Sr. SS.
UlarGurg, Freitag, 11. Februar 1876.
xl ZhrgMg.
Siuetaen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattei, sowie die Lnnoncen-Bureaux „n Th- Dietrich L Co. in Raffel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt e. M ; ftaa|enftein & Boiler in Frankfurt a. M, Berlin,Leiv- ,ig 65tn k ; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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OverheWcht Leitung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von ® L- Daube & Co. in Krankfutt a. M.: Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Tagesbericht.
Der „Nordd. Allg. Zlg" gilt es als wahrscheinlich, daß eine Vorlage über die Eisenbahnsrage von ©eiten des Staatsministeriums dem Könige unterbreitet wird. Es handle sich zunächst um die Ermächtigung, mit dem Reiche wegen Uebergabe der preußischen Staatsbahnen und des Aufsichtsrechts über die Privatbahnen an daS Reich in Verhandlungen zu treten.
Der deutsche Botschafter in Wien, General v. Schweinitz hat bereits Wien verlassen und befindet sich gegenwärtig in Berlin, von wo er sich nach St. Petersburg auf seinen Posten, an die Stelle des Fürsten Reuß begeben wird. Als sein Nachfolger wird Fürst Hatzfeld genannt. Gegenwärtig führt in Stellvertretung die Geschäfte der Graf Carl von Dönhoff.
Der Erlaß eines Reichs > VereinSgesetzeS ist nur auf- gefchoben. Es wird wahrscheinlich erst nach den Neuwahlen eingebracht werden. Von wesentlicher Bedeutung dürfte auch die Stellung sein, welche die Curie zu der Regierung einnehmen wird. Bisher hat man in Preußen gerade mittell« deS VereinSgesetzeS den Processtonen, Wallfahrten und Biktzügen der katholischen Kirche beizukommen gesucht und alle diese Auszüge, sobald sie nicht hergebracht waren, ohne Weiteres unter das Vereinsgesetz gestellt. Damit wurde freilich schon etwas, wenn auch nicht viel, erreicht, „weil nach der Feststellung der Behörden in großen Bezirken eine große Menge „hergebrachter" Procejsionen beständen, welche man also vor wie nach gewähren lassen mußte. Zn neuerer Zeil wurde in Preußen daS Collekten- wesen eingeschränkt und die Sammlungen, welche katholische Vereine veranstalten, sind (gleich anderen Colleklen) von der Zustimmung der Behörden abhängig. So hat man sich hier mit Verwaltungsmaßregeln geholfen und von der Partikular-Gesetzgebung Abstand genommen, da man die Angelegenheit durch Reich«gefehgebuirg zu erledigen wünschte.
Der diesmalige Reichstag, der in wenigen Tagen an« einander geht, wird unter sehr geringer Befriedigung auf seine Thätigkeit zurückblicken können. Obwohl er nicht einmal viele Vorlagen hatte, so ist e« ihm nicht einmal ge- langen, diese alle zu bewilligen. Die Schuld an dieser Erscheinung tragen namentlich jene Männer, welche die Verhandlungen durch ihre zu auSdedehnte Beredsamkeit Übermäßig hi die Länge zogen. Daß in den weitesten Kreisen große Unzufriedenheit mit der Haltung des Reichstage» herrscht,, dürfte übrigens schließlich doch noch die Majorität angehalten haben, in den wesentlichsten Vorlagen, in dem HülsSkassengesetz und der Strafgesetznovelle eine Verständigung mit der Regierung herbeizuführen.
vDer Hinte Reiter.
< Erimival-Rovelle von Julie Düngern.
nt • (Fortsetzung.)
Der Zimmermann war töotlich erschrocken, er warf seinem Gesellen einen verstohlenen Blick zu, dann nahte er sich demülhig dem Kaufmann und gestand, daß er einem Freunde, welcher in unverschuldete« Unglück gekommen, wirklich art« der Roth geholfen habe, er bitte nur, ihn nicht zu txrtathrn. Der Kaufmann ging fort und nahm sich vor, ttitunbigungen einzuziehen, wer wohl so schnell und heimlich au« der Stadt entwichen sein möge, dann aber kam ihm seine Reise dazwischen, und er hatte die ganze Sache vergeffen, bi« er auf dem Postwagen davon «den hörte, fflun wurde ihm Manches klar, und er beschloß, keinen Augenblick zu oetlieren und bei Gericht Alles anzugeben.
