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Sr. S8.

Marburg, Dienstag, 15. Febmar 1876.

XL Jahrgang.

»nie,gen nimmt entgegen: H« epeMtt»* b. Blattei, s„ie die Annoncen-Bureaux 8Dn Th. Dietrich L So. in Lasiel und Hannover; Th. Dietrich in Arankfart a- M; Hansenstein & Bögler tn fcantfurt a. M^Berlm.Lerp- 5g, «bin ic; Indols Moffe tn Berlin, Franlfnrt a. M. rc.

Rnjeigen nimmt entgegen: die ®n>tbttien b. Blattei, sowie die Annoncen-Bureaux von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M.: Jäger'fche Buchhandlung in Kranlsurt a. M.; Jnvalibeubaut, 8L Sitte« meyer in Berlin; Sari Schütz» ler in Hannover; 6. Schlotte in Bremen.

»rscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SonutagSdlatt" burch bi« Expedition (Äoch'fchc Buchbruierei- bezogen Sh Mark, burch bie Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfz. (exl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 vffl. berechnet.

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1 x= Berti», 12. Febr. In nächster Zeit wird wahr« lcheinlich eine ministerielle Entscheidung darüber ergehen, in welcher Welse das Aufsichtsrecht über die Klöster seilen­der Beamten zu handhaben ist. — Der neue Telegraphen­tarif soll nunmehr noch im März in Kraft treten. — Im Bundesrath sollen in den nächsten Wochen die Reichstags- beschtüsfe in erster Reche den Gegenstand der Berathung bilden; bezüglich der Verwaltungsangelegenheiten steht man wichtigen und interesiailten Elaboraten über die Spiritus und über die Weinfteuer entgegen. Bis zum Hochsommer wird bann nach Erledigung der auf die Justizgesetze bez. Arbeiten eine Pause in der Thättgkeit de« BundeSrathes dnircttn und letztere nur auf die laufenden Geschäfte be­schränkt bleiben. — I« EultuSministerium hat man von der Elnbringung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Säcu- larisirung der Ltrchhöje für die gegenwärtige Session end gültig Abstand genommen. ES ist indeffen Aussicht vor­handen, daß die betreffende Vorlage, deren Ausarbeitung allerdings Schwierigkeiten in Hülle und Fülle bietet, zu Beginn der nächsten Legislaturperiode fertig gestellt sein wird. — Sämmlltche preußische Minister sollen sich zu der Ermerbung der preußischen StaatSeijenbahnen durch das Reich zustimmend ausgesprochen haben. Es handelt fich demnach nur noch um einen formellen Beschluß, dec io den nächsten Tagen gefaßt werden soll. Alsdann würde die Angelegenheit an den preußischen Landtag kommen und dadurch die Uebertragung zunächst der preußisch.» Bahnen aa da- Reich ermöglicht werden. Nachdem der Landtag, wie es sehr wahrscheinltch ist, seine Zustimmung gegeben hat, Waden alsdann die Verhandlungen zwischen den preu ßischen Müristerien und den Reichsvehörben, wegen der üedernahme resp. über den Kostenpreis beginnen, und es ist anzunehmen, daß bis zur nächsten Session die Ver« Handlungen soweit gediehen find, daß der Reichstag bereit« fein Votum über die definitive Üedernahme der preußischen Staatsbahnen und aller Rechte des preußischen Staate« an den Privatdahnen abgeben kann. Erst dann tritt die Frage der Erwerbung der preußischen Privatbahnen durch da« Reich auf, sowie der SlaatSbahnen und Privatbahnen der übrigen deutschen Länder. Jedenfalls werden noch einig« Jahwe vorübergehen, biS die ganze Angelegenheit geordnet ist. — Der Köniz hat den ehemaligen deutschen Botschafter in Petersburg Prinz Reuß am Tage seiner Vermählung mit der Prinzessin Marte von Sachsen-Weimar zum lebens länglichen Mitglied de« Herrenhause« ernannt. — Das die Generalsynodal - Ordnung betreffende Staatsgesetz liegt jetzt de« Kaiser, zur Genehmigung vor und wird dem Landtag bald nach seinem Wiederzujammentritt zugehen.— Der »Reichs-Anzeiger« erklärt, daß von Seiten der eng

In einer in Italien abgehaltenen Wander-Versammlung Haden vor ihrem Frühjahrs- Einzug in'« deutsche Reich die gefiederten Sänger folgend« Adresse*) beschlossen.

