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Marburg, Donnerstag, 10. Februar 1876

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sich bald nachhaltig äußern..

Tagesbericht.

Deutsches Strich.

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wurden sie doch allgemein geglaubt. Nachdem sich aber nun die vollkommene Haltlosigkeit aller jener Kriegsbe- fürchtunzen und aller jener abenteuerlichen. Reibung«. und Compensantionsprojekte auf Kosten der Türkei herausgestellt hat und der Status quo unerschüttert bleibt, so wird der Einfluh dieser Thatsache hoffentlich aus Handel und Verkehr

6 falBtrlin, Frankfurt o.

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'den 10. d. erfolgen, es müßte denn die 'Berathung über die Strastzesetznovelle eine unerwartete Nertängerung erfahren, tz In dem am Sonnabend abgehaltenett Ministerrathe sind der „Nordd. Allg. Zig." zufolge die Gesetzentwürfe betreffs der Synodal »Ordnung und der Verwaltung des katholischen Diöcesan-Bermögens zur Berathung gekockmen. Der beabsichtigte Gesetzentwurf über die Abtretung der preußischen Staats Eisenbahnen an da« Reich soll dagegen noch nicht zur Erörterung gekommen sein. 1

Die Einverleibung Lauenburg« in Preußen soll nach dem dem Abgeordnetenhause demnächst vorzulegenden Ent­wurf am 1. Zuli erfolgen; Lauenburg tritt al- Kreis zur Provinz Schleswig - Holstein. Da« Gesummt - Vermögen geht auf Preußen über. ' '•

- Der ilatt Keiler.

,nc j , Lnminal-Rovelle von Julie Düngern. -

i v.-.u ' . (Fortsetzung.)

■ Al« Hanna in Sergen ankam, fand sie ihren Schütz­ling schon um Viele« besser, nut hatte der sorgsame Meister ihn noch im Belt« behalten. Er begrüßte herzlich seinen Schutzgeist, »ie er in seiner schwärmerischen Verehrung Hanna in seinem Innern nannte und heftete seine großen blauen.Augen mit fragendem Blicke auf sie, denn er hatte im ersten Moment erkannt, daß da« junge Mädchen in großer Bewegung sei, und etwa« von ihm zu erfahren wünsche. Hanna ergriff sogleich die Schiefertafel, welche stet« de« Taubstummen treuer Begleiter war, und schrieb darauf, ob Hechting nicht« von dem Briefe eine« gewissen Corpora!« Rühler wiffe. An dem heftigen Erröthen d?« jungen Menschen sah da« Mädchen ihren Verdacht sogleich bestätigt, und sie thetlte ihm nun in seiner Zeichensprache, welche fie auch gelernt hatte, da« Vorgefallene mit. Ein heftiger Kampf entspann sich in Hechtings Zügen, er war zu unbekannt mit der Welt und zu verschüchtert, um nicht da« Aergste für sich zu fürchten, tba der Gedanke an die Polizei in seiner Phantasie stet« mit Galgen und Rad verknüpft »ar, dennoch aber siegte seine Liebe zu Hanna, und er thetlte ihr theila schriftlich, theil« durch Zeichen mit, daß vor einigen Tagen ein Fremder zu ihm gekommen fei, gerade al« der Meister wegen Lederkauf in der Stadt und die Meisterin in der Waschküche beschäftigt wan Der Mann habe ihn durch Zeichen gebeten, mit ihm in da« Wirch-Hau« zu gehen, und dort einen Brief für ihn zu schreiben. Da diese- Ansinnen feiner schönen Handschrift

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gniieiw onu M'js orieütalische Frage. »umm-ff .-chl-rO. ■■ »V - .

.üijSDie Pforte hat ihre Berestwilligkeii erklärt, ans die .jh» von de« Vertret«« der sech« Garantiemächten empfohlenen Kef«mvorschläge einzugchem Dies Resultat war voran«- zusehen. ES war undenkbar, daß die Pforte sich mit den europäischen Großmächten in Conflikt setzen werde, zumal ida dieselben nicht« von ihr verlangten, wa« nicht längst bereit« zugestanvcu war, «ohne indessen bi« jetzt freilich zur Ausführung gekommen zu fein.

