abzutreten. Diese« Stabium ist heute noch unb die Et. klärungen in den süddeutschen Kammern haben diese Absi<t der preußischen Staatsregierung nicht geändert. Sobald da« Handelsministerium die ihm übertragenen technischen Vorarbeiten beendet haben wird, wird die Frage zur Entscheidung gelangen. ;
Der Diredtoö bet Staatsarchive, Geh. Rath Dr. v. Sybel, hat, wie wir ber „K. Z," entnehmen, in bet Akabemie der Wissenschaften den Antrag gestellt, bie Politische Eorrespvndenz Friedrich'« des Großen, bie bisher ihrem größten Theile nach noch unbekannt ist, demnächst jut vollständigen Veröffentlichung zu bringen. Der König i soll mit diesem Plane durchaus einverstanden sein. DaS bedeutsame Werk wird nach ungefähren Schätzungen dreißig Bände umsassm. ■--- ;w,i ; •
Weimar, 4. März. In seiner gestrigen Sitzung beschäftigte stch der Landtag mit der Gesetzvorlage betreffend die Ablösung grundherrlicher Rechte der Kirchengeistlich en-
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Wie», 6. März. Die ^Politische Correspondenz" meldet nachfolgendes, anscheinend Authentisches über bie Verhandlungen be« Feldmarjchall-Lieutenants Baron Robich mit ben Flüchtlingen aus bet Herzegowina. Robich riech bcr Züchtlinge in Ragusa, auf ihre Landsleute Behufs Nieberleguug bet Waffen einznwirken und selbst in die Hcimach zulückzukehren. (Sr^ctHärte, daß die Großmächte W die, ^mWhtuug:der Reformen einstehen, daß., die den Flüchtlingen gewährte Unterstützung mit Ende März abüuife unb bann zugleich eine scharfe Ueberwachung ber Grenze zur Unterdrückung beS Munitions-Schmuggels ein=./ trete. Die Flüchtlinge antworteten unter dankbarer Anet- fennnng der wohlwollenden Absichten Oesterreich - Ungarn« Und bcr anderen Mächte, daß sie bie Frage der Heimkehr ebenfalls von dem Aufhöreu bet Feindseligkeiten abhängig machen müßten. In elfter Linie sei daher auf Einstellung der Feindseligkeiten hinzuwirken. Robich nahm diese Be- Wertungen unter wiederholtet Mahnung, auf ihre Landsleute im <5inne der Wünsche bet Mächte einzuwirken, ent. ijegen. Die Mission be« Baron Robich in Cctinje cheint insofern erfolgreich gewesen zu sein, al« ber Fürst von Mou- tenegro zugesagt haben soll, auch seinerseits auf bie Insurgenten in friedlich anrathend/m, mahnendem Sinyx einwitZen
Anzergm nimmt entgegen: bie «rtwMtton b. Blatte«, sowie bie Aimoucen-Bureaur vi . von Th. Dietrich & So. in Kassel unb Hannover; Th. i Dietrich in Frankfurt a. M.; Hassenstein 4 Bögler in Frankfurt a. M, Berlin, Leipzig, Söln ic; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Frankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalideubank, A. Rete- ▲ nteyer in Berlin; Carl Schütz- v ter in Hannover; C. Schlotte 1 ■ ‘j in Bremen.
.« Marburg, Mittwoch, 8. März 1876. KÄ
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j U: ; Königin Lnise.
E« war am 16. November 1797.
flch über bie Einigkeit der 79 Patrioten wundern, wenn man den heftigen Kamps in's Auge faßt, ber noch vor jwei Wochen zwischen den „Gemäßigten" unb „Extremen" entbrannt war. Offenbar befinden sich die „Extremen" im patriotischen Club entweder in der Minorität unb sie müssen stch wenigstens nach außen hin ben „Gemäßigten" fugen, ober aber es sind alle 79 so gleichgesinnt, daß man sie entweder alle sür extrem oder alle gemäßigt halten muß. Entscheids heute barüber, wer dazu die Lust hat! Auf ber einen Seite erklärt Abg. Freytag mit feierlichen Worten, daß unter ben 79 Patrioten kein Maraudeur sich finden lassen werbe, auf der anderen Seite kanzelt das „Bayer. Vaterland" bie Berliner „Germania" ab, weil diese „um den Preis der Logik" von den Extremen be- hauptete, daß sie nur die höchsten Aepsel pflücken wollten „Wir meinen", sagt das „Bayer. Vaterland", „wenn die Gemäßigten sich von den „Extremen", den belebenden Elementen, trennen würden, so würbe den Gemäßigten kein Apfel mehr in den Mund, sondern höchstens auf die Nase fallen." Die Extremen betrachten sich bemriach al« da« erfrischende befruchtende Element innerhalb der patiiotischeu Fraktion und erwägt man da« gestrige Mißtrauensvotum der 79 gegen das Ministerium näher, so muß man gestehen, daß ein sehr lebhaftes unb bie Temperatur bis zur Schwüle „erfrischende«", Element thatsachlich i# der patriotischen Fraktion ist. iWi y mi ...
’ÄW ^ Deutscher «eich.
r, Anzeigen nimmt entgegen: Me Expedition b. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in
Irscher seine Seele aushauchte, standen seine weinenden^von Voß, gesprengt hatte, welche der Thronfolger die Dame ikinber. Ein Bischosswerber, der spiritistische General, b'Etiqaette nannte.
«it feiern Geistercitationen, «in Wöllner mit seinem Pie- «Le roi est wort, vive le roi!» hatteBifchvfswerder J«mu« und ReligionSedict unb besonder« die königliche gerufen; aber er hatte fein Lächeln bei dem. Sohne des Maitresie, Gräfin Lichtmau, bie nach ihrem Manne, dem tobten Königs erreicht. Die verdiente Ungnade wurde ihm *ammerbiener Rietz, vom Volk die Rietzen genannt wurde, — “n,a<t— — »*-•• —
®it ihrer frivolen Schönheit unb eleganten Verschwendung;
P* hatten den ruhig unb nüchtern denkenden, sittlichen Thronerben, von seiner Gemahlin fern gehalten.
Jetzt hatte Friedrich Wilhelm II. feinen letzten Seufzer ^u^ehaucht, unb -bas nichtswürdige Trifolium stand zit- ternb unb bleich um den Tobten; e« fühlte bie Rache für i®1 gewissenlose Spiel, welche« so 1 nge am preußischen getrieben war, nahen, ein Spiel, baS die Monarchie «riebrtch« des Großen an bat Rand be« Abgründe« gemacht hatte. -1
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