Allerdurchlauchügster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

Demuthsvoll nahm wir uns dem Thlvne Ew. Kaiser­lichen .Majestät und legen aüerunterthinlgst und vertrauens- MB an den Stufen desselben unsere Bitten nieder.

Dankend erkennen wir e«, wie durch weise Gesetze und Verordnungen und die Fürsicht der verschiedenen Behörden Ew. Kaiserlichen Majestät un» armen hülflosen Geschöpfen Schutz und Schirm gewährt wird, aber dieselben reichen nicht aus, um un« vor unseren vielen Feinden zu schützen. Gegen die Gefahren, welche durch Stürme, Platzregen, Schloffen, Schneemaffen und Raubthiere aller Art uns drohen, kann uns kein Gesetz, keine menschliche Macht be­wahren, aber Abhülse erflehen wir an de« Thrones Stufen gegen den Schaden, welcher un« durch die Menschen zu- gesügt wird. Was haben wir armen Bügel den Maschen gethan, daß auch diese uns verfolgen? Wir find ja des Menschen beste Freunde und Wohlthäter.

Gegen unsere Feind« vermögen mit un« nicht zu schützen, unsere Freunde verfolgen un«, was soll da noch au« uns armen hülfsbedürfttgen Geschöpfen werden? Wir muffen zu Grunde gehen und dann erst werden die Menschen ein» sehen, wie fie durch unsere Vernichtung stch selbst den größten Schaden zugefügt haben.

Und zwar nicht gegen die Unterthanen, die ja wohl auch sich gegen UN« hart vergehen, nein, gegen Ew. Kaiser­lichen Majestät beste Behörden, gegen die Forstbehörde, rufen wir heute Ew. Majestät »llergnädigsten und starken Schutz an.

•) Um gef. Nachdruck werben bie verehrten ZertungSredactionen fmmdlichft ersucht.

lischen und russischen Regierung, sowie der Bereinigten Staaten mit dankenswerther Bereitwilligkeit Unterstützung für die Schritte zugesagt sei, welche bet deutsche Gesandte bei der chinesischen Regierung anläßlich de« bei Foochow geplünderten deutschen Schooner« „Anna" zu thun er­mächtigt ist.

Darmstadt, 10. Febr. Die von der Centralstelle für Lanbesstatistik herausgegebenen „Beiträge" enthalten intereffante Mittheilungen über die Rentabilität der Main- Neckarbahn. Nach der folgenden Ueberstcht dürfte die Frage der Abtretung vieser Staatsbahn an das Reich zu finan­ziellen Bedenken Anlaß geben. Da« Rein-Einkommen der Bahn stieg vom ersten Betriebsjahre (1846/47) an bis zum Jahre 1852 von 1,7 pCt. auf etwa 3,3 pCt. Lom Jahre 1853 an bis bis 1872 erfolgte eine Steigerung von 5,65 pCt. auf 13,02pCt., und zwar betrugen in den Jahren 1861, 1867 und 1869 die Proceate des Rein Einkommens mehr al« 7pCt. Die Jahre 1871 und 1872 können als Ausnahmsjahre gelten, da in denselben die aus der Abrechnung für 1870 verbliebenen Summen, vvn Militärtransporten herrührend, zur Vertheilung tarnen. In 1871 betrug nämlich das Reineinkommen 9,96pCt und stieg in 1872 auf 13,02pCt. Vertheill man die Gesammt Summen der Procente auf die 26 Betriebsjahre, so er» giebt stch ein jährlicher Reinertrag von 5,37 pCt. deS je­weiligen BaucapitalS, das mit 4 500,000 fi. zu ä pCt. uns mit 900,000 fl. zu 5 pCt. verzinst wird. Die 22 Betrieb« Jahre der Main - Weserbahn ergeben einen Durchschnitts- Ertrag von 4,95 pCt., und hiernach erträgt die Main- Neckarbahn 0,42pCt. mehr. — Die so lange erwartete Vorlage einer Äestndeordnung ist nunmehr erfolgt. Der Entwurf enthält Bestimmungen über den rechtsgültigen Abschluß de« Dienstvertrages und regelt da« bei Dienst- Entlassung, Vertragsbruch und Entschädigungs-Ansprüchen einzuhallende Verfahren. Die polizeilichen Vorschriften be­ziehen stch auf die Führung deS Dienstbuches und die Anmeldungen.

