Marburg, Sonntag, 20. Februar 1876.
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Abend» dir Stiefmutter in ihrer sonderbaren Weise, weist still vor sich hinsinnend, wir brütend da süß, den, heitern Gespräch der Andern wenig Aufmerksamkeit zmvendend.
Rur zuweilen fuhr sie wie in eifersüchtiger Wallung empor, wenn Edmund liebkosend und glücklich sich an die Schwester schmiegte. Dann rief sie ihn hastig zu sich und einen fast drohenden Blick auf sie richtend, riß sie ihn mit ungestümer Zärtlichkeit an ihre Brust. Ihrer mütterlichen Eitelkeit schien es jedoch zu schmeicheln, atS Susanne freund, liche Grüße für Edmund von den Kindern de» SchloffeS und die dringende Bitte überbrachte, bald dahin zu kommen, was schon zuweilen geschehen war, da der bildschöne, nmn- tere Knabe dort ein besonder» gern gesehener Gast war. Ein Lächeln erhellte die Züge der Försterln, dir noch immer eine sehr hübsche Frau war, sich nett kleidete und mit eitlem Sinn für Ordnung und Zierlichkeit der einfachen Wohnung ein gefällige» Aussehen zu geben wußte. Warum war sie denn nur so unzufrieden hier im Walde, wo eS so herrlich war? Susanne konnte nicht klug darau» werten; sie wußte sich keinen schönten Aufenthalt zu denken, als hier im Baterhause. Selbst da» Herrenhaus mit seinen reichen Zimmern schien ihr lange so schön nicht und da» Rauschen der Bäume — daS hatte sie immer so gern gehabt von Kindheit an. Auch jetzt wiegte eS sie anmuthig in Schlaf in dem kleinen Oberstübchen, wo die Linde mit ihren Zweigen an» Fenster schlug und Morgens die Bügel vertraulich hertin guckten und schwätzten.
Herr Werner hatte hem' etwa« zeitiger bat Unterricht geschloffen als gewöhnlich, und ging, wie er eS gern mochte,
tere» mit dem von 53 gegen 40 Stimmen gestützten Zusatz • Antrag, daß dir Mittel zur Ausführung deS Planes durch eine außerordentliche Vermögens- und Einkommen- steuer aufgebracht werden müßten, worauf aber die Regle- rung durchaus nicht eingehen zu können erklärt hat.
Der schwedische Reichstag hat die Gesetzvorlage, wonach der schwedische Staatsrath in rin svrmlichrS Ministerium verwandelt und unter die Leitung eines Conseil- Präsidenten gestellt werden soll, in der Ersten Kammer mit 57 gegen 46, in der Zweiten mit 112 gegen 60 Stimmen angenommen. ,J
In Rußland soll da» durch den Tod deS Fürsten Bagration erledigte Amt eine» General - Gouverneurs der baltischen Provinzen nicht wieder besetzt werden. Daflelbe hatte schon in schwedischer Zeit bestanden'und war 1710, als Esthland und Livland unter russische Herrschaft gr- kommen, von Peter dem Großen aufrecht erhalten worden. Die Herzogin von Edinburg (Tochter des Kaisers Alexander) wird, während ihr Gemahl im Mittelmeere seiner See- dienstpflicht nachkommt, zuerst sich einige Zeit in Petersburg aufhalten und sodann Griechenland, Italien und Spanien besuchen.
In Griechenland haben am 16. d. die Gerichts- Verhandlungen gegen die früheren Minister Valaflopulo» und Rikolopulos begonnen, und zwar in dem mit einem Aufwande von 31,000 Drachmen zu einem Tribunal hergerichteten Gebäude, in welchem bis vor drei Monaten die Dcputirtenkamwcr getagt hat; der Zuhörerraum faßt mehr als tausend Menschen.