Die Schwierigkeit liegt jetzt darin, die Insurgenten zu

bewegen, die Waffen niederzulegen. Indessen »erben sie. schließlich den Vorstellungen der Mächte jedenfalls nach- geben. Nachdem die Pforte all« Forderungen den Insur­genten bewilligt und die Großmächte die Garantie der Durchführung übernommen haben, ist schwerlich daran zu zweifeln, daß die Pacifikation- nicht zu Stande kommen foüte. Denn wenn die Insurgenten die Waffen nicht nieder- legen sollten, so tonnte leicht der Fall eintreten, daß die Ostmächte oder wenigstens Oesterreich in ihrem Namen intervenirte und die Insurgenten zwänge, die Waffen nieder- zulegen. UebrigenS wäre die« gerade für die Insurgenten nicht durchaus ungünstig, weil unter der Autorität der österreichischen Regierung die Reformen am besten und nachhaltigsten durchgeführt werden tonnen.

Wichtiger aber noch als die locale Frage d« Reformen in Bosnien der Herzegowina ist daß Resultat Überhaupt st» Beziehung auf die Erhaltung des Frieden«. Rach dieser Seite wird diese Nachricht ganz besonder« werthvoll; denn e- beweist sich Nun wieder, daß die Allianz der drei Kaiser «ächte noch ganz besonders der Einfluß des deutschen Reiche« für Europa durchaus segensvoll ist. Es haben freilich sowohl englische al« auch französische Stimmen wiederholt die Behauptung ausgestellt, daß Deutschland, Rußland und Oesterreich an dn unteren Donau beschäftigen wolle, um selbst die Hände gegen Frankreich frei zu haben, während gerade die deutsche Reichörrgierung all ihren Ein­fluß ansgeboteu hat, um den Frieden zu erhalten und weit davon entfernt war, irgendwie kriegerischen Interessen Vor- fchnb M leisten.- ) - - 1 ; '

Ganz abgesehen davon, daß jede Veränderung an der unteren Donau^zu Gunsten Rußland« ober Oesterreichs eine Machtverschiedung in Europa zttr Folge haben würde und schon an- diesem Grunde der deutschen Regierung nicht genehm sein kann, so liegt e« ihr auch ganz vornehmlich am Herzen, mit Rücksicht auf die Handel«kristS den Frieden zu echaltea. . in i ■> ■ 1 ■

E« wird jckmfall« bk Entscheidung der Pforte in Konstantinopel nicht ohne Eindruck auf Handel und Ver­kehr bleiben. Die orientalische Frage liegt seit Jahresfrist al« ein heraufziehendes Gewitter in der Lust, sie hat nicht wenig dazu beigetragen, den europäischen Markt zu Der« stimmen und auf der Börse mit Centnerschwere gelegen. Wie wenig begründet auch die pessimistischen Auffassungen waren, welche fortgesetzt den Krieg in Sicht sahen, so

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— Berlin, 8. Febr Der Reichstag hat sich in seiner letzten Sitzung gegen die Wahl de« Krvll'schen Etablisse­ments für da« Reichstagsgebäude entschieden, obwohl der Kaiser, der Kronprinz- und der Reichskanzler sich dafür ausgesprochen hatten. Auch da« Terrain hinter dem provst sorischen ReichstagSgebLude, auf dem gegenwärtig bereit« die Vorbereitungen zu dem Bau für das Gewerbemuseum und die Gewerbeakademie stattfinden, ist nicht, wie eS be­antragt wurde, acceptirt worden, vielmehr eine Commission ernannt, welche wieder nach einem geeigneten Bauplatz sich umsehen soll, damit ist diese Angelegenheit ad calendaa J1" ■ SS .....' ■! ' = r-jT tz»

Wie erstaunt war aber da« Mädchen, als sie am an­deren Tage durch den Bürgermeister «fuhr, daß die Sache schon ohne ihr Zuthun am gestrigen Tage eine ganz andere Wendung genommen habe.

E« hatte nämlich ein Kaufmann an« der Stadt, welch« in der letzten Zeit, Geschäfte halb«, abwesend war, bei fein« Wiederkehr von d« fatalen Lage des SchenkwirtheS vernommen.