Ixllaxb.

Pest, 12. Februar. Dem „Pester Loyd" wird von zuverläsiiger Seile mitgetheilt, daß die Gerüchte, welche eine Besetzung von Bosnien durch österreichisch -ungarische Truppen al« im Plane Andrassi'S gelegen bezeichnen, jeder Begründung entbehrten. Ebenso seien die Detail«, durch welche die Gerüchte unterstützt werden, entweder absolut unwahr, vollständig entstellt oder tendenziös übertrieben.

Bern, 12. Februar. Mit Rückstcht darauf, daß über 30,000 (33 729) gültige Unterschriften für da« Begehren einer Volksabstimmung über das Banknotengesetz vorliegen, hat der Bundesraih heute den Beschluß gefaßt, die Abstim mung auf Sonntag den 23. April anzuberaumen.

Schon lange hat der Fleiß deS LandmanneS, der Hecken und Sträucher aus dem Felde entfernt, uns mehr und mehr in den Wald getrieben. Auch im Walde sind die Verstecke zum Nistbau rar, und so sind wir meist auf die großen Hausen ReiSholz angewiesen, welche der Förster im Walde aufgebaut hat und dir für unsere Wohnungen wie geschaffen sind. Haben wir nun mit Mühe unsere Nester gebaut, haben unsere Weibchen unter vielerlei Sorgen und Aengsten die Eierchen glücklich auSgebrület, haben wir Eltern unsere Freude am Gedeihen unserer Kinderchen, dann kommt eine« schönen Tags ein Wagen angefahren, die Reiser werden aufgeladen, und mit einemmale ist unsere Freude zerstört, jammernd und wehklagend müffen wir zusehen, wie unsere Nester mit unserer Nachkommenschaft vernichtet werden. Und diese« Unheil kommt Jahr für Jahr, unser Geschlecht nimmt ab und geht feinem Untergänge entgegen.

Geholfen kann un« nur werden, wenn Ew. Majestät Befehl den Königlichen Behörden aufgibt, un« für die wenigen Wochen im Frühjahr Rude zu taffen und für die Brutzeit die Abfuhr der Reiserhaufen verbiete.

Das ist e«, worauf wir unsere allerunterthänigste Bitte richten und deren huldreiche Erhörung um so mehr erhoffen, al« wir' sicher wissen, daß wir un« ganz besonderer Huld und Gnade Ew. Majestät getröften. Ewige Dankbarkeit wollen wir geloben und soll Ew. Majestät bei Pürschgang und Lustwandeln stet« ein ganz besonderer Chor jubilirender Singer preisen und loben.

In tiefster Ehrfurcht ersterben wir Ew. Katserlichen und Königlichen Majestät

allerunterthänigste

Amseln, Drosseln, Roth- und Blaukehlchen, Grasmücken, Zaunkönige, Hänflinge und

Goldammern.