Der Richter schwankte nur einen Augenblick, eö stand wohl nur eine Aussage der andern gegenüber, denn der Zimmermann war bis jetzt als ein unbescholtener Mann bekannt, aber die moralische Ueberjeugung des Richters neigte sich so auf Seite de« Kaufmanns, daß er sofort jur Verhaftung des Gebhardt und deffen Gesellen schritt, und kaum waren die beiden in sicherem Gewahrsam, als auch schon zur Haussuchung geschritten wurde, welche denn auch den vollständigsten Erfolg lieferte. Man fand, bis auf einige Kleinigkeiten fämu tltche Effekten vor, welche im Anbrecht'schen Hause gestohlen worden waren. Auch das Verhör der beiden Angeschuldigten fiel anders, als bei Nicolas Dazun au«, auch sie befeuerten ihre Unschuld, aber nicht mit dem ebeln Freimuth des SchenkwirthS, sondern hartnäckig und unter den größten Widersprüchen, als aber endlich mit der Folter gedroht wurde, verrietheu sie sich gegenseitig, und efl gelang, ihnen in so weit ein vollständiges Gefiäudniß zu erpreffen, als sie sich als die Diebe bekannten, welche der Wittwe Silberzeug gestohlen, Von dem aber, wie z. B. der Declarationsschein de« Wirthes
Die Theilnahme an dem Todesfall der Gattin des Präsidenten von Forckenbeck ist eine allgemeine. Er hat aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands Zuschriften und Beileidsbezeugungen erhalten. Auch Fürst BiSmarck hat ein Beileidschreiben an ihn gerichtet.
Die Kaiserin hat, wie wir nachträglich erfahren, al« Ausdruck ihres Beileids einen Jmmortellenkranz für ben Sarg der Frau v. Forckenbeck übersandt.
Der Centralvcrein der Schornsteinfegermeister des deut scheu Reiches hat an den Reichstag eine Petition um Erlaß einer einheitlichen Gesetzgebung im Gewerbebetriebe der Schornsteinfeger gerichtet. Im ganzen Reiche, so beantragen die Petenten, sollen Kehrbezirke eingeführt und diese nur mit geprüften Personen besetzt werden. Uerhaupt soll für Meister und Gesellen der Prüfungszwang wieder ein- gesührt werden und der Contraktbruch criminalrechtlich bestraft werden.
Durch jbie Einverleibung LauenburgS wird Preußen um circa 50000 Einwohner vermehrt. Von ben Städten zählt Ratzeburg ungefähr 4300, Mölle 2900, Lauenburg 1100; von ben Aemtern bas Amt Ratzeburg 8600, Schwär» zeubeck 6300, Lauenburg 8300 uub Steinherst 5600 Einwohner. Die 22 GuiSdistrikte beS HerzogthumS haben eine Bevölkerung von ungefähr 12,700 Personen auf-- zuweiseu.
Die luxemburgische Regierung hat den Wunsch geäußert, auf der Grundlage zwischen Deutschland und anderen Staaten getroffenen Vereinbarungen wegen gegenseitigen Markenschutzes zu dem deutschen Reiche ebenfalls in Vertragsbeziehungen zu treten. Der BundeSrath hat gegen eine derartige Vereinbarung nichts.zu erinnern gefunden.
AuS Paris wird versichert, daß der Polizei - Prüftet Leon Renault in Anbetracht, daß feine Stellung als Kandidat für die Deputirtenkammer in dem Departement Seine- eteOife unverträglich erscheinen könnte mit seinen Obliegenheiten als Polizei-Präsect, ben Minister des Innern ge beten habe, dem Marschall seine Demission zu übergeben, und daß letztere angenommen worden sei.
Die mit den Vorstudien für ben Tunnelbau zwischen Frankreich unb England» beauftragte Commission, bie in Paris versammelt war, Hal ihre Arbeiten beenbet. Sie einigte sich über alle Punkte unb erklärte baS Unternehmen für ausführbar.