Schon in dem Postwagen, versicherte « dem Gerichte, habe er von der Geschichte gehört und dabei seine eigenen Gedanken gehabt, zu Hause angekommen, wo ihm noch Nähere« über den Diebstahl berichtet worden fei, wäre seine Vermuthung zur Gewißheit geworden, und « habe die ganze Nacht kein Auge zngethan, aus Angst, daß er mit seiner Eröffnung doch zu spät kommen und daS Verderben von dem Haupte eines Unschuldigen nicht mehr abzuwenden vermöge. Nach dieser etwa« weitschweifigen Vorrede, worin der Kaufmann, wie so manche andere Leute, mehr von seinen eigenen Gefühlen, al« von bet Sache selbst sprach, brachte er da«, wa« er wußte, zur Kenntniß der Obrigkeit.

Zu der Zeit, wo der Diebstahl bei d« Witwe Anbrecht vorgefallen fein mochte, habe er fich noch in der Stadt befunden, al« sich b« Zimmermann Gebhardt bei ihm melden ließ, und vorgelaffen, den Kaufmann «suchte, ihm feinen Kahn für ein paar Nächte zu leihen, « würde ihn Morgen« in aller Frühe wieder an feinen Platz liefern. Als der Kaufmann ihm entgegnete, daß er ansehnliche Ab- liefetungen zu machen habe und da« Fahrzeug also jeden- falls am Morgen wieder haben müsse, so könne n nicht begreifen, wa« Gebhardt für ein Gefallen geschähe, wenn

Die ReichSeisenbahnfrage ist in letzter Zeit nicht weit« gefördert worden; die Ursache davon ist lediglich in dem anhaltenden Unwohlsein des Reichskanzler- zu suchen. Eine Aendernng in Beziehung auf die Auffassung der Frage in maßgebenden Kreisen ist durchaus nicht vorgegangen. Nach wie vor ist man in denselben von der Nothwendigkeit d« Durchführung dieser Angelegenheit durchaus überzeugt ustd auch in den Kreisen der Abgeordneten gewinnt sie fort während an Zustimmung. Uebrigens sollen auch einzelne Mittelstaaten ihre Opposition gegen das Project aufgeben. Namentlich heißt es von der badischen Regierung, daß sie keineswegs mehr so abgeneigt sei, ihr Staatsbahnnetz an das Reich zu verkaufen. Der Verkauf von Seiten Badens würde auch das Schicksal der hessischen Bahnen entscheiden, so daß also dann nur Sachsen, Würtemberg und Baiern übrig bleiben dürften.

Auf der letzten Soiree beim Reichskanzler Fürsten Bis marck waren die Mitglieder de« Reichstages zahlreich er schienen. Von den Ministern waren die Herren Dr. Del brück, Dr. Falk und Dr. Achenbach anwesend. Mit Rück­sicht auf die immer noch nicht befestigte Gesundheit des Herrn Reichskanzlers trennte sich indessen die Gesellschaft etwa« früher, als e« sonst wohl zu geschehen pflegt.

Der BundeSrath wird in nächster Zeit zu einer Ple­narsitzung zusammentreten, um über den Kafernirungsplan zu bergthen. ....... .’ n: 3.. . .1 r.5

Da die Entwürfe über den Rechnungshof des deutschen Reiches, sowie über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben desselben nicht mehr zur Berathung kommen können, so wird noch einstweilen die Controle des ReichS- budgetS durch die preußische Oberrechnungskammer ausge führt werden.

Von dem Abgeordneten Dr. Völk ist ein von 138 Mit gliedern der nationalliberalen und der deutschen Reichspartei unterstützter Antrag eingegangen, den § 130a der Straf­gesetznovelle (Kanzelparagraph) in dn Regierungsvorlage wieder herzustellen.

Zur Beerdigung der verstorbenen Gattin des Präsiden­ten v. Forckenbeck sind von Seiten des Bureau« des Reichs­tages die Schriftführer Frhr. v. Soden, Dr. Weigel und Wölfel, Seitens der nationalliberalen Partei die Abgeord­neten v. Winter, Dr. Buhl, Dr. Dohm und Koch (Braun­schweig) nach Breslau gereift. ■ ---- —

Der Schluß des Reichstages, der am 12. d. in Aus­sicht genommen war, wird wahrscheinlich schön am Donnerstag, wegen sehr oft an Hechting gestellt wurde, fand derselbe dabei nichts Arges, der Fremde ließ eine Flasche guten WeineS kommen, schenkte dsm Jüngling tüchtig ein, und dictirte demselben den Bries, welchen das Gericht «halten hatte. Nur bei der Adresse: „An den Herrn von Ree«, Bürgermeister," zauderte Hechting und ließ fich endlich nur durch die dringendsten Bitten und Zeichen des Fremden bewegen. AlS er fertig, erhielt er einen Gulden, und beide verließen daS WirthShauS.