Paris, 12. Febr. Sämmtliche Blätter beschäftigen sich mit bet jüngsten Rede deS Fürsten Bismarck und mit seinen Friedenserklirungen. Der Moniteur, das Organ des Herzogs DecazeS, äußert darüber: „Die Rede de« Fürsten Bismarck vom 9. d. M. ist seine bedeutendste seit 1871; et kommt zu dem Schluffe, daß der Friede und deffen @r- Haltung in Europa nicht die Sache einiger Souveraine sei, sondern aller und desjenigen ganz besonders, den die iffenu liche Meinung mit Recht ober Unrecht in Verdacht habe, daß et in Bezug auf denselben einige Hintergedanken hege. Die Katser von Rußland, Deutschland und Oesterreich, bie Königin von England und der König von Italien begeg­neten sich in dem Gedanken, jede Verwicklung zu beseitigen, indeffen fehlte diesem Einvernehmen noch etwa«. Der Staats­mann, welcher seinen Namen mit dem Glücke Deutschlands verbunden hat, hatte ohne Zweifel feine Mitwirkung zu dem gemeinschaftlichen Uebereintcmmtn g liehen, aber bi« jetzt hatte er keine feierliche und unwiderrufliche Erklärung durch eine jener Reden gegeben, welche das europäische Publikum begierig lieft und welche e» im Gedächtnisse behält. Fürst Bismarck hat Zeit und Stunde abgekartet, und die Kundgebung erfolgte am 9. Februar. Ueber die Rede wollen wir nur eine Bemerkung machen: sie hat den Fehler, daß sie nicht zehn Monate früher gesprochen wurde. Wenn am Tage nach dem Erscheinen de« Artikels der „Post" Fürst Bismarck gesagt hätte, die KriegSpartci ist in Deutsch­land in der Minorität, so würde Europa feit dem Mai 1875 stch der Ruhe erfreut haben, die ihm der 9. Februar verheißt. Man darf wohl sagen, daß, wenn 1875 tn Deutsch­land für den Krieg nur eine Mineiilät vorhanden war, in Frankreich gar keine Partei Dafür war. Wie dem aber auch fei, so glauben wir, daß die Aufrechterhaltung des Frieden« im Abendlande definitiv befestigt ist; aus die Ver­wicklungen im Oriente wird der Einfluß dieser Friedfertig­keit stch geltend machen und Alle« läßt err. arten, daß der nächste Frühling, der Manchem noch wie ein drohender Wechselfall erschien, nicht« bringen wird, als die friedliche Lösung des Eonflikte« in der Herzegowina."

Loudon 12. gebt. Von zuverlässiger Seite wird gemeldet, daß die Abreise des General - Zahlmeister Cave bi« zur Ankunft derjenigen britischen Beamten in Egypten verschoben ist, welche für Uebernahme bestimmter Acmter bei dem Khedive bestimmt sind. — Die übrigen den Ankauf der Suezcanal Aktien betreffenden Documente sind dem Parlamente gestern vorgelegt worden. Dieselben enthalten die Schwierigkeiten, welche früher dem Kaufe entgegentraten. Im neuen Jahre sind über diesen Gegenstand 170 Schrift­stücke gewechselt worden Ei» letzter Anhang enthält die Dokumente übet den Bors lag des Hrn. v. Leffeps au« den Jahren 1871 und 1872 wegen des Verkaufs, bett ThierS und Renmsat damals gebilligt haben und bezüglich

Der bleue Weitet.

kriminal-Novelle von Julie Düngern. G

(Schluß.)

Auch Seeecr« und feine Haushälterin hatten eine innere Wuth auf den Corporal, welche sie indessen auch zu ver­bergen suchten. Der Wollenweber hatte ebenfalls Lieferungen an die Garnison zu machen, auf Betrieb deS Corporais war ihm jedoch der größte Theil derselben wieder abge­nommen worden, er hatte aber noch mehr zu verlieren und behandelte also scheinbar den Rühler freundlich und ach­tungsvoll, im Innern aber schwor er ihm ebenfalls bittere Rache.

Eine solche Gesellschaft, wo Einer so schlecht wie der Andere ist, und nur da« Jntereffe die zerrissenen Bande zusammenhält, ist nie von langer Dauer, der Augenblick ist unausbleiblich, wo, wie der Funke in’« Pulverfaß, ein Ereigniß in die erhitzten Gemüther fällt, und die verzögerte Explosion dennoch stattfindet.

In der Spielhölle de« Leeder« kam die Sache zum Ausschlag. Der Coiporal gewann unfinnige Summen, und sie gerieten über die Art seine« Spiele« in Streit, der mit jedem Worte heftiger wurde. Zuletzt gerielh der Corporal auch in Jähzorn, e« kam zu Thätltchkeiten, zwei Feinde und die Furie von Haushälterin war auch für den Soldaten zu viel, er stürzte, zerschlug sich den Kopf an der Tischecke, als er nun dort in ohnmächtiger Wuth Flüche und Verwünschungen ausstieß und schwor, er wolle sich an dem ganzen Pack rächen, trat der Bäcker zu den Ändern und flüsterte ihnen zu, dem Kerle den @arau« zu machen, denn an einem Soldaten mehr oder weniger sei nichts gelegen.

Da töteten fie ihn, und al« die Leiche im Blute schwimmend zu ihren Füßen lag, kamen sie erst zur Be«