Der Sultan hat den Jrade, welcher die Gewährung der in der Andrafly'schen Rore empfohlenen Reformen aus- spricht, auSgtferligt, doch ist cs dem Großvezir schwer genug geworden, den launisch - mißtrauischen Großherrn dazu zu bewegen. Hussein Avni und Derwisch Pascha hatten Alles aufgeboten, die Einmischung der fremden Mächte al» eine schwere Schädigung der Souveränetüt durzu stellen. Der Scheich uk Islam und die Damen des Serails suchten dem Padischah an« dem Koran zu beweise», daß er von den Ungläubigen sich weder etwas empfehlen noch befehlen zu lassen brauche. Im vollen Aerger verdarb er sich obendrein mit einem Eiergericht den Magen und wurde so unwohl, daß er vergiftet zu sein meinte. Der Großvezir durste ihm nicht vor die Augen kommen und wäre beinahe’ abgesetzt worden, wenn der erste Adjutant deS Sultan«, Halil Pascha, nicht den Muth gehabt hätte, darauf hinzu- weisen, welchen übelen Eindruck die« namentlich in Wien und Petersburg machen würde. Da entschloß sich bemr Abdul Aziz, nachdem sein Leibarzt die BerdauungSbeschwer- den glücklich behoben und dafür »en Rang eines Division«. GeneralS erhalten hatte, dem Anträge der hohen Pforte beizustirnrntn und den Jeade mit seinem Sieget zu vc^ehen.
daß Unsinn sich selber richte; sein Nachfolger in der Poli- zeipräfectur, Boifin, fährt mehr im Fahrwasser de» Bice Präsidenten de» Conseil» , der von dem Gange der Borspiele zu dem Kampfe des 20. Februar wenig erbaut sein kann,. obgleich und weil die Durchschnittsstimmung den gemäßigt-liberalen BerfaffungSfreunden günstig zu sein scheint. Buffet und Beullot haben eine „Kammer deö Kampfes* im Auge, für die auch im Elysse noch immer große Sympathieen herrschen sollen. Gambetta hat sich als Reiseprediger für die neue HtilSordnung einer maßvollen Republik, welche Front gegen die Uebergriffe des EpiScopatS machen soll, erwiesen. Dabei hielt er es an bei Zeit, auch in die glimmende Asche der Rachegelüste zu bkfen. Buffet läßt überall die Candidaten des chisel hurster BonapartiSmuS unterstützen, und die Blätter, welche behaupten, seine Stellung sei bedroht, wegen Verbreitung falscher Nachrichten verfolgen. Die France wurde aus diesem Grunde zu 1000 FrS. Geldstrafe verurtheilt, und auch die Ropubligue Frantzaise ist vor daS Zuchtpolizei. Gericht geladen.
Mit einer hoffnungsreichen Thronrede hat König Alfons am Dienstag die Corte» eröffnet. Gr glaubt versprechen zu können, daß Spanien bald wieder Ruhe genießen werde, und die Nachrichten, welche inzwischen vom Krieg» schauplatz eingetroffen sind, bestärken allerdings diese Zuversicht. General Quesada ist von Durango aus über Elorrio vorgerückt, hat nach siegreichem Gefechte die Höhen von Elgueta besetzt und erreichte noch am 14. Bergara, während Don Carlos ReißauS nehmen mußte. General Loma hat inzwischen Elgoibar eingenommen ist den Deva Fluß hinauf marschirt. Eine Bereinigung der beiden Generäle steht demnach in baldiger Aussicht. Zugleich hat General MorioneS durch Ueberrumpelung der carlistischen Stellungen die Höhen von Aya und. Cestona besetzt. Ein heißerer Kampf wird jedoch in Navarra stattzufinden haben, wo Martinez Campo« im vaztan - Thal« der carlistischen Hauptmacht unter Perula gegenübersteht.
Mit dem bisherigen Berkaus der Session darf in E n g - land sowohl Regierung wie Land zufrieden sein. Die bisher eingebrachten Gesetzentwürfe, welche u. A. die Han. delsschifffahrt, die Seeversicherung, die AppellationSgerichts- barkeit deS Oberhauses betreffen, haben ihre parlamentarische Wanderung unter günstigen Aussichten angetreten; wie denn auch der Erfolg, den der Schatzkanzler mit seiner Auseinandersetzung des Suezcanal - Geschäfte« erzielte, sowie die Aufnahme, welche die Beröffentlichung der Schriftstücke über den Suezcanal und die ägyptische Mission de« Gcneral- ZahlmeisterS Cave gefunden, bei der Regierung die Zuver sicht nur stärken konnte, daß da« Hau« den Handel mit dem Khedive gutgcheißeu und die verlangten vier Millionen anstandslos bewilligen wird. .... ,.