Der Kirchenstreit in Brasilien ist dadurch beendet, daß man nachgegeben hat unb den Bischöfen unb Priestern befohlen, ben Gesetzen deS Staates sich zu unterwerfen. Würbe bet Papst in Beziehung auf den brutschen Kirchenstreit ein gleiches Verfahren einschlagen, so würde damit auch dieser Streit bald beendet sein.
al« Fidibus in das Zimmer der Wittwe gekommen war, ferner von dem Briefe des Corporal« Rühler, beschworen sie hoch und heilig, gar nichts zu wissen. Der Zimmermann sagte nur noch aus, daß, als er an jenem Morgen sich nebst seinem Gesellen unter das Volk gemischt, um etwaige Gerüchte zu vernehmen, und er gehört habe, wie der Tuchweber und der Bäcker laut den Schenkwitth der That bezichtigt hätten, ihm der Gedanke gekommen wäre, die Leute und daS Gericht bei dem Glauben zu erhalten, damit die Schuld von ihm abgewälzt werden möge. Das kleine Buch, so gestand der Geselle, habe er selbst, als der Wirth das Zimmer verlaffen, schnell in bie Labe gesteckt.
Natürlich setzte bad Gericht noch einen verborgenen Complicen voraus, und man kam auf ben Brief beS Cor- porals zurück. Hatte sein Hauptmann, bei welchem nachgefragt worben war, auch angegeben, daß bie« nicht bie Handschrift de« Rühler sei, so konnte er boch auf bie eine Ober andere Weise in ben Diebstahl verwickelt sein.
Mitten in die lebhafte Debatte des Richtet« und beS Bürgermeisters über alle möglichen unb unmöglichen Fälle dieses Handels, wurde Hanna gemeldet und sogleich vor- gHoffen; sie hatte vor Aufregung und Freude die ganze Nacht nicht geschlafen und kam nun mit der Unterschrift Rühlers von HechtingS Hand, und erzählte den staunenden Herren die ganze Begebenheit. Um wie viel mehr erstaunte aber sie selbst, als man ihr das am vorigen Tage stattgefundene Mittheilte, und der Bürgermeister ihr sagte, baß in dieser Stunde Nicola« Dazun aus seinen Befehl schon in Freiheit gesetzt worden sei.
Keine Minute duldete efl bafl junge Mäbchen länger in dem büftern Amtszimmer, sie wußte wohl, welche Richtung bes Geliebten Schritte nach seiner Freilassung nehmen würbe, und so warf sie ziemlich unehrerbietig ben Vätern bet Stabt den Zettel hin, und eilte im schnellsten Laufe nach Hause, um zu hören, ob Nicola« etwa dagewesen sei. Da« «ar nun nicht der Fall, und Frau Anbtecht suchte
Deutsches Reich.
•• Berlin, 9. Febr. Durch bie Reichsgesetzgebung ist eine Regelung ber Beamten Verhältnisse bewftht worben. Hicrburch würbe es nothwenbig, ben biefe Verhältnisse be- hanbelnben Abschnitt bet Allgemeinen Postbienst-Anweisung einer Umarbeitung zu unterziehen. Dieselbe war zu En^ geführt, als bie Vereinigung ber Post- und Telegraphen- Verwaltung gesetzlich geregelt ward. Diese Regelung bedingt nun eine neue Bearbeitung deS bezeichneten Abschnittes, welcher fortan bie Verhältnisse der Post- und Telegrapheu- Beamten gemeinsam umfassen muß. Da hierüber jedoch einige Zeit vergehen wird, so ist von dem General-Poftamte bie fertige Arbeit ben Postämtern übermittelt worben, zumal überdies bie großeMehrzahl ber Bestimmungen — namentlich bet grundsätzlichen — ohnehin gemeinsame Gültigkeit für bie Beamten beiber Verkehrs Anstalten besitzt. Die bei ben Dienstverhältnissen ber Telegraphen Beamten bestehenben Abweichungen werben in einem Anhänge nachgeliefert werden. Nach der Umarbeitung beS gedachten Abschnitte« bet Allgemeinen Postbienst-Anweisung hat unter Anderem bei der Vereidigung ber Schwörende