Auf Hanna'S Fragen, ob er den Mann wied« «kennen würde, nickte Hechting bejahend, und da« Mädchen verließ ihn, nachdem er auf ihr Verlangen noch auf ein Blatt Papier „Josef Christian Rühler" geschrieben hatte, damit dem Richter die gleiche Handschrift vorgezkigt werven könne. DaS Mädchen schärfte ihrem Schützling noch ein, bei dem ersten Rufe, welchen sie an ihn ergehen lasse, in die Stadt zu kommen und Zeugniß abzulegen, und obwohl dem armen Jungen daS Herz vor all' den unbekannten Schrecknissen erzitterte, womit in seiner Phantasie die Bekanntschaft mit der Polizei verbunden war, so sagte er doch fest zu, und Hanna konnte leichteren Herzen« zur Stadt zurück eilen, al« wie sie hergekommen war.

Es war spät am Abende, al« sie wieder eintraf und sie konnte e« nicht mehr wogen, den Bürgermeister ober das Gericht zu belästigen, aber sie hatte sich durch aller­hand Geschenke die Zuneigung der Frau de« Gefängniß- wirterS erworben, und diese erklärte sich bereit, noch an demselben Abend dem Gefangenen ein offenes Zettelchen mit der trostreichen Meldung, daß Alle« sich zum Guten wende, zu überbringen.

üvtSrfcheint täglich «ufjei tat Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JlluftrtrteS SonutagSskatt^ durch die tSrpebittori (Koch'scha a-f.iä I, »nMüru«erei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (exl. Bestellgebühr). - hnsertionsgebichr fitr die gespaltene Zette 10 Psg.

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- «• N** Anzeigen nimmt entgegen:

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Die Agrari« haben vor lüirzem ein Parteiprogramm veröffentlicht, in welchem fie unter anderem auch im Eisen­bahnwesen die Forderung stellten, daß an Stelle des Pri­vatbetriebes ein billiger, ledenssichner Staatsbetrieb mit Beseitigung aller Differenzialtarffe eintritt. Zweigbahnen zu bauen bleibt den kommunalen Verbänden überlassen, wozu au« Staatsfonds, wie beim Chansieebau, Verhältnis' mäßige Prämien pro Meile zu gewähren find.

Der sächsische Landtag ist aus den 21. d. «iedrreinbe» rufen worden. <'■/? ,r’

Der Cardinal LedochowSkl, der während srfneS Aufent­halte« in Berlin bei dem Prinzen Edmund Radziwill logirte, hat sich zunächst über Prag nach Ungarisch-Hradisch in Mähren zu feinem Bruder begeben. In Prag besuchte rhn der Cardinal Fürst Schwarzenberg und Mitglieder de«, böhmischen Adels. Von Ungarisch - Hradisch wird « rnkt seinem Brud«, dem kaiserlichen Kämmer« Grafen Anton LedochowSki, sich nach Wien begeben und von dort-nach kurzem Aufenthalte nach Rom. In Wien beabsichtigt der polnische Club dem Cardinal eine Adresse zu überreichen.

Eine den französischen Zeitungen zugegangene amtliche Mittheilung bezeichnet die umlaufenden Gerüchte über an­gebliche Mvbilistrnng eines Armeecorp« zu Manöverzwecken al« jeder Begründung entbehrend und fügt hinzu, jene' Gerüchtt seien offenbar lediglich in speculatiy« Absicht er­funden; bat Zeitungen, welche die G«üchte perbreitet hätten, stche gerichtliche Verfolgung in Aussicht.

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Aiyetgen nimmt entgegen: .

die Erpedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux ■ * Im von Th. Dietrich & C». i» ■ ■ jj «affet und Hannover; Th. I |M Lietrich in grantfirt «■ SR.; " ■ M W Haasenstein & Bogle» «»'Ot I 1

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