DaS dänische Folkething hat den von seiner Mehr beit eingebrachten Gesetzentwurf über Minister Verantwort lichkeit bereits durch zwei Lesungen gebracht; desgleichen daS von der Regierung vorgelegte BefestigungSgesetz, letz
vor der Thür; sobald sie aber der Beiden ansichtig wurde, stürzte sie hastig chntn entgegen und, indem sie Edmund mit Küssen und stürmischen Liebkosungen bedeckte, schalt sie fast weinend, daß er sie verlassen und in Angst versetzt habe. Sie zog ihn eilig fort und Susanna folgte, bi» sie in’« Häuschen traten. Hier setzte sich die Försterin ganz erschöpft und aufgeregt aus einen Stuhl, immer noch den Liebling festhaltend.
»Was soll da« Gaffen?* sagte sie heftig zu dem Mädchen, da« sie erst jetzt zu bemerken schien. „Hast wohl gar ein spöttisch Gesicht aufgesetzt. Kannst freilich nicht saflen, wie lieb eine Mutter ihr einzig Kind hat, ihren höchsten Schatz auf btt Welt.*
„Ihr irrt Euch, Mutter", entgegnete die Angeredete fanft, „wie sollte ich denn spöttisch d'reinsehey? Und Eure Liebe zu dem Kinde kann ich gar wohl foffen; liebt doch ein Kind die Eltern widerum eben so herzlich und möchte mit Freuden Alle« für ste hingeben.*
Einen Augenblick starrte die Frau das Mädchen an, wie im Innersten betroffen; ihre Wangen erbleichten, dann fuhr sie scheltend auf sie ein;
„Willst du mich höhnen, alberne Dirne, mit deinem
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- Deutsche- «eich. , -
Berlin, 18. Febr. Die einem Eircuickrrescrlpt der Minister de« Innern, des Kultus und der Mdwirthfchaft-'
boShafken- Geschwätz7 KartU^ich nicht Frieden haben sel^ hier in der graulichen Einsamkeit und mußt du mich peinigen mit deinen versteckten Reden?*
»Um Gotte-willen I* stammelte die Erschrockene, »was ficht Such nur an? Ihr habt nicht recht gehört; ich habe Euch ja nicht beleidigen wollen. Ich dachte nur eben an den lieben Vater und" — setzte sie leise und mit Thränen hinzu — „an meine gute, verstorbene Mutter, die mich ja so lieb hatte."
Die Försterin hatte sich abgewendet, dann sagte fie be- sänstigt:
„Verzeih'! Ich habe wohl nach meiner Art ein bischen rauh gesprochen; eS war nicht so böse gemeint. Aber, Kind, du weißt nicht, niemand, ach, niemand weiß e«, wie ich mich allein hier ängstige und härme. Die Bäume ringsum mit ihrem ewigen Rauschen und Sausen! Diese tobte Einsamkeit! DaS Herz ist mir oft so schwer in der Brust; e« drückt mich wie eine List, daß ich nicht weiß, wohin mit meiner Unruhe I O, daß ich thöricht genug war, dem alternden Mann in diese Einöde zu folgen! — Doch fetze dich, du wirst müde fein. Bleib' hier, ich habe draußen zu schaffen."
Damit ging fie hinan» und Susanna sah ihr kopfschüttelnd nach. Jetzt verkündete da« muntere Gekläff der vorausspringenden Hunde die Ankunft deS Vaters. Die Tochter und Edmund eilten hinaus, und bald, nach freu- diger, gegenseitiger Begrüßung, unter den Liebkosungen der treuen Th irre in das trauliche Stübchen zurückgekehrt, wo sie emsig für die Behaglichkeit de» Ängdommenen sorgte, vergaß sic die erlebte Scene, obgleich im Verlaus de«
Anzeigen nimmt entgegen: die tEtyebttten d. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. At.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- 4 meyer in Berlin; Carl Schütz- ” ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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(Fortsetzung) ...
Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich <L Co. in Kassel und Hannover; Lh- Lietrich in Frankfntt a- M.; , Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlm, Leipzig, Cvln k ; Rudolf Messe * in Berlin, Frankfurt a.M. rc. >>
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Sie waren jetzt an eine große Lichtung gekommen, wo da» Försterhau» an dm grünenden Bäumen sreuudlich hervorblickte. Edmund hüpfte lustig an der Schwester Hand, fang und plauderte dazwischen. Die Muller stand
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Nachdeut am Donnerstag vor 8 Tagen vom Deutschen Reichstage in einer zu dem Ende änberaumteu Abendsitzung di« Strasgesetznovelle in genügender Comprotpißgestaft mit großer Mehrheit der Stimmen angenommen ist und der Reichskanzler — unter eigener ausdrücklicher Dankesbezeigung für „collegialifche Mitwirkung* beim Fortbau der ReichSgefetzgebung — die kaiserliche Schlußbolschaft verkündet hat, ist daraus am Montag das Abgeordnetenhau- de» preußischen Landtages zur Erledigung seiner Geschäfte Wieder jUfamUlengetreten. Unter den inzwischen eingeläusenen neuen Regierungsvorlagen befand sich auch der Gesetzen! Wurf, durch welchen die al» kirchliches G^etz, bereits verkündete evangelische Kirchenverfasst»ng der acht alten Provinzen, die „Synodalordnung*, die zu chrer Durchführung erforderliche staatliche Geltung — unter bestimmten Cau- telen — erhalten soll. — Der Kaiser wohnte am Montag einem Ballseste de» englischen Botschafter», wie in voriger Woche de« de» französischen, wiederum bie nach Mitternacht bei. Da» Lesserbefinden de» Fürsten Bismarck schreitet, wenn auch nur langsam, fort.
In Oester eich sind durch Patent vom 11..Februar sämmtliche Landtage auf den 7. März einberufen. Im Abgeordnetenhause wurde am 9. Februar die Novelle zum Eherecht nach den Anträgen der Mehrheit de» Ausschusses angenommen. — Am 11. Februar traf der ungarische Ministerpräsident Tisza mit dem Finanzminister Szell in Wien ein, um über die Feststellung des Zeitpunctes, wo die Verhandlungen zwischen beiden Ministerien wieder aufgenommen werden sollen, Verabredung zu treffen. Der Ausgleich mit der Nationalbank scheint gesichert, denn Szell ,örterte nach seiner Rückkehr nach Pest die Vertreter der Nationalbank auf, einen Vorschlag betreffs Errichtung einer ungarischen Bank einzureichen. Die Bankverhandlungen sollen, wie wir aus Pest ersahren, mit den Zollverhandlungen gleichzeitig am 25. Februar fortgesetzt werden.
Der schweizerische BunveSraty hat-die Anzahl der Unterschriften de« Referendum - Begehrerr- in Betreff des neuen Banknotengesetzes für ausreichend erklärt und die Volksabstimmung über das Gesetz auf den 23. April anberaumt. . >, r;
Da» feit vorigem Winter durch gegenseitige Nachgiebig leit angeknüpstc FreundschastS-Verhältniß zwischen Garibaldi und der italienisch en Regierung ist zu einem plötzlichen Bruche gelangt, der durch die Verwerfung des Garibal- dischen TlberprojekteS eingeleitet wurde und seinen Höhe- punkt sand in der jüngsten Rede dc« General« bei der Einweihung eine« Kriegerdenkmals, deren Ton ein so hes tiger »ar, daß die Regierung die Zeitungen, welche dieselbe addruckien, mit Beschlag zu belegen glaubte.
In Frankreich sanden am 14. Februar die letzten öffentlichen Wahlversammlungen Statt, und noch am letzten Tage wurden in Paris zwei Versammlungen aufgelöst. Renault liefe die Redner gewähren, da er überzeugt war.