nur eine Ausfertigung be« Diensteides zu vollziehen, welche zu den Akten kommt; hat ber Beamte bei seiner Verheirathung einen sogenannten Heiraths-Confens nicht nachzusuchen, haben bagegen Beamte, welche einer Wittwen-Versorgungs-Anstalt beizutreten verpflichtet sind, von ihrer bevorstehenden Verheirathung ber vorgesetzten Dienstbehörde Anzeige zu ctstallen; soll bei bet Entlassung von Militär-Anwärtern aus demj Postdienste eine nähere Angabe befl Grundes ber Entlassung auf bem Eivil-VersorgungSscheine nicht ausgeschlossen jein, damit den Betreffenden die Aussicht auf ein Unterkommen bei anderen Behörden nicht mehr erschwert wird, als dies den Umständen nach gerechtfertigt erscheint rc. rc. — In Folge einer Anfrage einer Ober-Postdirektion hat da« General-Postamt angeorbnet, daß Postjendungen, welche unter der Adresse verstorbener Personen eingehen, den Erben einMhändigt werden dürfen, wenn dieselben sich durch «in ^richtliche« Erbenzeugniß (Testament, gerichtlich« Erbbescheinigung rc.) legitirnirt Haden. ,,,4 '
Ausland. 'm
Wien, 9. Februar. Der VolkSwirthschaftliche Ausschuß deS Unterhauses hat bei Berathung der mit Rumänien abgeschlossenen Handelfl-Convention beschlossen, dem Hause einen Antrag zu empfehlen, welcher den Grundsatz aufl- spricht, daß Oesterreich auf den Rechten, die ihm aufl den mit bet Pforte geschloffenen Verträgen erwachsen seien, auch jetzt noch gegenüber Rumänien bestehe unb niemals hierauf verzichtet habe. Der HanbelSminister erklärte, baß bem Jubel bes MäbchenS einen Dämpfer aufzudrücken, indem sie versicherte, baß ein Mensch, welcher schon im Verbucht eines Diestahle« gestanben, nie unb nimmer die Hand ihrer Pflegetochter und Erbin erhalten würde. Herr LeederS habe ihr Wort unb würbe Hanna's Ehemann, möchten sich auch alle Schenkwirthe der Welt darüber zu Tode härmen. Sie könne in ihrer Familie nut einen unbescholtenen Menschen gebrauchen. Umsonst wandte Hanna unter entrüsteten Thränen ein, daß Jeder, auch der bravste Mensch einmal in falschen Verdacht kommen jinne, die Wittwe, welche durch bie Ereignisse ber Letztzelt, aus dein ruhigen Geleise ihres bisherigen Lebens in einen Strubel von Be gebenheiten geworfen worben war, welchen ihr bisheriges frieblicheS Dasein nicht gekannt hatte, sühfte sich gegen Jeden erbittert, ber in biefe Ereignisse verwickelt wat, und der atme NicolaS Dazun war nun einmal der Sündenbock geworden.
Dem Gericht gab übrigen« der Zettel von des taub» stummen HechtingS Hand viel zu denken, und gleich am Nachmittag ging ein Beamter mit seinem Schreiber hinan«, um des jungen Menschen Beschreibung hinsichtlich be« Manne«, welcher ihm ben Bries vorgelegt, zu vernehmen. Sein Meister, ber Einzige, welcher ihn vollkommen ver- ftonb, machte den Dolmetsch, allein, wie dies immer zu gehen pflegt, bie Aussage HechtingS paßte auf hundert der Einwohner unb man wat so klug wie zuvor, eS blieb nieberum Hanna beschieben, durch einen Zufall Aufklärung in bie Sache bringen zu können.
Da sie NicolaS nicht bei ihrer Pflegemutter ober sonst ia der Stabt sehen konnte, so suchte bo« Liebespaar einen andern Platz für ihre Zusammenkünfte, unb Hanna ließ also den Geliebten benachrichtigen, daß sie zu einer gewissen Stunde nach Bergen gehen und nach ihrem Schützling sehen werbe. NicolaS möge sich etwas später auf ben Weg machen unb sie von bdrt abholen.
So geschah e« auch, der Wirth kam wie durch Zufall